Donnerstag, 25. August 2016

Selbstfürsorge oder Gedankenpanik?


Ich war beim Arzt. Gestern. Zum ersten Mal seit mehreren Jahren. Und....ich bin nicht krank. Das hat mich dann doch ein bisschen enttäuscht, aber ich bin auch froh, dass meine Ohren noch funktionieren. Eines war verstopft, die Details erspare ich euch, und nun kann ich nach vier Tagen endlich wieder mit beiden Ohren hören. Entweder waren sie noch nie so sauber oder ich muss mich erst wieder dran gewöhnen. Jedenfalls kommt mir jetzt alles so unglaublich laut vor. Das Rascheln von Kleidung auf der Haut, das Abreißen von Klopapier, das Fließen von Wasser - ohrenbetäubend!

Nun wisst ihr, dass Arztbesuche für mich

Ach Worte. Fügt euch! Zusammen. Zu Sinn, ach Sinn, ja, der ist schwer zu finden, ich weiß. 

Meine Finger tanzen Rock'n'Roll auf der Tastatur, aber sie tippen nicht im Takt, nicht in dem, den ich will.

Ich will, ich, ja, warum denn nicht?

Der Himmel ist blau und die Haare sind pink. Seit Nina Hagen an der Wand hängt, bin ich chronisch overdressed. Nein, ich bin nüchtern, das ist ja das Schlimme, ich bin immer so gestört!

Wenn ihr mich sehen würdet, wenn ihr in meinen Kopf könntet, vielleicht würdet ihr dann verstehen?

Du siehst mich nicht, ich seh Dich nicht, wir reden nicht, wie soll jemand antworten, wenn niemand fragt?

Selbstgefürsorgt. Gedankenpanisch. Wer würde verstehen, dass eine so rationale Diva so irrationale Gedanken denkt?

Da gibt es Menschen, die sind in gewissen Punkten wie ich, doch ich zeige mich ihnen nicht, denn ich habe Angst, dass sie diese Punkte an mir hassen, ist das nicht unverzeihbar bescheuert? 

Sei doch nicht so. Ich bin aber so.

Z kommt aus dem Augenrollen nicht mehr raus, weil ich mich dafür hasse, dass ich mich dafür hasse, ein solcher Mensch zu sein. Nie im Leben würde ich zu jemandem gehen und sagen: Das, was Du da machst, ist große Sünde, hör auf damit, das ist abartig, hör auf, so zu sein - Nein. So etwas sage ich nur zu mir selbst in Endlosschleife, aber wer bin ich, dass für mich andere Regeln gelten, als für den Rest der Welt?

Ich starre trotzig in mein Wasserglas, nachdem ich gesagt habe, dass ich mit dem Soldaten damals besiegeln wollte, dass ich von nun an normal wäre, wenigstens in dieser einen Hinsicht. 
"Aber es hat nicht funktioniert...", sagt sie und ich sehe aus dem Augenwinkel ein triumphierendes Lächeln.
"Nein." Und dann muss ich mein Trotzgesicht aufgeben, weil ich darüber lachen muss, dass ich so bescheuert bin. 

Vielleicht ist Selbstfürsorge nicht nur zum Arzt gehen. Vielleicht ist es auch, zu tun, was man will, zu sein, wer man ist... Während ich fünf Uhr morgens durch die kühle Nachtluft schlendere, bin ich mir selbst dankbar dafür, nicht in den Macho-Club gegangen zu sein, sondern mit meinem neuen Kumpel tiefgründige Gespräche geführt zu haben. Aber ich habe auch Angst vor ihm, weil er ein Mann ist und ich noch nie männliche Freunde hatte, die mir nicht früher oder später ungefragt zu nahe kamen. Und ich schäme mich dafür, Männer unter Generalverdacht zu stellen. Ich meine, der Mann ist in einer Beziehung, bisexuell und Hardcore-Feminist. Was soll da bitte passieren?

Ach Worte, ihr tut nicht was ich will, aber ihr habt es geschafft, etwas Wirrnis zusammen zu bringen. Danke.

Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer ♥

Mittwoch, 17. August 2016

Tod & Leben

Inhaltswarnung: Tod [3. bis 5. Absatz, gekennzeichnet]

Ich atme tief ein und langsam aus angesichts des riesigen Geschirrbergs in der Spüle, unter dem sich meine rosa Tasse mit den weißen Punkten befindet. Ich schließe die Augen und greife hinein. Es klirrt. Wie können zwei Menschen an einem einzigen Abend ein solches Chaos veranstalten? Jeden Abend?! Ich sage nie etwas dazu. Ein bis zweimal im Monat spüle ich anfallsmäßig alles selbst, an anderen Tagen stapele ich mein Geschirr einfach oben drauf. Ich bin nicht der Typ Mensch, der wegen Kleinigkeiten ein Fass aufmacht. Die Menstruationstasse köchelt vor sich hin, der Kaffee dampft, die Sonne scheint. Ich frage mich, wie es mir heute geht. So ganz habe ich das noch nicht herausgefunden...

... es ist ja auch schwer dieser Tage und Wochen. Ich stelle fest, dass manche Menschen mich glorifizieren, nur weil ich morgens aufstehe, arbeite, meistens esse, mich selten selbst beschädige... und in mir den Inbegriff eines gesunden Menschen sehen, den seine Vergangenheit nicht weiter tangiert. (Und ich frage mich, wie um alles in der Welt man darauf kommen kann.) Gleichzeitig halten die sich selbst am ehesten als "Normalos" bezeichnenden Leute mich wahrscheinlich für komplett gestört. Zwei Extreme, zwischen denen ich mich entscheiden soll und denen ich jeweils nicht gerecht werde.

Tod
[Aber zu sagen: "Heyyyyy, mir geht es aber auch nicht gut!" fühlt sich aktuell sowas von unangemessen an. Denn, seien wir ehrlich, vergleichsweise sind meine Probleme derzeit Kleinigkeiten. Oder sagen wir, der Grad meines "Leidens" ist eine Kleinigkeit. Denn Probleme an sich kann man natürlich nicht vergleichen, weil jede*r darauf unterschiedlich reagiert. Trotzdem denke ich: Okay, meine Freundin S. ist ihrer Meinung nach jetzt ein neuer Mensch und ich vermisse meine alte Freundin. Aber sie ist ja nicht gestorben. Ich habe keinen Menschen verloren. An den Tod. Doch Menschen, die mir wichtig sind, verlieren Menschen, die ihnen sehr wichtig sind. Haben sie verloren oder werden sie in absehbarer Zeit verlieren. Alle zu früh und auf eine beschissene Weise. Keinen von ihnen kannte ich wirklich. Trotzdem schnürt es mir die Kehle zu. Und mit jeder neuen schlimmen Nachricht in diesem vedammten Jahr werde ich ein bisschen stiller, ängstlicher und hilfloser. Ich kann mir nicht vorstellen, wie schlimm es erst für die wirklich Betroffenen sein muss. Ich will so gerne eine gute Freundin sein, aber ich kann es nicht. Denn gegen den Tod kommt niemand an. Niemand.

Ist es nicht ein unheimlich selbstsüchtiger Akt, in diesen Zeiten an sich selbst zu denken? Ist das noch richtig? Ist das noch Selbstfürsorge? Oder ist es purer Egoismus...?

Vor einigen Jahren schon hat sich in meiner Heimatstadt ein Mädchen umgebracht. Ich kannte sie nicht. Aber im Laufe der Zeit lernte ich mehrere Menschen kennen, die mit ihr befreundet waren oder sie kannten. Sie erzählten mir von ihr. Ich hörte mit ihnen das Lied, das irgendjemand für sie geschrieben hatte. Ich stand mit ihnen auf der Brücke, von der sie gesprungen war. Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich mit einer Trauer zu tun hatte, die nicht meine war. Die Trauer anderer Menschen. Und es ist immer einfacher, sich mit den Problemen anderer zu beschäftigen, als mit den eignenen. Aber ich habe immer mehr das Gefühl, dass der Tod jederzeit auch zu meinem Problem werden kann. Als ich zu Besuch bei meinen Großeltern war, schien es, als schwebte er die ganze Zeit wie eine graue Wolke über allem. Es kommt immer näher. Und ich wäre gerne darauf vorbereitet, aber ich glaube das geht nicht. Es sind diese Albträume, aus denen man zitternd und voller Übelkeit erwacht. Und die Gewissheit, dass sie jederzeit wahr werden könnten. Früher, als Kind und Jugendliche, habe ich mich mit diesen Tagträumen gequält, in denen zur jeweiligen Zeit wichtige Menschen starben und die entsprechenden Reaktionen folgten. Vielleicht war das sowas wie eine Übung für die Zukunft. Vielleicht auch eine Form der Selbstschädigung.]

