Ich bin gerade krankgeschrieben. So kann ich die Zeit einmal nicht komplett verplanen, sondern habe spontan einen Freiraum. Ich neige dazu, immer irgendetwas zu tun, mich immer irgendwie zu beschäftigen. Langeweile hatte ich lange nicht mehr. Ruhe, Entspannung, ja. Vor allem, wenn ich mit Neva zusammen bin, kann ich meine Zeit auch mit Rumliegen und die Sonne genießen verbringen. Und ich nehme mir auch Freizeit zum Spazieren, Serien schauen oder etwas mit Freund*innen unternehmen. Aber nichts tun mit mir allein, das kommt selten vor.
Ich habe mich erinnert, an die "alten Zeiten", als ich fast jeden Tag hier etwas geschrieben habe. Es gab leere Räume in meinem Alltag, in denen ich nichts zu tun hatte und mich meinem Hobby, meinen Gedanken und euch widmen konnte. Für mein Studium musste ich damals kaum etwas machen und einen Job hatte ich noch nicht oder beendete ihn schnell wieder, weil es nicht passte. Ich konnte frei drauf los schreiben, denn von SEO und der Bloggerwelt da draußen, wie sie heute ist, wusste ich noch nichts. Ich war unbedarft. Und noch völlig anonym. Dieser Blog war immer ein wunderbarer Halt für mich. Ich hatte immer etwas zu erzählen und immer antwortete jemand darauf. Wir konnten uns stundenlang im Netz Kommentare hin und her schicken. Es gab Foren und später Whatsapp-Gruppen, in denen wir unsere Leben miteinander teilten. Wir waren wie Mitbewohner*innen in einer großen WG. Morgens fragten wir einander, wie es uns geht. Wir fragten die anderen, was wir essen, kaufen oder unternehmen sollten. Wir erzählten abends, wie unser Tag war. Wir waren wie eine Großfamilie. Und das habe ich sehr genossen.
Viele von uns sind dieser Zeit entwachsen. Unsere Leben haben sich einfach verändert und das ist auch in Ordnung. Doch manchmal blicken wir wehmütig zurück. Das sehe ich daran, dass es immer mal wieder von jemandem, der längst zu bloggen aufgehört hat, einen neuen Post gibt. Einen, der sagt, ich vermisse euch, ich werde ab jetzt wieder regelmäßig posten! Doch der Blog bleibt leer. Das Leben hat anderes mit uns vor. Wir müssen unseren Abschluss machen, arbeiten, unser eigenes Geld verdienen, wir haben gar nicht die Zeit dazu, uns weiter gehen zu lassen. Wir finden Freund*innen und Liebste im Real Life. Wir sind keine Teenager mehr. Wir haben uns mit unseren Problemen arrangiert oder sie sogar überwunden. Wir glauben, wir brauchen den Blog nicht mehr ‒ oder verdienen es nicht, noch Teil dieser einzigartigen Welt zu sein. Und wir haben einfach keine Zeit.
Noch etwas passiert mit uns. Es wird wichtiger, wer wir sind, auch wer wir im Internet sind. Wir haben Angst, dass unsere Geschichten nicht anonym bleiben, dass uns irgendjemand findet und die Informationen gegen uns verwendet. Das ist schon oft genug passiert. Ich habe es von anderen gehört und selbst erlebt. Leider sind es die Menschen, die mir am schlechtesten gesonnen sind, die meine Zeilen lesen und dafür sorgen, dass das hier kein sicherer Ort mehr für mich ist.
