Donnerstag, 31. März 2016

Wer wären wir ohne ... ?

Ich.
Wir.
Du und Deine Tassen im Schrank.
               Deine Latten am Zaun.
Sind es nicht Spießbürger, die ihren Eigenheim-Gartenzaun streichen?

Ich ziehe jeden Morgen schwungvolle Lidstriche, deren Korrektur mich das Erreichen der U-Bahn kostet, nur um sie abends wieder abzuwischen. Dann kann ich wieder von vorne anfangen. Ich will mehr: mehr Glitzer, mehr Lippenstift, falsche Wimpern, galaktische Nägel und türkise Haare. Ja, türkise, nicht türkis-FARbene. far far away....

Ich war nie so'n richtiges Kind und anders als viele würde ich mich niemals in diese abhängige, unfreie und fremdbestimmte Zeit zurück wünschen. Aber es gibt Sachen, die können Kinder machen, ohne schief angeschaut zu werden. Und wenn sie dann groß sind, heißt es: "Werd mal erwachsen" im besten Fall, ansonsten verwirrt, entrückt oder geisteskrank. Warum ist das so? Muss man erst Popstar werden, um mit exzentrisch-schrill noch halbwegs gut wegzukommen?

Und wer wär ich in "nicht-verrückt" (normal)? Geht das überhauuupt?!

Die Eule schaut mich mit großen, das Schaf mit kleinen Augen an. Für sie und die anderen Kuscheltiere bin ich doch eigentlich schon längst zu alt. Aber manchmal muss ich mich irgendwo ganz fest fest fest halten. Wie ein kleines Kind. Als ich ein Kind war, hat mich aber niemand fest gehalten, höchstens festgehalten, wenn ich doch fliegen wollte...

Kitsch, Knätsch, Knirsch. Ich maaag das nicht an mir. Was ich mache. Was ich denke. Ich bin wahnsinnig unsinnig, schwachsinnig, feinsinnig, blödsinnig. Und der Sinn sinnt vor sich hin. Hahaha. Lalala. Blablaba. ...

(to be continued)



Samstag, 26. März 2016

Praktikum: 1. Woche um!

Ich könnte diesen Post mit einer Phrase beginnen und sagen: Es war ein Wechselbad der Gefühle. Das klingt zwar genauso euphorisch, wie es heute draußen nach Frühling riecht. Aber auch mindestens so kitschig wie die ganzen "Frohe Ostern"-Bilder auf Facebook. Immerhin beschert uns dieses quietschbunte Fest, dessen ursprünglicher Sinn gar nicht so quietschbunt ist, vier freie Tage. Das heißt, meine erste Praktikumswoche war ebenso nur vier Tage lang, wie es die zweite sein wird. Da es euch wahrscheinlich brennend interessiert, teile ich euch ganz phrasenfrei mit, wie die so gelaufen ist.

Ich denke, es lässt sich schon als kleiner Jetlag bezeichnen, nach 7 Wochen wieder um 7 Uhr aufzustehen. Verbunden ist das dank meines gestörten Rhymthus auch mit wesentlich weniger Schlaf als sonst. Und das macht wohl einen Großteil des Gefühlschaos aus. Früh aufstehen tut einfach weh.^^

Davon abgesehen war es gemessen an meinen Erwartungen gar nicht soo schlimm. Das meine ich in dem Zusammenhang, dass erste Tage oder erste Wochen ja immer ein bisschen schlimm sind. Das ist ganz normal (hoffe ich jedenfalls). Ich weiß nicht, wie viel ich erzählen kann oder muss, damit ihr irgendwie mitkommt. Allgemein gesagt sitze ich in einer scheinbar klassischen Online-Redaktion. Die Leute dort haben definitiv wesentlich mehr Ahnung von dem was sie tun, als mein alter Chef. Die Erklärungen meiner Aufgaben sind jedenfalls absolut idiotensicher. Vielleicht liegt es daran, dass ich meine sozialen Fähigkeiten (sprich: Mund auf) noch zusammensammele. Aber ich habe dezent das Gefühl, der hält mich ein ganz kleines bisschen für bescheuert. Ich komme mir vor, wie eine Schülerpraktikantin, die obendrauf noch null PC-Kenntnisse hat. Aber ich habe ja noch genug Zeit, um vom Gegenteil zu überzeugen. Vielleicht ist es auch nur die Umstellung vom alten Praktikum auf das neue. Ich hatte dort ja schon gut was zu sagen und erklärt hat mir kein Mensch irgendwas. Deshalb bin ich von der Idiotensicherheit mal abgesehen regelrecht begeistert von den Arbeitsbedingungen. Ich habe Gleitzeit. Ich darf im Büro essen und trinken. Und der Kaffee ist kostenlos. Ich bekam einen Block und stand vor einem ganzen Schrank voller Klebezettel, Stifte, Textmarker und Notizhefte. (Der Traum einer Schreibverrückten^^). Die Menschen sind zwar größtenteils um einiges älter als ich und ihre Gesprächsthemen drehen sich um die Einschulung ihrer Kinder oder ums Heiraten. Aber nett wirken sie eigentlich alle.

