Dienstag, 27. Oktober 2015

Frustration? Jetzt schon?

Gerade bin ich etwas frustriert. Die sächsische Kleinstadt hat etwas. Sie ist hübsch, ruhig, gemütlich, bergig und dörflich. Für eine Auszeit vom Alltag sicherlich gut zu gebrauchen. Die Sonne schien, als ich mich heute am frühen Morgen zu einem Spaziergang auf der Suche nach Kaffee und etwas zu essen machte. Trotzdem fühlte ich mich dezent angestarrt mit meinen lila-pinken Haaren und dem klappernden Schuhwerk. Nun, das ist vielleicht Gewöhnungssache. In der Großstadt falle ich kein bisschen auf. Hier sind die Straßen meist menschenleer, durch die ich mit gewohnt schnellem Schritt donnere. Uns allen ist es aufgefallen: Die Zeit vergeht langsamer hier. Ich bin zwar auch in keiner besonders großen Stadt aufgewachsen. Aber dort kannte nicht jeder jeden und  man grüßte sich nicht auf der Straße. Hier ist das anders. "Sie sind an der Hochschule?", fragte mich meine Hotel-Wirtin. "Schreiben Sie eine Prüfung nach?" Ich antwortete, dass ich meine Präsenzphase hätte, aber die erste Woche nur drei Tage lang wäre, weshalb ich am Mittwoch wieder nach Hause führe...

... und da kommen wir direkt zum Grund meiner Frustration: Die Pflichtveranstaltung für morgen wurde auf den kommenden Freitag verschoben. Zudem ist die warum auch immer verpflichtende Bibliotheksführung statt Mittwoch am nächsten Dienstag, also in der Woche, die ich eigentlich nicht hier verbringen wollte, weil keine Pflichtveranstaltungen für diese Zeit angedacht waren. Das wirft meine Planung natürlich völlig über den Haufen. Am Donnerstag habe ich wichtige Termine in Berlin. Den Freitags-Termin mit meinem Chef musste ich auch auf diesen Tag vorverlegen. Aber am Freitag muss ich um 9.45 Uhr wieder hier aufschlagen. Eine weitere Nacht im Hotel kann ich mir nicht leisten und das Hin- und Herfahren eigentlich auch nicht. Teilweise kann ich glücklicherweise mit Kommilitonen im Auto mitfahren, die aber selbstverständlich auch Benzin-Geld erhalten. Am Freitag Morgen habe ich quasi keine andere Möglichkeit, als mit dem Zug zu fahren, denn eine Fernbushaltestelle gibt es in diesem kleinen Ort nicht und so früh fährt auch keiner los. Weil ich auf den neuen Monat immer noch etwas warten muss, wird es mit dem Geld jetzt so richtig knapp. Alles, was ich mir in den letzten drei bis vier Monaten zurückgelegt habe, ist nur für diese Präsenzphase verbraucht. Zusätzlich muss ich auch noch einmal extra Studiengebühren für zwei ganze Semester an der Hochschule hier bezahlen, obwohl ich nicht einmal vier Wochen da bin. Und das kommt zu den Gebühren für die Akademie in Berlin noch hinzu! Ich frage mich wirklich, ob ich mit meinem Studium nicht einfach nur in eine fiese Abzocke-Falle getappt bin. Das, was ich in den letzten zwei Jahren gelernt habe, ist auf keinen Fall so viel Geld wert!!

Ja. Ich muss diesen Frust einfach mal rauslassen. Die meisten meiner Kommilitonen hatten wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben Geldsorgen. Sie verstehen einfach nicht, wieso S. und ich nur zu den Pflichtveranstaltungen kommen und damit das Bestehen unserer Prüfungen aufs Spiel setzen (was nicht so schlimm ist, weil man ja drei Versuche hat). Sie verstehen auch nicht, warum ich neben dem Studium noch mit zwei Jobs jongliere. Aber ich kann es mir nicht leisten, überteuerte Unterkunft und Fahrten für dieses Kuhkaff zu bezahlen und gleichzeitig einen ganzen Monat lang nicht zu arbeiten. Allein dafür, dass ich die Hälfte der Zeit hier verbringe, zahle ich über 300 Euro. Es ärgert mich so sehr, dass es wahrscheinlich noch mehr wird. Und wenn ich Pech habe, darf ich im März nochmal hier antanzen, weil ich garantiert keine schriftliche Prüfung auf Englisch bestehen werde. Oder hätte ich die letzten zwei Jahre noch in Englisch-Kurse investieren müssen? Weil ich durch meine ganzen Schulwechsel und Probleme in der Schule hinterhergehinkt bin? Klar, ich hätte ja ins Ausland gehen können - klar, das kann sich ja auch jeder leisten und traut sich jeder zu. Nicht.

