Freitag, 30. Januar 2015

Wie ich das Buch fand & Was sonst so los ist

Entschuldigt, dass ich nach dem letzten Post so still war. Ich habe einfach wahnsinnig viel zu tun.
Die letzten vier Wochen des Semester füllt ein Cross-Media-Projekt, in dessen Rahmen wir eine Promotionkampagne für ein kleines Varieté in Berlin machen müssen. Das ist spannender als ich dachte. Zwar hatten wir diese Woche nicht mehr Stunden als sonst, aber es waren anstrengende, gehaltvolle Stunden. Ich versuche, pünktlich zu sein, obwohl ich mich jeden Morgen quengelnd aus dem Bett quäle, und war auch nie mehr als eine halbe Stunde zu spät. Das hört sich vielleicht blöd an, aber ich brauche einiges an Argumenten, um mich zum Aufstehen zu überreden. Es wird allerdings langsam besser. Anfang der Woche wäre ich noch am liebsten unterwegs wieder umgekehrt. Ablenkung ist alles. Ich überschütte mich mit Aufgaben bei dem Uni-Projekt. Ich habe meine Haare schwarz gefärbt. Naja, eher Dunkelrotschwarz, mit feuerroten Spitzen. Das hat einen ganzen Nachmittag gedauert ... und gefällt mir nicht. Ich habe eine Bewerbung geschrieben, weil da wo S. arbeitet, ein Job frei geworden ist. Sie hat mich dort empfohlen. Man muss da telefonieren, aber es wird sehr gut bezahlt und ich käme selbst ohne Studienkredit erstmal über die Runden. Und wenn ich den Studienkredit dann hätte, könnte ich davon meine Schulden abbezahlen. Ich habe S. die Bewerbung geschickt, damit sie nochmal drüber schaut. Dann brauche ich noch ein Bewerbungsfoto. Auf dem alten erkennt mich niemand mehr, obwohl es noch gar nicht so alt ist. Ich muss diesen Job einfach bekommen.

Heute sind wir den ganzen Tag draußen rumgerannt und haben Interviews geführt. Letzte Nacht hat es geschneit. Ich warte immer noch darauf, dass mir wieder warm wird. Zeitweise habe ich weder meine Füße noch die Hände spüren können. Was ungünstig ist, wenn man Knöpfe drehen muss. Irgendwie fühle ich mich Passanten gegenüber sicherer hinter der ganzen Technik, obwohl es ziemlich albern aussieht. Dank des übermodernen Equipments, das unsere tolle Hochschule bietet, hängen nämlich drei Leute fürchterlich verkabelt aneinander. Und ich in der Mitte. Wenn die anderen zwei dann in verschiedene Richtungen wollen, ist Dehnbarkeit angesagt.
Gleich muss ich wieder raus in die Kälte zu meinem Beratungstermin. Ich will irgendwie nicht, nachdem ich ihr am Wochenende gleich zwei völlig geistesgestörte Mails geschrieben habe. Keine Ahnung wovor genau ich jetzt Angst habe. Sie wird mir schon nicht den Kopf abreißen. Größer ist die Gefahr, dass ich mir selber den Kopf abreiße...

Weil mich gleich mehrere von euch gefragt haben, wie ich das Buch "Winterwassertief" von Lilly Lindner fand, binde ich die Antwort doch gleich in diesen Post mit ein.
Ich habe es am Wochenende innerhalb von zwei Tagen durchgelesen. "Winterwassertief" ist die Fortsetzung von "Splitterfasernackt", Lilly Lindners Autobiografie, in der sie von ihrer Vergewaltigung und den Folgen schreibt. Wie auch beim ersten Teil ist das Lesen von "Winterwassertief" an manchen Stellen schwer zu ertragen. Das haben wahre Geschichten wohl so an sich. Mehrere Male habe ich das Buch zu Seite gelegt und einfach nur geheult. Doch Lillys wortgewaltiger Schreibstil hat mich gefesselt und ich musste immer weiter lesen. Allein dass es einen zweiten Teil gibt, finde ich gut, denn wenn ich Autobiografien lese, frage ich mich immer, was danach passiert. Diese Menschen schreiben ein Buch, meistens endet es mit einem positiven Rausschmeißer. Und dann? Wie geht es weiter? Ist jetzt alles wieder gut? Nein. Die Erinnerungen werden nicht einfach verschwinden. Aber wir können trotzdemleben. Auch das beschreibt Lilly in ihrem Buch. Sie erzählt von den Verlagen, der Veröffentlichung, ihren anderen Büchern, den Reaktionen der Öffentlichkeit und von ihren Lesungen... Ich würde sagen: Lest es einfach selbst, damit könnt ihr schonmal nichts falsch machen. Irgendwie möchte ich jetzt gern auch mal eine ihrer Lesungen besuchen. Ich war noch nie auf einer Buchlesung. Ihr? 