Über die Arbeit selbst kann ich euch leider nichts erzählen. Bisher ist das auch noch nicht so spannend. Und nach dieser kurzen Zeit von vier Tagen ist das auch erstmal alles, was ich zu berichten habe. Dass mein Befinden ziemlich durcheinander geraten ist, hat meinem Gefühl nach nichts mit der neuen Stelle zu tun. Die vollende Verwirrung setzte schließlich schon vorher ein. Ich weiß nicht so richtig, wie was warum. Das ist auch sehr wechselhaft. Bei meinem letzten Z-Termin war ich den Tränen gefährlich nahe, aber dann gibt es auch immer wieder Momente, in denen ich - ihr wisst schon - rumhüpfe. Es ist die Angst, nicht genug Zeit zu haben, abgelöst von der Motivation, die Zeit zu gestalten, dem Wunsch, sie anzuhalten und dem Erkennen, dass das nicht geht. Kiwi sagt, ich denke zu differenziert. Und diese durchdrehte Denkerei nimmt mir die Zeit weg.

Es gibt noch ein paar mehr Seiten in meinem Notizbuch, über die ich gerne schreiben würde. Aber das verschieben wir auf den nächsten Post. Heute geht es mir ja eigentlich ganz gut. Und S. hat gerade angerufen und kommt gleich vorbei, weil sie schon zu einer Verabredung losgefahren ist, die jetzt abgesagt hat. Ich sollte schnell noch ein bisschen Chaos beseitigen. Immerhin ist es mir gelungen, meine Home-Office-Ordnung größtenteils beizubehalten. Nur Schreibtisch und Nachttisch quellen über. Ich mache zur Zeit irgendwie ständig Hamsterkäufe, was Süßigkeiten und Co angeht. Immer, wenn ich was Veganes entdecke, muss es mit. Heute Abend wollen wir mit einem Freund noch in eine Bar gehen. So sieht unser "Ostern feiern" aus. Ich hoffe, ihr habt frei und genießt das verlängerte Wochenende. Glitzerglitzer für alle da draußen und immer schön stark und wundervoll bleiben! ♥♥♥



Sonntag, 20. März 2016

Kleiner Wahnsinn

Meine Stimmung ist irgendwas zwischen Aufregung, Angst, Ichwillnicht und Alleswirdgut. Es ist Sonntag. Morgen geht etwas Neues los und da ist es doch normal, komische Gefühlsanwandlungen zu haben. Oder? So war das auch zu Schul- und Unizeiten immer, wenn ich lange Ferien hatte. Nun ist sie also offiziell vorbei, die Home Office Zeit, in der so viel mehr hätte passieren sollen, als es ist. Aber ich bin ja auch größenwahnsinnig, also klar, dass ich mir viel zu viel vorgenommen habe...

Die letzten vielleicht zwei Wochen - oder sagen wir die ersten beiden Drittel des Monats März - waren...irgendwie...seltsam. Sehr schwankungsgeprägt. Sicher aufgrund ungewisser naher Zukunft. Doch amüsant, wie die Zeit Dich durcheinander wirbelt, wenn sie nicht auf den Punkt getaktet ist. Es erschütterte mich, wie schnell die Menschen alt werden und sterben. (Ja, ich habe mein Sims3-Spiel wieder herausgekramt). Die Gedanken, die ich mir darüber machte, zu wenig Zeit zu haben, führten zu Zeitverlust. Las ich Anfang Februar noch zwei Bücher in zwei Wochen, wurde ich mit der Zeit langsamer. Müder. Desorientierter. Jetzt bin ich von Grund auf verwirrt. Gar nicht nur negativ. Aber auch. Durcheinander.