Ich will nicht wie eine doofe alte Meckertante klingen. Aber das ließ sich wohl gerade nicht vermeiden. Geld ist ja nicht alles und so. Nur ist es manchmal frustrierend zu sehen, wie leicht es andere finanziell haben - womit ich nicht sagen will, dass es denen automatisch besser geht und sie besser klar kommen, keinesfalls kann ich das einschätzen! Aber ich denke, es wäre entlastend, sich nicht schon während Schulzeit und Ausbildung so viele Gedanken um Geld machen zu müssen. Herauszufinden, was man eigentlich will, ohne den Druck zu haben, möglichst schnell unabhängig zu sein und sich selbst finanzieren zu können. Wenn Geld nicht die erste Priorität und das wichtigste Argument bei jeder Entscheidung ist, bleibt viel mehr Zeit, Mensch zu sein. Doch das sind Luxus-Gedanken. Wie viele Menschen es gibt, die noch viel weniger haben als ich. Ich habe ein Dach über dem Kopf. Ich bin dazu fähig, zu arbeiten. Ich mache bald meinen Abschluss. Ich habe einen jederzeit verfügbaren Internet-Anschluss, der mir sowohl die Arbeit als auch das Ausüben eines Hobbys ermöglicht. Ich habe genug zu Essen und sogar die Möglichkeit, mir Kosmetikartikel und Haarfärbemittel und manchmal auch Klamotten zu kaufen, mit denen ich mein Äußeres gestalten kann. Ab und zu kann ich es mir leisten, mit Freunden auszugehen. Damit darf ich zufrieden sein. Es sind die selbstverständlich scheinenden Dinge, die in Gesellschaft von Menschen, die mehr haben, als man selbst, leicht untergehen. Vielleicht ist es besser, wenn wir mehr danach schauen, wer wir sind, als danach, was wir haben. Dann lässt sich leichter damit umgehen, was andere von uns wollen.


Mit diesem Gedanken entlasse ich euch aus meinem kleinen Frustrations-Anfall, weil ich jetzt zur Uni muss. Und hoffe auf bessere Tage und darauf, dass ihr euch besser fühlt als ich. Genießt die Sonne, falls sie auch bei euch so schön scheint, geht ein bisschen raus und genießt die Herbstluft. Links noch das von Mademoiselle Verte gewünschte Haar-Foto. Ich schicke euch wie immer eine Prise Glitzer dazu. ♥

Sonntag, 25. Oktober 2015

Entspanntes Nachdenken am Sonntag

Ich bin überraschend entspannt heute. Was ich zu tun hatte, ging mir leicht von der Hand. Das waren ein Text und zwei Artikel, die ich schreiben musste, ein Haarfärbe-Unfall, den ich retten musste, ein Bad, das ich anschließend putzen musste, und ein Rucksack, den ich packen musste. Endlich schenkte mir die Zeit tatsächlich eine Stunde mehr für diesen Tag. Die habe ich gebraucht.