Und ich brauche wieder neuen Lesestoff. Deshalb würde ich mich freuen, wenn ihr mir den Namen eures Lieblingsbuchs oder irgendeines Buchs, das ihr mir empfehlen würdet, verraten könntet. ♥


Sonntag, 25. Januar 2015

Leere

Die Musik schreit mich an, so laut, dass sie mir fast die Ohren zersprengt.
Sie ist nicht laut genug.
Die Schokolade schmilzt auf meiner Zunge.
Sie ist nicht süß genug.
Das Chilligewürz verätzt mir den Hals.
Es ist nicht scharf genug.
Das Gummiband flitscht gegen meine rotgestreifte Haut.
Es tut nicht weh genug.

Wortfetzen knallen gegen die Wände meines Gehirns. Sie finden nicht heraus. Verirren sich im Buchstabendschungel. Ich weiß nicht mehr, welche Worte mir gehören. Und welche ich nur gelesen habe. Welche Geschichte meine ist. Und welche bloß erfunden.
Und wenn das alles nur ein Traum ist? Ein flirrender schwirrender Traum?
Dann verfangen sich die Gedanken in Sinnlosigkeit. Und der Verstand geht schlafen.
Vielleicht ist Schlafen das Gift. Vielleicht entwickeln Träume Psychosen.
Aber das wissen nur Psychologen. Die haben das schließlich studiert. Die haben eine Doktorarbeit geschrieben und sind nun allwissend.
Wissender als all die verrückten Höllenkinder.
In 80 Stunden, versprechen sie uns, ist alles wieder gut. Wieder. Gut. Wenn wir nur die richtigen Antworten geben. Auf die falschen Fragen. Mehr haben wir nicht zu sagen.
Und wenn wir leise zweifeln, dann rufen sie unseren Namen. In dem selben drohenden Ton...
Sie müssen, Lilly, Sie müssen!
Dabei dachte ich, ich würde nie wieder müssen, wenn ich erst erwachsen bin.
Der Nebel wird immer dichter. Und an machen Stellen lichter. Lichter, die verbrennen.
In Fetzen hängt die Erinnerung am Galgen. Sie wimmert leise vor sich hin. Und in der Ferne schimmert die Wirklichkeit. In verschwommenen Farben. Wunderschön. Unerreichbar.
Langsam wird es still in meinem Kopf. Still genug, um jedes Geräusch zu übertönen.
Augen zu, Welt aus.
Verschwinden. Im blütenweißen leeren Nichts.




Mit euren Worten # 1

Wie versprochen möchte ich ab heute jeden letzten Sonntag im Monat euch zu Wort kommen lassen. Weil ihr mir so viele liebe Worte schenkt, die eigentlich in die Welt hinaus geschrien werden sollten!
Dafür wie immer Danke. ♥
Bitte entschuldigt, dass ich auf eure Kommentare zur Zeit so selten antworte. Manchmal weiß ich einfach nicht, was ich schreiben soll. Aber ich werde mir Mühe geben, soweit es die Klausuren- und Projektephase in den nächsten Wochen zulässt. Jetzt seid ihr erstmal dran:


"Ich wünschte, ich läge jetzt neben dir und wir könnten gemeinsam lesen und einen Kakao trinken (ja, ich würde dann einfach mal Milch trinken und drin behalten) und in eine Decke kuscheln... Ich umarme dich so lange und fest du magst." - Lovely


"ich finde es schön mich selbst in deinen texten wiederzuerkennen, denn du weisst irgendwie wie es zu formulieren ist! dafür möchte ich dir irgendwie danken." - Mademoiselle Verte


"Du bist anders als die meisten, wie du es sagst. Das ist in erster Linie nicht zu bewerten! Wie wäre es denn, wenn du den Menschen die Welt aus deiner Sicht zeigst? Scheiss auf Konventionen, Dschungelcampmüll und was weiss ich. Zeig uns deine Welt mit deinen Augen!" - Emilia Schmid


"Naja, wenigstens schmeckt die Schokolade. Das Zeug soll doch angeblich Glücksgefühle hervorrufen, oder?! Wie viel müssen wir beide dann davon essen?! :D " - Davina


"Die Sache mit der Angst vor Psychos habe ich noch nie bedacht. Eigentlich unterhaltsam, wenn man sich das vor Augen führt :) " - iwik


"Jemand hat mir mal gesagt, dass Angst keine Schwäche ist, dass es stark ist, sich seine Ängste einzugestehen und dass es vielleicht ein ewiger Kampf ist, gegen sie zu arbeiten, bis man es schafft, sich von seinen Ängsten nicht blockieren zu lassen. Man muss die Tür in der schwarzen Angstwand finden, auch wenn man sich dabei oft wie Alice im Wunderland fühlt." - Leli B.


