Freitag, 29. Mai 2015

Wahre Freunde findet man nicht im Internet?

Nun ist schon wieder Freitag. Die Zeit hat es verdammt eilig. Ich habe Kopfschmerzen und bin müde. Aber unsere Gruppe hat "gewonnen". Unser Sendungskonzept wird produziert und ausgestrahlt.
Eigentlich habe ich noch viel zu tun. All das Alltägliche, zu dem man sonst nie kommt. Wäsche waschen, putzen und so. Die Wäsche ist schon in der Trommel, aber mein Zimmer muss ich noch aufräumen. Und arbeiten ist heute auch noch angesagt.
Ich habe kaum realisiert, dass ich morgen schon ein Jahr älter werde. Aber eigentlich ist es auch nicht wichtig, oder? Nur irgendein Tag wie jeder andere, an dem zufälligerweise der Tag meiner Geburt genau 21 Jahre zurückliegt. Aber er ist wichtig, weil Lucy mich besucht. Heute Nacht um halb elf kommt ihr Bus an. Ich bin gespannt. Sehr.

Ich muss der Aussage, dass "wahre Freunde nicht im Netz" zu finden sind, weil "sich dort alle eine erdachte Identität verpassen" deutlich widersprechen. Zwar bezeichne ich sie erst als Freunde, wenn ich sie persönlich kennengelernt habe. Aber dann sind sie mir umso näher. Es ist einfach eine andere Art, Menschen kennen zu lernen. Lia, die erste Bloggerin, mit der ich mich getroffen habe, hat es als "Umgekehrtes Kennenlernen" bezeichnet. Denn bevor wir uns durch äußere Einflüsse wie Kleidung, Aussehen und Stimme zu einem Urteil verleiten lassen, unterhalten wir uns mit den Menschen im Internet, was in der "realen" Welt so gar nicht möglich wäre. Wir sprechen immer von "virtueller Kommunikation". Aber die Person, mit der wir virtuell kommunizieren, ist trotzdem real, sie ist echt. Und gerade viele von den Blogger-Menschen sind in der geschützen Welt des Internets ehrlicher und viel mehr sie selbst, als in ihrem realen Umfeld. Natürlich gibt es auch diejenigen, die sich eine falsche Identität ausdenken, uns etwas vorspielen, man denke nur an all die Hater, mit denen jeder, der im Internet etwas von sich preis gibt, früher oder später in Berührung kommt. Aber diese Menschen gibt es in der realen Welt genauso. Vielleicht kann man sich dort nicht so gut verstecken. Aber wer ist nicht schon einmal jemandem begegnet, der sich irgendwann als ganz anders entpuppte, als man ihn zunächst wahrgenommen hat? Wer verstellt sich nicht selbst ab und an? Habt ihr noch nie gelächelt, obwohl euch gar nicht danach zu Mute war? Würdet ihr euch, um euren Traumjob zu bekommen, nicht genau so präsentieren, wie es von euch erwartet wird? Wie sagte diese Woche unsere Dozentin: "So ist das im Leben. Manchmal muss man lügen wie gedruckt." Ob das so stimmt, bleibt offen. Fakt ist: "Erdachte Identitäten" sind Teil der Realität. Sie sind kein Phänomen einer virtuellen Welt.
Liebe anonyme Person, von der diese Aussage stammt, bitte fühle Dich jetzt nicht angegriffen. Ich wollte nur erzählen, wie meine Meinung zu dem Thema aussieht. Und Du hast recht: Es ist gefährlich, zu viel Zeit im Internet zu verbringen und ausschließlich dort mit quasi fremden Menschen befreundet zu sein. Ich denke da auch an all die jungen Menschen, die sich mit den YouTube-Stars identifizieren. Genau so ungesund ist es, wenn man sich unsterblich in einen Musiker oder einen Hollywood-Star verliebt. Ich persönlich versuche Menschen, die ich im Internet kennenlerne und mit denen ich mich gut verstehe, möglichst irgendwann persönlich zu treffen. Bisher hat das schon einige Male funktioniert. Es dauert bei mir allgemein recht lange, bis ich jemanden als Freund bezeichne. Vier meiner Freundschaften stammen aus dem Internet. Ich habe aber auch einige getroffen, von denen ich danach nie wieder etwas gehört habe. Ich denke, es ist wichtig, für sich eine Grenze zu ziehen. Bekanntschaften, die ausschließlich im Internet stattfinden, sind etwas anderes als Freundschaften im realen Leben. Trotzdem halten auch sie teilweise über Jahre. Davina kenne ich seit über zwei Jahren, wir haben ein paar Mal telefoniert und ich habe sogar eine Reportage über sie geschrieben. Wir verstehen uns, auch wenn wir manchmal lange Kontaktpausen haben. Und spätestens 2023 werden wir uns sehen. Da sind wir nämlich zu einem Spaghetti-Eis verabredet.