Vielleicht ist es die Ruhe vor dem Sturm. Denn morgen fahre ich in das Kuhkaff, in dem ich noch einmal vier Wochen lang studieren und drei Prüfungen schreiben muss. Erst einmal sind es nur zwei Nächte, die ich dort in einem Hotel verbringe, weil Donnerstag und Freitag frei sind. Ob ich in der Woche danach hinfahre, muss ich mir noch überlegen. Sie beinhaltet keine Pflichtveranstaltungen und außerdem habe ich erst die Woche darauf wieder eine Unterkunft, die ich mir mit S. teile. Das war auch so eine Hau-Ruck-Aktion. Vor einer Woche trafen wir uns und stellten fest, dass wir beide immer noch nichts gefunden hatten. Und dann schauten wir noch einmal intensiv jede für die andere mit und S. fand glückicherweise etwas, das wir beide bezahlen können. Mit dem Geld ist es nämlich auch wieder knapp. Mein Konto ist leergefegt und bis zum neuen Monat dauert es noch eine Woche. Gut, dass ich mir etwas zurückgelegt habe.

Keiner aus meinem Kurs hat Lust auf diese Zeit. Eine Kommilitonin, die heute schon angereist ist, postete auf Facebook ihren Standort mit den Worten "fuck my life". S. habe ich selten so niedergeschlagen erlebt wie letzte Woche. Für "danach" ist bereits eine Party geplant, mit der wir unsere Freiheit feiern wollen. Bei so viel mieser Stimmung kann man ja nur schlecht gelaunt auf die nächsten Wochen blicken. Doch auch ich habe gerade das Gefühl, dass mir vier Wochen meiner Lebenszeit geraubt werden. Auf meine Anfrage hin, ob es möglich sei, nicht jede der nicht-verpflichteten Veranstaltungen zu besuchen, bekam ich eine sehr unfreundliche Antwort von der Studienbetreuung. Dabei bin ich ja nicht einmal faul, sondern muss wirklich neben dem Studieren noch mit zwei Jobs jonglieren. Der Texter-Chef antwortete mit einem "Das ist schlecht" auf meine Ankündigung, etwas weniger zu schreiben.

Ich frage mich auch, was in einer sächsischen Kleinstadt wohl gerade für eine Haltung herrscht. Und ob ich dort was veganes zu Essen finde, natürlich. Mit Schokolade und veganem Nutella-Ersatz sowie zwei Brotaufstrichen bin ich bereits ausgestattet - man kann ja nie wissen. Heute ist der zweite Artikel meiner Vegan-Reihe online gegangen. Wie immer zittere ich ein wenig den Reaktionen entgegen. Mehr als drei Monate Praktikum liegen nun schon hinter mir. Am ersten Tag hatte ich Angst davor, einen Facebook-Post mit tausenden Menschen zu teilen. Inzwischen haben wir tausend Likes mehr und ich habe die Verantwortung für zwei ganze Themenbereiche. Jep, ich renne Leuten hinterher und sage ihnen, dass sie gefälligst ihre Dead Line einhalten sollen. Und dann habe ich E-Mail-Verkehr mit ganz vielen wildfremden Menschen und wenn es unbedingt sein muss, gehe ich sogar ans Telefon. Wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis ich diese Menschen anrufen muss, und davor habe ich noch ganz schön viel Angst. Man möchte meinen, ein Start-Up bietet den kleinen Rahmen, aber die Bedingungen sind ja trotzdem real. Für die meisten Aufgaben musste ich mir die Fähigkeiten learning by doing aneignen. Eigentlich ist das gar kein richtiges Praktikum, sondern einfach un(ter)bezahlte Arbeit. Aber vielleicht macht das sogar am meisten Sinn, das "richtige Leben" zu erleben, ohne dass so viel passieren kann, weil der Studenten-Status ja noch da ist.