"Bleib stark. Ich habe auch deinen anderen Eintrag gelesen und ich kenne das Gefühl, überfordert zu sein mit allem, so verdammt gut... aber weißt du, wo lernen wir denn auch, wie wir so Anträge etc. zu erledigen haben? Man schmeißt uns mit 18 ins kalte Wasser und dann können wir sehen, wie wir klar kommen." - Kathi


"Das tut mir echt total leid... ich fürchte, du musst morgen früh wieder aufstehen, aus dem Bettchen kriechen, das Krönchen richten und den Antrag schnellstmöglich nochmal ausfüllen. Gib nicht auf, auch wenn die Welt dich immer wieder ärgert! Du bist nicht blöd und keine Versagerin!" - Diana Rain


"Ich würde jetzt sehr gerne das nächste Taxi nehmen, zu dir fahren und dich einfach mal umarmen. Ich kann nicht verstehen warum du so alleine bist, angeblich keinen hast... Ich finde du bist toll... und... ich kann das einfach nicht verstehen. Ich möchte dich umarmen und dann mit mir mit ziehen. In eine andere Welt. Ohne Sorgen, Probleme oder Geld." - Effy


"Ich umarme dich ganz fest!! ♥" - Lucy


Es ist gerade Samstag Nachmittag, während ich diesen Post schreibe. Vorhin ist das Buch angekommen, das ich mir bestellt habe. Das Wochenende werde ich also mit lesen verbringen. In meinem Bett. Mit Schokolade. Ohne mich zu bewegen.



Samstag, 24. Januar 2015

Zimtschokolade

Hatte ich erzählt, dass Z versucht hatte, mir Weihnachten einen Brief zu schicken und der nicht angekommen ist?
Als ich mich heute zu meinem Termin in die Beratungsstelle geschleppt (anders kann man meine Fortbewegungsart zur Zeit nicht beschreiben) und den Raum betraten habe, lag ein kleines in Zeitungspapier eingewickeltes Päckchen auf dem Tisch. Unser Gespräch endete wieder einmal in Sprachlosigkeit meinerseits. Also habe ich das Päckchen genommen und aufgemacht:


Natürlich musste ich da gleich was reinschreiben. Neuer Versuch eines Gute-Momente-Büchleins.


Die Zimtschokolade links ist verdammt gut. Ich habe ein einziges Stück probiert und ich werde sie mir einteilen. Wirklich.^^


Es gibt so liebe Menschen auf der Welt... Und gar nicht mal so wenige, ihr mittlerweile 111 Seelen da draußen! ♥

Donnerstag, 22. Januar 2015

Ein Tag für mich

Mein Körper fühlt sich taub an. 
Als wäre er gar nicht mehr da.
Er ist aber da. 
Leider.
Ich bin leer.
Belastet. 
Schwere Leere.
Leere Schwere. 
Kann nichts hören, nichts sehen, nichts sagen.
Will mich klein machen.
Verschwinden.
Mich trennen.
Von mir selbst.
Es tut weh.
Ich bin weg.
Weit weg.
Aber nicht sicher.
Nie.

