Donnerstag, 19. September 2013

Geldsucht


Ein Teil meines Lebens läuft gerade richtig gut. Der Wohnortswechsel, die Entfernung zu meiner "Familie" und die neuen Leute tun mir sehr gut. Die eine, die mich versteht, zusammensitzen, reden, die Zeit vergessen. Nachtaktivität. Großstadt. Veränderung. Bald fängt das Studium an.
Aber es gibt auch noch den anderen Teil, der, auch wenn er es nicht zugeben möchte, ein bisschen Hilfe gut gebrauchen könnte. Nur, was, wenn niemand hilft?
Was ich sagen will: Ich habe die ganze lange Liste mit Therapeuten, die ich von der Beratungsstelle bekommen habe, durchtelefoniert. Ich stehe auf keiner Warteliste und ich habe auch keine weiteren Probetermine bekommen außer den zwei verpatzten. (Nein, die von gestern gibt mir keine zweite Chance). Kein Platz für mich. Das Ding ist: Hätte ich mir für eine Stunde 80 € aus dem Kreuz geleiert, hätte es überhaupt kein Problem gegeben. Geld macht alles möglich.
Da sagt einem ständig jeder, dass man nur selbst Hilfe wollen muss, dann wäre es ganz leicht. Man müsse sich nur um sich kümmern.
Ich will Hilfe, ich suche sie und kümmere mich darum. Aber ich bekomme keine.
Das macht mich so wütend! Dass sich alles nur ums Geld dreht. Wäre ich Privatpatient oder hätte wahnsinnig viel Kohle, würde man mir die Therapieplätze wahrscheinlich hinterher werfen.
Die Beratungsstelle kostet Geld. Die regelmäßigen Gruppenangebote kosten Geld. Mein Studium kostet Geld. Meine Wohnung kostet zu viel Geld. Ich habe kein Geld.
Ich verstehe jetzt, warum so viele aufgeben. Ich bin manchmal auch ganz nah dran, aufzugeben. Nein, nicht was ihr jetzt vielleicht denkt. Ich würde mich niemals umbringen oder so. Dafür bin ich dann doch schon zu weit gekommen. Aber aufgeben heißt für mich auch, mich gehen zu lassen. Mir selbst zu schaden. Weiter mit dem Fressen und Kotzen zu machen. Oder mich einfach nur aus Protest wieder stärker darum zu bemühen, abzunehmen. Nicht mehr vor die Tür zu gehen. Den ganzen Tag im Bett zu bleiben. Mich um gar nichts mehr zu kümmern. Die Mir-ist-alles-egal-Haltung einnehmen.
Obwohl es mir so gut geht, merke ich doch, dass ich mal wieder mit jemandem reden sollte. Und zwar ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Also jemanden, der neutral ist.
Ich bin so wütend und enttäuscht!
In letzter Zeit ist der Drang, mich zu verletzen so verdammt hoch. Heute morgen habe ich mich beim Rasieren geschnitten, es war ein Versehen, und es wollte nicht aufhören zu bluten. Das hat mich irgendwie daran erinnert, wie Ritzen ist. Dazu muss ich sagen, dass ich es wirklich lange nicht mehr gemacht habe. Zwei Jahre, glaube ich. Ich will das Blut sehen und ich schäme mich dafür. Ich. Darf. Nicht.
Vielleicht liegt es daran, dass es mir körperlich jetzt wieder ganz gut ging. (?)
Heute habe endlich wieder Abführmittel bekommen. Ich weiß, dass das nicht gut ist, aber die werden mich davon ablenken. Sind ja höllische Schmerzen. Ich muss die nehmen, denn irgendwann muss es ja mal raus, wenn ihr versteht was ich meine.
Ich dachte immer, Essstörungen wären einfach eine "normalere" Krankheit, die auch "normale" Mädchen haben. Die man besser versteht. Die bemerkt und gesehen wird. Die zu Sorge um mich führt. Die nach außen zeigt, wie schlecht es mir geht. Oder wie schlecht ich mir immer einbilde, dass es mir geht. Das ist so respektlos denen gegenüber, denen es wirklich schlecht geht, das tut mir leid.
Deshalb jedenfalls habe ich die Essstörung "gewählt".  Aber was ich damit erreichen wollte, das ist ja so sinnlos, das bringt überhaupt nichts, weil es einfach niemanden gibt in meinem Leben, der mich sieht.
Und Essstörungen sind einfach nur eklig. Und auf Verständnis kann man lange warten, schließlich hat man es ja selbst so gewollt.
Ich weiß nicht mehr weiter.
Jetzt habe ich auch keine Lust mehr, weiterzumachen, weiter zu suchen, mich zu kümmern. Wozu? Mich will ja doch keiner. Bitte, dann will ich auch nicht mehr gesund werden. Das klingt jetzt trotzig und kindisch, aber genauso ist es doch überall. Überall Gier und Geldsucht. Haben wollen, haben wollen. Nur darum geht es. Ganz allein darum. Traurig.


