Montag, 16. Januar 2017

Zeit für die Zukunft

Zur Zeit ist mein Leben mehr als seltsam. Die Zeit von September bis jetzt verging so schnell und gleichzeitig fühlt es sich an, als sei sie stehen geblieben. Einerseits hat sich nichts verändert, alles ist wie immer, mein Tagesablauf läuft vor sich hin, die Fixpunkte der Woche bleiben bestehen. Aber gleichzeitig ist alles ungewiss. In wenigen Wochen ist mein Studium vorbei. In zwei Monaten muss ich auf den Füßen stehen, meinen eigenen. Ich fühle mich so unwirklich, als hätte ich irgendetwas vergessen. Es kommt mir viel zu einfach vor, die Bachelorarbeit fertig geschrieben zu haben. Hätte das nicht irgendwie schwerer sein müssen? Voller Nervenzusammenbrüche und durchwachter Nächte? Und überhaupt, das Studium, was habe ich da eigentlich die ganze Zeit gemacht? Ich habe das Gefühl, dass es mir zu leicht gefallen ist. Wo es doch so viele wunderlich finden, dass ich überhaupt etwas auf die Reihe bekommen habe, obwohl ich, nun ja, ICH bin. Aus verschiedenerlei Gründen stört mich das. Zum Beispiel weiß ich, wie schon beim Abitur, ich hätte besser sein können. Ich hätte mich anstrengen, mehr lernen, mehr machen können. Ich hätte "sehr gut" statt nur "gut" sein können. Vielleicht gelangen wir da an den Punkt, an dem ich mich tatsächlich von anderen unterscheide. Ich schaffe dieses "mehr" aus irgendwelchen Gründen nicht. Vielleicht setze ich auch meine Prioritäten anders. Schließlich habe ich in den letzten 1,5 Jahren auch fast 10 Monate lang jede Woche um die 60 Stunden gearbeitet. Aber das scheint weit weniger wert zu sein, als die eine oder andere Kommastelle, die zum Einserschnitt womöglich fehlt. Vielleicht empfinde das auch nur ich so, weil mir noch nie jemand irgendetwas zugetraut hat und ich es gewohnt bin, dass meine Leistungen entwertet werden.

Ich finde nichts daran so besonders, ein Abitur oder einen Bachelorabschluss zu schaffen. Mir ist das nicht schwer gefallen. Ich hatte das Glück, mich überall irgendwie durchmogeln zu können. Ich habe nicht gerade viel dafür geleistet. Mir ist bewusst, dass das ein Privileg ist, das nicht jede*r hat, aber es fällt mir schwer, das anzunehmen. Von meinen Kommiliton*innen und vielen Gleichaltrigen trennen mich dennoch Welten. Angst um ihr Dach über dem Kopf, ein überzogenes Konto oder Schulden hatte von denen noch niemand. Und auch das, was ich jetzt von ihnen mitbekomme, klingt nicht nach so viel Ungewissheit und Bangen, wie meine Situation. (Ich sehe schon die aufgebrachten Kommentare derer, die jetzt meinen, ich hielte mich für etwas besseres oder glaubte, "Normalos" hätten keine Probleme^^) Barbie ist zu ihrem Freund in die Schweiz gezogen. R. reist um die Welt. Disney reist um die Welt. C. ist in das Unternehmen ihrer Eltern eingestiegen. D. schiebt den Bachelor noch ein oder zwei Semester nach hinten. L. ist als Model unterwegs. Ich weiß nicht, was aus M.s Unternehmen geworden ist. U. will nochmal was anderes ausprobieren. Was sie alle gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie einen Ort haben, an den sie jederzeit zurückkehren können, falls eines ihrer Vorhaben nicht funktioniert. Nun ist das vermutlich ein Phänomen der Privathochschule. Das Geld, was ich mit meinen Jobs verdiene, fließt in meinen Lebensunterhalt und in Anschaffungen, die andere vielleicht noch von ihren Eltern bezahlt bekommen. Ich muss etwas auf der hohen Kante haben, weil im Notfall niemand einspringt.

Versteht mich nicht falsch: Ich empfinde keinen Neid gegenüber meinen Privathochschulkommiliton*innen. Ich bin stolz darauf, unabhängig und eigenständig zu sein, bald hoffentlich wirklich niemandem mehr auf der Tasche liegen zu müssen und vielen Gleichaltrigen in einigen Dingen voraus zu sein. Was mich in den dreieinhalb Jahren Studium aber immer gestört hat, ist die Selbstverständlichkeit, mit welcher sie ihre Möglichkeiten angenommen, aber Menschen wie mich verurteilt haben. Ich habe so großes Unverständnis  geerntet, wenn ich kein Geld für irgendwelche Aktivitäten übrig hatte. Ich kann nun einmal nicht für so viel Geld, wie mir in einem ganzen Monat zur Verfügung steht, in den Urlaub fahren, schon gar nicht ein bis zwei Mal im Jahr. Diese Leute geben doch auch nur das Geld ihrer Eltern aus und ich kann nicht verstehen, wie man so verständnislos sein kann gegenüber Menschen mit wenig oder für eine*n Studierende*n normal viel Geld. Ich bin eher froh darüber, dass ich durch meine persönlichen Erfahrungen dazu gezwungen bin, Dinge zu hinterfragen. Niemand weiß alles. Es gibt immer so viele Möglichkeiten, den eigenen Horizont zu erweitern. Man verpasst doch auch so viel, wenn man das nicht tut!