Habt ein wunderschönes Wochenende, meine Lieben, macht mal Pause, geht spazieren, draußen und hängt nicht zu viel vor dem Laptop. ;-)
Ich schicke euch wie immer Glitzer in eurer Lieblingsfarbe und in ausreichender Menge. ♥

Montag, 25. Mai 2015

Schubladen im Kopf

Guten Morgen, ihr Lieben.
Ja, ich sage nach 15 Uhr noch guten Morgen. Die letzten zwei Nächte wurde es schon hell, als ich beschloss, zu schlafen. Ich bin wieder da. Vielleicht habt ihr das an meinem letzten nächtlichen Post schon bemerkt. Eigentlich war ich gar nicht richtig weg. In Gedanken bin ich ständig in der Bloggerwelt. Vielleicht hab ich keine Freunde, vielleicht sind sie einfach nur zu weit weg. Gestern habe ich fast drei Stunden lang mit meiner besten Schulfreundin Tina telefoniert. Das hatten wir seit Weihnachten nicht mehr gemacht. Wie die Zeit davonrennt... Wir sprachen über alte Freunde, alte Lehrer, alte Musik. Wir erinnerten uns daran, wie ich ihr zum 13. Geburtstag ein riesengroßes Handy bastelte, weil sie sich so sehr eines wünschte und keines bekam. Darin verpackt war die neueste Christina Stürmer CD. Ich hatte sie auch. Bezahlt mit einem Gutschein, den mir meine Geigenlehrerin zum Geburtstag geschenkt hatte. Es war die erste Musik, die ich mir kaufte. Heimlich, denn eigentlich durfte ich nur klassische Musik hören. (Tina erinnerte mich auch daran, wie ich in der sechsten Klasse einen Vortrag über Vivaldi gehalten hatte, während alle anderen ihre Lieblings-Popstars vorstellten und mich auslachten.) Meine Eltern erlaubten dieses "neumodische Zeugs" nicht. Ich weiß auch noch, wie depressiv ich mit 12 war. Und diese CD trug tatsächlich dazu bei, dass es mir besser ging. Sie war ein erster Schritt Selbstbestimmung. Etwas später, mit 13, durfte ich das Internet benutzen. Und ich fand den Mut, die Dinge zu recherchieren, die meine Eltern für schlecht befanden, um mir eine eigene Meinung zu bilden. Hätte ich das nicht getan, hätte ich den Vorwürfen, Abschaum, Dreck und geisteskrank zu sein, vielleicht nicht standhalten können. Aber dort stand, dass es okay ist, so zu sein wie ich, auch wenn es Menschen gibt, die das immer noch nicht begreifen. Und ich beschloss, den Webseiten mehr zu glauben, als meinen Eltern. Es ist so wichtig, den eigenen Kopf zu benutzen, statt irgendeiner Mehrheit mit irgendeiner Idiotologie hinterherzurennen. Auch wenn es eure Familien, Lehrer oder Freunde sind, dürft ihre eine andere Meinung als sie haben. Ohne die anderen deswegen gleich zu hassen.