Montag, 16. September 2013

Die böse Hoffnung

Gerade läuft einfach alles ganz gut. Ich komme an, langsam, aber sicher. Ich fühle mich wohl und manchmal überrollt mich sogar eine ganze Welle von ... Freude ist nicht das richtige Wort ... aber in die Richtung geht es, so ungefähr. Ein Stückchen Hoffnung auf ein nicht völlig normales, aber zumindest besseres Leben als bisher keimt allmählich auf. Und mit ihm der drängelnde Gedanke, dass das ganz von alleine geht.
Wenn Hoffnung nur nicht so etwas Gefährliches wäre. Wo Hoffnung ist, riecht es immer auch ein wenig nach Enttäuschung. Und damit ergibt sich der Kreislauf: Hoffnung. Enttäuschung. Hoffnung. Enttäuschung.
Diese Stimmungsschwankungen sind daran das Schlimmste. Ideal wäre natürlich, wenn es einem fast durchgängig gut ginge. Aber sich permanent schlecht zu fühlen, ist immer noch besser, als ständig diesen Wechsel zu durchleben. Das ist nur mein Empfinden und es ist rücksichtslos gegenüber den Menschen, denen es WIRKLICH schlecht geht.
Man kann sich das vorstellen wie die umgekehrte Schwingungskurve eines Pendels. Je besser die schönen Erlebnisse werden, desto weiter geht es abwärts beim nächsten Stimmungswechsel.
Das ist komisch, denn die Bilanz ist am Ende die Gleiche. Dabei sagen doch immer alle, man solle sich die "schönen Dinge im Leben" bewusst machen. Ich bin mir nicht sicher, ob das immer der richtige Weg ist. Nein, ich weiß überhaupt nicht, was richtig ist. Meine Meinung dazu ändert sich ständig.
Im einen Moment denke ich, dass es so in Ordnung kommt, ich keine Hilfe brauche und mich aus jeder Scheiße heraus holen kann, allein, da seht ihr, habe ich doch gleich gesagt, wenn ich was will, dann kann ich das, Punkt aus. Und dann rutsche ich selbstgefällig und zufrieden in die Tiefe. Bitte. Ich brauche niemanden. Bis ich wieder anfange, in Selbstmitleid zu versinken, und mich beklage, dass ich so einsam bin, obwohl ich doch gar nicht allein bin. Und dann verstehe ich nicht, wie das passieren konnte. Sehe keinen Grund, denn es gibt keinen. Es geht mir doch GUT! Was ist verdammt nochmal los, dass ich machen kann was ich will und am Ende wieder falsch liege? Ist das sowas wie mein Schicksal? Warum? Warum kann es nicht einfach nur einmal so weitergehen, wie es gerade ist?
Sobald ich anfange, mich an die eine Situation zu gewöhnen, lande ich - klatsch - wieder in der anderen.
Jedenfalls wird es nicht langweilig.
Ich merke aber auch, dass ich die Dinge anstoßen kann. Ich kann Verabredungen und Aktivitäten organisieren, das ist jetzt nicht mehr weiter schwer und zu fast jeder Zeit möglich.
Trotzdem gibt es immer und unumgänglich Zeiten, in denen ich allein mit mir fertig werden muss. Naja, das sowieso. Es gibt niemanden, mit dem ich "darüber" so richtig reden kann. (Will ich das denn?) Ich kann mich nur ablenken. Und das klappt ganz gut, ist aber eben nur begrenzt möglich.
Irgendetwas fehlt mir manchmal sehr. Ich weiß nicht, was genau das ist. Was die Sache nicht gerade erleichtert.
Ich verfange mich nur dauernd in meinen Gedankenkarussells und kann nicht schlafen und warte auf das Morgengrauen. Auch wenn alles gut läuft, ist da oben niemals Ruhe.
Bestenfalls kann man sich auf Geflüster einigen mit den ständigen Begleitern Zweifel, Angst und Hass.
Ich ärgere mich darüber, dass ich mich nicht darüber freuen kann, dass es mir gut geht. Das versalzt die Suppe gründlich. Das ist der Punkt, an dem die Hoffnung von der Enttäuschung erstickt wird.
Aber ich kann mich nicht beklagen. :)