Obwohl also alles so ungewiss ist und mich die verschiedensten Gedanken in den Wahnsinn treiben, habe ich verhältnismäßig viel zu tun. Ich schreibe Bewerbungen und arbeite und pflege meine Sozialkontakte. Ich bin motiviert von meinen eigenen Motivationsschreiben und manchmal verzweifle ich ein bisschen. Letzte Woche habe ein Bewerbungsvideo gedreht und Fotos schießen lassen und einen Artikel geschrieben und eine Idee entwickelt und nun muss ich bis Ende Februar auf die Absage warten (realistisch ist manchmal besser als optimistisch zu denken). Ich habe mir einen Kalender besorgt, mit Regenschirmen drauf, und ein Lineal, denn ich besaß keines, und natürlich Nachschub an kitschigen bunten Aufklebern, zusammen mit Notizbuch und Stiften ist das mein Bürobedarf, den ich an meinem Chaos-Schreibtisch brauche. Wenn das nicht ein guter Start in das Jahr ist. Ich habe wirklich Lust, wieder in einem richtigen Büro, oder von mir aus einem Seminarraum, zu sitzen, mit echten Koleg*innen und herausfordernden Aufgaben. Ich will weiter. Die Bachelorarbeit ist gerade seit einer Woche abgegeben und ich habe schon wieder Angst, mich zu langweilen...

Wie geht es euch? Seid ihr noch da? Glitzerglitzerglitzer! ♥♥♥


Sonntag, 8. Januar 2017

Wie es 2017 weitergeht

Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen und niemand ist verloren gegangen. Ich bin auch noch da. Oder wieder. Ich tauche wieder auf aus dem Seesturmmeer der Fachbücher und des wissenschaftlichen Textens. Meine Bachelorarbeit ist fertig geschrieben und wartet vermutlich aktuell bei der Post darauf, der Uni zugestellt zu werden. Unheimlich, wie schnell die Zeit wieder verging und wie halbwegs unkompliziert die ganze Sache eigentlich war. Und jetzt... UND JETZT?! Jetzt ist das Studium nun wirklich fast zu Ende und in sehr wenigen Monaten werde ich exmatrikuliert sein und meinen ersten Berufsabschluss in der Tasche haben, yeah! Und dann? Ich gehe mal davon aus, dass jeden um diese Zeit des Lebens erstmal die Panik ergreift. Jemand schrieb mir: "Jetzt fängt das wilde Leben an!" und ich antwortete: "Ich dachte, das wäre jetzt vorbei..."

Tatsächlich habe ich mich gleich am Tag nach dem Bachelorarbeits-Druck an die Zukunftsplanung gesetzt. Am Freitag, den 13., endet nämlich schon die erste Bewerbungsfrist für eines der Volontariate, auf die ich mich bewerben will. Manche verlangen nur eine normale Bewerbung, andere stellen zahlreiche Aufgaben. So habe ich heute z.B. ein Videokonzept geschrieben, das morgen mit freundlichster Unterstützung in die Tat umgesetzt wird. Aber es gibt natürlich auch diese Stellen, für die man mindestens drei Sprachen fließend in Wort und Schrift können soll und tausendjährige Berufserfahrung mitbringen muss; leider bin ich aber erst 22 Jahre alt und ziemlich arm... Alles, was Angst-Potenzial hat, versuche ich allerdings gerade zu verdrängen. Stattdessen will ich mich darauf fokussieren, wie es möglichst positiv weitergehen kann, damit ich das mit der Karriere irgendwann hinkriege. Anders als ungefähr in der Mitte meines Studiums habe ich heute keine wirklichen Zweifel mehr an meinem Berufswunsch. Weil der Bereich aber so vielfältig ist, gibt es natürlich zahlreiche Möglichkeiten, sich zu spezialisieren und weiter auszubilden. Gleichzeitig ist es wahnsinnig schwer, überhaupt irgendwas zu finden, wenn man nicht schon mit 5 für die Kindergartenzeitung geschrieben hat und im Mutterleib bereits lesen und schreiben konnte. Mein Anspruch, in Berlin wohnen bleiben zu wollen, ist vielleicht hoch, aber ich kann es mir absolut nicht anders vorstellen. Drückt mir also bitte die (glitzerbenagellackten) Daumen, dass mich irgendjemand nimmt!

2017 wird für mich ein sehr anspruchsvolles Jahr. Zu den voraussichtlichen Zielen gehört folgendes:
  • den Bachelorabschluss bekommen (BA-Kolloquium steht noch aus)
  • eine Volontariats-/Arbeits-/etc.-Stelle finden
  • finanziell unabhängig von den Eltern werden
  • neue Menschen kennenlernen
  • das Projekt "Blog meiner Real-Person" endlich verwirklichen
  • Internet-Menschen wie Lia und Neva in echt (wieder)treffen
Was habt ihr für (schöne) Pläne für 2017? Wie geht es euch? Ich werde versuchen, mich jetzt wieder öfter in der Bloggerwelt blicken zu lassen, da habe ich in letzter Zeit echt die Übersicht verloren, was Kommentare und Posts angeht... Macht euch eine schöne Woche! Glitzer ♥