Auch der Umgangston ist rauer geworden. Die mitfühlenden Mit-Blogger*innen sind nicht mehr da, um gleich Sturm zu laufen gegen die "Hater". Man steht ihnen allein gegenüber. Löscht irgendwann fast stumpf die Kommentare, die vielleicht immer von derselben, unbelehrbaren Person geschrieben werden. Die Person, die deine Sorgen, Probleme und Traumata in Frage stellt. Die einem sagt, dass man doch bloß ein Aufmerksamkeitsproblem hat. Fremde urteilen über etwas, das dein ganzes Leben beeinflusst, das sehr sehr schlimm war. Und sie wischen es mit einem Satz weg, es ist Nichts, was du hast, sagen sie. Das wissen sie natürlich, weil sie einen so gut kennen... Es verletzt mich nicht mehr, nicht länger als zehn Minuten beschäftigt es mich jedenfalls. Aber es macht mich wütend, weil es die Einstellung eines großen Teils der Gesellschaft gegenüber psychischen Erkrankungen, Traumata und seelischen Behinderungen widerspiegelt.
Auch die Tatsache, dass es mir gerade gut geht, macht nicht wett, was mir passiert ist. Nichts auf dieser Welt kann meine Erlebnisse jemals verschwinden lassen. Kein gutes Gefühl, kein Erfolg, kein Glück wird meine Erfahrungen einfach ausradieren. Sie gehören zu meinem Leben wie mein Geburtstag. Manchmal holen sie mich ein und ich habe eine depressive Episode. Oft behindern sie mich bei dem Versuch, neue Menschen kennenzulernen, weil sie einen so großen Teil meines bisherigen Lebens einnehmen. Sie machen mir Arztbesuche schwer und sie versuchen mich immer wieder daran zu hindern, mich selbst anzunehmen, zu lieben und zu akzeptieren, was zu mir gehört.
Mir gelingt ein Leben, das nicht jedem Mitglied unserer Bloggerwelt gelingt. Auch das habe ich zu einem Teil meinen Erfahrungen zu verdanken, zu einem zweiten meinem Privileg einer guten Bildung und zu einem dritten meiner eigenen Persönlichkeit und meiner Fähigkeit, mich grundsätzlich so zu nehmen wie ich bin, auch wenn ich mich manchmal wieder weniger leiden kann. Ich bin gut darin, mich allein durchzuschlagen. Irgendwie. Und dafür, das auch irgendwie gut hinzubekommen, habe ich Unterstützung. Um "uns" herum rankt sich ein Märchen des Stigma: Wenn wir traumatisiert sind, müssen wir kaputte Seelen sein, deren Leben nichts Gutes mehr hervorbringen kann und die ununterbrochen leiden. Und wenn wir nicht permanent traurig sind und leiden, dann können wir gar nicht traumatisiert sein.
So einfach ist es doch nie im Leben. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und ist so individuell wie unser Fingerabdruck. Eine Folge meiner Erlebnisse ist mein unglaublicher Drang nach Selbstbestimmung. Der hat mich unabhängig gemacht. Er hat mich in die Lage versetzt, früh selbstständig zu sein und mein eigenes Geld zu verdienen. Und er bringt mich noch weiter, nämlich zum eigenen Business. Ich bin Gründerin, weil ich frei sein und meine Arbeitskraft sinnvoll einsetzen möchte. Das Leben ist ein Prozess und ich bin dabei, mir meines so zu bauen, wie ich es gerne hätte. Dieses Glück ist nicht jedem vergönnt und nicht jede erkennt es, selbst wenn es direkt vor ihr liegt. Für mich gibt es kein endgültiges Ziel, nur ein immer und immer Weiterleben. Und zu diesem Prozess gehören gute und schlechte, einzigartige und furchtbare Tage und Zeiten. Ein gerader Weg wäre doch auch ein langweiligerer.
Ich finde mein Leben in Ordnung so. Ich strebe nach vielem, aber gewiss nicht nach Perfektion. Nicht nach einer Welt, in der es keine schlechten Tage mehr gibt, nicht nach einem Leben im Einheitsbrei. Aber ich werde sauer, wenn andere ihre Schwarzweißschablone über meines und die Leben meiner Freund*innen legt, uns ihre nicht gefragte Ansicht überstülpen und versuchen, uns die Luft zum Atmen zu nehmen. Das ist meine Baustelle. Wer die nicht bearbeitenswert findet, kann sich eine eigene suchen. Es gibt genug davon!