Ein Jahr noch, weniger sogar, dann ist das mit dem "richtigen Leben" Wirklichkeit. So viel Zeit, um
darüber nachzudenken, was ich danach machen will, habe ich gerade eigentlich nicht. Eher im Hinterkopf schwirren mir diese Gedanken herum. Ich bin viel mehr auf meine Aufgaben bei der Arbeit fixiert, habe die Unternehmensziele inhaliert und versuche trotzdem viel mehr ich zu sein, als je zuvor. So weit weg scheint mir die Uni, weshalb es sich seltsam anfühlt, morgen früh mit zwei Kommilitonen ins Auto zu steigen und wenig später den ganzen Kurs wiederzusehen. Sich in Stuhlreihen zu quetschen und einem Dozenten beim Reden zuzuhören scheint wie eine lange vergangene Erinnerung. Sicher wird mich das durcheinander bringen und Fragen aufwerfen, die ich zu vermeiden versuche. Vielleicht muss ich nicht so viele Fragen stellen. Vielleicht nehmen die Dinge einfach so ihren Lauf. Irgendwie hat es bisher immer funktioniert. Das sollte mir großen Zweiflerin doch etwas mehr Vertrauen in mich selbst ermöglichen. Und tatsächlich fühle ich mich versierter, professioneller, erwachsener. Dabei bin ich die Jüngste von allen und die einzige Praktikantin, die in den Kreis der Kern-Team-Mitglieder aufgestiegen ist. Da wird mir dann doch wieder bewusst, wie wenig erfahren ich bin, wie viele Fachbegriffe ich noch nie gehört habe und dass ich einfach nicht das richtige studiert habe für diesen Job. Ich habe keine Ahnung und soll Menschen von Ende 20 sagen, was sie zu tun haben. Das passt nicht zusammen. Ich bin ehrgeizig, aber fachlich ist da eigentlich nichts dahinter, als das, was ich mir mittels Recherche selbst beigebracht habe...

Ich habe viel zu wenig Zeit zum Nachdenken und ich bin froh, dass gerade ein wenig Ruhe nur dafür hatte. Das ist lange nicht mehr vorgekommen. Mein Prinzessin-Lillyfee-Tee neigt sich dem Ende und wird langsam kalt. Ein paar lilafarbene Haar-Stückchen hängen mir in den Wimpern vom Pony schneiden. Der Übergang von Lila zu Pink ist nicht so schön geworden, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber wozu muss ich im Kuhkaff auch gut aussehen? Ich habe sogar fast nur Gammel-Klamotten eingepackt. Mein Laptop kommt mit, aber ich weiß nicht, ob das mit dem Internet so gut klappt. Ich hoffe, denn ich hab ja auch noch anderes zu tun, als dort rumzuhängen. Am Donnerstag bin ich wieder da. Und berichte euch, ob es wirklich so schlimm war.^^

Glitzert eine Runde durch die schwarzblaue Nacht, ihr Lieben. Bis bald ♥


Mittwoch, 21. Oktober 2015

Kontaktforumular - Du hast Deine Mail-Adresse falsch eingegeben!

Liebe Lea,
Du hast mir über das Kontaktformular eine Nachricht geschrieben. Ich habe versucht, Dir zu antworten, aber leider hast Du wahrscheinlich Deine E-Mail-Adresse falsch eingetippt. Ich würde Dir natürlich gerne eine Antwort schicken, also vielleicht versuchst Du es einfach nochmal. :) 


Ihr lieben anderen, ja, ich bin noch da! :) Nur voll im Stress. Spätestens am Wochenende kommt ein neuer Post.
Glitzernden Abend euch! ♥


Sonntag, 18. Oktober 2015

Vegetarisch / Vegan leben nach Essstörung?

Ich bin seit mehr als drei Jahren Vegetarierin. Als ich beschloss, kein Fleisch mehr zu essen, steckte ich noch mitten in meiner Essstörung. Rückblickend glaube ich aber nicht, dass diese den Hauptfaktor für meine Entscheidung darstellte. Ich war gerade 18 geworden, in meine erste eigene Wohnung gezogen und komplett selbst verantwortlich für meine Ernährung. Und dann habe ich einfach aufgehört, Fleisch- und Wurst-Produkte zu kaufen. Mehr war es nicht, kein großer Verlust für mich und es hat mich auch nicht dazu bewogen, mich mehr mit meiner Ernährung zu beschäftigen als vorher - nämlich gar nicht. Dazu war ich viel zu sehr damit beschäftigt, dünner zu werden.

Das mit der Essstörung ist bei mir nun seit 1,5 Jahren "vorbei". Das schreibe ich in Anführungszeichen, weil ich trotzdem meilenweit von einer gesunden Ernährung entfernt bin. Mein Essverhalten ist zwar nicht mehr gestört, aber eben auch nicht normal. Ich esse. Aber selbst Außenstehende weisen mich darauf hin, dass ich ziemlich viel einseitigen Mist in mich hinein ... stopfe.