Leben
Vielleicht schreibe ich heute ein Fragezeichen hinter Befinden Doppelpunkt in meinen Kalender. Und Kopfschmerzen. Die kommen davon, wenn man sich den Kopf zerbricht. Immerhin habe ich jetzt neue Chatverläufe, über die ich lächeln und Wochenenden planen kann. Da ich nach dem Urlaub etwas Abstand von meiner Ich-bin-ein-neuer-Mensch-Freundin S. brauchte und meine Wir-ziehen-nach-Berlin-Freunde doch nicht nach Berlin ziehen, kommt mir das sehr entgegen.

Ich war also am Freitag spontan und ohne zu wissen, wer da ist, auf einer der Veranstaltungen des Onlinemagazins, für das ich während meines vorletzten Praktikums gearbeitet habe. Es gab quasi eine Wein-Flatrate (das war nicht so gut) und ein gewohnt schlecht organisiertes Programm auf einer Dachterasse - die Location war neu. Nachdem ich eine Stunde lang allein dort gesessen und ein ungepflegter, schnäuzbärtiger Hipster mich blöd von der Seite angeflirtet hatte, trudelten endlich einige meiner ehemaligen Kolleginnen ein und ich erfuhr den neuesten Tratsch. Darunter befand sich M, eine neue Praktikantin, die erst im September dort anfangen wird. Sie zeigte sich noch sehr begeistert und enthusiastisch, hatte sich genau wie wir alle bei dem coolen und hippen Onlinemagazin beworben und wird wie wir alle ausschließlich für das langweilige Arschloch-Unternehmen arbeiten, dessen Arbeitskräfte noch immer aus unbezahlten Praktikant*innen bestehen. Dass der Chef sich um das Onlinemagazin nicht mehr wirklich kümmert und es nur als Köder verwendet, weiß sie nicht, und deshalb verstand sie auch nicht so richtig, dass wir nicht wirklich Kolleginnen sein werden, auch wenn ich theoretisch noch für das Magazin schreibe. Gut für mich, denn wir kamen ins Gespräch, verstanden uns gut, unterhielten uns übers Haare färben, befanden uns in etwa auf dem selben Unsicherheits- und Fettnäpfchen-Level und tauschten Nummern, um demnächst zusammen einen Poetry Slam zu besuchen.

M hatte ihren Freund dabei und einen ihrer ehemaligen Schulkameraden, der ebenfalls erst seit Kurzem in Berlin lebt. Mit letzterem konnte ich mich über Religion, Veganismus und Gendersternchen unterhalten, was vor allem die Menschen, die mit in der Runde standen, ziemlich seltsam fanden. Am Ende saß ich biertrinkend mit drei Männern in einer Bar, was auch ganz okay war, nachdem alle begriffen hatten, dass ich kein "fickbares Material" bin. Der Sternchentyp schimpfte über mein "heteronormatives Denken", weil ich immer Angst habe, von Männern angegraben zu werden. Er hat ein bisschen Recht, aber meine Angst hat auch ihre Berechtigung. Der Abend erinnerte mich an meine erste Zeit in Berlin. Damals traf ich ständig fremde Leute, weil ich noch niemanden kannte, und immer ließ ich meine Komfortzone weit hinter mir. Meine jetzige Situation ist ja recht ähnlich. Die meisten Menschen, die ich hier kannte, sind schon wieder woanders hin gezogen, im Ausland oder waren Freunde von Sunny. Das ist wohl so in der Großstadt. Leider waren diese losen Bekanntschaften des Anfangs nicht von Dauer. Die wenigsten jungen Leute in meinem Alter kommen nach Berlin, um zu bleiben. Sie kommen, weil es gerade in ist, in Berlin zu leben. Und nachdem sie zwei Jahre lang feiern und toben waren, gehen sie wieder zurück oder besuchen die nächste Stadt, in der man unbedingt mal gewohnt haben muss.

Es hilft und lenkt ab und tut gut, sich an bessere Zeiten zu erinnern, wenn gerade alles schlimm ist. Ich hoffe so sehr, dass sie wieder kommen. Nicht nur für mich, vor allem für die Menschen, die gerade jemanden verloren haben, und für euch alle, denen es gerade schwer fällt, nach vorn zu blicken. Wenn ich eines weiß, dann dass es immer, immer, weiter geht. Die Zeit bleibt nicht stehen. Niemals. Auch nicht auf dem tiefsten Tiefpunkt.