Jetzt werde ich am nächsten Samstag schon 21. Und Tina wird in einem Monat 22. Wir sind seit über zehn Jahren befreundet. Wir haben uns verändert und vieles ist jetzt besser. Alle sagen immer, dass alle super tolerant sind. Es gibt so viel mehr als Normal und Anders. Aber es gibt immer noch ein Aber. Dagegen habe ich ja auch gar nichts, ABER... Ich bin wirklich tolerant und alles, ABER...
Aber es gibt immer noch Schubladen, auch wenn die Kommode inzwischen größer geworden ist. Irgendwo macht das ja auch Sinn. Schließlich müssen wir in unserem Kopf sortieren, was uns gut tut und was nicht. Wer hat sich nicht schon einmal Gehirn-Schubladen vorgestellt, in denen all unser Wissen einen Platz findet, an dem es jederzeit abrufbereit ist? Eine für Mathe, eine für Französisch... Ordnung ist wichtig, denn sonst würde man ja nichts wiederfinden. Alles ist in Ordnung, solange es sich definieren lässt. Aber was passiert, wenn eine Socke plötzlich aus ihrer Schublade hüpft? Wenn sie von der Unterwäsche zu den T-Shirts zu den Mützen hüpft? Was ist, wenn die Socke sich mit einem Handschuh zusammen tut und beide zusammen in den Schminkkoffer springen?! Sollst Du Deine Hand dann in eine Socke stecken? Und was sucht Glitzerpuder an den Füßen?
Du bist so in Ordnung wie Du bist. Aber dann sei bitte auch so, wie wir uns das vorstellen. Entsprich den Klischees. Und vor allem: Entscheide Dich für eine von den Schubladen! Wo kämen wir hin, wenn wir Sonne mit Regen mischten?!


Mein linker Fuß klemmt in der untersten Schublade fest, während meine Hände nach oben greifen. Ich kann mich nicht zerreißen. Schon gar nicht, um es jedem recht zu machen. Ich werde niemals richtig sein. Aber ich bin auch nicht falsch. Ich bin für jeden, was er über mich denkt. Aber leben kann ich nur für mich selbst. Und für die Menschen, die ich liebe, weil sie mich lieben, weil ich sie liebe, weil sie so sind wie sie sind und nicht anders.

Nun ist dieser Post in eine ganz andere Richtung geschwommen als geplant. Ich hoffe, ihr findet trotzdem irgendetwas Sinnvolles darin. Und wenn ihr euch angegriffen fühlt, fühlt euch frei...
Ich wünsche euch einen schönen nun fast schon wieder Abend.
Glitzer ♥

Sonntag, 24. Mai 2015

Verschobene Zeit

Wenn Du Zeit mit alten Menschen verbringst, verläuft sie ganz langsam. Mit jedem Schritt atmest Du einmal ein.
Mit jedem zweiten aus.
Du spürst den Boden unter Deinen Füßen knirschen.
Kies. Dazwischen einige Halme Gras.
Löwenzahn-Pusteblumen.
Ein Schmetterling flattert ganz nah an Deiner Hand vorbei. Zitronenfalter.
Ihr bleibt stehen, nur um eine Amsel zu beobachten, die sich pfeifend mit einem anderen Vogel unterhält.
Die Zeit fließt so langsam. Zäh.
Du erinnerst Dich an die alten Kinderspiele und beginnst, auf der Mauer am Wegrand zu balancieren. Auf Pflastersteinen spielst Du Nicht-Auf-Die-Linien-Treten. Heute wirkt das irgendwie beruhigend. Du spieltest diese Spiele immer, wenn die Erwachsenen Dir langweilig wurden. Weil ihre Zeit viel langsamer verging als Deine. Du wolltest immer alles jetzt sofort. Du wolltest ganz schnell groß werden, Geburtstag haben und dass Weihnachten ist. Und Du hast nicht verstanden, warum Du immer ins Bett musstest, obwohl Du noch gar nicht müde warst. Das war, bevor die Zeit auch Dich in ihren Rahmen presste.
Alte Menschen haben Zeit. Oder auch nicht. Vielleicht vergehen ihre Minuten nur so langsam, weil jede von ihnen die letzte sein könnte. Wenn wir alt sind, dann leben wir nicht mehr auf der Überholspur. Denn dann ist unsere Zeit schon fast vorbei. Es gibt nichts Großes mehr, das uns erwartet. Nur beim Scrabble spielen werden alte Menschen ungeduldig, wenn Du zu lange überlegst. Schließlich kennen sie viermal so viele Worte wie Du. Wie es wohl wäre, wenn Du schon bevor Dein Leben richtig anfängt, über 80 Jahre Lebenserfahrung verfügtest?