Sonntag, 15. September 2013

Nachtschwärmerei

Nun dauert es nicht mehr lange bis es hell wird und ich kann endlich unter die warme Bettdecke schlüpfen. Manchmal wundert mich, dass selbst endlose Nächte doch immer wieder ein Ende haben. An diesem Sonntagmorgen liegen zwei dieser ganz besonderen Nächte hinter mir.
In Gedanken lasse ich die Zeit rückwärts laufen. Gehe rückwärts aus der Tür hinaus und sitze wieder in der S-Bahn. Lasse den Obdachlosen mit seiner Zeitung rückwärts durch den Gang trotten. Die Schlange am Coffee Shop wieder länger werden. Zurück in der fremden Wohnung mit dem lauten Gelächter über schlagfertige Antworten und schlechte Witze. Schüsseln mit Spaghetti auf dem Schoß. Der widerliche Kräuterschnaps fließt zurück in sein Fläschchen. Der nervige Typ neben mir, der mit zunehmender Trunkenheit immer ausschweifender aus seinem Leben, das ihn so unzufrieden macht, erzählt, wird wieder ruhiger.
Zurück auf der Straße, scherzend über den Jungen, der versucht, sich an den Weg zu seiner Wohnung zu erinnern. Meine quengelnde Stimme, die "Ist es noch weit?" fragt, sonderbar, die Worte rückwärts zu hören. Wieder im Irish Pub mit der müden Bedienung, in dem wir beschlossen, uns vom Jüngsten der Runde (diesmal nicht ich) bekochen zu lassen.
Zurück in der gemütlichen Shisha-Bar, in der alles anfing. Der Rauch in lila, grün und gelb angestrahlt. Cocktails mit Tequila. Ich darf einen Blick hinter die scheinbar so oberflächliche Fassade dieses offen-ausgeflippten Mädchens werfen, entdecke einen Abgrund während des tiefgründigen Gesprächs. Ich spüre einen Hauch des Schmerzes, der viel größer sein muss als meiner. Ich bewundere die Stärke. Und ich bin so froh, dass so "normale" Menschen, denen man es gar nicht ansieht, ein bisschen mehr wie ich sind.
In der Nacht davor konnte ich das umgekehrte Phänomen bei einer anderen erleben. Ich kenne die Hintergründe und Abgründe, den Schmerz und den Kampf. Und nur durch dieses Wissen erschien es mir ein wenig grotesk, was ich sah. Ich konnte nicht unterscheiden zwischen dem in jedem Fall da gewesenen ehrlichen und aufrichtigen Auftreten von Freude und Glück und dem vielleicht schwierigen, aufgesetzten, erzwungenen. Ich konnte es nur erahnen. Und ohne das Vorwissen hätte ich wohl einen ganz anderen Menschen kennengelernt.
So schön alles sein kann, die Sache mit der Maske ist immer präsent. Ob nicht jeder eine Maske trägt? Man kann es nie genau wissen, weil man es nicht überprüfen kann. Einige Masken sind einfach zu perfektioniert.
Und dann sitze ich in der S-Bahn auf dem Weg nach Hause und beobachte die Menschen und versuche zu erraten, was hinter den leeren, manchmal ausdruckslosen Gesichtern vor sich geht. Sie lesen, schreiben, zeichnen, schlafen, reden, trinken Kaffee oder hören Musik. Man weiß nie, welche Gedanken dahinter stecken. So kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen und sich für jeden eine Geschichte ausdenken. Gerade nachts hat das seinen besonderen Reiz.
Nun ist es tatsächlich hell geworden. Damit entlasse ich euch in den Tag und mich in den Schlaf. :)

Samstag, 14. September 2013

Gute Zeichen?

Der Wohnortswechsel ist auf jeden Fall ein großer Vorteil. Auch wenn natürlich nicht plötzlich alles gut ist, so wie man sich das manchmal vorgestellt hat. Es gibt nichts, das ich vermisse. Vieles ist beim Alten geblieben. Eine wichtige Veränderung ist, dass es hier soviel einfacher ist, Menschen kennenzulernen. Es ist wahr, dass man sich in den Großstädten oft einsam fühlt. Aber man ist definitiv selten allein. Für mich ist das schon ein Gewinn. Obwohl ich mich häufig freiwillig zurückziehe und niemanden sehen will, fällt mir das Alleinsein doch schwer.
Hier tauche ich also ein in diese nachtaktive Welt und treffe auf die unterschiedlichsten Leben. Alle schwärmen sie herum auf der Suche nach Intensität. Tauschen ihre Philosophien aus und die ganz harten Fakten des Alltags.
Ich habe aber Angst, diese Freiheiten wieder zu verlieren. Wenn ich in die WG ziehe, in ein paar Monaten, in denen ich mich an diese Freiheit gewöhnen könnte. Vielleicht ändert sich an den äußeren Umständen nicht so viel. Aber bestimmt an den engeren, inneren.
Und ich frage mich sogar, ob ich es nicht doch allein hinbekomme. Wenn ich es wirklich will, sollte ich das doch auch schaffen. Wenn sowieso alles auf meiner  Freiwilligkeit beruht...
Die nächste Frage ist dann: Warum höre ich aber nicht einfach auf damit? Weil ich nicht aufhören will? Oder es nicht kann? Ich will nicht. Aber könnte ich? Ich will es nicht ausprobieren. Aber warum nicht? Wenn ich doch davon loskommen möchte? Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur, wie ich mich dann fühle, danach, wenn ich es getan habe. Weil ich es wollte, weil ich fressen und kotzen WOLLTE. Erst im Nachhinein, wenn ich müde in einer Ecke auf dem Boden hocke und heulen könnte und so unendlich wütend auf mich selbst bin, bereue ich es und denke, dass ich das nicht mehr will.
Allerdings halten diese Gedanken nicht lange an. Spätestens wenn ich wieder im Supermarkt stehe und meine Finger in meinen leeren, von Hunger schmerzenden Magen kralle. Es fühlt sich immer schlecht an. Egal ob ich faste oder esse oder fresse oder kotze oder Abführmittel schlucke. Ganz egal. Es gibt keinen Idealzustand. Das macht einen Kreislauf ja aus. Und das ist es. Ein Teufelskreis.

