Samstag, 31. Dezember 2016

Jahresrückblick 2016

Januar: Ich beende nach 7 Monaten mein Praktikum bei dem Startup-Unternehmen mit dem Arschloch-Chef und beschließe, mein Studium um ein Semester zu verlängern. Mein Praktikumszeugnis werde ich erst Monate und Überredungskünste später bekommen. Ich mache mich bereit für etwas Neues und schreibe Bewerbungen für ein weiteres Praktikum.

Februar: Ich arbeite von zu Hause aus in meinem Texterinnen-Nebenjob und berichte darüber hier auf dem Blog. Außerdem baue ich mir ein Bett und schreibe über das Leben danach. Das Bewerben geht weiter.

März: Ich finde ein neues Praktikum in einer Online-Redaktion, obwohl ich der Meinung bin, das Vorstellungsgespräch versaut zu haben. In der zweiten Monatshälfte beginnt das Arbeiten dort.

April: Ich bin wieder voll im Arbeits-Modus mit Praktikum + Nebenjob und habe wenig Zeit für etwas anderes. Als ich im Personalbogen meine Konfession angeben muss, fange ich an, mich näher mit Gott zu beschäftigen. Ich färbe meine Haare von Lila zu Orange-Pink-Türkis.

Mai: Das Praktikum geht weiter. Ich sehe und höre zum ersten Mal Nina Hagen im Berliner Ensemble, nachdem ich ihr Buch gelesen und sämtliche Dokus und Interviews auf YouTube gesehen habe. Anlass waren Vergleiche mit ihr nach der Haarfarben-Änderung. Ich schreibe außerdem über Body Positivity. Schließlich werde ich 22 Jahre alt.

Juni: Das Praktikum neigt sich dem Ende. Ich gehe mit Kiwi und D. zu Lilly Lindners Buchpremiere. Nach dem letzten Arbeitstag beginne ich, meinen Praktikumsbericht zu schreiben. Das Zeugnis kommt diesmal halbwegs zeitnah.

Juli: Ich besuche ein weiteres Mal eine Vorstellung von Nina Hagen im BE. Mein Praktikumsbericht wird fertig und abgeschickt. Ich erzähle euch, warum ich euch nicht leid tun will.

August: Ich fahre mit S. für drei Tage an die Ostsee und stelle fest, dass es mit unserer Freundschaft nicht mehr so gut läuft. Viel zu viele Menschen sterben. Ich gehe zum ersten Mal nach drei Jahren zu einer Ärztin, weil mein linkes Ohr verstopft ist.

September: Ich habe neue Freunde, mit denen ich mich wahnsinnig gut verstehe. Ich zünde eine Kerze für Kian an. Ich nehme an einer Aktion zum Welttag der Suizidprävention am Brandenburger Tor teil. Ein brutales Ereignis reißt mich aus dem Leben in ein fieses dunkles Loch. Ich verliere fast alle meine sozialen Kontakte auf einen Schlag.

Oktober: Obwohl es unmöglich scheint, schaffe ich es, ein Thema und einen Professor und eine Zweitbetreuerin zu finden und meine Bachelorarbeit anzumelden. Ich kämpfe mich langsam wieder hoch. Ich treffe mich nach zwei Jahren Kontaktpause wieder mit Sunny.

November: Ich schreibe an meiner Bachelorarbeit. Ausgerechnet jetzt streite ich mich heftig mit Kiwi. Ich schreibe darüber, dass ich kein verlorenes Mädchen bin. Außerdem nehme ich ab jetzt wöchentlich an einem Trickfilmworkshop teil. Unsere Adventsaktion beginnt.

Dezember: Das Schreiben der Bachelorarbeit geht in die intensive Endphase. Ich treffe mich mit Sunny regelmäßig zur Arbeitsgruppe. Kiwi und ich vertragen uns wieder. Unser gemeinsames Gedicht wird fertig. Ich verbringe Weihnachten weitgehend stressfrei mit meinen Mitbewohnern. Was ich an Silvester tun werde, weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

Wie war euer Jahr? Was war schön, was weniger? Was habt ihr erreicht? Wie stellt ihr euch das neue Jahr vor? 

Ich jedenfalls bedanke mich für euer Dasein, euer stilles Lesen, euer Glitzer-Button-Klicken und natürlich für eure überwiegend lieben, hilfreichen, einfühlsamen und witzigen Kommentare! Hier ein Best-Of mit euren Worten:

"Ich muss gerade weinen, du bist so eine Motivation für mich, ich kämpfe jetzt seit 5 Jahren, habe zwar Normalgewicht (endlich) aber ich kann trotzdem nicht an was anderes denken... ich wollte jetzt eigentlich wieder tiefer in Ana rein, habe deswegen nach solchen Blogs gesucht... aber du motivierst mich gerade zum Gegenteil." - Anonym

"Gestern hatte ich einen glitzer- Moment. ich saß mit einer lieben Freundin in einem Café und habe Kakao mit ihr getrunken, und dann hat sich ein älteres Pärchen zu uns gesetzt, und sie haben ihre Pizza mit uns geteilt." - Neva

"Irgendwie werden wir alle gesehen." - Emaschi

"Die Welt ist nicht heil. Sie hat ganz viele Wunden und Narben, das kommt davon, wenn man so alt ist und so lange schon. Aber es gibt heile Orte und Flecken und es gibt Menschen, die machen einen wieder ein bisschen heil." - Anima

"Irgendwie haben mich deine Worte ein bisschen aus dem Nebel geholt. Scheint, als wäre doch noch ein bisschen Sonnenlicht in mir, das den Nebel durchbricht." - mademoiselleverte

"Ich bin da." - Davina

"Dann sind wir eben Dramaqueens, mit Krönchen und Zepter. Wir regieren die Welt (zumindest die in unserem Kopf)." - Jay

"Vorsichtiges Chancen geben ist manchmal gut." - Fee

"Dein Glitzer ist übrigens angekommen. Gerade beim Mittagessen oben meinte eine Betreuerin, dass irgendwo in den Bastelvorräten eine Tüte Glitzer aufgegangen ist und sich jetzt graduell im Haus verteilt, auf dem Esstisch, in den Gesichtern der Mitarbeiter..." - Liv

"Für mich ist alles leicht, weil ich gewählt habe, im Jetzt zu sein. Mit allen Schwierigkeiten kann ich umgehen." - Feli

"Es ist wirklich so schön an der Bloggerwelt, dass alle so respektvoll miteinander umgehen und man immer wieder willkommen ist, egal wie lange man weg war." - Lia

"Ich war früher zu still, zu ernst, dann zu arrogant, dann zu punkig, dann zu gothic, dann zu tussig, zu extrovertiert, zu albern, zu sensibel, zu robust... Ich wollte mich auch irgendwo dazuzählen können. Heute muss ich das nicht mehr. Heute bin ich irgendwie alles, aber nicht gezwungen und fühle mich damit sehr wohl und mag mich lieber, als ich es früher tat." - Carina

"Denken ist der absolute Schlafkiller. Mach das nicht." - Aryadne

Kommt alle gut und sicher ins neue Jahr! Glitzerglitzer ♥♥♥



Samstag, 24. Dezember 2016

Mein Lebensfeuerwerk

Der Schnee fällt weiß, die Zeit verrinnt,
Wenn drinnen warm der Ofen glimmt.
Jahr um Jahr geben wir uns Halt,
Denn ohne Liebe sind alle Farben kalt.

Auch wenn das Fest uns nicht allen das Liebste ist,
Halten wir zusammen, denn wie ihr wisst:
Weiter dreht sich die Erde immer,
Und am Ende jeder dunklen Nacht leuchtet ein Hoffnungsschimmer.

Wie im Morgentau die Knospe der Rose im Garten
Erwacht die Hoffnung neu an jedem Tag.
Abends zünd' ich das Licht an, statt auf Erleuchtung zu warten,
Denn nur ich selbst bestimme, was ich tu, was ich mag.

Überwältigend süß, die Tasse voll heißer Schokolade,
Ein Lächeln, ein Staunen, so bröckelt die Fassade.
Wir treffen uns im Spiegel und sagen: Hallo!
Lange nicht gesehen, wo warst Du nur, wo?

Mit mir selbst im zu Reinen sein,
Real zu erleben und nicht nur zum Schein,
Ist das größte Geschenk von mir an mich.
Denn am Ende zählt: Ich bin ich bin ich.

Die Funken tanzen, toben am Himmelszelt.
Nimm den Moment und schau Dich um in dieser bunten Welt!
Der Schnee umhüllt mich und die Freude bringt mein Herz zum Beben.
Ich blicke in die Dunkelheit und begreife: Ich liebe das Leben.

--

Danke an Lia, Neva, kruemelju und Anonym für eure Zeilen, die dieses Gedicht zusammen mit ein paar von meinen Worten entstehen lassen haben. Ich hoffe es gefällt euch allen! Habt angenehme Tage, macht sie euch angenehm, wenn ihr könnt und übersteht sie wohlbehalten so gut es geht. Vor allem aber: Passt gut auf euch auf! Glitzer und Konfetti von mir an euch: ♥♥♥

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Große Auflösung der Glitzerpäckchen-Verlosung!

Die Adventszeit neigt sich ihrem Ende zu und damit geht auch unsere Gedichtaktion zu Ende. Vielen Dank an Neva und Lia, die ein weiteres Mal mitgemacht und die letzten beiden Zweizeiler unserers Gedichts beigesteuert haben. Eure Post ist bereits unterwegs und ich hoffe ihr freut euch. Und natürlich bedanke ich mich auch bei alle anderen Teilnehmer*innen der Aktion! Unter euch habe ich nun das versprochene Endverlosungs-Glitzerpäckchen verlost und für die Gewinnerin bereits gepackt - damit es noch rechtzeitig ankommt! Wie üblich habe ich euch ein kleines Video gedreht und ein bisschen gequatscht - diesmal nicht ohne Schwierigkeiten (es ist furchtbar geworden und ich habe jetzt, Stunden später, keine Lust mehr, heute ist nicht mein Tag, also bloß nicht auf Vollbild anschauen und einfach nur zuhören ♥), aber ihr kennt das ja schon und für etwas hochqualitatives habe ich gerade leider keine Zeit, ich muss ja noch letzte Weihnachtspost beglitzern und in Briefkästen werfen. 🎇



Spannend war es dieses Mal auf jeden Fall! Ich hoffe, liebe Gewinnerin, dass Du Dich freust. 💖
Unser Gedicht werde ich wie versprochen am 24. Dezember veröffentlichen, als Weihnachtsgeschenk von uns allen für uns alle. Ich werde natürlich ein bisschen basteln, damit Rhythmus und Reime stimmen, und vielleicht noch das eine oder andere Zeilchen von mir hinzufügen, wenn ihr erlaubt. Lasst uns gespannt sein darauf, was sich aus den Themen Farben der Kälte, Wonach schmeckt Hoffnung?, Ich mit mir selbst und Mein Lebensfeuerwerk zusammengefügt hat. Ich wünsche euch eine gute Restwoche ohne zu viel Weihnachtsstress und für alle, die am 24. Dezember keine Zeit haben, auf Blogger zu kommen, schonmal erholsame Feiertage und viel Kraft & Glitzer für alle, denen diese Zeit ebenfalls nicht so leicht fällt. ♥♥♥

PS: Weil einige von euch so lieb nachgefragt haben: Mir geht es gut und soweit ich weiß auch allen, die ich kenne, hier in Berlin. Ich hoffe, ihr seid ebenfalls alle okay und nicht betroffen.