Letzten Freitag schreibe ich über ein durch Ängste versautes Vorstellungsgespräch. Am darauffolgenden Abend und dem nächsten Tag zweifle ich an meinen sozialen Fähigkeiten. Montag heißt der Tag der Zusage für das Praktikum (immer noch: hää?!). Dienstag geht es meinen sozialen Fähigkeiten wieder besser und sie trinken mit Kiwi und D. "Kaffee am Meer". Mittwoch installiere ich meinen neuen Wordpress-Blog (jetzt ist er nicht mehr erreichbar -.-). Donnerstag fängt der Text-Chef an zu meckern und wegen der wieder weniger werdenden Wörter zu stressen. Freitag hat Barbie Geburtstag und ich treffe viele Kommilitonen wieder, ich merke, dass sie mir meine bisherigen Erfolge nie zugetraut hätte, wir sagen, wir sehen uns jetzt öfter, obwohl wir wissen, dass wir es sowieso nicht tun werden. Samstag ist Katertag und anstatt meinen Schlafrhythmus anzupassen, schaue ich bis 3 Uhr morgens eine Doku über Nina Hagen (meine Oma meinte vor kurzem zu mir, ich sähe so aus^^) und schreibe anschließend noch 21 Minuten Tagebuch (ohne das kleine Büchlein und den Schmetterlings-Kalender könnte ich meine Woche so jetzt nicht nachvollziehen). Und:

Heute ist Sonntag. Ich runzele die Stirn darüber, wie mir die Zeit entgleitet. Ich weiß, dass ich bald ins Bett muss, wenigstens versuchen, ein paar Stunden zu schlafen. Ich sitze mit frisch gewaschenen Haaren im Gesicht am Schreibtisch, mein Sonntags-Wortpensum hinter mir. Verschiedene Ängste gehen mir durch den Kopf. Ich erinnere mich mit Schrecken an meinen Albtraum von heute morgen. Der Stift, den ich mir beim Nachdenken in die Haare gedreht habe, fällt auf den Boden. "Let's get loud" tönt es mir in die Ohren. Was einem so alles über den Weg läuft, auf Spotify. Ich schneide meinem Spiegelbild Grimassen. Alles wie immer. Verrückt ist nicht das Gegenteil von Normal. Es ist genau so normal wie spießig sein. Und wer wär schon gern ein Spießer?

Mittwoch, 16. März 2016

Meckerpost #4 - Trotzphase

Wo ist denn der Anfang? Gedulden Sie sich, Sie werden ihn schon wiederfinden. Ja nein aber....

Er ist weg. Der Anfang. Mit dem ich anfangen wollte. Diesen Post. Aber ich hab ja auch Kopfschmerzen. Also ist das in Ordnung. Vielleicht? Es gibt gute Neuigkeiten. Kennt ihr das, wenn so etwas passiert, worüber ihr euch eigentlich freuen solltet, ihr aber gerade gar nicht bereit seid dafür? Ja. Nein? Klingt das verrückt? Naja, es ist aber eben halt so. (Füllwörter-Alarm)!

All-so. Es ist ja so. Ich traue mich kaum, es zu sagen. Aber ich hab dieses Praktikum bekommen. Obwohl ich nach dem Vorstellungsgespräch ein so schlechtes Gefühl hatte. So richtig mit Vertrag und so und ein bisschen Geld, nicht viel, aber festgelegt eben. Ganz anders als bei dem letzten "Praktikum"... Ob das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist, frage ich mich, dass sie mich genommen haben. Weil vielleicht sind die ja einfach super schlecht und entschieden sich deshalb für eine so super schlechte Person wie mich. Oder ihnen sind die Praktikanten total egal und werden ausgebeutet. Oder - ja auch das wäre eine Möglichkeit - ich war gar nicht so super schlecht, wie ich zu wirken glaubte. Denn super schlecht bin ich ja nicht, von meinen Fähigkeiten her, nur habe ich mich schlecht präsentiert. Super schlecht.