Könnte eine vegane Ernährung daran etwas ändern? Vielleicht. Aber auch das ist zumindest nicht der einzige Auslöser dessen, dass ich seit etwa einer Woche keine tierischen Produkte mehr zu mir genommen habe. Ich war am letzten Wochenende mit einer Kollegin auf einem veganen Markt, um darüber einen Artikel für das Magazin zu schreiben, bei dem ich arbeite. Nach einem Gespräch mit einem Aktivisten einer gewissen Tierschutzorganisation, das ich jedoch eher als abschreckend empfand, kam ich auf die Schnapsidee, daraus eine Art Selbstversuch zu machen. Meine Kollegin überredete mich dazu, den Text, den ich später schrieb, zu veröffentlichen. Jetzt fragt ihr euch vielleicht, wie ich aus der Nummer wieder herauskommen will. Ja. Das frage ich mich auch. Ich wollte die Sache eigentlich gar nicht sofort und auch ganz langsam, Schritt für Schritt, realisieren. Aber warum auch immer ist es mir seitdem ein einziges Mal passiert, dass ich Milch in einem Kaffee hatte, den mir jemand in die Hand drückte. Und sonst war alles komplett vegan... Es funktioniert also schonmal besser als ich dachte. Dennoch bin ich vorsichtig, wachsam und kritisch und mir sind einige Dinge an mir aufgefallen.

Bevor ihr euch jetzt irgendetwas in Richtung Essstörungs-Comeback denkt, lest erstmal weiter: Ich bekomme also jetzt einen Monat lang E-Mails mit Tipps und Informationen zum Veganismus. Währenddessen schaue ich mir an, welche Vorurteile mir begegnen und ob sie sich bewahrheiten oder nicht. Ob ich Veganerin ohne Stempel auf der Stirn sein kann und mich beide "Seiten" akzeptieren, darum geht es mir im Prinzip bei der Artikelreihe. Hier auf meinem Blog kann ich ja offener sein und würde, wenn ihr wollt, darüber berichten, wie sich das "vegan sein" mit Essstörungs-Vergangenheit anfühlt. Mein Ziel ist es ja, endlich zu einer gesunden Lebens- und Ernährungsweise zu finden, egal ob ich nun vegan bleiben will, oder nach einem Monat wieder zu vegetarisch zurückkehre. Dabei sehe ich das Ganze nicht unkritisch und mache mir wahrscheinlich noch einmal doppelt so viele Gedanken wie Menschen ohne diesen Hintergrund.

Im Wesentlichen fällt es mir gar nicht mal so schwer, mich vegan zu ernähren. Ich habe mich schon seit längerer Zeit immer mal wieder mit diesem Thema beschäftigt. Viele tierische Lebensmittel ersetze ich ohnehin bereits. Das Mittagessen im Büro gestaltet sich, seit ich meine Hummus-Liebe entdeckt habe, eigentlich immer vegan. Und wenn ich abends koche (was ich in Zukunft wohl den Fertiggerichten vorziehen werde, weil das einfacher ist, als stundenlang Inhaltsstoffe zu studieren), dann bleibt jetzt eben der Käse weg. Schokolade ist eigentlich das Schlimmste, aber selbst dafür habe ich eine Alternative gefunden - auch wenn es trotzdem nicht dasselbe ist. Aber obwohl sich an meinem Essverhalten gar nicht so viel verändert hat, hatte ich ständig mehr Hunger als sonst.^^ Ich habe mich gefragt, woran das liegt, weil die Hauptmahlzeiten mengenmäßig ja nicht kleiner geworden sind. Und mir ist aufgefallen, dass ich mir bisher wohl einen hohen Anteil meiner Kalorien über Süßigkeiten zugeführt habe. Die Schoko-Müsliriegel als Frühstück-Mogelei fallen nun aus und weichen Alternativen wie der auf dem ersten Foto da oben. Von der veganen Schokolade kann ich nicht so viel essen wie von herkömmlicher, weil sie ziemlich süß ist und mir dann schlecht wird. Und irgendwie denke ich ja doch etwas mehr darüber nach, was genau ich essen möchte und kann.