Lasst uns einander Halt geben und da sein, gemeinsam glitzern und weitermachen. 💖


Sonntag, 18. Dezember 2016

Adventsaktion 2016 | #4 Finale: Mein Lebensfeuerwerk

Teil 4 unserer diesjährigen Adventsaktion: Noch ein letztes Mal habt ihr die Chance, zweimal eine Postkarte von mir an euch und eventuell das Endverlosungsglitzerpäckchen zu gewinnen. Aber dieses Mal gilt es schnell zu sein: Wie das am 4. Advent immer so ist, rückt Weihnachten gefährlich nahe und damit alles noch rechtzeitig ankommt, verfallen alle in helle Aufregung. Ich werde euch in dieser Woche nur bis Dienstag Zeit geben, damit ich am Mittwoch die Gewinner*innen bekannt geben und die Post abschicken kann. Der erste Schwung Postkarten ist übrigens schon geschrieben und beglitzert. Beim letzten Mal hat es der Zweizeiler der lieben kruemelju in unser gemeinsames Gedicht geschafft. Ich gebe zu, das Thema war nicht einfach, vor allem im Hinblick auf ein hoffnungsvolles Gedicht am Ende, und ich habe teilweise seltsame Zuschriften bekommen (ich hatte nicht nach einer Einschätzung meiner Person gefragt)... Aber das muss euch, die mehrheitliche wundervoll glitzernde Leser*innenschaft, nicht interessieren. Ich hoffe, dass ihr trotzdem noch einmal Lust habt, mit einem (sich reimenden) Zweizeiler teilzunehmen. 🎅🎄

Das Thema für den 4. Advent lautet: "Mein Lebensfeuerwerk" 🎆

Ich freue mich auf zahlreiche Beiträge, die Momente widerspiegeln, in denen sich das Leben überwältigend, prickelnd und lebenswert angefühlt hat, ihr Hummeln im Hintern hattet oder einfach alles still und ruhig und schön war. Es werden die letzten Zeilen unseres Gedichts sein, das Finale, mit dem wir uns gemeinsam in die Feiertage entlassen werden. Und ich weiß, dass es für viele keine leichte Zeit ist. Ich möchte, dass wir uns alle noch einmal daran erinnern, was das Leben alles Schönes zu bieten hat und dass Weihnachten nur einmal im Jahr ist, dass wir unser Glück nicht an vorbestimmten Feierlichkeiten festmachen, sondern unser einzigartiges Selbst feiern sollten und das nicht nur, wenn wir Geburtstag haben!

Die vollständigen Teilnahmebedingungen findet ihr im ersten Adventspost. Bedenkt, dass ihr im Gewinnfall dazu bereit sein sollten, mir eure Adresse anzuvertrauen. Ich wünsche euch einen erholsamen 4. Advent, lasst euch nicht stressen, die Welt wird nicht untergehen, wenn das Geschenkband ein bisschen schief sitzt, ihr habt mich noch nicht mit Geschenkpapier hantieren sehen.^^ Ich werde mich dann (neben meiner Bachelorarbeit) wieder dem Kartenschreiben und Glitzern widmen. Ich wünsche mir zu Weihnachen ein paar mehr Teilnehmer bei Runde 4. 😇💖


Sonntag, 11. Dezember 2016

Adventsaktion 2016 | #3 - Ich mit mir selbst

Schon geht es in die 3. Runde unserer diesjährigen Adventsaktion! Beim letzten Mal haben leider nicht so viele Menschen von euch mitgemacht, aber ich hoffe, dass euch zum nächsten Thema wieder mehr einfällt. 😊 Gewonnen und somit einen weiteren Teil zu unserem gemeinsamen Gedicht beigetragen haben am 2. Advent noch einmal Neva und "Anonym" (bitte schreibt zukünftig einen Namen dazu, wenn ihr anonym teilnehmt!). Nevas Adresse habe ich bereits, ich hatte dieses Mal ja wenig Auswahl (und die Zweizeiler sollten sich ja reimen 😉), deshalb hat sie es nochmal geschafft und bekommt ein kleines Extra mit zu ihrer Post vom letzten Gewinn. Die anonyme Person möchte ich auch bitten, mir eine E-Mail mit ihrer Adresse an elfentrauma@web.de zu schicken.

Das Thema für den 3. Advent lautet: "Ich mit mir selbst"

Dazu kann vieles gehören: Selbstliebe, die Auseinandersetzung mit sich selbst, dem eigenen Spiegelbild oder dem Körper, allein (und trotzdem zufrieden) sein, ... ... ... Alles ist erlaubt, solange es mindestens zwei Zeilen hat und sich reimt. Zu gewinnen gibt es wie immer zweimal eine Weihnachtspostkarte von mir an euch und die Chance, bei der Endverlosung ein kleines liebevoll gepacktes Glitzerpäckchen zu erhalten, unabhängig davon, ob euer Zweizeiler es in unser gemeinsames Gedicht geschafft hat oder nicht. Die vollständigen Teilnahmebedingungen und Beschreibung der Aktion findet ihr hier im ersten Advents-Post.

Ich freue mich über alle Teilnehmenden und jeden Kommentar! Das hier hat nicht den Anspruch, überwältigende Dichtkunst oder Poesie zu werden, also traut euch ruhig ran an die Tasten! Ich habe schon ganz wunderschöne Postkarten und Aufkleber und Glitzer-Tape für euch hier liegen. 💖


Sonntag, 4. Dezember 2016

Adventsaktion 2016 | #2

Vielen Dank an alle, die bei Teil 1 der diesjährigen Adventsaktion mitgemacht haben! 🎅 Die Gewinnerinnen, deren Zweizeiler zum Thema "Farben der Kälte" es in unser Gedicht geschafft haben, sind Neva und Lia. Herzlichen Glückwunsch! ♥ Schreibt mir bitte eine E-Mail mit eurer Adresse an elfentrauma@web.de. Für die anderen: Nicht traurig sein. Ich wähle die Zeilen vor allem nach Zusammenpassen und passendem Kontext für die folgenden Themen aus. Probiert es doch diese Woche einfach nochmal! Mit eurem Kommentar nehmt ihr gleichzeitig auch an der großen Endverlosung des Glitzerpäckchens teil.

Das Thema für den 2. Advent lautet: "Wonach schmeckt Hoffnung?"

Weil Lia gefragt hatte: Das Gedicht muss nicht zwingend etwas mit Weihnachten zu tun haben! Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben, hier noch einmal die Erklärung der Adventsaktion in diesem Jahr:

Wir werden gemeinsam ein Gedicht schreiben, die Autor*innen der schönsten Zeilen bekommen von mir eine Weihnachts-Postkarte und am Ende wird unter allen Teilnehmer*innen ein kleines Päckchen voll mit Glitzer, Worten, Tee und was mir sonst noch einfällt verlost. Alles klar?

Also: Ich werde an jedem Adventssonntag eine Themenrichtung vorgeben, damit unser Gedicht am Ende auch einen Sinn hat. Alle, die mögen, schreiben dazu einen sich reimenden Zweizeiler in die Kommentare. Damit das Gedicht nicht endlos lang wird und ich mich mit dem Postkartenschreiben nicht in den Ruin treibe, werde ich zwei Zweizeiler aussuchen (oder auslosen, wenn sie alle toll sind), die in der Endversion vorkommen werden. Die beiden Personen, die diese geschrieben haben, sind gleichzeitig "Gewinner*innen" einer Weihnachts-Postkarte. Am Ende haben wir also ein vierstrophiges Gedicht und acht Menschen, die Post erwarten dürfen. Das Glitzer-Päckchen wird nach dem 4. Advent unter allen Teilnehmer*innen, also auch denen, deren Zweizeiler es nicht in das Gedicht geschafft haben, verlost. Selbst wenn ihr glaubt, nicht die besten Dichter*innen zu sein, habt ihr so eine Chance auf Post in eurem Briefkasten. Am 24. Dezember werde ich unser hoffentlich hoffnungsvolles gemeinsames Gedicht hier veröffentlichen, als Geschenk von uns allen für uns alle.

Achtung: Wenn ihr eine Postkarte oder das Päckchen erhalten wollt, müsst ihr natürlich dazu bereit sein, mir im Gewinnfall eure Adresse anzuvertrauen.

Ich freue mich über zahlreiche Teilnahme! Glitzer ♥♥


Sonntag, 27. November 2016

Adventsaktion 2016 | #1

Auch wenn ich in meiner Zeitverwirrtheit fast vergessen hätte, dass es schon so weit ist, möchte ich wie immer eine kleine Adventsaktion für euch starten. 🎄 In meinem Kopf klingt das, was ich mir für dieses Jahr ausgedacht habe, noch ein bisschen kompliziert, aber ich hoffe, es euch verständlich machen zu können. 😊

Wir werden gemeinsam ein Gedicht schreiben, die Autor*innen der schönsten Zeilen bekommen von mir eine Weihnachts-Postkarte und am Ende wird unter allen Teilnehmer*innen ein kleines Päckchen voll mit Glitzer, Worten, Tee und was mir sonst noch einfällt verlost. Alles klar?

Also: Ich werde an jedem Adventssonntag eine Themenrichtung vorgeben, damit unser Gedicht am Ende auch einen Sinn hat. Alle, die mögen, schreiben dazu einen sich reimenden Zweizeiler in die Kommentare. Damit das Gedicht nicht endlos lang wird und ich mich mit dem Postkartenschreiben nicht in den Ruin treibe, werde ich zwei Zweizeiler aussuchen (oder auslosen, wenn sie alle toll sind), die in der Endversion vorkommen werden. Die beiden Personen, die diese geschrieben haben, sind gleichzeitig "Gewinner*innen" einer Weihnachts-Postkarte. Am Ende haben wir also ein vierstrophiges Gedicht und acht Menschen, die Post erwarten dürfen. Das Glitzer-Päckchen wird nach dem 4. Advent unter allen Teilnehmer*innen, also auch denen, deren Zweizeiler es nicht in das Gedicht geschafft haben, verlost. Selbst wenn ihr glaubt, nicht die besten Dichter*innen zu sein, habt ihr so eine Chance auf Post in eurem Briefkasten. Am 24. Dezember werde ich unser hoffentlich hoffnungsvolles gemeinsames Gedicht hier veröffentlichen, als Geschenk von uns allen für uns alle.

Das Thema für den 1. Advent lautet: "Farben der Kälte"

Achtung: Wenn ihr eine Postkarte oder das Päckchen erhalten wollt, müsst ihr natürlich dazu bereit sein, mir im Gewinnfall eure Adresse anzuvertrauen.