Kiwi sagt, ich denke zu differenziert. Vielleicht ist das so. Ich denke gerade, dass dieser Post doof ist. Irgendwie kindisch. Dass das nicht euren Erwartungen entspricht. Und das ich sowieso nix zu sagen habe. Nennt sich das Trotzphase? Ich finde das nervig. Alles so. Kommentare, in denen eine Person sowas schreibt wie: "Weißt Du eigentlich, wie gut es Dir inzwischen geht, wieviel Du geschafft hast und wie toll Dein Leben ist, während bei mir immer noch alles scheiße ist?!1!!" [(Das geht nicht an Dich, liebe Person). Das geht an alle: Das nervt. (Vielleicht geht es auch doch nur an mich). Ich möchte bitteschön weiterhin selbst noch entscheiden, wie es mir geht. (Danke).] Mir erschließt sich daraus die Erwartung, dass ich jetzt nur noch Positives zu posten habe, weil bei mir ja jetzt alles sooo schick ist. Ich weiß, darüber habe ich schon in meinem Post Es ist ein Leben danach geschrieben. Dass das so nicht existiert. Aber es beschäftigt mich immer noch, denn es ist so viel einfacher, in gut und schlecht, schwarz und weiß, Gewinner und Verlierer zu unterteilen. Eine verlockende Option. Aber gefährlich und giftig. Für beide Seiten (die es so in dieser Abgrenzung aber gar nicht gibt!). Macht mich das wütend! Schade, dass die Intensität des Tastenanschlags euch beim Lesen verborgen bleibt.

Kernaussage dieses "Artikels" ist vielleicht: Okay, mir fällt keine ein. Ist vielleicht, dass unbearbeitete Gedanken in einer Art wie dieser hier selten geworden sind. Was vielleicht auch wieder an meiner Art zu Denken liegt. Die ist ja eine ziemliche Spontanitäts-Bremse. Außerdem lässt sie mich nicht zum Punkt kommen, das nervt! Der Punkt ist nämlich, dass ich entgegen üblicher Erwartungen gerade nicht voller überschwänglicher Freude durch die Gegend luftspringe. Es tut mir ja leid, aber ich kann einfach nicht so schnell umschalten. Mich nervt es, dass wegen dieser guten Neuigkeit jetzt nirgendwo mehr Platz für den Müll in meinem Kopf ist. Weil aber Du hast doch jetzt ein Praktikum! Freu Dich!!! Lo-hoos!

Worüber ich mich aber freue, ist ein 9,5 Skalenpunkte schöner Kiwi-Tag, den ich gestern erleben durfte. Der hätte sogar Potenzial, den Müll zu überbieten, wenn - ja, wenn er nicht schon wieder vorbei wäre. Das nervt mich nämlich auch: Dass alles und jede*r ein Ende hat. Ich hasse Enden und Abschiede und überhaupt die Zeit manchmal. Und dann halte ich immer die Luft an, als könnte ich die Zeit so zum Stehen bringen, oder zum Weggehen.

Nun, unter dem Label "Meckerpost" lässt sich "das hier" gerade noch so veröffentlichen. Einfach machen und klicken. Am Wochenende kommt dann der echte (eigentlich geplante) Erfahrungsbericht über die guten Neuigkeiten und positiven Ereignisse. Einverstanden? ♥


Freitag, 11. März 2016

Donnerstage und Freitage.

Donnerstage.

Aufstehen. AUFstehen. Wenn der Wecker für Aufsehen sorgt. Durch NICHTklingeln. Gut, dass zwei voneinander unabhängige Wecker jeweils zu mehreren Zeiten gestellt sind, sodass mindestens fünf mal doch etwas klingelte. Gedanklicher Ins-Kissen-Schrei. Und dann wirklich aufstehen. Erster Punkt der To-Do-Liste: abgehakt.

Die Nägel nur mit Klarlack lackiert. Duschen. Schminken (heute ganz dezent). Bügeln. Beim Frühstück noch einmal Stärken und Schwächen googlen. Dann umziehen. Diese schrecklich unbequeme zu große Anzughose (der Rock hat wie immer einen Fleck). Die schwarze Bluse zugeknöpft. Wieso hat dieses Ding keinen Knopf am Kragen? Die grünen Haarspitzen unter das Duttkissen stopfen. Feststecken. Festsprühen. Haarlack, Nagellack, geleckt. Geputzte (kaputte) Schuhe. Musik auf die Ohren für das ultimative Stärkegefühl auf die Ohren. Und los. Vor dem Eingang müssen die Kopfhörer verschwinden, gemeinsam mit der Stärke. Die Knie werden weich beim Betreten des großen Verlagshauses.