Und nun, ihr lieben Leser*innen, meldet euch zu Wort, wenn ihr weiter an diesem Blog interessiert seid. Wie soll ich weitermachen? Mehr passwortgeschützte Posts? Oder den Blog auf privat stellen und einladen? Letzteres macht das Problem, dass neue Posts nicht angezeigt werden. Wäre eine Benachrichtung per Newsletter eine Idee? Helft mir weiter und gebt mir Tipps zu einem größeren Sicherheitsgefühl hier an meinem einst sicheren Ort! Schließlich bin ich eine derjenigen, die nie weg war und gerne weitermachen möchte. Irgendeine Lösung muss es geben.
Danke für eure Treue. <3
Samstag, 14. Juli 2018
Samstag, 27. Mai 2017
Von Glitzermomenten und schönen Tagen
Ich habe heute mit Neva telefoniert – zum ersten Mal überhaupt, denn sie besucht mich im Sommer in Berlin und da wollten wir uns schonmal ein bisschen näher kennenlernen. Wir haben darüber gesprochen, wie viele und auch wir dazu neigen, mehr über das Schlechte zu schreiben, als das Gute. Das macht in gewisser Weise Sinn: Wir wollen uns ausdrücken, wenn es uns schlecht geht, weil es sich dann besser aushalten lässt – also schreiben wir. Und wenn es uns gut geht, schreiben wir gar nicht. Wir nehmen das dann einfach als selbstverständlich hin, vielleicht weil es bedeutet, dass wir für diesen Moment mit unserem Befinden nicht von der (vermeintlichen) Norm abweichen. Manchmal möchte ich einen schönen Moment aber auch einfach nur genießen, ohne ihn zu zerdenken.
Viele Menschen verlassen die Bloggerwelt, diese kleine hier zumindest, sobald es ihnen besser geht. Und ich kann mehr als verstehen, dass manche von ihnen diesen Abstand brauchen, Abstand in einer Gemeinschaft, in der das Schlechte offen ausgesprochen wird und man nun einmal besonders auf sich aufpassen muss, wenn einen diese Dinge triggern, wieder zurück zu fallen. Trotzdem ist es schade, wenn Blogger*innen einfach wortlos aus dieser Welt verschwinden, mit denen mich ein teilweise jahrelanger gemeisamer Weg verbindet. Dinge verändern sich und auch ich habe mich mit einigen ehemaligen Freund*innen und Wegbegleiter*innen schon auseinandergelebt. Aber ich halte es für genauso wichtig, die Menschen, die meine Worte seit mehreren Jahren regelmäßig lesen, auch an den Weiterentwicklungen und positiven Wendungen teilhaben zu lassen; zu zeigen, dass Schlimmes zu erleben nicht heißt, dass es mir permanent schlecht geht. Ich möchte nicht den Anschein geben, Situationen wie meine seien aussichtslos oder es gäbe nur eine einzige Art, darauf zu reagieren und damit umzugehen. Und ich spreche dabei nur für mich selbst, denn niemand ist der Öffentlichkeit oder den Leser*innen verpflichtet. Jede*r muss individuell für sich einen Weg finden, der passt. Dieser hier ist meiner.
Heute ist also ein schöner Tag. Und ich lüge nicht, wenn ich sage, dass es davon in letzter Zeit nicht besonders viele gegeben hat. Das letzte halbe Jahr ist anstrengend und kompliziert gewesen und ein Ende dieses Zustands ist nicht wirklich in Sicht. Umso wichtiger ist es gerade in dieser Zeit, die Highlights auch als solche wahrzunehmen. Wie ihr vielleicht wisst, habe ich bereits vier oder eigentlich schon fünf meiner sechs Ziele für 2017 erreicht. Offensichtlich habe ich mir nicht allzu schwere Aufgaben vorgenommen. Um eines der letzten noch offenen Ziele ging es natürlich heute, als ich mit Neva telefonierte: Meine liebsten Internet-Menschen im Real Life zu treffen. Und mir ist aufgefallen, wie lange ich so etwas nicht mehr gemacht habe.