Ich hoffe, ihr findet eine Postkarte nicht zu langweilig, um teilzunehmen, und die Idee nicht zu kompliziert. Ich finde den Gedanken jedenfalls cool, aus den Worten von so unterschiedlichen Menschen ein kleines Ganzes zu basteln. Das kann ja auch lustig werden. Also traut euch und hinterlasst einen Kommentar! ♥♥♥

Sonntag, 20. November 2016

Ich bin kein verlorenes Mädchen

Jedes Gefühl der Welt hat seine Berechtigung. Erst recht daran erinnern müssen sich diejenigen, denen etwas zugestoßen ist. Denn unsere Umgebung überflutet uns mit Erwartungen, denen entsprechend wir reagieren und mit unserem "Schicksalsschlag" umgehen sollen. Und manchmal kommen diese Erwartungen nicht von den Ahnungslosen, sondern aus der Mitte derer, denen Ähnliches passiert ist und deren Erleben zufällig mit der stereotypen Vorstellung Außenstehender übereinstimmt. Und alle sollen sich bitte, unbedingt!, so fühlen, wie sie sich fühlen, und das auch nach Außen tragen. Aber es ist nicht richtig, zu pauschalisieren. Es ist nicht richtig, zu sagen: "Wir sind verlorene Mädchen", denn nicht jede*r kann sich damit identifizieren, nicht jede*r erlebt, reagiert und fühlt ganz genau so wie Du. Dazu sind wir, unsere Erfahrungen und Erlebnisse, unsere Biografien und Lebensstrategien viel zu unterschiedlich. Niemand hat das Recht, für "uns" alle zu sprechen, niemand sollte glauben, nichts hinterfragen zu müssen, nur weil wir die ähnlichen Erfahrungen teilen.

Ich bin kein verlorenes Mädchen. Ich bin doch hier! Selbst dann, wenn mich niemand sieht, wenn es niemanden interessiert, bin ich immer noch da. Ich bin hier. Und ich kann alles verlieren, aber niemals mich selbst, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Ich bin hier. Ich bin am Leben. Außerdem bin ich ein erwachsener Mensch und kein kleines Mädchen mehr. Ich stehe im Regen, aber er wird mich nicht wegschwemmen. Ich weiß nicht, was werden wird. Ich weiß nicht, wer ich sein werde. Ich weiß nur, dass ich da sein werde. Das ist meine Erfahrung und nur meine! Kein Mensch auf der Welt hat das Recht, darüber zu urteilen, der nicht in meiner Haut steckt oder dabei gewesen ist.
"Fühlen Sie sich gebrochen?"
Nein. Es tut mir (nicht) leid, dass ich damit nicht Ihrer Erwartung an mich als Opfer entspreche. Das heißt noch lange nicht, dass meine Erfahrung "nicht sein kann". Sie ist! Wer das nicht glauben will, muss das nicht tun. Ein Urteil á la "Es kann nicht so gewesen sein" ist jedoch anmaßend, denn Du kannst Dir niemals sicher sein, dass es nicht doch gewesen ist, und Du kannst Dir nicht vorstellen, wie sich ein solches Urteil dann anfühlt.

Immer wenn ich mit anderen Menschen in Kontakt komme, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie ich, habe ich Angst. Ich habe Angst vor ihrem Urteil. Angst, dass ich mich nicht richtig verhalte; nicht so, wie man es von "solchen Menschen" wie mir erwartet. Ich sehe mich dann mit meinen eigenen Vorurteilen konfrontiert, die diese gesellschaftliche Erwartung in meinen Kopf gepflanzt hat. In kaum einer Umgebung bin ich unsicherer, als unter fremden Menschen, mit denen mich zunächst nur die gemeinsame ähnliche Erfahrung verbindet. Der automatische Vergleich mit denen, die vermeintlich schlimmer dran sind, lässt mich beginnen, meine eigenen Erlebnisse zu relativieren. Dabei sollten gerade wir es doch besser wissen, sollten wir doch wissen, wie vielfältig und unterschiedlich Reaktionen und Gefühle sind. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Es gibt nicht die Muster-Reaktion auf ein so aufwühlendes, brutales Ereignis. Trotzdem ertappe ich mich dabei, wie ich in Kategorien wie Richtig und Falsch, Schlimm und Weniger Schlimm denke, meistens zu meinem eigenen Nachteil. Und deshalb dürfen wir niemals aufhören, zu hinterfragen. Die anderen und uns selbst. Kein Mensch ist frei von Vorurteilen und stereotypischem Denken. Wir sollten uns nicht gegenseitig oder selbst bekriegen. Wir sollten uns nicht alle in einen Topf werfen lassen. Und wir sollten niemals aufgeben, vor allem nicht uns selbst.

Ich liege nicht am Boden. Ich bin kein verlorenes Mädchen. Ich fühle mich nicht gebrochen. Aber:
Nur weil ihr mich nicht weinen seht, heißt das nicht, dass ich immer stark bin.
Nur weil ihr mich nicht sprechen hört, heißt das nicht, dass ich nichts zu sagen habe.
Nur weil ihr nicht wisst, was, heißt das nicht, dass nichts ist.
Ihr bekommt nur einen winzigen Ausschnitt meines Lebens mit. Und natürlich weine ich, habe ich dunkle Gedanken und weiß ich nicht, wie es weitergehen soll. Ich bin kein emotionsloser Eisblock, so wie manche scheinbar denken. Ja, ich bin dazu in der Lage, die Dinge zu händeln, eigenständig und allein. Das heißt nicht, dass das immer der einzige und beste Weg ist. Ich bin froh, wenn mich  jemand fragt, wie es mir geht, mit all dem, oder mir Anwesenheit oder Ablenkung anbietet. Auch wenn ich beim ersten Mal nicht gleich zugestimmt habe. Ich verstehe nicht, warum es die Menschen in meiner Umgebung für eine gute Idee halten, sich von mir abzuwenden und mich in Ruhe zu lassen, bis ich wieder "richtig ticke". Ich bin weder krank noch ansteckend und ich bin auch nicht verrückt geworden, das war ich vorher schon.^^

Welche gesellschaftlichen Erwartungen, denen ihr selbst nicht entsprecht, sind euch schon begegnet? Lasst eure Umwelt an eurem individuellen Erleben teilhaben! Mit Schweigen lassen sich Stereotype nicht durchbrechen. Wie sollen die Ahnungslosen auch verstehen, wenn ihnen niemand erklärt? Stellt euch nicht tot! (Wenn ihr leben wollt.) Geht raus! (Wenn ihr die selbstauferlegte Isolationshaft verlassen wollt.) Redet! (Wenn ihr etwas sagen wollt.)

♥♥♥


Freitag, 11. November 2016

Liebe heile Welt...

Was geschah, ist geschehen.
Was ich sah, ist gesehen.
Siehst Du mich nicht?
Du siehst mich nicht.

Verlieben.
Verlieren.
Beginnen.
Gewinnen.
- Spinnen?

Wenn keiner mich kennt
Und niemand mich beim Namen nennt,
Wenn kein Mensch mich ernst nimmt,
Merkt vielleicht keiner, dass etwas nicht stimmt.

Unsichtbar.
Sonnenklar!

Bin ich noch da?

Du willst nicht sehen, was ich sehe.
Du willst nicht wissen, was ich weiß.
Du willst, dass ich gehe.
Das ist Dir zu heiß.

Was Du nicht siehst, ist nicht gesehen.
Was Du nicht weißt, ist nicht geschehen. 

Nein, nein.
Das kann gar nicht sein.
Du lässt mich jetzt allein.

Was Du nicht sehen willst, siehst Du nicht.
Was Du nicht hören willst, hörst Du nicht.
Was Du nicht wissen willst, weißt Du nicht.
Was Du nicht glauben willst, glaubst Du nicht.

Aber was, wenn es doch geschah?
Wer ist dann jetzt für mich da?
Fragst Du Dich das nicht?



Montag, 24. Oktober 2016

Vom Morgen

Es riecht nach Neuanfang. Mitten im Herbst, während die Blätter fallen und es dunkel wird. Ich hocke in Fledermauspulli und Glitzerstrumpfhosen hinter meinen Büchern. Die Bachelorarbeit, ja, sie füllt jetzt die Zeit bis Anfang Januar. Knapp, aber gerade noch rechtzeitig klappte es mit der Anmeldung. Wenige Tage vor Ablauf der Frist sagte mir doch noch einer der alten grauen Herren Professoren die Betreuung zu. Und mit Hilfe ließ sich auch eine Zweitprüferin zum Unterschreiben finden.


Wir befinden uns also in den allerletzten Zügen dieses Studiums. Vor mir liegt eine ganze Menge an Bewerbungsaufgaben für Volontariate oder Journalistenschulen. Seltsam zu wissen, dass es in wenigen Monaten dann nur noch auf mich ankommt. Da fallen viele Hindernisse und Sorgen und Ärger von mir ab. Eigentlich wird die Verantwortung für mich selbst auch nicht größer sein, als sie es jetzt ist. Trotzdem erwäge ich zumindest die möglichen Horrorszenarien. Schließlich kann es ja auch sein, dass ich keine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle finde, für die ich genommen werde...

Ich mag die Menschen, die mich jetzt umgeben. Obwohl sie teilweise ziemlich kompliziert sind. Aber auf wen trifft das eigentlich nicht zu? Ich lasse mich jetzt eher in Cafés treiben, als mich im Nachtleben herum zu treiben. Einmal mit Sojamilch bitte... Wir reden miteinander, aneinander vorbei und manchmal schaue ich den anderen beim Reden zu. Ist es nicht gruselig, wenn die Tische dazwischen so schmal sind, dass man den Rand der Kontaktlinse im Auge des Gegenübers sehen kann? Je dunkler es wird, desto mehr Glitzer wird sichtbar. Für Halloween hängt im Klamottenladen ein paillettenbesetztes, blutrotes Teufelskostüm. Smokey Eyes sind meine treuen Begleiter auf Entdeckungsreise. Sie fliegen über die Zeilen, flitzen hin und her durch die Umgebung und rollen rundherum, wenn es ihnen mal zu viel wird.

Letzte Woche noch orange sind die Blätter heute gelb. Zimt und Zitronenkekse zu Sternchentee. Es ist Herbst und kalt und spät geworden. Aber eigentich, denke ich, dauert es gar nicht so lange bis zum Frühling. Genauso lang wie vom Sommer bis jetzt. Außerdem kann man Kuschelsocken kaufen und schwitzt nicht mehr so unter all dem Make-up. Trotzdem werde ich wohl kein Wintermensch. Aber es geht ja weiter, immer weiter. Also träumen wir von Neuem und hoffen, dass es sich eignet, dem Alten entgegenzustehen. Glitzer + ♥♥♥


Samstag, 8. Oktober 2016

Was geschah...

Wenn ihr könnt und eine Passwortberechtigung habt, würde ich mich freuen, wenn ihr das lest, was mir wirklich nicht leicht fiel aufzuschreiben. Es ist wichtig und ich denke, es wäre falsch, euch nicht daran teilhaben zu lassen - oder zumindest einen Teil von euch. Also, wenn ihr mögt, könnt ihr hier: weiterlesen...