Schlagartig trifft Dich der Schlag, wenn Du wieder in die junge schnelle Welt eintauchst. Verdammt, Du kommst zu spät! Mit riesengroßen Schritten drängelst Du Dich vorbei an der Gruppe Menschen, die Dir den Weg versperrt. Du rempelst aus Versehen eine alte Dame an, entschuldigst Dich im Vorbeigehen, rollst die Augen, weil schon wieder jemand in Dich hinein rennt. Verdammt, Du hast es eilig, denkst Du, als Dich ein Autofahrer anhupt, weil Du bei Rot über die Straße hastest. Hustend rennst Du die vielen Treppen hoch. Irgendwie ist Dir übel. Du spürst, wie das Blut in Deinen Kopf steigt. Du holst Luft nach jedem zweiten Wort, mit dem Du versuchst, die Fragen Deines Gegenübers zu beantworten.
Soziale Kontakte nach Zeit verordnet. Bist Du nicht spontan, bist Du nicht dabei. Du willst die Chance nicht verpassen. Einmal wieder unter Menschen sein. Doch die Stimmen verschwimmen, während Du auf ein Thema wartest, bei dem Du mitreden kannst. Sex and the City, Desperate Housewifes, Gossip Girl, Du hast noch nie mit einer Freundin wegen eines Typen gestritten?! Wo lebst Du, wenn Du nicht alle Disney-Prinzessinen und die Farben ihrer Kleider kennst?! Wenigstens weißt Du, dass Du immer Ariel bist, weil Du rote Haare hast. Aber sonst hast Du einiges verpasst!

Alte und Junge sagen fast das Selbe:
Du verschwendest Deine Jugend, wenn Du keinen Freund hast!
Du lebst nicht, wenn Du nicht so bist wie wir!
Toleranz hat ihre Grenzen.
Du bist schon okay so, nur wenn Du so und so wärst, dann wär das schon krass...
Minderheiten werden eh immer bevorzugt.
Davon merken nur die Minderheiten nichts.
Du kannst sagen, denken, glauben, was Du willst.
Am Ende des Tages ist die Nacht immer schwarz.
Im Mondlicht sind wir alle Silhouetten mit mindestens einem Kopf dran. Und in dem Kopf schläft eine ganze Welt dem Morgen entgegen. Voller Schmetterlings-Pusteblumen-Träume. Morgen dürfen wir wieder sein. So wie wir wollen. Bis ein neuer Morgen kommt.

Grüße aus der Dunkelheit.
Mit Sternenglitzer.