Donnerstag, 12. September 2013

Hexenküche

Bevor ich an meinem Post zum Thema Angst weiterarbeite, muss ich hier noch einen sehr angsteinflößenden Tagebucheintrag zwischenschieben. Heute Nachmittag hatte ich ja wie gesagt einen Termin zum Vorgespräch bei einer Therapeutin. Nun, statt einer Praxis betrat ich eine stark parfümierte, dunkle Hexenküche und begegnete dort einer gruseligen alten Hexe. Die Hexenküche war auch entsprechend eingerichtet. Das einzige, was noch fehlte, war eine Zauberkugel. Hatte ich versehentlich das Zelt einer Wahrsagerin aufgesucht?
"Haben Sie Ihre vorigen Sitzungen sitzend oder liegend verbracht?", krächzte die Hexe, nachdem ihr Schweigen mir kaum Worte entlocken konnte. 
"WAS?!" Meine Augen weiteten sich von Handtellergröße auf Suppentellergröße.
Bereits nach zehn Minuten ergriff ich die Flucht. Die Tür rauschte knarzend hinter mir ins Schloss, während ich eilig die Stufen hinunter polterte. 
Luft. Atmen. Ich war heil aus dieser kleinen Hölle entkommen. In panischer Hektik rannte ich zur nächsten U-Bahn-Station, wo ich mich dann langsam von dem Schrecken erholte.
Wäre das meine erste Begegnung mit einer Psychologin gewesen, würde ich nie im Leben je wieder freiwillig einen Fuß in so eine Psycho-Praxis setzen. Ich habe schon Angst vor der nächsten ...

Mittwoch, 11. September 2013

Essstörung, auf Wiedersehen! ?

Ich habe gerade einen Anruf erhalten. Von der WG für Essgestörte, bei der ich mich vor einigen Wochen beworben habe. Es war eine Zusage. Ich kann dort einziehen, sobald die Finanzierung mit den Ämtern geklärt ist. Was ich jetzt denke?
Zuerst war ich froh, dass sie mich nehmen und nicht sagen, ich sei nicht krank genug. Das hatte ich nämlich befürchtet. Dann geriet ich etwas in Panik: Oh mein Gott, jetzt haben die mich wirklich genommen. Ist das jetzt gut oder schlecht? War das nicht eine Schnapsidee? Die Entscheidung habe ich allein getroffen. Aber ich weiß, dass ich nicht zu 100% dahinter stehe. Was habe ich mir da nur eingebrockt? Aber so wie jetzt kann es ja auch nicht weitergehen.
Dann spürte ich noch einen Hauch von Erleichterung darüber, dass ich vielleicht nicht für immer einsam und allein vor mich hin vegetieren muss.
Ich habe ja noch etwas Zeit, darüber nachzudenken, denn diese ganze Antragsgeschichte kann dauern.
Jetzt bin ich sogar ein wenig wacher, obwohl ich beschlossen habe, den heutigen Tag im Bett zu verbringen. Es bringt ja nichts, sich von einem Tag zum anderen zu schleppen, wenn man sich krank fühlt. Ich kuriere mich aus und starte ab morgen wieder durch.
Was für eine faule Ausrede dafür, dass ich mich doch wieder nur vor der nächsten Aufgabe drücken, alles wichtige vor mir her schieben und faulenzen will. Das kann ich am besten. Und nichts weiter.
Könnte ich mich schon wieder ...
Ich bin sowas von nicht lebensfähig. Warum steh ich nicht einfach auf und kümmere mich um meine Angelegenheiten? Warum kann ich das denn nicht? Das will mir nicht in den Kopf. Ich weiß selbst nicht, was so schlimm daran ist. Sind alles völlig normale Dinge! Ich verstehe es nicht, und niemand versteht es.
Jedenfalls habe ich mir, so irrsinnig das jetzt auch erscheinen mag, vorgenommen, heute wenigstens nichts zu essen. Wenigstens das zu schaffen. Wenn man krank ist, hat man keinen Appetit. Punkt.
Aber ich sehe es schon kommen, dass es bei mir anders aussieht. So wie in letzter Zeit kann es auf keinen Fall weitergehen. Und wenn ich einmal anfange zu essen ...
Das ist ein böser Teufelskreis. Eins ersetzt das andere. Irgendwas ist immer. Für immer. (?)

Dienstag, 10. September 2013

JammerLaberei

Heute ist so ein Tag, an dem ich mich einfach für nichts entscheiden kann. Und letztendlich nichts mache.
Ich kann mich nicht mal entscheiden, über was ich gerade schreiben will, obwohl ich einige Ideen habe. Ich bin heute zu gar nichts in der Lage. Deshalb wird dieser Post wohl ziemlich inhaltslos bleiben. Ich will immer wieder aufstehen und was tun, aber dann bleibe ich einfach sitzen, ziehe mir die nächste Folge scrubs rein, weil ich dabei nicht denken, sondern einfach nur geradeaus starren muss. Pause.
Heute fällt es mir schwer, mehrere Sätze am Stück zu schreiben. Ich glaube, ich werde krank. Und ja ich weiß, ich bin ein schrecklicher Jammerlappen, wenn ich krank werde. Ich habe Halsschmerzen und Schnupfen und Ohrenschmerzen und ganz hässlich angeschwollene Speicheldrüsen von der Kotzerei. Ich sehe aus wie ein Hamster. Dabei war es die letzten Tage eigentlich gar nicht soo schlimm. :(
Hoffentlich geht diese Antriebslosigkeit bald wieder vorbei. Ich habe eigentlich noch genug zu tun! Stattdessen hocke ich in eine Decke gewickelt in meinem Zimmer, blase Trübsal und warte auf ein Wunder. Meinen Mitbewohnern gehe ich beständig aus dem Weg. Ich habe Angst, sie könnten etwas von meiner Essstörung mitbekommen, oder allgemein von mir und meiner Verrücktheit. Alleine wohnen hat wirklich seine Vorteile.
Jetzt bekomme ich endlich etwas Kontakt zu ein paar Leuten und schon sage ich die Treffen ab, weil ich irgendwie gerade doch niemanden sehen will. Keine Lust, mich zu verstellen.
Der Himmel ist ganz grau und es ist den ganzen Tag dunkel. Der Sommer ist vorbei und es wird langsam Herbst und danach dann Winter. Ich hasse es. Ich hasse die Kälte und die Dunkelheit, die kahlen Bäume und die stummen Vögel, die gehetzten Seelen, den Schneematsch, die Feuchtigkeit, die trostlose Leere.
Bevor ich hier in meinem eigenen Selbstmitleid ertrinke, gebe ich mir lieber einen Ruck und gehe wenigstens etwas einkaufen.
Oh Schokolade, du, meine Retterin!