Ich habe versucht, sie zusammen zu zählen, und ich bin auf mindestens 10 Menschen gekommen, die ich im Internet kennengelernt und später im Real Life getroffen habe. Und die meisten davon 2013 und 2014. Im Sommer 2014 ist es plötzlich still in mir geworden, und ich habe das Gefühl, dass diese kalte Stille bis heute nicht gewichen ist. Sie hat in mir ein noch tieferes Misstrauen in meine Mitmenschen ausgelöst und ja, dieses Misstrauen wurde im letzten Jahr sogar noch verstärkt. Aber es liegt vermutlich daran, dass es die falschen Menschen waren, denen ich nicht misstraut habe und die mich so enttäuschen konnten. Hingegen gibt es so tolle, liebe Personen, die ich noch nie getroffen habe, aber die mich seit Jahren treu begleiten. Und dann gibt es diejenigen, mit denen beides geht: Internet- und Real-Life-Freundschaft. Als bestes Beispiel kann ich immer nur meine Kiwi nennen, mit der mich mittlerweile eine gute Freundschaft verbindet, da wir nun ja auch in der selben Stadt wohnen. Es ist eigentlich wirklich beeindruckend, dass so etwas möglich ist! Warum also sollte ich mich nicht öfter trauen, auf Menschen zuzugehen, die mich wirklich interessieren?
Es ist schön, mit einer fremden Person zu telefonieren, die man schon so lange kennt. Ich mag diesen Satz. Und mein schöner Tag heute hat mich daran erinnert, wie wichtig Menschen sind und warum es so bedeutsam ist, sich mit Menschen zu umgeben, die einem gut tun. Ja, es gehen Menschen verloren, wenn Du Dich dazu entschließt, wirklich nur die in Dein Leben zu lassen, die Dir ein gutes Gefühl geben. Aber es ist so wichtig, Menschen um sich zu haben, die das eigene Selbstvertrauen unterstützen. Die Nörgler*innen und Unterdrücker*innen und "Du wärst viel schöner/besser/beliebter, wenn..."-Sager*innen braucht wirklich niemand und wenn sie nörgeln und unterdrücken und solche Sachen sagen, bist Du vielleicht auch nicht der richtige Mensch für sie. Was nicht heißt, dass es nicht für jeden Menschen die richtige Gesellschaft gibt. Es gilt nur, genau zu prüfen, die Augen offen zu halten und diese Personen zu finden. Das erfordert manchmal eben auch den Mut, mit "wildfremden" Menschen zu telefonieren.
Danke, Neva! 💖
Viele Menschen verlassen die Bloggerwelt, diese kleine hier zumindest, sobald es ihnen besser geht. Und ich kann mehr als verstehen, dass manche von ihnen diesen Abstand brauchen, Abstand in einer Gemeinschaft, in der das Schlechte offen ausgesprochen wird und man nun einmal besonders auf sich aufpassen muss, wenn einen diese Dinge triggern, wieder zurück zu fallen. Trotzdem ist es schade, wenn Blogger*innen einfach wortlos aus dieser Welt verschwinden, mit denen mich ein teilweise jahrelanger gemeisamer Weg verbindet. Dinge verändern sich und auch ich habe mich mit einigen ehemaligen Freund*innen und Wegbegleiter*innen schon auseinandergelebt. Aber ich halte es für genauso wichtig, die Menschen, die meine Worte seit mehreren Jahren regelmäßig lesen, auch an den Weiterentwicklungen und positiven Wendungen teilhaben zu lassen; zu zeigen, dass Schlimmes zu erleben nicht heißt, dass es mir permanent schlecht geht. Ich möchte nicht den Anschein geben, Situationen wie meine seien aussichtslos oder es gäbe nur eine einzige Art, darauf zu reagieren und damit umzugehen. Und ich spreche dabei nur für mich selbst, denn niemand ist der Öffentlichkeit oder den Leser*innen verpflichtet. Jede*r muss individuell für sich einen Weg finden, der passt. Dieser hier ist meiner.