Freitag, 15. Mai 2015

Wogen glätten

Ich glätte die Wogen meiner Haare. Einer doch recht pinken Pracht. Nachtblaue Fingernägel fahren durch die fliegenden Strähnen. Ein bisschen Puder, ein bisschen Haarspray und Li-La-Lippenstift. Ein schwarzes Shirt, ein schwarzer Rock, eine Strumpfhose mit schwarzen Punkten und lange schwarze Strümpfe. Manchmal ziehe ich etwas an und frage mich, ob ich so auf die Straße gehen kann. Dann fällt mir wieder ein, dass ich ja in Berlin lebe und hier alles normal ist. Zumindest wundert sich niemand, über gar nichts mehr.
Wenn ich aus der Beratungsstelle komme, gehe ich meist mit einem leichten Gefühl. Vielleicht weil ich weiß, dass meine Sorgen dort gut aufgehoben sind... Außerdem lacht die Frühlingssonne und die Vögel lachen mit. Wenn das keine Stimmung zum Lächeln ist!
Ja, die Sorgen, sie sind da. Sie nagen mir am Kragen. Von allen Seiten kommen Leute, die wissen besser über mich Bescheid als ich. So scheint es. Dabei kennen sie mich gar nicht. Sie sagen zu mir Aber es geht dir doch gut! Sie glauben zu wissen, welche Gefühle mich durchschweben, aber das wissen sie nicht. Und wenn sie hundert Mal sagen Ich weiß genau, wie das ist! Wie ich zu sein sich anfühlt, das weiß nur ich. Sie haben das Recht, sich zu denken, was immer sie wollen. Doch ein Urteil in Eile zu fällen, bedarf scheinbar keines Vermögens. Ja, von Urteilsvermögen spreche ich. Das hat nur, wer sich auseinandersetzt und sich ein Urteil zusammensetzt, das ohne Vorsilbe auskommt.


Ich glätte die Wogen meines aufsteigenden Ungefühls. Denn heute ist ein glitzernder Tag. Das habe ich soeben beschlossen. Ich blicke abwechselnd in den Frühling vor meinem Fenster und auf die Tasten unter meinen Fingern, die heute arbeitsbedingt noch ein wenig rauchen müssen. Und dann lese ich mein Buch zu Ende, damit ich morgen ein neues anfangen kann. Denn morgen begebe ich mich auf eine kleine Gedankenreise, während der ich wohl keine Worte veröffentlichen werde. Mittwoch Nachmittag bin ich vielleicht wieder zurück. Zum Schluss dürft ihr noch einen Blick auf meine Verückt-Haarigkeit werfen. Jemand von euch hatte danach gefragt...