Das lange Suchen im Lebensmittelgeschäft nach Produkten, die ich essen darf, das Studieren der Rückseite der Packung erinnert mich an Essstörungs-Zeiten. Nur suche ich jetzt nicht mehr nach der Kalorienangabe und rechne mir den Kopf kaputt, sondern schaue, was da drin ist, nicht wie viel. Letztendlich kommt wohl niemand, der gesund leben möchte, darum herum, sich mit seiner Ernährung zu beschäftigen. Vielleicht ist das auch ein guter Test: Bin ich weit genug von der Essstörung entfernt, um mich mit Ernährungsformen beschäftigen zu können, ohne durchzudrehen? Bin ich dazu in der Lage, mich gesund und vollwertig zu ernähren? Ist es überhaupt noch möglich, dass Essen einen zu großen Raum in meinem Leben einnehmen könnte? Ich bin der Meinung, diese Fragen in eine positive Richtung beantworten zu können. Wie ich schon einmal geschrieben habe, ist mir in der Zeit, in der ich nicht genug Geld für Lebensmittel übrig hatte, der Wert von Nahrung bewusster geworden. Und ich denke, je mehr ich mich damit beschäftige, was ich eigentlich alles in mich hinein stopfe und was ich gerne vergesse zu essen, desto sensibler wird dieses Bewusstsein. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich meine Ernährung mit einem gewissen Abstand von essgestörtem Verhalten betrachte. Mitten drin in dem ganzen Chaos hätte ich so objektiv sicher
nicht gedacht. Aber ich finde es auch wichtig, sich ab und zu etwas zu trauen. Denn nur so lässt sich erfahren, ob etwas funktioniert oder nicht. An alle also, die sich mit dem Essen in einer ungesunden Weise beschäftigen: Vielleicht probiert ihr einmal etwas anderes aus, als essgestört zu sein. Da gibt es sicher eine Menge, die ihr besser könnt als das. Und nein, damit meine ich keine andere Art der Selbstzerstörung. Damit meine ich Sachen, die euch Spaß machen, für die ihr ein Talent habt oder von denen ihr träumt. Während ihr das macht, teste ich weiter, was ich will, und davon ist das Thema dieses Beitrags nur ein ganz kleiner Teil.

Ich schicke euch Schokostreusel und Glitzer. ♥



Freitag, 9. Oktober 2015

Werbung - oder: Die Zeit schreit

Eine Werbetafel, die drei verschiedene Plakate hin und her rollt, so dass sie abwechselnd zu sehen sind. Das erste Plakat wirbt für Parship und zeigt eine sehr schlanke, blonde und blauäugige junge Frau, die geradeaus starrt. Das zweite ist von Dunkin Donuts und drauf ist ein Donut der "Bist Du auch so süß?" oder so etwas ähnliches sagt. Es folgt eine Werbung für den Bio-Burger von Mc Donald's. Dann kehrt sich alles um. Der Donut rückt zurück ans Fenster und unter ihm kommt schon die blonde Frau zum Vorschein - sie starrt immer noch, ins Leere. Alle 11 Sekunden verliebt sich ein Single auf Parship. Alle 11 Sekunden löst die starrende Frau am Fenster stark bearbeitete Fotos von fragwürdig hergestelltem Essen ab. Ironie..?