Am Empfang soll ich mich melden, aber dort sitzt niemand. Ein paar unbeholfene Schritte weiter. Auf einen der Fahrstühle warten. Sechs Stück. Dann geht es hoch hinaus. Und dauert. Menschen steigen ein und aus oder drücken den falschen Knopf und wir halten auf leeren Etagen. Noch bevor ich die Klingel finden kann, öffnet sich die Tür. "XY, Dein Termin ist da!" Eine Sekretärin bittet mich, den Mantel aufzuhängen und bietet etwas zu Trinken an. Wieder warten. Das Herz schlägt, als wollte es aus dem Mund springen. Die eiskalten Hände an der Hose trocknen und warm reiben - für den optimalen Händedruck. Das starke, offensichtliche Zittern zu unterdrücken versuchen. Die Übelkeit schlucken. Jetzt bloß nicht umkippen. Aber ich sitze ja. Das erste Gespräch verläuft schlecht, die Worte stolpern stammelnd durcheinander, die Stimme bleibt nur mit Mühe stabil, würde nur der Inhalt zählen, ginge es vielleicht noch. Das zweite Gespräch läuft unter dem Label "Eigentlich schon vorbei" etwas besser...

Wenige Minutenblöcke später. Ich stehe im Supermarkt, kaufe mir eine Kokos-Schoko-Milch. Die Anspannung ist weg und die Kraft kehrt zurück. Ich möchte mir die Zunge abbeißen. Warum ist die ganze Zeit alles gut, aber in einer entscheidenden einzigen Stunde geht plötzlich gar nichts mehr? Obwohl zunächst unspannend, war da dann doch der Wunsch, nach den größeren Fischen zu greifen. Aber die sind nicht so locker wie StartUps, die sind nicht kaum älter als ich und führen nicht selbst zum esten Mal ein solches Gespräch durch. Nein. Die sitzen in riesigen Häusern, auf ganzen Etagen, die haben Empfänge und Sekretärinnen und Personaler und Abteilungen. Und die lösen offensichtlich Panikattacken aus. So wie Heizungsableser oder Paketboten, Läden ohne Selbstbedienung oder Café-Bedienungen...

Letzte Hoffnung: Die anderen Bewerber sind noch schlechter. (Realismus?!) Zeugniskopien schickte ich auf Wunsch hinterher. Darauf kam eine freundliche Antwort. Ein Versuch ist ein Versuch, den ich diesmal selbst versiebt hab. Wovon ich vor Kurzem erzählte, das wurde nichts. Das erfuhr ich auch erst auf Nachfrage. Sie hatten jemanden mit mehr Erfahrung gesucht. Das hört man ja oft. Eine Studentin im 5. Semester, die nur 6,5 Monate Praktikum und ein Jahr stellenbezogenen Nebenjob vorweisen kann, tsss...

Freitage.

Heute später aufstehen. Freestyle-Frühstück aus letzten vorhandenen Resten. Keine Lust auf Texten haben. Dafür voller überschüssiger Energie durch die Wohnung hüpfen. Irgendwann doch mit der Arbeit  anfangen. Nebenbei Verabredungspläne mit der ehemaligen Kollegin, die mal wieder in Berlin ist, und der sagenhaften Kiwi, die endlich wieder in Berlin ist, schmieden. Dunkelpink über den Klarlack pinseln. Freuen. Weil so liebe Menschen da sind. Mit der Kollegin lässt es sich so wunderbar über (Gott und) die Welt diskutieren und das ganz ohne den Vorwurf, ich diskutierte zu viel. Gemeinsam mit ihr und ihrer besten Freundin rege ich mich gerne auf und ich mag es, wie wir uns unsere mal sehr unterschiedlichen, mal ähnlicheren Welten erklären, und wie wir unserem Ärger über gewisse Ex-Chef-Methoden Luft machen, was dieses Mal vielleicht nicht mehr so viel Raum einnehmen muss. Einen Kaffee und diesen Post später werde ich mich auf den Weg machen. Und, naja, um Kiwi und ihre Zauberhaftigkeit wissen diejenigen, die es wissen, ja bereits.^^

Ich wünsche euch allen mehr Glitzer und weniger Angst. Und mehr Liebe-Menschen-Momente und weniger Einsamkeit.  Bleibt so funkelverwegen wie ihr seid. ♥


Dienstag, 8. März 2016

Als ich noch ein richtiges Mädchen werden wollte

Ich definiere mich als Frau - vorher als Mädchen - und das war schon immer so. Aber nicht immer hatte ich das Gefühl, den Kriterien der Weiblichkeit voll zu entsprechen. Also, den Kriterien, mit denen ich aufgewachsen bin. Es gab Zeiten, in denen machte ich Pläne, wie ich zum "richtigen" Mädchen werden könnte. Und Zeiten, in denen ich mir die Haare abschnitt und möglichst lässig und cool wirken wollte, um einem Klischee zu entsprechen. Was ich auch anfasste, immer machte ich irgendetwas falsch, war nie "richtig" in meinem Auftreten und Verhalten, ob ich nun Röcke oder flache Schuhe aus meinem Kleiderschrank verbannte. So dachte ich jedenfalls. Und heute, denke ich, ist ein guter Tag, um darüber zu sprechen.