Ich bin nicht sicher, wie die Farben aussehen, mein Laptop ist ganz blass



Dienstag, 12. Mai 2015

Gedanken-Flüge

Ich sitze an meinem Schreibtisch. Im Schneidersitz auf dem Drehstuhl, der immer nach links rollen will. Gestern ist mir aufgefallen, dass der Boden meines Zimmers schief ist...
Das Fenster ist weit geöffnet. Das Bett frisch bezogen. Es riecht nach gewaschener Wäsche, Frühling und Vergangenheit. Mein Kopf ist in Frischhaltefolie eingewickelt. Darunter leuchtet es pink. Viel greller, als es am  Ende aussehen wird. Mein orangefarbenes Haar wird einen lachsfarbenen, aprikosensüßen Schimmer erhalten.
Ein zieh-zerr-kneifender Schmerz stört mein Frühlingsbild. Erdbeerwoche. Ich kannte diesen Begriff bis vor kurzem nicht. Er klingt eher nach Rosa-Glitzer-Duschgel...
Neben mir steht ein erdbeerfarbener Smoothie. Ich soll mich doch gesund ernähren. Als zweites Frühstück gesellt er sich zu Vanille-Kaffee und Zitronenjoghurt. Meine Gedanken fallen heute in alle Richtungen. Sie rollen über den schiefen Boden, rappeln sich auf, reiben sich die Augen und laufen wild durcheinander. Sie geben sich die Hand, verbinden sich zu einer Idee und steigen auf in den Höhenflug.
Vorletzte Nacht habe ich geträumt, dass ich laut einer Prophezeihung an genau diesem Tag an genau dieser einen Ursache sterben würde. Ich weiß nicht mehr, was es war, vielleicht ein Autounfall. Mit allen Mitteln versuchte ich, meinem Schicksal zu entgehen, eine andere Reisemöglichkeit zu wählen. Verzweifelt lief ich durch das grünlich-gelbe Licht der U-Bahnschächte, während es später und später wurde. In einer größeren, verwinkelteren Version des Bahnhofs Alexanderplatz suchte ich nach der U6. Ein Mann begleitete mich. Er redete die ganze Zeit davon, wie sinnlos mein Bemühen wäre. Er sah keine Hoffnung mehr für mich. Aber ich starb nicht. Ich wachte auf, in einem neuen, hellen Morgen.
Wisst ihr, es stimmt nicht, dass jeder sich seinem Schicksal fügen muss. Ich hab das lange geglaubt. Wisst ihr, was ich im Sommer 2010 in mein Tagebuch geschrieben habe?
"Es gibt gewollte Menschen. Auf die kommt es an. Die gewollten Menschen nehmen unsere Gesellschaft an die Hand. Einmal ungewollt, immer ungewollt. Die Ungewollten sind ein Versehen. Ein Fehler. Wir sollten ganz ruhig bleiben. Und froh sein, dass wir überhaupt dabei bleiben dürfen. Dass man uns nicht weggeworfen oder umgebracht hat. Noch nicht."
Am liebsten würde ich zu meinem 16-jährigen Ich zurückreisen, es ganz fest in den Arm nehmen und ihm sagen, dass es so etwas niemals denken darf. Kaum zu glauben, dass ich einmal so gefühlt habe. So zweitklassig und unterlegen. Einige Zeilen später schrieb ich:
"Aber eigentlich ist das doch auch nicht fair."
Und das ist es auch nicht. Vor allem ist es nicht richtig. Wir haben unser Schicksal selbst in der Hand. Wir allein machen unser Leben zu dem, was es ist. Wenn wir jemandem die Macht über unser Leben geben, nehmen wir uns selbst gefangen. Von diesen Fesseln dürfen wir uns losreißen. Denn es wird niemand kommen, um uns zu befreien. Auch das wusste ich damals schon. Wir müssen schon selbst den Mund aufmachen und schreien und unsere Füße aus dem Regen bewegen und den Kopf heben, um dem Leben direkt ins Gesicht zu blicken...
Ich werde gleich meinem Spiegelbild in die Augen schauen und mich zurecht machen für das Der-Film-ist-fertig-Essen bei S. Ihr erinnert euch vielleicht an das lange Drehwochenende. Leider ist mein Freund der Masken-Typ heute nicht dabei.
Für euch gibt es eine Runde Glitzer. Öffnet eure Fenster, damit er zu euch herein wehen kann. ♥


Mittwoch, 6. Mai 2015

Frühling und Erinnerungen

Hände fliegen durch das hohe Gras am Wegrand.
Ich sitze auf den Geländern.
Wir klettern über die rot-weiß gestreifte Schranke.
Wir fahren Boot.
Ich fange Frösche.
Kreischend.
Ein Bad im eiskalten Teich.
Das Schwimmbad. Pommes. Eis. Schach. Der Verrückte.
Ich liege im Gras.
Spüre die Pflanzen unter mir.
Die Sonne blendet.
Grell.
Der Himmel ist blau-weiß.
Ich schwebe.
Über mir.
Hoch oben.
Bienen summen um mich herum.
Süßer Himbeergeschmack auf den Lippen.
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Es ist ein seltsames Phänomen, das wohl doch viele kennen. Wenn man mit dem Lächeln nicht mehr aufhören kann. Auch nicht, wenn man gar nicht lächeln muss. Allein zu Hause im Schrank wühlend lächelt man die Kleider an. Die Leute auf der Straße gucken komisch, wenn man lächelnd, doch mit hochgezogenen Schultern und gesenktem Blick an ihnen vorbei läuft.
Irgendwo habe ich gelesen, dass man jeden Tag ein paar Mal lächeln soll, auch wenn einem gar nicht danach ist. Weil das ja so gesund ist. Man soll sich vor den Spiegel stellen und lächeln und dann ist alles wieder gut.
Lächeln ist manchmal unheimlich.
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Dienstag, 5. Mai 2015

Blass

Wenn alle Gedanken verblassen.
Neben diesem Einzigen...

Ich kann euch nicht alles verraten.
Aber es geht um Armbänder...