Ich frage mich, wie das so ist, wenn man Model ist und sich ständig auf solchen Werbetafeln sieht. Sieht man sich dann eigentlich noch? Ich weiß nicht. Ich sehe mich im Spiegel und suche in meinen Augen nach Antworten auf meine vielen, vielen Fragen. Ich sitze Z gegenüber und wir tragen beide schwarze Röcke und gemusterte Strumpfhosen. Auf dem Tisch stehen Tee und ein knallpinker Smoothie.
"Den trink ich auch immer."
"Echt?"
"Ja, den und keinen anderen, das ist der einzige, der mir schmeckt. Gemüse mag ich nicht."
"..."
"Und außerdem ist er pink."
Ich erzähle von dem Weihnachten vor fünf Jahren, das fernab aller Normalität doch das beste von allen war. Allein mit vier kleinen Kindern und zwei Betreuern, die uns über die Feiertage bespaßen mussten. Ich weiß noch, dass ich ein paar Weihnachtsbaumkugeln zerschmissen und keinen Ärger bekommen habe. Wir haben nichts Spektakuläres gemacht. Aber vielleicht ist es genau das gewesen, was gut getan hat. Ein unaufgeregtes, angenehmes Beisammensitzen im Kerzenschein. Kein Geschenke-Stress, kein besonderes Essen, keine Gäste, keine Verpflichtungen. Das Gefühl, sich fallen lassen zu dürfen, weil jemand da ist, der dich auffängt - weil es ihr Job ist und das macht es so einfach, kein schlechtes Gewissen zu haben. Aber das echte Leben funktioniert so nicht. Vielleicht so ähnlich. So, dass ein paar Entscheidungen zum selber treffen bleiben. Vielleicht auch ein paar mehr.

Jetzt aber werden die Blätter erst bunt. Zeit schreit nicht, sie schreitet, voran, ohne dass es so richtig zu spüren ist. Erst wenn sie vorbei ist, schreit die aus der Zeit Gefallene. Es ist spät, aber nicht zu spät. Nie zu spät bist Du, wenn Du den Mut findest, es versuchen zu wollen. Denn Dein Vorsprung ist Deine Willensstärke. Und wenn Du jemanden brauchst, der an Dich glaubt, hier bin ich und glitzere aus der Ferne. Wer glitzert mit? ♥


Donnerstag, 8. Oktober 2015

Aussicht auf Leben

Heute war der Tag, an dem der Chef mit mir über meine Zukunft sprechen wollte. Aber zuerst hatte er viel mit seinen neuen Krabben und Krebsen und anderen ekligen Tieren zu tun, die er in das Aquarium setzte, und ihm blieb wenig Zeit, um alle abzuhandeln. Mich bestellte er raus in die Kälte – das obligatorische „eine rauchen“, was für Nichtraucher immer ein bisschen blöd ist. Er bot mir eine Zigarette an, aber ich lehnte ab. Wenn, dann rauche ich nur abends, wenn ich weggehe. Und mit einem immer noch kratzigen Hals, aus dem permanentes Husten erklingt, schon gar nicht. Weiterlesen...


 

Montag, 5. Oktober 2015

Zukunftsmusik

"Hallo. Schönen Feierabend!"
"Danke, Ihnen auch."
"Danke!"

So müsste es doch eigentlich ablaufen auf dem Flur eines Bürogebäudes. So einfach. Stattdessen bleibe ich so lange auf dem Klo sitzen, bis die Stimmen draußen verstummen. Darüber denke ich nach, während ich allein in unserem Mini-Kleinraum-Büro sitze und darauf warte, dass die anderen vom Rauchen wiederkommen. Eigentlich habe ich schon seit einer halben Stunde "Feierabend". Aber wann bin ich schon jemals pünktlich weggekommen? Außer, wenn ein Termin bei Z anstand. Da ich oder jemand anderes sie wohl mit dieser fiesen Erkältung, die gerade im Umlauf ist, angesteckt hat,  musste dieser heute leider ausfallen. Irgendwie auch okay so. Kein Gehetze, kein S-Bahn-Bange-Spiel. Heute Morgen war es komisch, wieder hier zu sein. Nach vier Stunden Schlaf aus dem Bett zu kriechen und "Wenn ich zu spät komme, reißt er mir den Kopf ab" zu denken.