Heute ist also ein schöner Tag. Und ich lüge nicht, wenn ich sage, dass es davon in letzter Zeit nicht besonders viele gegeben hat. Das letzte halbe Jahr ist anstrengend und kompliziert gewesen und ein Ende dieses Zustands ist nicht wirklich in Sicht. Umso wichtiger ist es gerade in dieser Zeit, die Highlights auch als solche wahrzunehmen. Wie ihr vielleicht wisst, habe ich bereits vier oder eigentlich schon fünf meiner sechs Ziele für 2017 erreicht. Offensichtlich habe ich mir nicht allzu schwere Aufgaben vorgenommen. Um eines der letzten noch offenen Ziele ging es natürlich heute, als ich mit Neva telefonierte: Meine liebsten Internet-Menschen im Real Life zu treffen. Und mir ist aufgefallen, wie lange ich so etwas nicht mehr gemacht habe.
Ich habe versucht, sie zusammen zu zählen, und ich bin auf mindestens 10 Menschen gekommen, die ich im Internet kennengelernt und später im Real Life getroffen habe. Und die meisten davon 2013 und 2014. Im Sommer 2014 ist es plötzlich still in mir geworden, und ich habe das Gefühl, dass diese kalte Stille bis heute nicht gewichen ist. Sie hat in mir ein noch tieferes Misstrauen in meine Mitmenschen ausgelöst und ja, dieses Misstrauen wurde im letzten Jahr sogar noch verstärkt. Aber es liegt vermutlich daran, dass es die falschen Menschen waren, denen ich nicht misstraut habe und die mich so enttäuschen konnten. Hingegen gibt es so tolle, liebe Personen, die ich noch nie getroffen habe, aber die mich seit Jahren treu begleiten. Und dann gibt es diejenigen, mit denen beides geht: Internet- und Real-Life-Freundschaft. Als bestes Beispiel kann ich immer nur meine Kiwi nennen, mit der mich mittlerweile eine gute Freundschaft verbindet, da wir nun ja auch in der selben Stadt wohnen. Es ist eigentlich wirklich beeindruckend, dass so etwas möglich ist! Warum also sollte ich mich nicht öfter trauen, auf Menschen zuzugehen, die mich wirklich interessieren?
Es ist schön, mit einer fremden Person zu telefonieren, die man schon so lange kennt. Ich mag diesen Satz. Und mein schöner Tag heute hat mich daran erinnert, wie wichtig Menschen sind und warum es so bedeutsam ist, sich mit Menschen zu umgeben, die einem gut tun. Ja, es gehen Menschen verloren, wenn Du Dich dazu entschließt, wirklich nur die in Dein Leben zu lassen, die Dir ein gutes Gefühl geben. Aber es ist so wichtig, Menschen um sich zu haben, die das eigene Selbstvertrauen unterstützen. Die Nörgler*innen und Unterdrücker*innen und "Du wärst viel schöner/besser/beliebter, wenn..."-Sager*innen braucht wirklich niemand und wenn sie nörgeln und unterdrücken und solche Sachen sagen, bist Du vielleicht auch nicht der richtige Mensch für sie. Was nicht heißt, dass es nicht für jeden Menschen die richtige Gesellschaft gibt. Es gilt nur, genau zu prüfen, die Augen offen zu halten und diese Personen zu finden. Das erfordert manchmal eben auch den Mut, mit "wildfremden" Menschen zu telefonieren.
Danke, Neva! 💖
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Sonntag, 21. Mai 2017
Zwei Welten
Eigentlich gibt es nicht nur zwei Welten, sondern ganz viele. Aber in so vielen verschiedenen lebe ich nun auch wieder nicht. Eigentlich in keiner. Denn meinem Gefühl nach passe ich in keine Welt so richtig rein. Da gibt es die große Welt. Die, in der alle "normal" sind. Oder jedenfalls so tun. Denn diese Welt erhebt für sich den Anspruch, die "richtige" zu sein. Und so versuchen viele in diese Welt hinein zu passen, obwohl sie es eigentlich nicht tun.