Kommentare müssen wie immer erst von mir freigeschaltet werden, bevor sie öffentlich zu sehen sind. Fühlt euch frei zu schreiben, was immer ihr sagen wollt, oder auch einfach nur zur Kenntnis zu nehmen. Achtet gut auf euch selbst, ihr Lieben, kommt sicher durch das Wochenende und vergesst nie, dass es immer, wirklich immer weitergeht. Irgendwie. Und es werden bessere und schlechtere und noch bessere Zeiten kommen. Wie es bei mir jetzt weitergeht, erfahrt ihr im nächsten - dann wieder öffentlichen Post. Glitzersternchenglitzer bis dahin für euch! ♥♥♥


Donnerstag, 29. September 2016

Am anderen Ende

Wir befinden uns am Ende der Welt, nun ja, am anderen Ende der Stadt zumindest. Hier sieht es aus, wie im Norden meiner Heimatstadt. Grau, ein bisschen heruntergekommen, Menschen in Jogginghosen. Es ist überraschend warm. Mein Kleid und die Haare flattern im Wind. Irgendwann finde ich dann auch den Eingang des Bürgeramts und meine freundliche Sachbearbeiterin. "Sind Sie Mangafan?", fragt sie. "Die haben doch immer so bunte Haare." Nein, das denken viele, aber in Wahrheit habe ich noch nie einen Manga von innen gesehen. Vielleicht bin ich Fan von Mangafans...oder so. Ich zupfe an der schwarzen Katze in meinem Ohr.

"Da schreiben wir jetzt einfach den ersten August hin. Ich hab nichts davon, wenn Sie Strafe zahlen.", sagt sie. "Mein Sohn studiert auch. Das ist immer knapp mit dem Geld, ich kenne das." Nachdem irgendein Problem mit der Technik gelöst ist, reicht sie mir meinen vorläufigen Personalausweis. Draußen steht eine uralte Frau, die fast keine Zähne mehr hat. "Toll, Ihre Haare!", sagt sie und grinst mich an. "Danke", sage ich ganz leise und fühle mich wie ein kleiner Star, als ich über den knallroten Plastikfußboden zum Ausgang laufe und mich die wartenden Leute alle anstarren. Das hier ist nicht Kreuzberg. Fast fühlt es sich auch nicht mehr an wie Berlin. Im Bus sitze ich neben einer Frau mit Blumen auf dem Schoß. Der U-Bahn-Boden glitzert so schön. Wenn man die Augen ein wenig zusammenkneift, wird daraus fast ein Funkeln...


Samstag, 24. September 2016

Lückenfüller

Da ist ein Loch in der Zeit. Es ist eine Woche lang und schulterbreit. Schwer zu sagen, was sich darin befindet oder wie es sich am besten flicken lässt. Wahrscheinlich hätte man es schon von Weitem sehen können. Aber mancher rennt kopflos durch die Zeit und schaut nicht, wo er hintritt. Und manche springt sehenden Auges kopfüber hinein. Vielleicht ist die Zeit auch wie ein löchriger Käse. Und ab und an verschwindet jemand darin. Und geht verloren...

Vielleicht ist es gut, von Zeit zu Zeit zu fallen. Dann siehst Du, wer Dir die Hand reicht, um Dir aufzuhelfen. Wer einfach weiter geht. Und wer gar nicht bemerkt, dass Du weg bist. Das ist vielleicht traurig... Aber verheißt auch einen Neuanfang. Und vielleicht bleiben ein, zwei Menschen. Vielleicht jemand, mit dem Du nie gerechnet hättest. Vielleicht packt jemand ein Paket für Dich, mit Glitzer und Licht und lieben Worten. Vielleicht darfst Du Dich einen kleinen Moment lang fallen lassen und festhalten, ohne gleich Deine Selbstständigkeit aufzugeben...

Vielleicht. Denn sicher ist nichts in einer löchrigen Zeit.


Dienstag, 13. September 2016

Still, still, still, weil es keiner hören will

Kleiner Nachtrag zum letzten Post: An dem Tag habe ich das geschrieben, es ist nicht unbedingt autobiografisch, eher glaube ich, dass es vielen so oder ähnlich geht mit den Außenstehenden. 

Still

Still still still,
Weil es keiner hören will.
Ich mache meine Augen zu,
Ich mach es einfach so wie Du.
Ich mache sie nie wieder auf,
So nimmt die Sache ihren Lauf.

Du sagst, es ist feige, aus dem Leben zu gehen,
Ich sag, es ist feige, nicht hinzusehen.
Manchmal starrst Du meine Arme an.
Denkst Du, ich mach das nur, weil ich es kann?
Modeerscheinung nennen sie das.
In meiner Sprache heißt es Selbsthass.

Wie man so dumm sein kann?
Tja, ich bin halt arm dran.
Besser Arm ab, das sagt man doch so!
Du magst keinen Sarkasmus? Oh!
Weißt Du, das bleibt dann,
Wenn man es nicht mehr hören kann:

So ein hübsches Mädchen, nein,
Wie kannst Du nicht zufrieden sein?
Du bist vielleicht ein undankbares Stück!
Geh zu Deinen Eltern (Tätern) zurück!
So gehört sich das nunmal,
Für mich ist das doch auch keine Qual.
Du bist echt nicht ganz normal.

Nein danke, ja bitte,
Ich verstoße gegen irgendeine gute Sitte,
Ich missachte das vierte Gebot
Und Du siehst rot.
In der Bibel steht, Du sollst Deine Kinder schlagen,
Andere haben das doch auch gut vertragen.
Außerdem glaubst Du mir nicht
Mit Deiner eingeschränkten Weltsicht.

Warum bist Du immer so still?
Weil sowieso niemand zuhören will. 



Samstag, 10. September 2016

Welttag der Suizidprävention

*Huuuup*
Alle legen sich auf den Boden. Ich spüre das Pflaster im Rücken. Der Himmel ist hellblau. Und die Sonne strahlt und überblendet alles. Für den Fall, dass man nach dem Tod vielleicht doch in den Himmel kommt, schicke ich ein Lächeln nach oben. Hinter mir höre ich Leute lachen. "Willkommen zurück im Leben", sagt Achim Achilles ein paar Meter links von mir. Eine Frau, die ich später als Susanne Bormann identifiziere, reicht mir die Hand und zieht mich auf die Füße. Direkt neben mir steht Victoria van Violence. Schnell eilen sie weiter, helfen auf, bis wir alle wieder stehen. Applaus.

Was wir gerade gemacht haben, war symbolisch "tot" umzufallen für all die Menschen, die jedes Jahr durch Suizid sterben. Wir stehen da noch eine Weile rum und warten, damit alle ihre Fotos machen können, das Brandenburger Tor im Hintergrund. Das wars dann auch schon und ich mache mich davon. Schließlich hat es mich Überwindung gekostet, überhaupt herzukommen, so ganz allein. Meinen Schlafrhythmus konnte ich dabei auch gleich mal ein bisschen in Ordnung bringen. Und ich bin froh, dass ich da war.

Ich wollte sterben, als ich 14 war. Ärztinnen definierten meine Selbstverletzungen als Modeerscheinung. Sie will nur Aufmerksamkeit, dieses selbstsüchtige Stück Abschaum. Was wäre ich für ein schlechter Mensch, wenn ich weiterleben würde, dachte ich. Ich müsste doch die Menschen von der Qual erlösen, meine Anwesenheit ertragen zu müssen. Niemand will egoistische Idioten wie mich. Also... Ich wollte eigentlich nicht unbedingt tot sein. Es schien nur die einzige Möglichkeit, zu entkommen. Die Volljährigkeit kam mir unendlich weit weg vor. Und wer hätte wissen können, was bis dahin von mir noch übrig geblieben wäre? Ich war ja überzeugt davon, ein Mensch zweiter Klasse zu sein, der froh sein konnte, dass er überhaupt leben durfte. Ich glaubte an das, was alle zu mir sagten: Dass aus mir nie etwas werden würde. Warum also weitermachen? Ich sammelte alle möglichen Tabletten in einer Blechdose, bis ich 16 war. Ich hatte ein scharfes Messer in meiner Nachttischschublade. Aber ich traute mich nicht. Und jetzt bin ich froh darüber.

Nur weil man den Ausweg noch nicht kennt, heißt das nicht, dass es keinen gibt. Ich durfte es damals nicht benutzen, aber mittlerweile hat nun wirklich fast jeder Zugriff auf das Internet. Und da findet ihr so viele Möglichkeiten. Einige habe ich für euch auf einer neuen Blog-Seite zusammengestellt: Ihr findet sie unter dem Reiter Brauchst Du Hilfe?

Samstag, 3. September 2016

Wo waren diese Menschen die ganze Zeit?!

Erinnert ihr euch noch an den Sternchentyp (Absatz Leben)?

Wir sitzen draußen, vor einer Bar, Bierkrüge vor uns auf dem kleinen runden Holztisch. Ich lerne die Freundin des Sternchentyps kennen. Lasst sie uns Jen nennen. Obwohl ich ganz in der Nähe wohne, fiel es mir schwer, etwas auszuwählen, weil ich mich normalerweise immer nach anderen richte. Aber das ist jetzt egal. Warum mache ich mir mehr Gedanken um unsere Startschwierigkeiten als über den schönen spätsommerlichen Abend? Jen ist wie der Sternchentyp eine Gesprächspartnerin, mit der ich mich über Themen unterhalten kann, die mich wirklich interessieren. Das klingt vielleicht seltsam, aber es löst einen kleinen Begeisterungsflash in mir aus.

Wir finden heraus, dass wir beide ehemals essgestört waren und inzwischen anders über unsere Körper denken - wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise. Sie erzählt von einem queerfeministischen Kongress, auf dem sie war, und von ihrem Engagement in der LGBTQ+ Community an ihrer Uni. Bei uns gibt es sowas alles nicht, es gab überhaupt keine Möglichkeit, irgendetwas anderes zu machen, als sich beschallen zu lassen und vor allem auch niemanden, der sich an irgendwas gestört oder sich dafür interessiert hätte... Und ich verstehe mehr und mehr, was der Sternchentyp damit  gemeint hat, als er zu mir sagte, man merke mir an, dass ich hauptsächlich von "Mainstream-Menschen" umgeben sei. Er erklärt es jetzt auch nochmal, als er meine Kommilitonen kennengelernt hat, hätte er verstanden, warum ich mich so unsicher und unpassend und unnormal fühle...

Ich erlebe es selten, dass mich der soziale Kontakt mit irgendwelchen Menschen so nachdenklich macht. Fast schäme ich mich ein bisschen für meinen Normalitätswahn. Aber es geht doch immer nur ums Anpassen. Ständig stand auf irgendwelchen Zeugnissen, Gerichtsprotokollen oder Diagnosezetteln so etwas wie "hat Schwierigekeiten, sich anzupassen", "verhält sich anders, als ihre Mitschüler", bla bla bla. Aber ich bin doch auch so durchs Leben gekommen, bisher. So wie ich bin habe ich ein gutes Abitur gemacht und ein fast abgeschlossenes Studium ohne irgendwelche Umwege und ich bin auch keine komplette Sozialkathastrophe. Sicher wäre es mir aber leichter gefallen und besser ergangen, wenn nicht ständig alle von mir verlangt hätten, mich anzupassen. "Du musst Dich endlich ändern" - ich muss gar nichts! Ich freue mich ja darüber, Menschen kennenzulernen, denen ich mich nicht so stark anpassen muss. Aber es macht mich auch traurig, dass diese Menschen offensichtlich nur schwer zu finden sind, selbst an einem Ort wie Berlin. Es ist ein so dummer doofer Zufall, dass ich in diesem Umfeld aufgewachsen bin, in dem "normal" sein das höchste Gut und "nicht normale" Menschen wie Menschen zweiter Klasse behandelt wurden.

