Danke. Zu meinem letzten Post habe ich unerwarteterweise ein paar tolle Kommentare bekommen. Von Menschen, die weiter lesen wollen. Die selbst noch schreiben. Oder sogar wieder einen Blog eröffnen, so wie Sunshine. Dass hier eine Person ist, die schon mit 12 auf Blogger mitgelesen hat und jetzt 19 ist, so alt wie ich, als ich hier anfing, ist irgendwie unglaublich! Jemand schrieb mir schon letztes Jahr zu meinem Abschiedspost: „Ich bin mit deinem Blog erwachsen geworden. Du hast mein Leben verändert.“ Das hat mich damals zum Weinen gebracht und treibt mir schon wieder die Tränchen in die Augen. Ich bin eben doch tief im Innersten etwas sentimental.
Ihr habt mir gezeigt: Ich bin frei hier zu schreiben, egal, wer noch da ist und wer nicht. Jedes Lesen zählt. Es geht darum, sich alles von der Seele zu schreiben und Menschen zu finden, die zuhören. Hier zählt es gerade nicht, wie viele Follows wir haben. Überall sonst ist das für mich inzwischen wichtig. Klicks, Reichweite, Öffnungsraten, Conversions, von zahlenden Kund*innen hängt meine Existenz da draußen ab. Neben allem, was ich an meiner Arbeit liebe, möchte ich ihr doch oft entfliehen – der Aufmerksamkeitsökonomie. The Social Dilemma auf Netflix ist sicherlich etwas überdramatisiert. Aber niemand kann leugnen, dass sich das Internet in den letzten acht Jahren rasant und stark verändert hat.
Damit umgehen zu lernen ist nicht leicht. Alles dreht sich manchmal viel zu schnell, gerade in dieser Zeit, die wenig Reize von außen bietet. Von draußen! Einmal bin ich ganz bewusst und achtsam spazieren gegangen. Und dann wurde mir plötzlich bewusst, dass ich mich in der physischen Welt befinde, der Welt zum Anfassen. Ich habe Blumen und Blätter und das Gras berührt. In den Himmel geschaut und immer weiter und weiter geguckt, ohne Bildschirmrand drumherum. Ich habe den Vögeln zugehört, gespürt, wie eine Taube nah an mir vorbei flog, den Wind wahrgenommen.
Das ist schon ein bisschen her. Zu Beginn des Frühlings. Heute kommt mir dieser Moment fast albern vor. Jetzt spüre ich ja auch gerade den Wind an den Füßen, der zum Fenster hereinweht. Ich habe aber auch einige Maßnahmen getroffen, die mich wieder ins Hier und Jetzt zurückholen. Und doch verliere ich mich manchmal wieder in den Problemen und Diskussionen anderer Leute, vergesse ich meine Prioritäten und fühle die Panik einer anderen. Das ist doch verrückt, wie man die Gefühle anderer Leute auf sich selbst projizieren kann? Ich verhalte mich doch gar nicht so, mir ist so was auch noch nie passiert, wovor also sollte ich Angst haben?
Ich liebe es gerade so sehr, wie ich mich in meinen Gedanken verliere, Assoziation für Assoziation einfach weiter schreibe. Das fehlt. Du schreibst einfach anders, sobald mehr als 1000 Leute dir auf die Finger schauen. Immer im Kopf, welche Gruppe was wie interpretieren könnte. Fragst dich, wie du gleichzeitig korrekte Formulierungen verwenden und dich verständlich machen kannst. Löschst Hate löschst Hate löschst Hate. Und kein Fehler wird dir verziehen. Und die Diskussionskultur kann nicht kritisiert werden, weil irgendwelche Leute dieses mal konstruktive Instrument des Kritisierens für ihre Zwecke missbrauchen, um sich selbst darzustellen und von den eigenen Fehltritten abzulenken. Manchmal fühle ich mich wie im Kindergarten und keine Gruppe ist besser als die andere. Aber ich vielleicht auch nicht. Es ist kompliziert.
Ich bin also hier. Vor über vier Jahren habe ich einen Post über die zwei Welten geteilt, den ich für euch wieder auf öffentlich gestellt habe. Ich fühlte mich zwischen den Welten und obwohl ich wenig später Zutritt zu einer der kleinen Welten erhielt, spürte ich bald, dass ich nicht passte, die Codes nicht kannte und mich auch niemand in sie einführte – sodass diese Welt mich bald ghostete. Jetzt merke ich, dass sich innerhalb der kleinen Welten noch kleinere Welten befinden und darin womöglich noch winzigere, fein säuberlich in Schubladen sortiert. Und ich passe wieder nicht! Jede Definition fühlt sich zu eng an, jedes Label beschränkt.
Hier, in der Blogger-Welt, sind wir alle kleine Welten. Natürlich passt es nicht mit allen. Und doch hatte ich hier zum ersten und einzigen Mal das Gefühl, einer Gemeinschaft, einer „Community“ anzugehören, Teil einer Gruppe zu sein, in der ich einen Platz habe. Nichts verpflichtet mich, hier zu sein oder in einer bestimmten Regelmäßigkeit zu posten. So viele andere sind einfach wortlos verschwunden. Doch jedes Mal, wenn ich schreibe, ist jemand hier. Liest jemand mit. Schreibt mir ein paar Worte. Jeder Blog ist ein eigenes kleines Universum, in dem wir die Regeln schreiben. Wen wir in unserer Leseliste haben, wessen Postings wir wann sehen, bestimmt hier kein Algorithmus. Auch wenn das ziemlich oldschool ist und wir immer noch eine Google-Plattform nutzen...
Ich werde hier sein, so lange und so oft ich möchte. Nichts versprechen und versuchen, nicht mehr so viel über verschwundene Blogger*innen zu meckern. :D
Und ich freue mich über dich, weil du das hier immer noch liest. Danke! Und sollte ich mich doch wieder einmal länger nicht melden, erreichst du mich immer unter elfentrauma@web.de. 💖