Montag, 9. September 2013

Wieder in ein Loch gefallen

Nachdem es mir gestern Nacht noch ziemlich schlecht ging, habe ich mir heute mal die Liste mit Therapeuten geschnappt und durchtelefoniert. Ich bin schon fast verzweifelt, weil alle, die ich persönlich am Telefon hatte, keinen Platz für mich hatten, und ich mindestens 100 Anrufbeantworter besprochen habe. Aber gerade eben hat eine Therapeutin zurückgerufen und mir direkt für diese Woche einen Termin gegeben.
Irgendetwas muss jetzt passieren, damit ich je wieder aus diesem Depri-Loch herauskomme.
Ich möchte euch eine kleine Geschichte erzählen, die ich vor ein paar Wochen geschrieben habe, nachdem ich in der Therapie beschreiben sollte, wie es sich in dem "Loch" so anfühlt, und mir mal wieder die Worte fehlten. Hier ist sie, entstanden am 08.08.2013:

Das Loch

Das Mädchen rennt und rennt. Davon. Die Beine werden ihr schon schwer, doch die Verfolger kommen immer näher. Schneller, schneller, denkt sie. Doch ihre Beine sind schwer wie Beton.
Es ist wie in einem dieser Albträume, in denen man einfach nicht vom Fleck kommt. Doch das hier ist die Realität!
Nein, denkt sie, das kann alles nur ein langer Albtraum sein. Irgendwann werde ich aufwachen und bin ein ganz normales Mädchen, und da sind Menschen, die mich beruhigen und dann ist das alles hier ganz schnell vergessen. 
Das hier ist die Realität, die REALITÄT, meckert eine hämische Stimme hinter ihr. Sie wagt nicht zurück zu blicken. Hinter ihr liegen Verzweiflung, Angst, Einsamkeit, Enttäuschung, Kälte.
Schneller, ich muss schneller sein als SIE!
Die bösen Stimmen kichern vor sich hin. Sie wird auf einmal so müde ...
Ich kann doch jetzt nicht schlapp machen, denkt sie voller Panik.
Komm, schlaf, ruh dich aus, das hast du dir jetzt verdient, schlaf, und alles wird gut, flüstert eine sanfte Stimme in ihrem Kopf. Die Augen fallen ihr zu und sie in einen tiefen Schlaf. Sie träumt wilde Sachen. Sie trifft auf vertraute Menschen. Sie möchte um Hilfe bitten. Doch im Traum hat sie eine festgelegte Rolle. Lachend und freundlich unterhält sie sich.
Das bin nicht ich, das bin nicht ich, das bin nicht ich, schießt es ihr durch den Kopf. Sie spürt, wie sie sich immer weiter entfernt. Sie wacht langsam auf.
Es war nur ein Traum. Leider. Die Realität holt sie ein, sobald sie die Augen öffnet. 
Plötzlich fällt sie. Ganz langsam, immer tiefer. Sie will brüllen und schreien. Doch vor sich sieht sie nur eine dichte Wolke heißen Atems, die aus ihrem Mund quillt. 
Alles verläuft in Zeitlupe. Selbst ihre Gedanken, zäh wie Kaugummi. Ooohh Neeeeiiin. Waaaas passiert ...
Mit einem Ruck fällt sie in rasendem Tempo ein ganzes Stück weiter nach unten. Sie versucht, sich an den Wänden festzuhalten, doch sie sind weich und glitschig.
Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, bis sie wieder in Zeitlupe fiel.
Sie begann zu weinen. Alle Hoffnung schien verloren. Ihre Tränen gefroren zu Eiskristallen und fielen mit einem hohlen Plopp zu Boden. Aber wo war der Boden? Wie tief musste sie noch fallen? Und wie um alles in der Welt sollte sie wieder nach oben gelangen?
Immer häufiger gab es so einen Ruck. Jede einzelne Zelle in ihrem Körper war mit Angst gefüllt.
Wenn ich doch nur schon unten wäre, dachte sie. Nichts war schlimmer als dieses Fallen. Selbst den Tod würde sie dem vorziehen. Der Tod, ein kaltes Nichts oder doch eine warme weiche Wolke?
Sie hatte sich von dem Gedanken verabschiedet, dass sie je wieder nach oben, ins Leben, zurückkehren konnte. Es gab keinen Ausweg.
Die Welle der Angst überrollte sie, hüllte sie ein, hielt sie fest und ließ nie wieder los.
Kalte Finger schlängelten sich um ihre Handgelenke und reichten ihr Klingen und Gift. 
Aber ich will doch nicht sterben!, heulte sie. 
Warum konnte nicht einfach jemand kommen und sie hier herausziehen?
Du glaubst doch nicht, dass sich irgendjemand für deine Situation hier interessiert? Die Stimme über ihr brüllte vor Lachen: Du bist doch selber SCHULD!
Irgendwann würden diese Stimmen sie noch dazu bringen, sich nichts sehnlicher als den Tod zu wünschen. 
Nein, nein, nein! Sie trat gegen die Wände, schlug wild um sich.
Ruhe, Ruhe, Ruhe, fuhr sie die Stimmen an. Die lachten sie aus. Ich will verdammt nochmal hier raus!, dachte sie, kochend vor Wut. 
Doch ihr Widerstand machte alles nur noch schlimmer. Drehte sie nun völlig durch? Sie wusste es nicht.
Sie wusste nur, dass sie nicht sterben wollte und nicht leben konnte ... 