Nun, mein Kopf ist noch dran. Eine ganze Stunde später als geplant stöckele ich in Richtung S-Bahn. Mein rechtes Knie tut ein bisschen weh. Die einzig deutliche körperlich spürbare Erinnerung an mein Elternhaus. Gestern hatte sie ihren fünften "Jahrestag", womit sich gleichzeitig der Zeitpunkt jährt, an dem ich all dem den Rücken kehrte. Ich bin ein wenig erschrocken darüber, dass seitdem so viel Zeit vergangen ist. Doch meine "Move On & Don't Look Back"-Playlist lässt mich nach vorne blicken.
"Am Donnerstag besprechen wir mal Deine Zukunft", sagte mein Chef zur Verabschiedung im Fahrstuhl. Tja. Die nahe Zukunft ist mir eigentlich schon klar. Nach meinem Monat im Kuhkaff, der für mein Studium noch nötig ist, werde ich meine drei Monate Pflichtpraktikum weiter dort machen, wo ich jetzt arbeite. Nur eben vielleicht ein ganz kleines bisschen bezahlt. Das wäre hilfreich. Und was dann ist, das weiß ich noch nicht. Aber vielleicht muss ich das auch gar nicht. Am Ende dieser Zeit wird sich eine neue ergeben. Fast wie von selbst. Aber nur fast...

Ich war übrigens nicht absichtlich plötzlich verschwunden. Den Dienstag und Mittwoch war ich wieder ganz normal ganz viel arbeiten. Und am Donnerstag, mittags, schickte mich mein Chef nach Hause, weil ich eher weniger geistig anwesend war. Da habe ich mich in mein Bett gelegt und quasi bis Samstag geschlafen, war eben einfach krank. Samstag Abend musste ich aber wieder ein bisschen fit sein, denn S. feierte ihren Geburtstag. Dieses Jahr hatte ich ein etwas netteres Geschenk, weil die gemütliche WG-Party nicht ganz so spontan war, wie es die Aktionen von S. normalerweise sind. Es war ein schöner Abend. Länger, viel länger als geplant - eigentlich wollte ich mich noch schonen. Aber bis auf den üblichen Spießrutenlauf, den jede hinter sich bringen muss, die nicht angemacht werden möchte, hatte ich Spaß. Auf der Rückfahrt kam ich noch in ein interessantes Gespräch mit dem Freund von S. Schwester - so interessant, wie ein betrunkenes Gespräch eben sein kann. Nun bin ich zwar immer noch nicht wirklich gesund, weniger, als möglich gewesen, wäre ich zu Hause geblieben, aber ich war unter Menschen und das ... ist gut so, wenn es bei der vielen Arbeit ohnehin zur Seltenheit wird.

Die krankheitsbedingte Unterbrechung meines Work-Flows kam abrupt. Aber sie war wohl notwendig und erholsam. Ich bin trotzdem froh, wieder unter den Lebenden zu weilen.^^
Heute habe ich mir endlich einen - viel zu teuren - Block buntes Tonzeichenpapier und einen Block weißes Zeichenpapier gekauft. Um Entscheidungen zu treffen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals auf die Methoden zurückgreifen würde, die ich in der Therapie so gehasst und verweigert habe. Aber ich mache das ja auch ganz anders, nämlich auf meine Weise. Mit meinem eigenen System, das ich mir noch ausdenken muss. Also, Frau Therapeutin, falls Sie das jemals lesen sollten ... war es vielleicht doch nicht ganz umsonst, mit mir.

Und ihr, was habt ihr so gemacht? Hattet ihr ein schönes Wochenende? Mit den Kommentaren versuche ich hinterher zu kommen, sobald ich Zeit habe, also irgendwann zwischendurch. Aber sie kommen noch. :)

Um mit einem positiven Zitat zu enden:
"Bist Du schon fertig?!"
"Jep."
"Du schreibst ja richtig schnell."
"Das liegt daran, dass ich es gewohnt bin, auf  Zeitdruck zu schreiben."
"Ach ja stimmt. Aber Du schreibst auch echt gut!"

Juhu, ich kann was! Ja, dazu darf ruhig jede Menschenseele ab und zu mal stehen. Dass sie was kann. Weil nämlich jeder was kann. Meine Finger flitzen über die Tasten und sind wohl wesentlich trainierter als der Rest von mir. Und noch was kann ich und das könnt ihr alle: Glitzern. :)

Lasst es euch gut gehen! ♥