Ich glaube, irgendwann im Kleinkindalter realisieren Kinder, dass sie ein Mädchen oder eben ein Junge sind. Aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Dafür erinnere ich mich an  meinen ersten Schultag auf dem Gymnasium. Da trug ich zwei geflochtene Zöpfe und einen bunten Rock. Schlumädchenoutfit eben. Meine Klassenlehrerin, die ich übrigens hasste, war - das erfuhr ich etwa acht Jahre später - lesbisch (und ich kannte dieses Wort früher nur, weil meine Mutter es hin und wieder verwendete, um diese Lehrerin zu kritisieren, weshalb ich dachte, das sei irgendetwas ganz Schlimmes). Genauso wie meine Englisch-Lehrerin, die alle liebten und die in meiner Vorstellung immer einen Ehemann und zwei erwachsene Söhne hatte. Aber damals, in der 5. Klasse, hatte ich davon keine Ahnung und mit Mädchenhaftigkeit und Jungs noch absolut gar nichts am Hut. Naja, wie ihr wisst, ändert sich das irgendwann. Die Tussis werden tussiger, alle stehen auf diesen einen Typen und dann denkst Du Dir, Du solltest auch auf ihn stehen. Schließlich saß ich neben ihm. Wir saßen klar getrennt im Klassenraum. Am Fenster saßen die Mädchen und zur Tür hin die Jungs. Nur mich hatte man mitten in den Jungs-Block gesetzt. Als Ruhepol. Und so konnte ich nie mitmachen, wenn meine Freundinnen, die alle in einer Bankreihe saßen, Zettelchen schrieben. Denn einen Zettel unauffällig auf die "andere Seite" zu schmuggeln - das ist geradezu unmöglich.

Irgendwann, mit 13, wurde der Typ, um dessen Banknachbarschaft mich so manche beneidet hatte, uninteressant. Die Tussis sahen sich in höheren Klassen um und ich, ich dachte eine ganze Zeit lang, ich wäre verrückt geworden. Es war wirklich eine schreckliche Zeit und nein, ich hatte nicht die leiseste Ahnung, was da vor sich ging. Bis meine Schwester, die keine christliche Privatschule besuchte, einen Stapel Aufklärungshefte mit nach Hause brachte, die ich selbstverständlich heimlich auf dem Klo las. Danke Bildungssystem, dass Du mich so lange hast glauben lassen, ich hätte den Verstand verloren!

Leider war die Lektüre des grünen Heftchens keine gute Vorbereitung auf die Realität. Naiv wie ich war, glaubte ich, was da stand, nämlich dass mit mir alles cool wäre und meine Mitmenschen das genauso sehen würden. Damit bin ich auf der christlichen Privatschule ebenso wie auf dem Internat auf dem ehemaligen Klostergelände in Kackdorf ziemlich auf die Fr***e geflogen. Egal wie mir irgendwann alles war, kamen Papierschere zum Einsatz und Haare ab. Nicht super kurz, aber super fransig (aka total verschnitten) und unmädchenhaft (Mädchen, geh zum Friseur!).

Und dann wurde sowieso alles anders. Wenn alles anders wird, hast Du die Möglichkeit, alles anders zu machen und neu anzufangen. Bisher hieß die Devise bei jedem Neuanfang: Mehr Klappe halten. Im Jahr 2011 ging damit die Verwandlung zum "richtigen" Mädchen einher. Ich hatte schon eine Freundin, die mir zeigte, wie das ging. Die Haare wieder wachsen lassen. Nur noch blond, keine bunten Strähnchen mehr. Highheels und Tussi-Handtaschen mussten her. In der Abizeitung stand über mich: "Immer an der Frau: Röhrenjeans". Dreimal habt ihr schon erraten, dass auch Dünnheit dazu gehörte. Es gibt diese Fotos von mir, auf denen ich ultraschlank, blond, mit Blumen im Haar und knallpinkem Lippenstift im Park posiere. Und diesen Tagebucheintrag vom 23. Januar 2012: "Ja, ich bin ein richtiges Mädchen geworden. Aussehen macht so viel aus! Ich hab nur eine Frage gestellt und schon hatte ich einen lockeren Umgang mit den Mädels aus meinem Projekt, die auch so model-tussi-mäßig sind und jetzt bin ich auch so, ich gehöre einfach dazu!" Ich muss nicht erwähnen, dass die i-Punkte Herzchen sind...? Und es gibt mich als Gerade-noch-18-Jährige, die als "richtiges" Mädchen vor ihrem 19. Geburtstag bitteschön mindestens eine Hetero-Beziehung gehabt haben muss! Mit allem Drumunddran.