ENDE

Ich weiß, da wechselt mittendrin die Zeitform, aber ich wollte das im Nachhinein nicht ändern.
Das klingt schon alles sehr deprimierend und auswegslos. Aber genau so fühlt es sich an.
Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese Phasen auch wieder vorbei gehen.
Man muss nur - abwarten. Oh ja, ich hasse das auch! Ich bin so ungeduldig!
Es gibt oft Menschen, die einem sagen: "Das wird schon wieder", und man selbst denkt sich dann "Na toll."
Aber letztendlich stimmt das schon in einem gewissen Maß.
Ich weiß nicht, ob es eine Möglichkeit gibt, das ganze zu beschleunigen und sich selbst aus dem Loch zu ziehen. Ich habe sie jedenfalls noch nicht gefunden.
Aber was man versuchen kann, ist, sich nicht ganz und gar von der Sache einnehmen zu lassen, nicht noch tiefer zu fallen. Man kann versuchen, das Fallen zu stoppen. Und man darf niemals aufgeben!!!
Okay, wenn man in einen Sumpf fällt und sich dagegen wehrt, sinkt man trotzdem. Aber wenn man sich nicht bewegt, sinkt man doch auch! Ich meine, man hat in dieser Situation nicht viel zu verlieren.
Ich versuche also, mich am Leben festzuhalten. Dazu muss ich mich oft zwingen.
Ich zwinge mich, morgens aufzustehen und wenn ich nicht zur gewohnten Zeit aufwache, dann stelle ich mir eben einen Wecker. Ich zwinge mich unter die Dusche und in straßentaugliche Klamotten. Ich zwinge mich, vor die Tür zu gehen, auch wenn es nur zum einkaufen oder für einen Spaziergang ist. Ich verabrede mich, auch wenn ich eigentlich niemanden sehen will. Ich zwinge mich dazu, aufzuräumen und abzuspülen.
Nein, das ist nicht einfach, ich scheitere oft genug daran.
Dann versuche ich, irgendwo her Hilfe zu bekommen, was leider auch nicht ganz einfach ist.
Aber ganz oft merke ich irgendwann einfach, dass ich wieder da bin. Dass die depressive Phase vorbei ist. Ich kann nicht sagen, wie es dazu kommt oder was dazu beiträgt. Jedenfalls lohnt es sich, abzuwarten.
Ich weiß immer, dass es auch wieder vorbeigehen wird. 
Jetzt wollte ich eigentlich Mut machen. Aber leider weiß ich auch immer, dass irgendwann wieder eine depressive Phase kommen wird. 
Wie man das endgültig besiegt, habe ich noch nicht herausgefunden.


Sonntag, 8. September 2013

Abendsmelancholie

Abends werde ich immer so...
Nachdenklich.
Traurig.
Sentimental.
Was auch immer. Ich könnte heulen und weiß so oft gar nicht, wieso. Jetzt gerade habe ich schon wieder Tränen in den Augen. Da ist so eine innere Ruhe. Doch sobald ich diese Ruhe wahrnehme, fange ich schon wieder an zu denken.
Ich will so vor mich hin lächeln. Und dann spüre ich so einen unendlichen Schmerz in mir. Und dann muss ich weinen...
Was das für ein Schmerz ist? Das kann ich gar nicht beschreiben. Natürlich kein körperlicher, ist ja logisch. Aber was dann? Wie kann denn etwas anderes weh tun? Etwas, das gar nicht da ist...
Vor ein paar Jahren habe ich mal etwas über Sehnsucht geschrieben. Und mich gefragt, ob man sich nach etwas sehnen kann, das man nie hatte. So ungefähr fühlt sich das jetzt auch an.
Klingt doof oder? Man kann das einfach nicht in Worte fassen. Ein weißes Seidentuch, das durch das Nichts schwebt.
Zugegeben. Es gibt schlimmere Abende. Viel schlimmere. Was ist schon dabei, ein bisschen rumzuheulen.
Ich möchte an dieser Stelle mal etwas aus meinen Aufzeichnungen zitieren.
08. August 2013:
"Ich hasse die Abende. Die Dämmerung, die Stille, die Dunkelheit, die Einsamkeit, die Angst vor der Nacht und dem folgenden Tag, die Albträume, die plötzlich lauteren Geräusche, den Heißhunger, die Frage, wieviel Abführmittel ich heute nehmen werde, die übertriebenen Vorstellungen, die Hitze, die Gedanken, die Müdigkeit, die im Dunkeln unsichtbaren Gestalten."
Oder hier ist noch etwas. Spätestens jetzt werdet ihr mich für völlig verrückt halten!
04. August 2013:
"Ich weiß nicht. Ich kann nicht mehr. Nichts geht mehr. Pure Verzweiflung. Versager! Versager! Versager! Ich wünschte ich hätte Glas, das ich zerschlagen könnte, sodass unzählige kleine Splitter in meinen Händen steckten. Wut nach Schmerz. Mein Kopf wird immer größer, ein ganzes Universum...
Ich möchte ohnmächtig werden und in weiche Watte fallen. Ich ertrage die Stille nicht. Ebenso wenig wie jedes Geräusch. Mir macht beides Angst. Alles. Ich hab das Gefühl, es nicht mehr auszuhalten, es muss aufhören, aber keiner weiß wie. Ich falle sonst in tausend Scherben zusammen. Ich spucke sämtliches Blut und Eingeweide aus und ertrinke in einem roten Meer. Ich falle in Zeitlupe in ein bodenloses Loch...
Lange Gedankenwürmer versuchen rasend schnell, sich durch mein Hirn hinaus zu graben. Irgendwann gibt es eine laut knallende Explosion, aber niemand wird je herausfinden, was da explodiert ist: eine kaputte Seele. Ich werde nicht mehr aufstehen, weil ich einfach nicht mehr kann, einfach nur dasitzen bis ich verrotte. Niemandem wird etwas auffallen. Zersetzt, Zerfetzt...
Ich reiße mich auseinander, nachdem ich mich so lange zusammengerissen habe. Was hat das alles für einen Sinn? Sinn? Sinn?"
Ich entschuldige mich für die etwas makabere Ausdrucksweise. Das war zugegeben jetzt ein etwas extremes Beispiel.
So gesehen, geht es mir heute doch ziemlich gut. Ich wünsche eine gute Nacht und angenehme Träume. :)