Ich lebe in der großen Welt, so wie wir alle, irgendwie. Es gibt Teile der großen Welt, die akzeptieren auch die anderen Welten – als anders, aber in Ordnung. Sie haben nichts dagegen, dass es auch noch Parallelwelten gibt. Und andere Teile, die wollen, obwohl sie schon zur großen Welt gehören, auch noch die einzige sein. Die verleugnen die anderen Welten oder sagen, dass sie schlecht sind. Und genau in diesem Teil der großen Welt bin ich aufgewachsen und sozialisiert worden. Ich habe gelernt, dass nur die große Welt zählt und die kleinen schlecht, böse, krank und abartig sind. Sünde. Ich bin damit groß geworden, dass es übergeordnete und untergeordnete Welten, Menschen gibt.
In "meinem" Teil der großen Welt habe ich mich nie wohlgefühlt. Ich wusste, dass ich nicht richtig war, nicht passend für diese Welt, ein Versehen, das es eigentlich niemals hätte geben sollen. Aber auch dem Rest der großen Welt konnte ich mich nicht wirklich zuordnen. Ich teilte nicht die Erlebnisse, Träume und Wünsche der Anderen. Und heute fühle ich mich fremd – zwischen Frauen in meinem Alter, die von ihren langjährigen Partnern sprechen, und vom Heiraten und Hausbau und Scheidung, die über mögliche Schwangerschaften von Kolleginnen spekulieren und die sagen, es sei heutzutage ja ein Wunder, wenn Partnerschaften mehrere Jahre hielten, und dass Gesellschaft immer verdorbener wird und früher alles besser gewesen sei. Ein Mann sitzt mir gegenüber und sagt, in Deutschland müsse man nichts mehr verbessern, besser könne es gar nicht mehr werden, allen ginge es gut und alle Menschen könnten so leben, wie sie wollten; und mir entgleisen die Gesichtszüge. Ich beiße mir auf die Zunge, wenn sie sagen, vollständige Gleichberechtigung sei längst erreicht und sogar die Homos hätten mehr als genug Rechte, früher waren die noch froh, überhaupt leben zu dürfen; die sollten echt mal dankbarer sein. Und ich bemühe mich, nicht zu schreien, wenn jemand im gleichen Atemzug mit seinem Lob an die Welt Vergewaltigungen rechtfertigt. Nein, das ist nicht meine Welt.(*)
Aber in eine der kleinen Welten, die mir so viel sympathischer sind, passe ich auch nicht. Denn für sie bin ich ein Teil der großen Welt und vielleicht haben sie damit recht. Denn in meinem Leben, zumindest im "Real Life", befinden sich nur solche Menschen, wie die oben beschriebenen. Und ganz automatisch – früher vielleicht, um in dieser Welt zu überleben, und heute aus Gewohnheit – habe ich mich angepasst. Ich lache über die Witze der Groß-Weltler*innen, rede wie sie und, manchmal, mache ich die selben Witze auf Kosten anderer. Aber meistens schweige ich, lächele und nicke, denn ich weiß, dass meine Meinung in der großen Welt nicht gefragt ist. Ich habe mich schon oft im Widersprechen und Diskutieren ausprobiert. Doch die Großen reden einen immer kleiner und kleiner und müssen in jedem Fall am Ende recht behalten; sie ertragen keine Meinungsverschiedenheit.