Rücksicht auf Verluste? Fehlanzeige. Haare aufs Spiel gesetzt (durchs Abschneiden und durchs Blondieren), Gesundheit aufs Spiel gesetzt, Leben ab und zu wahrscheinlich auch. Und nicht zuletzt hab ich mir meine Identität von irgendwelchen Klischees, Germanys Next Topmodel und der Werbung vorschreiben lassen. Manchmal kotzt mich diese Person an, die mich aus meinen alten Tagebüchern anglotzt. Was ist von ihr geblieben? Das Bauchnabelpiercing, die langen Haare und das Make-Up im Gesicht. Weil ichs schön finde. Jetzt sind die Haare aber wieder bunt und die Highheels stehen sich die Hacken in den Bauch. Die Röhrenjeans hab ich verschenkt. Ich mag Blusen und Blümchen, Coolness und Lippenstift, Karohemden und Rüschenröckchen, bequeme Schuhe und Glitzersöckchen.

Vor allem weiß ich jetzt, dass ich keine Äußerlichkeiten brauche, um ein "richtiges" Mädchen, ein "richtiger" Mensch zu sein. So ein "richtig" und "falsch" gibt es doch gar nicht. Es gibt nie nur den einen Weg und die eine Norm. Selbst in Gruppen, in denen Du denkst, dass es um Akzeptanz und Respekt geht, spürst Du schnell, dass Du nicht den Erwartungen entsprichst. Ich stelle das immer wieder fest. Ich war nicht das "richtige" Mädchen, nicht die "richtige" Essgestörte, nicht die "richtige" Gymnasiastin, bin nicht die "richtige" Veganerin, nicht die "richtige" Schreiberin, nicht die "richtige" 21-Jährige. Aber ganz ehrlich, wenn nur das eine "richtig" ist, dann bin ich lieber falsch. Wer wäre ich, wenn ich auf alles gehört hätte, was andere zu mir sagten? Diskutiere nicht so viel, haben sie gesagt; rede nicht so viel; werde mal extrovertierter; so schlimm, wie Du es darstellst, kann es gar nicht sein; das ist so schlimm, wenn das wahr wäre, könntest Du gar nicht so leben; Du hast Dir das doch selber ausgesucht; es ist nicht Deine Schuld; es ist Deine Schuld; Du bist zu fett; Du bist zu dünn; dafür siehst Du viel zu weiblich aus; Du bist nicht weiblich genug; ...

Merkt ihr, was für ein Quatsch das alles ist? Seid wie ihr seid und ihr seid gut so! Die Experten für euer eigenes Leben und eure eigenen Erfahrungen seid immer noch ihr selbst. Wenn ihr das Gefühl habt, dass sie euch nicht verstehen, dann verstehen sie es vielleicht einfach nicht, aber das hat nichts mit euch zu tun, das ist dann deren Problem. Irgendjemand versteht immer. Zumindest hier im Internet. Vielleicht habt ihr ja  Lust, eure Erfahrungen mit dem "richtig" und "falsch" sein hier zu teilen. ♥


Mittwoch, 2. März 2016

Vegan NACH Essstörung? - Teil #2

Mehr als 4 Monate ist es inzwischen her, dass ich mich für die vegane Lebensweise entschieden und dazu Teil 1 dieser Posting-Reihe geschrieben habe. Und seit fast 2 Jahren bin ich schon nicht mehr essgestört! Das ich es so lange schaffen würde (beides), hätte ich nicht gedacht. Wie ist es mir aber ergangen in der letzten Zeit? Davon möchte ich euch heute berichten.