Angekommen.

Angekommen bin ich jedenfalls wieder zu Hause letzte Nacht.
Meine Befürchtungen waren wohl etwas übertrieben. Aber letztendlich hat die normale Seite gesiegt. Ich kann es noch. Reden, lachen, feiern... Oberflächliche Bekanntschaften, genauso hab ich mir das vorgestellt, sollte ich noch mehr haben. Sie müssen nicht so tief gehen, dass ich zu viel von mir preisgeben muss. So muss ich mich nicht mit der Sorge auseinandersetzen, abgelehnt zu werden. Und ohne diese Sorge kann ich auch ganz ungezwungen sein. Wenn man sich nicht versteht, dann ist das eben so, man kennt sich schließlich nicht so gut und wird sich nicht großartig fehlen.
Und sie geben einem die Möglichkeit, in lauten, bunten Clubs an der Bar zu sitzen und zu träumen. Sich dabei zu beobachten, wie man lachend die Köpfe zusammensteckt und die Lichtstrahlen bewundert, die auf einen zurasen.
Sich von der Musik mitreißen lassen in einen Strudel der Begeisterung!
Die Augen schließen und im Geiste auf einer riesigen Bühne stehen mit Tausenden von Zuschauern.
Das Adrenalin spüren, wenn man über alle Ängste hinweg anfängt zu singen und die Musik jede Bewegung lenkt. Die überschwängliche Freude darüber, dort oben zu stehen und genau das zu tun, wozu man Lust hat, ohne darüber nachdenken zu müssen.
Nur ein Traum. Ein unglaublich großer, schöner Traum.
Die Realität... Auch hier pulsiert das Leben. Den Bartisch entlang. Hier scherzt der Barkeeper mit seinem Gast, dort spendiert jemand Fremden einen Drink, da hinten wechselt ein Trinkgeld den Besitzer.
Eine Momentaufnahme des Lebens. Menschen, die ihren Alltag loslassen. Für einen Augenblick lassen sie alles fallen. Ein Augenblick, der nur in Filmen in Zeitlupe abläuft. In der Realität vergeht er viel zu schnell.
Empfindet man danach ein Gefühl der Zufriedenheit? Wenn man wieder in das Grau der Welt zurückkehrt?
Vielleicht für kurze Zeit. Macht es dann überhaupt Sinn, viel Geld und Schminke zu investieren, um einige Stunden in diese bunte Welt einzutauchen?
Ich denke, es ist wichtig zu wissen, dass es eine bunte Welt gibt, auch wenn sie noch so unecht erscheinen mag. Wie würden wir unsere graue Welt sonst aushalten, ohne das WISSEN, dass es noch ein paar weitere Farben gibt? Und indem wir dafür bezahlen, in die bunte Welt einzutauchen, vergewissern wir uns, dass sie noch da ist. In der Hoffnung, dass etwas von ihrer Farbe irgendwann in die graue Welt hinüber fließen wird.


Samstag, 7. September 2013

Ein Schritt ins Leben?