Ich werfe Glitzer in ein riesiges Paket. Helft mir und werft ebenfalls etwas hinein, bis das Paket voll mit guten Dingen ist! ♥

 

Montag, 15. August 2016

Wir haben keine Wahnvorstellungen

(Heute nur ein Schnipsel aus den letzten Tagen. Ich weiß nicht mehr, in welchen Kontext ich ihn bringen wollte.)

„Als Kind habe ich Urlaube gehasst. Und der letzte mit meinen Eltern war auch ziemlich krass. Das kam jetzt alles wieder... Jedenfalls bin ich mir jetzt wieder sicher, dass ich mir das damals nicht eingebildet habe... wobei, wenn ich Wahnvorstellungen habe, hat das ja auch wieder nichts zu sagen...“
„Aber dann müsste ich ja auch spinnen. Mir wurde sowas auch untergestellt. … unterstellt...? untergestellt...?“
„unterstellt“, sage ich leise lächelnd und sehe zu, wie sie begreift, dass sie eigentlich weiß, wie es richtig heißt, und lacht.
„Untergestellt, oh mann...“
Wir schweigen einen Moment lang.
„Naja, vielleicht spinnst Du ja auch nicht, aber ich schon, wer weiß das schon?“
Sie sieht mich mit diesem Blick an, der mir sagen soll: Du weißt selbst ganz genau, dass Du gerade Unsinn redest.
„Die Zeit...“, sagt sie.
„Ja.“
„Soll ich meinen Kalender holen?“
„Ja.“

Vom Rest später mehr...
 

Samstag, 6. August 2016

Was würdet ihr gerne lesen?

Es ist einer dieser Tage nach der Party und vor dem Aufbruch, an denen man sich viel vornimmt und wenig schafft. So ist das, wenn der Geburtstag feiernde Mensch in einem endlos weit entfernten Zipfel Berlins wohnt und das Bett erst um fünf Uhr morgens final erreicht werden kann. Und morgen muss ich um fünf Uhr dreißig aufstehen, weil es dann endlich ans Meer geht und damit wir etwas von den drei Tagen haben, fahren wir um acht Uhr los. Der Zentrale Omnibusbahnhof ist ja leider gar nicht zentral, deshalb braucht es auch dahin wieder endlos viel Zeit.

Trotz Sommerloch ist gerade irgendwie ziemlich viel los. Ich wollte darüber eigentlich einen ganz ausführlichen Post für euch verfassen. Aber ich kann heute nicht mehr tippen geschweige denn denken. Ich hab wenig geschlafen, geputzt, gepackt und viel gearbeitet. Neben meinem bisherigen Texter-Job habe ich mich diese Woche bei zwei weiteren Online-Portalen angemeldet, wo das Arbeiten noch flexibler funktioniert und man ständig auf Aktualisieren klickt, um zu sehen, ob es neue Aufträge gibt, die einem zusagen. Das hat den Vor- und den Nachteil, dass ich die ganze Zeit über angeschaltet bin. Umso besser vielleicht, dass ich jetzt noch einmal drei Tage offline sein werde. (Sollte jemand von euch vorhaben, sich ein clickworker Profil anzulegen, lasst mich euch werben, da gibt es so einen Bonus^^)

Vielleicht habt ihr Lust, mir während ich weg bin zu schreiben, was ihr hier gerne lest. Natürlich suche ich mir dann nur das raus, was mir zusagt, ihr müsst mir also nicht sagen, dass es mein Blog ist und ich das entscheiden muss, das weiß ich. Mich würde trotzdem interessieren, ob ihr zum Beispiel mehr von solchen Posts wie Dünnhäutig oder Dickfellig? oder Warum ich euch nicht leid tun will lesen möchtet und wenn ja, ob ihr Themenvorschläge habt. Vielleicht interessieren euch auch die Beschreibungen meines belanglosen Alltags oder meine Beobachtungen der Umgebung oder ihr wollt mehr über mich und meine Vergangenheit wissen. Oder habe ich früher möglicherweise öfter eine Art von Posts gemacht, die ihr mochtet und euch zurückwünschen würdet? Vielleicht fällt euch auch noch etwas ganz anderes ein, worauf ich jetzt gerade nicht komme. Jedenfalls möchte ich euch gerne mit einbeziehen, denn ihr macht ja einen großen Teil dieses Blogs aus und häufig inspirieren mich eure Kommentare zu neuen Themen und Artikeln. ♥