"Lucia, wir formulieren jetzt Dein Bachelor-Thema aus!", sagt der Sternchenty.
"Ich kenne total viele Leute in dem Bereich, da finden wir bestimmt einen Zweitkorrektor.", fügt Jen hinzu.

Ach, ich wäre so gerne eins mit mir. Ich wäre gern zufrieden mit dem, was ich bin und was ich habe.  Ich würde gerne mehr sein. Mehr sein.

Donnerstag, 1. September 2016

Sünde, Schande, Scheiße

Je mehr und offener ich mit Menschen spreche, ohne mich zu verstellen, desto stärker und lauter werden all die destruktiven Gedanken, die den Kopf an den Haaren nach hinten ziehen, die Finger um den Hals legen und nicht gerade die freundlichsten Worte finden für das Geschehen - Weiterlesen...

(Wie ihr eine Passwort-Berechtigung erhaltet, erfahrt ihr hier: Passwort?

 

Donnerstag, 25. August 2016

Selbstfürsorge oder Gedankenpanik?


Ich war beim Arzt. Gestern. Zum ersten Mal seit mehreren Jahren. Und....ich bin nicht krank. Das hat mich dann doch ein bisschen enttäuscht, aber ich bin auch froh, dass meine Ohren noch funktionieren. Eines war verstopft, die Details erspare ich euch, und nun kann ich nach vier Tagen endlich wieder mit beiden Ohren hören. Entweder waren sie noch nie so sauber oder ich muss mich erst wieder dran gewöhnen. Jedenfalls kommt mir jetzt alles so unglaublich laut vor. Das Rascheln von Kleidung auf der Haut, das Abreißen von Klopapier, das Fließen von Wasser - ohrenbetäubend!

Nun wisst ihr, dass Arztbesuche für mich

Ach Worte. Fügt euch! Zusammen. Zu Sinn, ach Sinn, ja, der ist schwer zu finden, ich weiß. 

Meine Finger tanzen Rock'n'Roll auf der Tastatur, aber sie tippen nicht im Takt, nicht in dem, den ich will.

Ich will, ich, ja, warum denn nicht?

Der Himmel ist blau und die Haare sind pink. Seit Nina Hagen an der Wand hängt, bin ich chronisch overdressed. Nein, ich bin nüchtern, das ist ja das Schlimme, ich bin immer so gestört!

Wenn ihr mich sehen würdet, wenn ihr in meinen Kopf könntet, vielleicht würdet ihr dann verstehen?

Du siehst mich nicht, ich seh Dich nicht, wir reden nicht, wie soll jemand antworten, wenn niemand fragt?

Selbstgefürsorgt. Gedankenpanisch. Wer würde verstehen, dass eine so rationale Diva so irrationale Gedanken denkt?

Da gibt es Menschen, die sind in gewissen Punkten wie ich, doch ich zeige mich ihnen nicht, denn ich habe Angst, dass sie diese Punkte an mir hassen, ist das nicht unverzeihbar bescheuert? 

Sei doch nicht so. Ich bin aber so.

Z kommt aus dem Augenrollen nicht mehr raus, weil ich mich dafür hasse, dass ich mich dafür hasse, ein solcher Mensch zu sein. Nie im Leben würde ich zu jemandem gehen und sagen: Das, was Du da machst, ist große Sünde, hör auf damit, das ist abartig, hör auf, so zu sein - Nein. So etwas sage ich nur zu mir selbst in Endlosschleife, aber wer bin ich, dass für mich andere Regeln gelten, als für den Rest der Welt?

Ich starre trotzig in mein Wasserglas, nachdem ich gesagt habe, dass ich mit dem Soldaten damals besiegeln wollte, dass ich von nun an normal wäre, wenigstens in dieser einen Hinsicht. 
"Aber es hat nicht funktioniert...", sagt sie und ich sehe aus dem Augenwinkel ein triumphierendes Lächeln.
"Nein." Und dann muss ich mein Trotzgesicht aufgeben, weil ich darüber lachen muss, dass ich so bescheuert bin. 

Vielleicht ist Selbstfürsorge nicht nur zum Arzt gehen. Vielleicht ist es auch, zu tun, was man will, zu sein, wer man ist... Während ich fünf Uhr morgens durch die kühle Nachtluft schlendere, bin ich mir selbst dankbar dafür, nicht in den Macho-Club gegangen zu sein, sondern mit meinem neuen Kumpel tiefgründige Gespräche geführt zu haben. Aber ich habe auch Angst vor ihm, weil er ein Mann ist und ich noch nie männliche Freunde hatte, die mir nicht früher oder später ungefragt zu nahe kamen. Und ich schäme mich dafür, Männer unter Generalverdacht zu stellen. Ich meine, der Mann ist in einer Beziehung, bisexuell und Hardcore-Feminist. Was soll da bitte passieren?

Ach Worte, ihr tut nicht was ich will, aber ihr habt es geschafft, etwas Wirrnis zusammen zu bringen. Danke.

Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer Glitzer ♥

Mittwoch, 17. August 2016

Tod & Leben

Inhaltswarnung: Tod [3. bis 5. Absatz, gekennzeichnet]

Ich atme tief ein und langsam aus angesichts des riesigen Geschirrbergs in der Spüle, unter dem sich meine rosa Tasse mit den weißen Punkten befindet. Ich schließe die Augen und greife hinein. Es klirrt. Wie können zwei Menschen an einem einzigen Abend ein solches Chaos veranstalten? Jeden Abend?! Ich sage nie etwas dazu. Ein bis zweimal im Monat spüle ich anfallsmäßig alles selbst, an anderen Tagen stapele ich mein Geschirr einfach oben drauf. Ich bin nicht der Typ Mensch, der wegen Kleinigkeiten ein Fass aufmacht. Die Menstruationstasse köchelt vor sich hin, der Kaffee dampft, die Sonne scheint. Ich frage mich, wie es mir heute geht. So ganz habe ich das noch nicht herausgefunden...

... es ist ja auch schwer dieser Tage und Wochen. Ich stelle fest, dass manche Menschen mich glorifizieren, nur weil ich morgens aufstehe, arbeite, meistens esse, mich selten selbst beschädige... und in mir den Inbegriff eines gesunden Menschen sehen, den seine Vergangenheit nicht weiter tangiert. (Und ich frage mich, wie um alles in der Welt man darauf kommen kann.) Gleichzeitig halten die sich selbst am ehesten als "Normalos" bezeichnenden Leute mich wahrscheinlich für komplett gestört. Zwei Extreme, zwischen denen ich mich entscheiden soll und denen ich jeweils nicht gerecht werde.

Tod
[Aber zu sagen: "Heyyyyy, mir geht es aber auch nicht gut!" fühlt sich aktuell sowas von unangemessen an. Denn, seien wir ehrlich, vergleichsweise sind meine Probleme derzeit Kleinigkeiten. Oder sagen wir, der Grad meines "Leidens" ist eine Kleinigkeit. Denn Probleme an sich kann man natürlich nicht vergleichen, weil jede*r darauf unterschiedlich reagiert. Trotzdem denke ich: Okay, meine Freundin S. ist ihrer Meinung nach jetzt ein neuer Mensch und ich vermisse meine alte Freundin. Aber sie ist ja nicht gestorben. Ich habe keinen Menschen verloren. An den Tod. Doch Menschen, die mir wichtig sind, verlieren Menschen, die ihnen sehr wichtig sind. Haben sie verloren oder werden sie in absehbarer Zeit verlieren. Alle zu früh und auf eine beschissene Weise. Keinen von ihnen kannte ich wirklich. Trotzdem schnürt es mir die Kehle zu. Und mit jeder neuen schlimmen Nachricht in diesem vedammten Jahr werde ich ein bisschen stiller, ängstlicher und hilfloser. Ich kann mir nicht vorstellen, wie schlimm es erst für die wirklich Betroffenen sein muss. Ich will so gerne eine gute Freundin sein, aber ich kann es nicht. Denn gegen den Tod kommt niemand an. Niemand.

Ist es nicht ein unheimlich selbstsüchtiger Akt, in diesen Zeiten an sich selbst zu denken? Ist das noch richtig? Ist das noch Selbstfürsorge? Oder ist es purer Egoismus...?

Vor einigen Jahren schon hat sich in meiner Heimatstadt ein Mädchen umgebracht. Ich kannte sie nicht. Aber im Laufe der Zeit lernte ich mehrere Menschen kennen, die mit ihr befreundet waren oder sie kannten. Sie erzählten mir von ihr. Ich hörte mit ihnen das Lied, das irgendjemand für sie geschrieben hatte. Ich stand mit ihnen auf der Brücke, von der sie gesprungen war. Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich mit einer Trauer zu tun hatte, die nicht meine war. Die Trauer anderer Menschen. Und es ist immer einfacher, sich mit den Problemen anderer zu beschäftigen, als mit den eignenen. Aber ich habe immer mehr das Gefühl, dass der Tod jederzeit auch zu meinem Problem werden kann. Als ich zu Besuch bei meinen Großeltern war, schien es, als schwebte er die ganze Zeit wie eine graue Wolke über allem. Es kommt immer näher. Und ich wäre gerne darauf vorbereitet, aber ich glaube das geht nicht. Es sind diese Albträume, aus denen man zitternd und voller Übelkeit erwacht. Und die Gewissheit, dass sie jederzeit wahr werden könnten. Früher, als Kind und Jugendliche, habe ich mich mit diesen Tagträumen gequält, in denen zur jeweiligen Zeit wichtige Menschen starben und die entsprechenden Reaktionen folgten. Vielleicht war das sowas wie eine Übung für die Zukunft. Vielleicht auch eine Form der Selbstschädigung.]

Leben
Vielleicht schreibe ich heute ein Fragezeichen hinter Befinden Doppelpunkt in meinen Kalender. Und Kopfschmerzen. Die kommen davon, wenn man sich den Kopf zerbricht. Immerhin habe ich jetzt neue Chatverläufe, über die ich lächeln und Wochenenden planen kann. Da ich nach dem Urlaub etwas Abstand von meiner Ich-bin-ein-neuer-Mensch-Freundin S. brauchte und meine Wir-ziehen-nach-Berlin-Freunde doch nicht nach Berlin ziehen, kommt mir das sehr entgegen.

Ich war also am Freitag spontan und ohne zu wissen, wer da ist, auf einer der Veranstaltungen des Onlinemagazins, für das ich während meines vorletzten Praktikums gearbeitet habe. Es gab quasi eine Wein-Flatrate (das war nicht so gut) und ein gewohnt schlecht organisiertes Programm auf einer Dachterasse - die Location war neu. Nachdem ich eine Stunde lang allein dort gesessen und ein ungepflegter, schnäuzbärtiger Hipster mich blöd von der Seite angeflirtet hatte, trudelten endlich einige meiner ehemaligen Kolleginnen ein und ich erfuhr den neuesten Tratsch. Darunter befand sich M, eine neue Praktikantin, die erst im September dort anfangen wird. Sie zeigte sich noch sehr begeistert und enthusiastisch, hatte sich genau wie wir alle bei dem coolen und hippen Onlinemagazin beworben und wird wie wir alle ausschließlich für das langweilige Arschloch-Unternehmen arbeiten, dessen Arbeitskräfte noch immer aus unbezahlten Praktikant*innen bestehen. Dass der Chef sich um das Onlinemagazin nicht mehr wirklich kümmert und es nur als Köder verwendet, weiß sie nicht, und deshalb verstand sie auch nicht so richtig, dass wir nicht wirklich Kolleginnen sein werden, auch wenn ich theoretisch noch für das Magazin schreibe. Gut für mich, denn wir kamen ins Gespräch, verstanden uns gut, unterhielten uns übers Haare färben, befanden uns in etwa auf dem selben Unsicherheits- und Fettnäpfchen-Level und tauschten Nummern, um demnächst zusammen einen Poetry Slam zu besuchen.