nie ohne Schokolade ♥
Die vegane Lebensweise - Essen, Kleidung und Kosmetika betreffend - ist für mich so etwas wie Alltag geworden. Natürlich hört das Entdecken nicht auf. Dafür mache ich das noch nicht lange genug. Aber für mich ist es jetzt normal, Veganerin zu sein, und ich denke nicht mehr darüber nach, zur vegetarischen Ernährung zurück zu kehren. Ich habe viel ausprobiert, entdeckt, aber auch Routinen entwickelt. Ich weiß jetzt, welche Schokoladen wirklich schmecken, in welchen Restaurants ich als Veganerin nichts zu lachen habe (in Berlin ist das zum Glück nicht die Mehrheit) und dass veganer Käse fürchterlich schmeckt (was aber nicht soo schlimm ist (okay, manchmal doch, aber nur wenn meine Mitbewohner Pizza essen)). Schwierigkeiten gibt es eigentlich nur, wenn ich mich auf einer Party erklären muss. Aber selbst Weihnachtsessen und Plätzchen waren ohne Probleme drin - im Bauch.

Frühstückchen
Die Süßigkeiten-Abteilung ist verlockend, wenn die neue Veganz-Filiale quasi um die Ecke ist. Trotzdem habe ich das Gefühl, mich (für meine Verhältnisse!) gesünder zu ernähren - vor allem seit meine Home-Office-Zeit begonnen hat und ich mehr Zeit dafür habe. Frühstück macht für mich ohne hinein geschnippeltes Obst und die berühmten Chia-Samen, von denen ich dank meines letzten Praktikums einen Vorrat for free besitze, gar nicht mehr so viel Sinn. Aufs Brot kommt, wenn nicht schon Avocado drauf ist, immer noch Tomate oder Gurke oder Rucola oder sowas. Und ich bin ein großer Couscous-Salat-Fan geworden. Die Schokolade und Schokocreme vorbehaltene Ecke meines Schreibtischs existiert natürlich trotzdem noch. Gäbe es keine gute vegane Schoki, wäre ich keine Veganerin.^^ Vegan backen ist ebenfalls eine kleine feine Leidenschaft von mir. Kolleg*innen, Mitbewohner und Geburtstagskinder dürfen sich darüber freuen. Bisher hat noch niemand einen "veganen" Geschmack festgestellt.

Räuchertofu-Liebe
Nun, ein paar Kritikpunkte hätte ich dann doch. Und zwar betreffen sie die Inhalte der Medienpräsenz des Veganismus. Die sind nämlich nicht in allen Fällen ex-essgestörtenfreundlich. Zur Zeit bin ich etwas aktiver auf Instagram und besonders da schreckt mich der Gesundheits-, Fitness- und Abnehmwahn dezent ab. Nicht nur sowas wie #veganforfit, nein, den #veganforfat finde ich fast noch bescheuerter. Als ob ich jetzt fett werde, wenn ich einen Dinkel-Pfannkuchen mit Agavendicksaft esse. Bloß keinen Zucker essen! Warum? Zucker macht dick! oder Finger weg von Gluten! Warum? Gluten ist böse! Wer abnehmen möchte oder glutenunverträglich ist, bitte, auf mich trifft das nicht zu. Rohvegan hier, Basenfasten da. Hat alles seine Berechtigung. Aber wo finde ich einen Ernährungsstil, der nicht "super zum Abnehmen" oder "perfekt für den Muskelaufbau", sondern einfach nur "ganz normal" ist? Muss ich zwingend zur Super-Mega-Healthy-Queen werden, nur weil ich mich auf eine bestimmte (meinen ethischen Vorstellungen entsprechende) Weise ernähre? Es könnte so einfach sein, wenn es nicht so verkompliziert werden würde. Stinknormal essende Leute kann das doch nur abschrecken und Veganer*innen komisch finden lassen. Mich nervt es einfach tierisch, dass Essen nur im Zusammenhang mit Schlankheit und Fitness okay ist und Anerkennung erhält. Das ist nicht nur bescheuert, sondern widerspricht irgendwie auch dem, was Veganismus für mich bedeutet: Respekt gegenüber anderen Lebewesen.

Haarfarbe natürlich auch vegan
Ich kann also nur sagen: Gesellschaftlich und medial fördert vieles Essstörungen, vor allem wenn es um Ernährung geht. Leider. Darüber hilft nur die eigene Einstellung hinweg. Dem Druck gilt es standzuhalten. Wenn Du weißt, was Du willst und wer Du bist, kannst Du auch als Ex-Essgestörte*r vegan leben. Aber pass auf Dich auf.


Ich hoffe, dieser kleine Einblick hat euch Spaß gemacht.^^ 
Gibt es irgendetwas, das ihr zu dem Thema noch gerne wissen würdet? ♥