Eigentlich wollte ich erst noch weiter am Design des Blogs arbeiten, bevor ich wieder schreibe.
Aber es ist spontan zu einer kleinen Sensation gekommen. Ein Stimmungsumschwung - wobei das ja noch nichts Ungewöhnliches ist. Ich habe nach einer Woche endlich Leute gefunden, die ich kennenlernen kann.
Hinter mir liegt ein einsamer grauer Vormittag. Ich wusste nichts mit mir anzufangen. Obwohl ich doch jetzt in Berlin bin, und jede Menge zu entdecken hätte. Aber nein. Ich sitze zu Hause. Allein durch die Stadt zu gehen, das kommt mir so armselig vor. Da habe ich immer das Gefühl, als würden mich alle Leute anstarren.
Dabei sollte es doch nicht allzu schwer sein, in dieser riesigen Stadt Kontakte zu knüpfen!
Nur ich kriege es wieder nicht auf die Reihe.
Misstrauisch-verzweifelt klicke ich mich durch Internetforen für Studenten und Neu-Berliner.
Melde mich auf einem an. Und dann bekomme ich eine Einladung, heute Abend mit ein paar Leuten feiern zu gehen. Jaja ich weiß schon, was ihr jetzt denkt: Wie naiv ist die denn bitte?
Aber ich werde es ausprobieren und jetzt bin ich total gespannt und freue mich auf den Abend.
Zumindest eine Seite von mir freut sich. Die andere stellt schon wieder so fiese Fragen: Werden sie mich mögen? Werde ich mich blamieren? Werden sie überhaupt mit mir reden, wenn sie mich erstmal gesehen haben? Werde ich wieder keinen Ton rausbringen? Werden sie nach den ersten Sätzen schnellstmöglich auf Abstand gehen? Werden sie es bereuen, mich mitgenommen zu haben?
Ich würde auf mich selbst wahrscheinlich so reagieren. Würde ich das?
Ich weiß nicht, ob ich das richtige sagen, das richtige anhaben, die richtige Stimmung haben werde. Ich möchte so gerne alles richtig machen. Habe Angst vor den Reaktionen der anderen. Stehe unter Druck.
Richtig wäre, einfach locker zu bleiben. Was ist schon dabei? Ist doch völlig normal, neue Leute kennenzulernen.
Was ist schon dabei? Für mich ist da viel dabei. Letztendlich ist es mir vollkommen egal, was andere Menschen über mich denken. Fremde. Aber Leute, mit denen ich vielleicht auch in Zukunft Sachen unternehmen möchte, sollten doch schon einen guten Eindruck von mir erhalten. Das ist doch nachvollziehbar, oder?
Wahrscheinlich macht sich jeder so seine Gedanken, bevor er zum ersten mal jemandem gegenüber tritt. Aber bei mir ist das eben extrem. Trotzdem. Ich versuche, mich jetzt zu beruhigen und den Abend auf mich zukommen zu lassen. Vielleicht wird es ja auch ganz schön. Vielleicht werden sie mich ja mögen. Vielleicht.
Ein anderes Problem ist, dass ich jetzt essen muss. Essen deswegen, weil ich heute Abend Alkohol trinken werde. Ich will ja so normal wie möglich rüber kommen. Und seit ich vor den Augen eines flüchtigen Bekannten einen Absturz hatte, weil ich zu wenig gegessen habe, werde ich das nicht mehr mit leerem Magen tun.
Dabei habe ich bis jetzt so gut durchgehalten. Ohne Essen.
Aber das soll ja jetzt auch kein riesiges Fressgelage werden. Ich war vorhin im Laden und habe ein paar Kleinigkeiten eingekauft. Das muss dann reichen. Und eigentlich wollte ich ja sowieso regelmäßig etwas Kleines essen. Wenn ich heute nicht weggehen würde, hätte ich später sicher sowieso wieder gefressen und gekotzt. So wie meistens.
Heute Abend sind diese Themen absolut tabu! Klar, es ist logisch, dass man über Ess- und andere Störungen nicht spricht. Nur da sie für mich allein eigentlich immer Thema sind, ist das nicht ganz so einfach.
Ach ich bin schon ganz aufgeregt. (Und könnte mich gleichzeitig dafür verfluchen, weil es doch NORMAL ist, sich mit Leuten zu treffen).
Ziel: Ein paar lockere Bekanntschaften aufbauen, mit denen man sich auch mal wieder treffen kann, zum Feiern oder aus Langeweile. Mehr will ich gar nicht. Einfach erstmal ankommen und nicht mehr ganz allein sein in dieser Stadt.
Und oberflächlich und locker bleiben. Viel reden. Lachen. Wie verrückt sich das doch anhört. :D

Freitag, 6. September 2013

Herzlich Willkommen! (1. Post)

Ich möchte in diesem Blog meinen Weg beschreiben. Einen Weg ins Ungewisse. Ein Weg, der längst begonnen hat, den man ebenso gut "Leben" nennen könnte. Allerdings passt dieses Wort nicht so ganz in meine Geschichte. Mein Weg begann in der Hölle und vielleicht wird er mich irgendwann ins Leben führen. Doch wie gesagt, sein weiterer Verlauf ist noch nicht bestimmt. Ich stehe gerade an einer Gabelung. Naja, eher eine große Kreuzung. Entweder überquert man die breite, dicht befahrene Straße, an der sich nirgends eine Ampel findet. Oder man wählt die einfachen, bekannten Wege, die nach rechts und links führen. Die Frage ist also, welchen Weg ich nun wählen werde. Den Weg, der einen Sprung ins Leben bedeuten kann oder mich unendlich enttäuschen wird? Den bekannten und liebgewonnenen Weg, der im Ernstfall den Tod bedeuten kann? Oder den Weg in eine neue Hölle, weil alles andere ja sowieso nichts bringt?
Manchmal wäre es wirklich leichter, wenn alles vorher bestimmt wäre und man keine lästigen Entscheidungen treffen müsste..
Ich hoffe ich habe etwas Neugier geweckt. Bleibt gespannt :)