M hatte ihren Freund dabei und einen ihrer ehemaligen Schulkameraden, der ebenfalls erst seit Kurzem in Berlin lebt. Mit letzterem konnte ich mich über Religion, Veganismus und Gendersternchen unterhalten, was vor allem die Menschen, die mit in der Runde standen, ziemlich seltsam fanden. Am Ende saß ich biertrinkend mit drei Männern in einer Bar, was auch ganz okay war, nachdem alle begriffen hatten, dass ich kein "fickbares Material" bin. Der Sternchentyp schimpfte über mein "heteronormatives Denken", weil ich immer Angst habe, von Männern angegraben zu werden. Er hat ein bisschen Recht, aber meine Angst hat auch ihre Berechtigung. Der Abend erinnerte mich an meine erste Zeit in Berlin. Damals traf ich ständig fremde Leute, weil ich noch niemanden kannte, und immer ließ ich meine Komfortzone weit hinter mir. Meine jetzige Situation ist ja recht ähnlich. Die meisten Menschen, die ich hier kannte, sind schon wieder woanders hin gezogen, im Ausland oder waren Freunde von Sunny. Das ist wohl so in der Großstadt. Leider waren diese losen Bekanntschaften des Anfangs nicht von Dauer. Die wenigsten jungen Leute in meinem Alter kommen nach Berlin, um zu bleiben. Sie kommen, weil es gerade in ist, in Berlin zu leben. Und nachdem sie zwei Jahre lang feiern und toben waren, gehen sie wieder zurück oder besuchen die nächste Stadt, in der man unbedingt mal gewohnt haben muss.

Es hilft und lenkt ab und tut gut, sich an bessere Zeiten zu erinnern, wenn gerade alles schlimm ist. Ich hoffe so sehr, dass sie wieder kommen. Nicht nur für mich, vor allem für die Menschen, die gerade jemanden verloren haben, und für euch alle, denen es gerade schwer fällt, nach vorn zu blicken. Wenn ich eines weiß, dann dass es immer, immer, weiter geht. Die Zeit bleibt nicht stehen. Niemals. Auch nicht auf dem tiefsten Tiefpunkt.

Ich werfe Glitzer in ein riesiges Paket. Helft mir und werft ebenfalls etwas hinein, bis das Paket voll mit guten Dingen ist! ♥

 

Montag, 15. August 2016

Wir haben keine Wahnvorstellungen

(Heute nur ein Schnipsel aus den letzten Tagen. Ich weiß nicht mehr, in welchen Kontext ich ihn bringen wollte.)

„Als Kind habe ich Urlaube gehasst. Und der letzte mit meinen Eltern war auch ziemlich krass. Das kam jetzt alles wieder... Jedenfalls bin ich mir jetzt wieder sicher, dass ich mir das damals nicht eingebildet habe... wobei, wenn ich Wahnvorstellungen habe, hat das ja auch wieder nichts zu sagen...“
„Aber dann müsste ich ja auch spinnen. Mir wurde sowas auch untergestellt. … unterstellt...? untergestellt...?“
„unterstellt“, sage ich leise lächelnd und sehe zu, wie sie begreift, dass sie eigentlich weiß, wie es richtig heißt, und lacht.
„Untergestellt, oh mann...“
Wir schweigen einen Moment lang.
„Naja, vielleicht spinnst Du ja auch nicht, aber ich schon, wer weiß das schon?“
Sie sieht mich mit diesem Blick an, der mir sagen soll: Du weißt selbst ganz genau, dass Du gerade Unsinn redest.
„Die Zeit...“, sagt sie.
„Ja.“
„Soll ich meinen Kalender holen?“
„Ja.“

Vom Rest später mehr...
 

Samstag, 6. August 2016

Was würdet ihr gerne lesen?

Es ist einer dieser Tage nach der Party und vor dem Aufbruch, an denen man sich viel vornimmt und wenig schafft. So ist das, wenn der Geburtstag feiernde Mensch in einem endlos weit entfernten Zipfel Berlins wohnt und das Bett erst um fünf Uhr morgens final erreicht werden kann. Und morgen muss ich um fünf Uhr dreißig aufstehen, weil es dann endlich ans Meer geht und damit wir etwas von den drei Tagen haben, fahren wir um acht Uhr los. Der Zentrale Omnibusbahnhof ist ja leider gar nicht zentral, deshalb braucht es auch dahin wieder endlos viel Zeit.

Trotz Sommerloch ist gerade irgendwie ziemlich viel los. Ich wollte darüber eigentlich einen ganz ausführlichen Post für euch verfassen. Aber ich kann heute nicht mehr tippen geschweige denn denken. Ich hab wenig geschlafen, geputzt, gepackt und viel gearbeitet. Neben meinem bisherigen Texter-Job habe ich mich diese Woche bei zwei weiteren Online-Portalen angemeldet, wo das Arbeiten noch flexibler funktioniert und man ständig auf Aktualisieren klickt, um zu sehen, ob es neue Aufträge gibt, die einem zusagen. Das hat den Vor- und den Nachteil, dass ich die ganze Zeit über angeschaltet bin. Umso besser vielleicht, dass ich jetzt noch einmal drei Tage offline sein werde. (Sollte jemand von euch vorhaben, sich ein clickworker Profil anzulegen, lasst mich euch werben, da gibt es so einen Bonus^^)

Vielleicht habt ihr Lust, mir während ich weg bin zu schreiben, was ihr hier gerne lest. Natürlich suche ich mir dann nur das raus, was mir zusagt, ihr müsst mir also nicht sagen, dass es mein Blog ist und ich das entscheiden muss, das weiß ich. Mich würde trotzdem interessieren, ob ihr zum Beispiel mehr von solchen Posts wie Dünnhäutig oder Dickfellig? oder Warum ich euch nicht leid tun will lesen möchtet und wenn ja, ob ihr Themenvorschläge habt. Vielleicht interessieren euch auch die Beschreibungen meines belanglosen Alltags oder meine Beobachtungen der Umgebung oder ihr wollt mehr über mich und meine Vergangenheit wissen. Oder habe ich früher möglicherweise öfter eine Art von Posts gemacht, die ihr mochtet und euch zurückwünschen würdet? Vielleicht fällt euch auch noch etwas ganz anderes ein, worauf ich jetzt gerade nicht komme. Jedenfalls möchte ich euch gerne mit einbeziehen, denn ihr macht ja einen großen Teil dieses Blogs aus und häufig inspirieren mich eure Kommentare zu neuen Themen und Artikeln. ♥


Sonntag, 31. Juli 2016

Dünnhäutig oder Dickfellig?

Vor kurzem hat mich Nana in einem Kommentar unter meinem Post Von Stigma und Psycho darum gebeten, mich noch etwas weiter mit dem Thema Dünnhäutigkeit auseinanderzusetzen. Sie schreibt: "Dünnhäutigkeit ist nun wirklich kein Makel" und das habe ich so auch nicht gesagt oder gemeint. Den negativen Bezug zwischen Dünnhäutigkeit und Mensch stellen andere, so meine Erfahrung, oft her. Ich selbst habe mich, wie ich feststelle, noch nie wirklich intensiv mit dem Begriff beschäftigt. Er gehört eben zur Alltagssprache als Gegenstück zum dicken Fell. Was ich nicht wusste, erklärt mir die Google-Suche. Gleich als erstes ist da die Rede von einem Dünnhäutigkeits-Syndrom. "Solche Menschen brauchen dringend Hilfe" heißt es weiter und dann folgt haufenweise esotherischer Kram. "Solche Menschen"-Formulierungen klingen in meinen Ohren immer irgendwie abwertend. Der Duden hat da eine deutlich nüchternere Erklärung: Dünnhäutigkeit bedeutet Überempfindlichkeit.

Nun kommt man von dort aus ganz schnell zu Hochsensibilität und Krankheit und Behandlung. Den Zusammenhang habe ich definitiv nicht herstellen wollen. Auf dieser Ebene finde ich zu dem Thema auch keinen Zugang. Ich möchte Dünnhäutigkeit nicht als Krankheit, Störung oder Problem ansehen. Im Sprachgebrauch meinen es ja auch die wenigsten Menschen so. Und darum geht es schließlich. Um das Wort Dünnhäutigkeit oder die Eigenschaft dünnhäutig, die sich auch schöner beschreiben lässt, zum Beispiel als sensibel oder empfindsam. Ich glaube nicht, dass ich dünnhäutig bin, aber eine Elefantenhaut habe ich nun auch nicht. Ich bin irgendwas dazwischen, und ja, das geht eigentlich immer und überall. Ich bin schon empfindsam, interessiere mich für Menschen und wie sie denken und fühlen, und ich bekomme gerne möglichst detailliert mit, was in meiner Umgebung passiert. Ich kann aber auch stur geradeaus laufen und gar nichts mitkriegen. Ich bin also vielleicht ein sensibler Mensch. Ich bin beispielsweise aber nicht schnell beleidigt und ich habe auch keine Angst vor öffentlichen Verkehrsmitteln oder Menschenmengen, es sei denn, ich habe mal einen schlechten Tag. Einigen Merkmalen der Dünnhäutigkeit entspreche ich also nicht, ich bin auch nicht esotherisch oder spirituell unterwegs, sondern trotz meiner Empfindsamkeit sehr rational.

Ich bin unheimlich stur, standhaft und meinungsfest. Ich gebe selten klein bei, wenn ich nicht überzeugt davon bin, dass ich unrecht habe. Und ich tue nicht (mehr) alles, um anderen zu gefallen. Das sind wohl die Merkmale meines dicken Fells. In Stress- und Notsituationen bin ich die Ruhe selbst und handele besonnen, während mich Kleinigkeiten nervös machen und in den Wahnsinn treiben. Ich bin temperamentvoll und zuweilen cholerisch, während mich manch Außenstehende als schüchtern und ängstlich erlebt. Bei mir spielt es eine große Rolle, welche Rolle ich gerade spiele. Und jeder Mensch schlüpft in verschiedene Rollen seines Alltags. Ich bin aufgeregt und ängstlich, wenn ich mich unterlegen fühle, zum Beispiel in Vorstellungsgesprächen oder wenn ich bei irgendwelchen Ämtern anrufen muss. Und bin selbstbewusst, wenn es um Dinge geht, von denen ich glaube, dass ich sie gut kann. In gleichberechtigten Kommunikationssituationen, wie im Austausch mit euch Bloggermenschen oder manchen Freundinnen, fühle ich mich am wohlsten. Da bin ich mal ausgeglichen, mal Feuer und Flamme für den Diskussionsgegenstand - jedenfalls fühle ich mich dabei am meisten als ich selbst.