Ich glaube, viele kleine Welten möchten sichere Orte sein. Das ist mehr als verständlich und schließt doch andere genauso aus, wie es die große Welt tut. Ich glaube, meine favorisierte kleine Welt will mich nicht, weil ich zu viel von der großen Welt habe, die mich schon mein Leben lang beeinflusst. Ich habe das Gefühl, ich kenne das Codewort nicht und werde an der Tür deshalb abgewiesen. Ich bin nicht vertraut genug mit den Gepflogenheiten dieser kleinen Welt. Aber was macht eine Welt zum sicheren Ort, in der Dresscodes gelten und Sprach-Polizist*innen einem den Mund zuhalten? Warum darf ich nicht langsam dazu lernen? Warum muss ich schon vorher über alles Bescheid wissen, bevor man mir überhaupt einen Blick in die kleine Welt gewährt? Wie soll ich mich sicher fühlen, wenn ich keinen Fehler machen darf? Dabei weiß ich doch schon so viel mehr, als die "normalen" Groß-Weltler*innen. Was muss ich noch alles tun? – Ich bin keine Kriecherin. Und wenn die kleine Welt mich nicht will, dann passe ich eben in keine Welt. Aber fair ist das nicht. Wo ich doch eine von euch bin. Oder vielleicht nicht?
Wer bin ich?
(*)Damit möchte ich nicht sagen, dass jede*r Mensch aus der "großen Welt" so redet oder denkt – es sind nur jene, die mich umgeben. Das Welten-Bild passt gerade am besten zu meiner Wahrnehmung. Letzen Endes leben wir natürlich alle in einer Welt, gewissermaßen, oder eben in ganz, ganz vielen.
Ich lebe in der großen Welt, so wie wir alle, irgendwie. Es gibt Teile der großen Welt, die akzeptieren auch die anderen Welten – als anders, aber in Ordnung. Sie haben nichts dagegen, dass es auch noch Parallelwelten gibt. Und andere Teile, die wollen, obwohl sie schon zur großen Welt gehören, auch noch die einzige sein. Die verleugnen die anderen Welten oder sagen, dass sie schlecht sind. Und genau in diesem Teil der großen Welt bin ich aufgewachsen und sozialisiert worden. Ich habe gelernt, dass nur die große Welt zählt und die kleinen schlecht, böse, krank und abartig sind. Sünde. Ich bin damit groß geworden, dass es übergeordnete und untergeordnete Welten, Menschen gibt.
In "meinem" Teil der großen Welt habe ich mich nie wohlgefühlt. Ich wusste, dass ich nicht richtig war, nicht passend für diese Welt, ein Versehen, das es eigentlich niemals hätte geben sollen. Aber auch dem Rest der großen Welt konnte ich mich nicht wirklich zuordnen. Ich teilte nicht die Erlebnisse, Träume und Wünsche der Anderen. Und heute fühle ich mich fremd – zwischen Frauen in meinem Alter, die von ihren langjährigen Partnern sprechen, und vom Heiraten und Hausbau und Scheidung, die über mögliche Schwangerschaften von Kolleginnen spekulieren und die sagen, es sei heutzutage ja ein Wunder, wenn Partnerschaften mehrere Jahre hielten, und dass Gesellschaft immer verdorbener wird und früher alles besser gewesen sei. Ein Mann sitzt mir gegenüber und sagt, in Deutschland müsse man nichts mehr verbessern, besser könne es gar nicht mehr werden, allen ginge es gut und alle Menschen könnten so leben, wie sie wollten; und mir entgleisen die Gesichtszüge. Ich beiße mir auf die Zunge, wenn sie sagen, vollständige Gleichberechtigung sei längst erreicht und sogar die Homos hätten mehr als genug Rechte, früher waren die noch froh, überhaupt leben zu dürfen; die sollten echt mal dankbarer sein. Und ich bemühe mich, nicht zu schreien, wenn jemand im gleichen Atemzug mit seinem Lob an die Welt Vergewaltigungen rechtfertigt. Nein, das ist nicht meine Welt.(*)
Aber in eine der kleinen Welten, die mir so viel sympathischer sind, passe ich auch nicht. Denn für sie bin ich ein Teil der großen Welt und vielleicht haben sie damit recht. Denn in meinem Leben, zumindest im "Real Life", befinden sich nur solche Menschen, wie die oben beschriebenen. Und ganz automatisch – früher vielleicht, um in dieser Welt zu überleben, und heute aus Gewohnheit – habe ich mich angepasst. Ich lache über die Witze der Groß-Weltler*innen, rede wie sie und, manchmal, mache ich die selben Witze auf Kosten anderer. Aber meistens schweige ich, lächele und nicke, denn ich weiß, dass meine Meinung in der großen Welt nicht gefragt ist. Ich habe mich schon oft im Widersprechen und Diskutieren ausprobiert. Doch die Großen reden einen immer kleiner und kleiner und müssen in jedem Fall am Ende recht behalten; sie ertragen keine Meinungsverschiedenheit.