Der Zauberer hat auch ein Armband von mir.
Am nächsten Tag schickte er mir ein Foto, auf dem er es um sein Handgelenk trug...

All meine Erlebnisse verblassen.
Jedes Einzelne...

Ich stehe hier.
Doch das Fundament löst sich unter meinen Füßen...

Da steht ein Ordner, in dem alles über mich drin steht.
Doch auch diese Seiten verblassen.
Die Blätter haben Eselsohren.
Und die Worte sind kaum zu fassen...

Ich möchte nicht vergessen.
Doch ich kann mich nicht erinnern...

Ich will nicht, dass die Welt so ist!
Schreibe ich in mein Notizbuch...

Es fühlt sich nicht richtig an,
Mich zu beschweren...

Wie sagten sie doch gleich?
Ich hab doch Glück gehabt...

Und das ist wahr.
Denn andere haben weniger Glück...

Sonntag, 3. Mai 2015

Mit euren Worten #3

Endlich gibt es wieder ein paar eurer wunderbaren Worte aus dem Monat April, die gehört gehören. ♥


"Aber zum Glück ist jeder Morgen ein Neuanfang und der Frühlingsanfang lockt mich zumindest manchmal aus dem Bett. Ich werde gleich raus gehen, in meine Skates schlüpfen und den Sorgen im Sonnenschein davon rollen." - Diana

"Ich kenne dich nicht, aber lieb hab ich dich trotzdem." - Anonym

"Ist doch manchmal strange wie man zu der Außenwelt und im Vergleich zu den Bloggerleuten fühlt. Es ist anonymer, aber teilweise vertrauter." - iwik

"Ich will nicht sagen, verändere dich, aber auch nicht, bleib so wie du bist. Ich will dir einfach sagen, dass du deinen Weg finden musst, mit den Dingen, den äußeren und inneren Umständen, dem Leben zufrieden zu sein. Und du veränderst dich mit der Zeit ganz von alleine. Schau mal zurück - bist du noch die gleiche Lilly wie vor 3 Jahren? Mit den gleichen Gedanken und Ansichten? Du hast dich verändert und ich glaube sogar, ohne, dass du es wirklich gemerkt, bzw. bezweckt und bewirkt hast." - Lucy

"Du bist stärker als du glaubst. Mit der Zeit wird es immer leichter." - Greta

" "Ich will mich am Leben betrinken.
Und nicht mehr im Gestern versinken."
- ich finde diese zwei Zeilen wunderschön, vor allem die obere, und das liest man hervorragend aus dem einem Abschnitt heraus. Deine Ansicht ist wunderbar, ich wünschte, alle Bloggermenschen hätten diese Erkenntnis."
- Monika

"Du kannst dein Leben frei gestalten. Du kannst tun und lassen, was du willst." Aurelie

"Jedes Gefühl ist erlaubt. Jedes Gefühl hat seinen Platz. Jedes Gefühl ist gut."
- Lovely

"Alles eine Frage der Perspektive..." - spiegelimeispalast

Danke mit Glitzer  ♥


Freitag, 1. Mai 2015

Welten

Manchmal erhältst Du eine schlechte Nachricht und Dir fehlen die Worte. Und sie fehlen nicht nur im ersten Moment, sondern tagelang. Du blickst dem Morgen entgegen und fragst Dich, wie Du dich jemals mit dieser grausamen Welt identifizieren sollst. Du beweinst die Welt. Und Du bezweifelst, dass Du jemals auch nur einen Bruchteil dieser Welt verändern kannst. Die Wut in Dir ist riesengroß. Denn Du weißt, es wird immer mehr Grausamkeiten auf der Welt geben, als Du überhaupt begreifen kannst. Bitte gib nicht auf. Zaubere ein Lächeln auf nur ein einziges trauriges Gesicht und Du rettest eine ganze Welt. Eine von sieben Milliarden. Für einen Augenblick.

"Alles eine Frage der Perspektive..." - spiegelimeispalast