"Ich bin ich" sagen zu können, finde ich wichtiger als die Beschaffenheit meiner Haut. An manchen Stellen ist sie dick und elefantig, zum Beispiel an meinem Sturkopf, und dünn ist sie da, wo die Tränendrüse sitzt. Wie man vom Dickfell zur Dünnhaut wird, oder umgekehrt, hat Nana noch gefragt. Ich glaube, das kann man so direkt nicht beeinflussen. Manche Erlebnisse lassen ein dickeres Fell wachsen, bei anderen pellt sich die Haut ab. Solange Du Dir selbst bewusst bist und mit Dir selbst umgehen kannst, ist alles in Ordnung und Du ganz besonders.

Und was sagt ihr? Seid ihr dünnhäutig, dickfellig, irgendwas dazwischen oder ganz was anderes? Wie steht ihr zu den Begriffen und ihrem Gebrauch in Sprache und Gesellschaft? 

 

Samstag, 23. Juli 2016

Von Stigma und Psycho

Ich habe schon manchmal das Gefühl, dass ich ein dickeres Fell habe, als andere Menschen, denen in ihrem Leben noch nichts zugestoßen ist. Bei mir fühlt sich das an, wie eine unendliche Wiederholung. Immer und immer wieder. So mache ich das schon mein Leben lang: In Situationen geraten, mich aus ihnen herausziehen, drum kämpfen und weitermachen. Ein ewiger Kreislauf? Nein, eher eine Spirale, die trotz so einiger Einbrüche doch immer weiter nach oben führt. Denn mit jedem Ereignis gewinne ich an Routine im Überleben, im Überstehen, im Darüberhinwegkommen. Schon wieder... ist ein häufiger Gedanke. Aber auch: Es geht weiter, immer weiter und weiter, bis es irgendwann zu Ende ist. Vielleicht tu ich mich deshalb schwer mit dieser Floskel des Ankommens. Weil ich doch vielmehr davon lebe, dass die Erde sich immer weiter dreht, auch wenn ich der Zeit manchmal fassungslos hinterherschaue und mich frage, warum sie so schnell vor mir davon rennt.

Obwohl ich so geübt bin im Weitermachen, attestieren mir besagte andere Menschen oft Dünnhäutigkeit und Schwäche. Und ja, ich bin vielleicht nah am Wasser gebaut. Ich kann heulen wie ein Schlosshund, während ich einen Film schaue oder ein Buch lese - ist irgendwie leichter, wenn es eine fremde Geschichte ist. Ich "leide" (blödes Wort) lieber im Stillen. Vielleicht mangels Alternative, aber bestimmt nicht aus Schwäche. Das hätte ich Dir gar nicht zugetraut... habe ich schon viel zu oft gehört. Nur, weil ich gelernt habe, nicht zu sprechen (weil mich keiner fragt) und unverhältnismäßige Demut und Unterwürfigkeit an den Tag zu legen (weil ich teuflischer Abschaum bin)? Das geht nicht von heute auf morgen raus aus dem Kopf. Smalltalk kann man sich aneignen, MakeUp schützt vor dem überlaufenden Fass, verschiedene Rollen geben Sicherheit. Es gibt die Bloggerin, es gibt die junge Frau im zukunftsentscheidenden Vorstellungsgespräch, es gibt den Paradiesvogel in der Grillrunde, früher gab es mal die Musikerin auf der Bühne. Von Abschaum weit und breit nichts zu sehen und doch herrscht ein ständiges inneres Hinterfragen der eigenen Daseinsberechtigung.

Ich erinnere mich an den Chor und die Weihnachtszeit. Wie ich mich unermüdlich für die Solos meldete. Alle anderen Mädchen aus meiner Klasse, die wollten, durften sich während der Proben darin abwechselnd ausprobieren. Nur ich nicht, ich wurde geflissentlich ignoriert, bis ich mich dem Chorleiter förmlich aufdrängte. Ich wollte es doch bitte bitte wenigstens einmal versuchen dürfen. Ich durfte dann eines schönen Probentages, aber Rebecca musste mitsingen, weil man mir die nötige Stimmkraft sowieso nicht zutraute. Ich nahm also alles zusammen, was meine Lunge zu bieten hatte, um mich in berauschender Tonhöhe gegen Rebecca durchzusetzen. "Eine Gruppe ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied", trichterte man uns ein und nicht selten richteten sich die Blicke in meine Richtung. Ich durfte das Solo bei der Aufführung in irgendeiner Kirche dann tatsächlich alleine singen. Obwohl es mehrere Solistinnen gab, kam der ältere Herr aus dem Publikum zu mir, um mir seine Anerkennung mitzuteilen. Einen Moment später zerstörte die Musiklehrerin alles, indem sie flötete: Du kannst ja doch singen! Das hätte ich Dir gar nicht zugetraut! "Glauben Sie, ich habe die Aufnahmeprüfung für diese Schule bestanden, weil ich so unmusikalisch bin?!", würde ich wohl heute erwidern...

Die Menschen pauschalisieren gern. Dann müssen sie nicht differenzieren. Aber so richtig Sinn  macht es ja nicht: Dass Menschen wie ich besonders schwach sein sollen. Oder dumm und naiv. Wenngleich unter erschwerten Bedingungen, so habe ich doch wie viele andere ein gutes Abitur gemacht und ein fast abgeschlossenes Studium hinter mir. Entweder stimmt das nicht (tut es aber) oder mir ist nie etwas zugestoßen (ist es aber). Warum schließt sich das für so viele Menschen aus? Warum gestehen sie mir meine Zurechnungsfähigkeit nicht zu? Obwohl ich doch einen so starken Willen habe? Ich kann einschätzen und entscheiden, ich bin mir meiner selbst bewusst. Ich bin ein vollständiger erwachsener Mensch. Ich brauche keine Bevormundung oder Betüddelung und erst recht keine Ignoranz und Ablehnung. Immer sagen sie, man solle sich doch um die "echten" Probleme kümmern, dennoch können sie es nicht lassen, sich einzumischen, besserzuwissen und zu stigmatisieren. Ich bin kein "Psycho". Ich bin bloß ein Mensch, dem als Kind etwas zugestoßen ist. Das kann jedem passieren. Bleibt zu hoffen, dass sie irgendwann aufhören, TABU zu schreien.


Montag, 18. Juli 2016

Was tut sie eigentlich? (Privat & Persönlich)

Wie versprochen kommt heute der zweite Teil meiner Posts darüber, was ich zur Zeit eigentlich so mache. Die Privat & Persönlich Edition ist nun allerdings leider ziemlich privat und deshalb passwortgeschützt. Ich hoffe ihr erinnert euch noch an das Passwort? Dann klickt ihr hier: Weiterlesen...

Wenn ihr keine Berechtigung für den geschützten Bereich habt, schaut hier einmal nach, ob ihr die Bedingungen erfüllen könnt.

Viel Glitzer und ein bisschen Glitzerkitsch für euch ♥


Dienstag, 12. Juli 2016

Warum ich euch nicht leid tun will

"Entstörungen" steht auf dem Fahrzeug, das an mir vorbeirauscht, während ich auf grünes Licht warte. Ich muss innerlich lachen. Stellt euch vor, es gäbe einen Dienst, der einen vom gestörten zu einem entstörten Menschen machen könnte. Wäre man dann etwa ... normal?! Um Himmels willen! Das ist gleichzeitig so krank wie es Sinn macht. Aber ich muss so lachen, weil ich mich wie eine Toilette fühle, die entstopft werden muss oder wie eine kaputte Glühbirne, die ersetzt werden muss. Stellt euch vor, es gäbe Ersatzteile für die Seele. Wahrscheinlich ist das gar nicht mal so witzig, aber ich verrecke gerade vor lachen!

Aber kommen wir zum eigentlichen Thema. Ich spreche von gestörten (und entstörten) und normalen Menschen. Warum tue ich das? Richtig, weil es zum etablierten Sprachgebrauch gehört und weil ich selbst "gestört" bin und das darf. Grundsätzlich darf ja jede*r sagen, was sie*er möchte, stimmts? Darüber nachzudenken, ist aber auch nicht verkehrt. Und so denke ich über einen Satz nach, den ich oft lese und manchmal höre: "Du tust mir so leid" oder auch "Solche Menschen tun mir so leid". Für "solche Menschen" könnt ihr jede beliebige Gestörtheit oder anderweitig stigmatisierte Sache einsetzen. Aber warum tu ich euch leid? Warum entschuldigt ihr euch für ... mich? ... solche Menschen oder Sachen? ... Eigentlich sagt man "Es tut mir leid!" doch, wenn man sich für etwas schuldig fühlt oder jemandem unrecht getan hat. Größtenteils könnt ihr aber nicht das geringste für mich oder irgendwelche Menschen bzw. für das, was mir oder irgendwelchen Menschen zugestoßen ist. Es gibt also überhaupt keinen Grund dafür, sich deswegen schuldig zu fühlen.

Viele Menschen, die sich mit gesenktem Kopf und gesenkter Stimme entschuldigen, schämen sich auch für das, was jener Entschuldigung bedarf. Schämt ihr euch für mich, irgendwelche Menschen, Gestörtheiten oder Sachen? Die euch selbst nicht mal betreffen? Vermutlich eher weniger. Ihr meint es eigentlich sogar ziemlich gut, wollt euer Mitgefühl ausdrücken, irgendwas Sinnvolles beitragen, vielleicht helfen. Lasst euch gesagt sein: "Du tust mir leid" hilft nicht. Es bringt niemandem etwas, wenn ihr jetzt auch noch mit leidet. Einmal leiden reicht ja wohl. Ich vertrete auch nicht den Standpunkt "Geteiltes Leid ist halbes Leid". Eher: "Mitgeteiltes Leid ist halbes Leid". Damit meine ich, dass ich mich besser fühle, wenn ich jemandem von meinem "Leiden" erzählen kann. Aber nicht, wenn die*derjenige dann ihrer*seinerseits darunter leidet. Das macht keinen Sinn und führt eher dazu, dass ich die Klappe halte.

"Du tust mir so leid!" Warum? Ich bin doch kein allumfassendes Problem. Ich bin ein Mensch, und ja, mir sind ein paar schlimme Dinge passiert. Objektiv betrachtet gibt es schlimmere und weniger schlimme Dinge. Ich bin aber keine Schlimmheitsskala, sondern ein Mensch, und ich kann nur meine eignenen Empfindungen beurteilen. Also hört auf, Gespräche zu beenden, weil ihr glaubt, bei mir wäre alles viel schlimmer (oder viel weniger schlimm) als bei euch. Was ist das überhaupt für eine Begründung? Stellt euch doch mal vor, ihr würdet mit einem ganz normalen Menschen sprechen... Überraschung, ihr tut es schon! Behandelt mich und eure Freund*innen, die bei euch ebenfalls den Impuls eines "Du tust mir so leid" auslösen, einfach genauso wie jede*n andere*n. Behandelt uns nicht besser und nicht schlechter, dann muss euch auch nichts leid tun. Wir haben Seele und Hirn, genau wie ihr. Und sollte euch, auf dass dieser Fall niemals eintrete, eines Tages ebenfalls etwas zustoßen, so werdet ihr vielleicht dankbar dafür sein, dass es außer euch noch andere "Gestörte" gibt. Welche, die weder sich noch anderen leid tun, sondern lieber die Welt verändern wollen.