Ich glaube, viele kleine Welten möchten sichere Orte sein. Das ist mehr als verständlich und schließt doch andere genauso aus, wie es die große Welt tut. Ich glaube, meine favorisierte kleine Welt will mich nicht, weil ich zu viel von der großen Welt habe, die mich schon mein Leben lang beeinflusst. Ich habe das Gefühl, ich kenne das Codewort nicht und werde an der Tür deshalb abgewiesen. Ich bin nicht vertraut genug mit den Gepflogenheiten dieser kleinen Welt. Aber was macht eine Welt zum sicheren Ort, in der Dresscodes gelten und Sprach-Polizist*innen einem den Mund zuhalten? Warum darf ich nicht langsam dazu lernen? Warum muss ich schon vorher über alles Bescheid wissen, bevor man mir überhaupt einen Blick in die kleine Welt gewährt? Wie soll ich mich sicher fühlen, wenn ich keinen Fehler machen darf? Dabei weiß ich doch schon so viel mehr, als die "normalen" Groß-Weltler*innen. Was muss ich noch alles tun? – Ich bin keine Kriecherin. Und wenn die kleine Welt mich nicht will, dann passe ich eben in keine Welt. Aber fair ist das nicht. Wo ich doch eine von euch bin. Oder vielleicht nicht?
Wer bin ich?
(*)Damit möchte ich nicht sagen, dass jede*r Mensch aus der "großen Welt" so redet oder denkt – es sind nur jene, die mich umgeben. Das Welten-Bild passt gerade am besten zu meiner Wahrnehmung. Letzen Endes leben wir natürlich alle in einer Welt, gewissermaßen, oder eben in ganz, ganz vielen.
Freitag, 6. September 2013
Herzlich Willkommen! (1. Post)
Ich möchte in diesem Blog meinen Weg beschreiben. Einen Weg ins Ungewisse. Ein Weg, der längst begonnen hat, den man ebenso gut "Leben" nennen könnte. Allerdings passt dieses Wort nicht so ganz in meine Geschichte. Mein Weg begann in der Hölle und vielleicht wird er mich irgendwann ins Leben führen. Doch wie gesagt, sein weiterer Verlauf ist noch nicht bestimmt. Ich stehe gerade an einer Gabelung. Naja, eher eine große Kreuzung. Entweder überquert man die breite, dicht befahrene Straße, an der sich nirgends eine Ampel findet. Oder man wählt die einfachen, bekannten Wege, die nach rechts und links führen. Die Frage ist also, welchen Weg ich nun wählen werde. Den Weg, der einen Sprung ins Leben bedeuten kann oder mich unendlich enttäuschen wird? Den bekannten und liebgewonnenen Weg, der im Ernstfall den Tod bedeuten kann? Oder den Weg in eine neue Hölle, weil alles andere ja sowieso nichts bringt?
Manchmal wäre es wirklich leichter, wenn alles vorher bestimmt wäre und man keine lästigen Entscheidungen treffen müsste..
Ich hoffe ich habe etwas Neugier geweckt. Bleibt gespannt :)
Manchmal wäre es wirklich leichter, wenn alles vorher bestimmt wäre und man keine lästigen Entscheidungen treffen müsste..
Ich hoffe ich habe etwas Neugier geweckt. Bleibt gespannt :)
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