Um mit diesem kitschigen Satz nicht enden zu müssen: Ich leide nicht mit Dir, aber ich lebe mit Dir; ich höre Dir zu, wenn Du möchtest, und ich bin dankbar für Dein Zuhören. ♥


Donnerstag, 7. Juli 2016

Was tut sie eigentlich? (Studium & Beruf)

Ihr habt in letzter Zeit eher kryptische Posts von mir gelesen (oder auch nicht). Ich habe wenig Klartext erzählt darüber, was ich so mache. Eher Tagebuchnotizen übertragen, wenn ich was besonderes erlebt habe, wie am letzten Wochenende. Aber vielleicht interessiert euch ja, was ich gerade so mache, was ich plane und was ich verwerfe. Mein Praktikum ist nunmehr seit drei Wochen und drei Tagen vorbei. Jetzt befinde ich mich wieder in einer ähnlichen Situation wie im Februar. Dass das schon fast wieder ein halbes Jahr her ist, gruselt mich ein bisschen. Ich widme mich wieder vermehrt meinem schlecht bezahlten Texter-Job, sehe mich aber parallel nach etwas besserem um. Die letzte Woche habe ich intesiv an einer Auf-den-letzten-Drücker-Bachelorarbeit "mitgewirkt". Das Korrigieren hat mir eigentlich Spaß gemacht, auch wenn es wahrscheinlich nicht so gut für meinen Blutdruck ist.^^ (Ich weiß, ich bin furchtbar, aber Kommakatastrophen tun mir wirklich weh.) Es gibt wohl Menschen, die sich für sowas auch bezahlen lassen. Diese Möglichkeit werde ich zumindest auch in Erwägung ziehen.

Ansonsten muss ich natürlich einen Praktikumsbericht schreiben. Nachdem ich die Formatierung angepasst und von S. erfahren habe, dass Deckblatt, Inhalts- und Quellenverzeichnis mitzählen, konnte ich feststellen, dass ich dann schon fast 10 Seiten habe. Von 15 und ich habe noch bis übernächsten Montag Zeit, das sollte zu schaffen sein. Ich weiß noch nicht recht, was ich danach machen soll. Das nächste halbe Jahr zu Hause zu sitzen und nur "Homeoffice" zu arbeiten, kommt eigentlich nicht in Frage. Mich macht das schon nach einem Monat verrückt, auch wenn ich meine Zeitpläne einhalte und Dinge schaffe. Da ich mein Studium um ein Semester verlängert habe, kann ich meine Bachelorarbeit erst im Oktober anmelden. Aber ich dachte mir, dass ich ja schonmal mein Thema konkretisieren und weiter recherchieren könnte, sodass ich vor und während des Schreibens immer noch einer anderen Tätigkeit nachgehen kann, denn mich drei Monate einzuschließen, ist keine Option, mit der ich glücklich wäre. Jetzt wieder ein neues Praktikum anzufangen und gleichzeitig einen Nebenjob auszuüben, überfordert mich ja allein schon, da noch die Bachelorarbeit zu integrieren wäre ein zum Scheitern verurteiltes Projekt. Aber Praktika sind in der Regel zu schlecht bezahlt, um nichts nebenher zu machen. Ein Zwischending, bzw. ein Nebenjob, der nicht nur etwas Geld bringt, sondern mich auch meinem Berufsziel näherbringt, wäre ja ideal. Bisher hab ich die Recherche jedes Mal schnell wieder aufgegeben, weil es sowas nicht wie Sand am Meer gibt und viele Studenten suchen, die sich noch in frühen Semestern befinden. Vielleicht sollte ich erstmal den Bericht fertig schreiben und mich dann darum kümmern. Ich will ja am liebsten immer alles gleichzeitig, aber das würde mich und wahrscheinlich die meisten anderen schlicht überfordern.

Natürlich mache ich mir auch Gedanken über die Zeit nach dem Studium. Mir steht ja nur noch ein Semester bevor, das ist nicht viel Zeit. Um nicht in blinde Panik zu geraten, habe ich letztens mal einen ganzen Tag lang im Internet herumgeforscht. Ich hatte ja schon öfter erwähnt, dass mein Studiengang sehr viele verschiedene Bereiche angekratzt hat und ich eigentlich noch nicht so richtig weiß, was ich nun damit anfangen soll. Aber ausgehend von meinem ursprünglichen Berufswunsch gibt es drei logische nächste Schritte: Direkt arbeiten, eine Journalistenschule besuchen oder ein Volontariat machen. Dafür, gleich nach dem Abschluss einen Job zu finden und zu arbeiten, fühle ich mich überhaupt noch nicht qualifiziert genug. Ich weiß nicht, ob das eine realistische Option ist. An Journalistenschulen gibt es in Berlin nur die von Springer, da will ich nicht hin und weg ziehen möchte ich eigentlich auch nicht. Auch insgesamt gibt es da in Deutschland nicht so viele, für die man eine Ausbildungsvergütung erhält und nicht noch selbst zahlen muss, und die haben harte Aufnahmeprüfungen, die ich wohl eher nicht schaffen würde. Bleibt noch das Volontariat. Eines zu bekommen, ist sicher auch nicht einfach, aber wohl möglich. Und das ist gerade meine favorisierte Lösung. Weiter oder erneut zu studieren, steht nicht auf der Liste. Zum einen, weil ich es mir nicht leisten kann, zum anderen glaube ich nicht, dass es mich in dem Feld wirklich weiterbringen würde. Ganz besonders wichtig ist es mir, so schnell wie nur irgend möglich nicht mehr finanziell abhängig von meinen Eltern zu sein. Das würde mir überall im Weg stehen. Ich muss also etwas finden, wovon ich leben kann, ohne mich dabei umbringen zu wollen, weil ich es hasse. Gar keine leichte Herausforderung.

Wie es mir privat und persönlich geht (auch wenn das für mich zusammenhängt), verschiebe ich hiermit auf den nächsten Post. Das wird sonst hier zu viel und zu chaotisch. Wie ist das bei euch, wenn ihr auch gerade in dieser Phase steckt oder sie schon hinter euch habt? Bekommt ihr Panik beim Gedanken an die Zukunft? Habt ihr einen genauen Plan? Oder ist es bei euch vielleicht ganz anders? Ich freue mich über Austausch, auch mal zu diesem Thema. :) ♥


Sonntag, 3. Juli 2016

Wochenende in Auszügen

Freitag

Ich stehe in der U6. Lehne im Eingangsbereich. Wir waren im Freiluftkino, S. und ich.
Ich stehe allein in der U6 und beobachte die Menschen. Vor dem Einsteigen saß ich noch auf einem dieser Gitterstühle. Neben mir drei Mädchen, zwei auf dem Stuhl, eines stehend, vielleicht 14, 15 Jahre alt. Hübsch, mit langen Wimpern, glatten schwarzen Haaren und goldenen Ohrringen. Sie unterhalten sich im "Ich schwör, Alta"-Slang. Darüber, wie sie sich bei McDonalds über das kalte Essen beschwerten und die Bedienung vom Manager zusammengefaltet wurde, so klein mit Hut. "Ich schwör alta, der hat den so rischtisch fertisch gemacht, ey!"
Ich stehe in der U6. Eine Gruppe pubertierender Jungs stürmt meinen Eingang und grölt besoffen rum. Sie verwechseln Friedrichstraße mit Leopoldplatz. Sind in die falsche Richtung gefahren. Idioten. Ich denke an meine Kommilitonin D. und an das Fotoalbum aus Wohngruppenzeit. Und an meine erste Reise nach Paris. Wie fasziniert ich von der Großstadt war und der Multikulturalität. So viele unterschiedliche Menschen, für deren Großstadtleben ich mich brennend interessierte.
Ich steige aus, in der Scheibe spiegelt sich ein riesiger Typ mit gedehntem Septum-Piercing. Auf der Rolltreppe steht er vor mir. Hinter mir einer im Krav-Maga-Pullover. Angst brauche ich wohl keine zu haben. Ich betrachte die haarigen Beine vor mir. Wie zur Hölle kommt man auf die Idee, sich das Mehrweg-Zeichen tätowieren zu lassen? Vielleicht glaubt er an Karma (Reinkarnation! natürlich) oder so. In der Hand hält er jedenfalls eine leere Pfandflasche...

Samstag

Diesmal sitze ich weiter vorn im BE. Fünfte Reihe ist ziemlich weit vorn. Ich kann Nina Hagen und ihre Mimik viel besser sehen. Neben mir sitz eine alte Frau, die sich zwischendurch die Augen wischt. "Alle wollen in den Himmel, aber keiner hat Bock auf Tod" klingt es noch in meinen Ohren. In der Pause sitze ich neben Brecht. Dem Denkmal natürlich. Die Studentengruppe neben mir erweist sich als gänzlich uninformiert. Und unempathisch. Ein alter Mann geht ganz krumm am Stock, von seiner Begleitung gestützt. Vier Mal ist er schon dabei gewesen und jedes Mal war anders, sagt er. Ich bewundere seine elegante und doch moderne Ausdrucksweise, während er weiter spricht. "Alles muss man selber machen", liest eine Frau die Aufschrift meines Beutels laut vor. Ich drehe mich um, lächele freundlich. Das Licht geht wieder aus und Nina singt weiter und spricht über Liebe und Frieden und Politik und Krieg und Tod und Gott und Brecht und den weiblichen Elvis und die Erfinderin des Rock'n'Rolls. Am Ende fliegt einer der Luftküsse zumindest in meine Richtung. "Friede sei mit euch!" und der Vorhang fällt.

Sonntag

Ich sag nicht gern, was ich mag. Ihr wisst ja, wie ich aussehe oder dass ich schreiben kann oder Geige spiele. Aber ich bin kein Punk-/Rockabilly-/Manga-Girl, keine Lilly-Kopie und ich steh auch nicht auf David Garrett. Ich bin ich, reicht das nicht? Wozu die Vergleiche, wenn ich doch direkt vor euch stehe? Egal, ob ihr mich als Nina-Hagen-Verschnitt oder als verschreckte Ziege bezeichnet, den nächsten Profilbildwechsel auf Facebook überlege ich mir gut. Jede fünfte Person hat bunt gefärbte Haare, in meiner Nähe wohnt sogar jemand mit einem grünen Bart. Und für die Größe meiner Augen kann ich nun wirklich nichts. Glaubt mir, wenn ich ein Foto von mir im Internet veröffentliche, dann gefalle ich mir darauf. Ich habe wichtigeres im Kopf als mich damit auseinanderzusetzen, wie andere mich finden. Aber das ist gar nicht so einfach, wenn nur das Makeup in meinem Gesicht eine Rolle spielt. "Hör auf zu diskutieren, Fräulein, beruhig Dich mal wieder, werd doch nicht gleich hysterisch, was interessiert mich Dein Weltgeschehen, solange ich das Leben genieße, ..." Ich würde aber doch, so gerne, auch was sagen...