Ich sitze im Bett und starre auf mein Handy. Es ist sieben Uhr morgens. Der Wecker klingelt. Ich überlege gerade, ob ich zur Uni gehen oder mich einfach wieder hinlegen soll, als die Badezimmertür laut quietscht. Bis meine Mitbewohnerin fertig ist, wird es sowieso zu spät. Ich wickele mich in meine Decke und höre noch die Wohnungstür zufallen, bevor ich einschlafe.
Um zwölf Uhr irgendwas werde ich davon wach, dass ein Gegenstand krachend umfällt. Jemand rennt leise fluchend hin und her, wirft noch etwas um und knallt schließlich mit der Wohnungstür. Ich stehe langsam auf, koche Kaffee, suche zähneputzend ein paar Klamotten zusammen und lasse Badewasser ein. Mit einem lila gemusterten Feuerzeug zünde ich Vanilleduftkerzen an und stelle sie zusammen mit der Tasse auf den Badewannenrand. Dann tauche ich in den rosenblütenduftigen Schaum hinab. Sein leises Knistern und das Rauschen der Heizung sind die einzigen Geräusche im Raum.
Eigentlich bade ich nie. Ich hasse baden schon seit ich denken kann. In der Wohngruppe wurde ich trotzdem zum wöchentlichen Badetag gezwungen, weil das den anderen gegenüber ja sonst unfair gewesen wäre. Also habe ich jede Woche eine halbe Stunde lang auf trockenem Boden gesessen und geträumt. Heute ist das anders. Ich bin allein zu Hause. Das kalte Badezimmerlicht ist ausgeschaltet. Die Tür ist fest verschlossen. Die Heizung steht auf fünf. Mir ist trotzdem kalt. Niemand wird meinen Kopf an den Haaren brutal nach hinten ziehen. Leises Plätschern statt stummer Schreie.
Die Flammen spiegeln sich auf der Wasseroberfläche. Tausendfach, wenn ich mit den Zehen Wellen mache. Ich betrachte meinen linken Arm. Er ist mit Wörtern vollgekritzelt. Ein rosa Badekonfetti-Herz kommt vorbeigeschwommen. Ich lege es auf meine Fingerspitzen und streiche behutsam über den Arm, bis die Wörter verblassen. Der Kaffee ist fast kalt geworden, als mir wieder einfällt, dass er da ist. Langsam löst der Schaum sich auf. Ich steige aus. Meine Haut dampft. Im Flur ist es kalt. Ich laufe ein bisschen hin und her. Dann setze ich mich an mein Klavier. Das erste Mal seit ich von Weihnachten zurück bin. Die Cis-Taste ist immer noch kaputt. Wenn man sie drückt, knallt der Ton viel zu laut heraus. Ich versuche es auch mit Singen. Meine Maske ist echt, drum erkennt keiner mich. Das Lied hat mich dazu gebracht, die venezianische Maske über das Klavier zu hängen. Sie passt so sehr zu mir... Meine Stimme klingt wie die einer Krähe. S. und ihre Gruppe haben die Dokumentation über einen Operngesangsstudenten gedreht. Am Wochenende waren wir mit ihm und seinen Kommilitonen etwas trinken. Ich habe immer noch einen Ohrwurm von In einem kühlen Grunde und ich wünschte, ich hätte die Musik nicht aufgeben müssen.
Meine Geige steht in einer staubigen Ecke. Ich befreie sie aus ihrem Sarg. Ihre Saiten sind verstimmt. Ich drehe ein bisschen herum, dann spiele ich so vor mich hin. Du brauchst neue Saiten, stelle ich fest. Wenn ich wieder Geld habe. Ich bette sie wieder ein. Mir war nie bewusst, wie körperlich anstrengend das Spielen ist. In elf Jahren Unterricht vergisst man das. Nach drei Jahren Trennung weiß ich immer noch, wie man sie zum Klingen bringt. Warum geht das nicht bei den Instrumenten, die ich lieber mag? Dabei fordert die Geige so viel Liebe ein. Genug Liebe, um sie nicht an die Wand zu klatschen, obwohl sich in ihren Hohlräumen immer noch die Stimme meiner Mutter verbirgt. Ihr niederschmetterndes Schreien und das peitschende Geräusch, das ein Bogen macht, den man zweckentfremdet. Hassliebe.
Dieser Tag bringt mir mehr als eine Stunde in der Uni, habe ich das Gefühl. Ich kauere mich in mein Bett und lese ein Buch. Meine Gedanken schweifen ab. Hin und wieder tropft eine Träne aufs Papier. Mir ist eiskalt. Ich mache mir eine Gespenstersuppe warm. Schließlich habe ich erst eine Tafel Schokolade und ein paar Salzbrezeln gegessen. Der Versuch, gleichzeitig zu essen und zu lesen, erweist sich als ziemlich umständlich. Gleichzeitig essen und denken ist nie eine gute Kombination. Wie so oft in letzter Zeit wird mir schlecht. Ich schaffe es gerade noch, Wasser hinterherzukippen, bevor ich ins Bad renne und mich übergebe. Das mit dem Übergeben passiert sonst nicht. Aber es fühlt sich besser an, als diese Übelkeit. Jetzt bin ich noch ein Stückchen leerer. Während ich das schreibe, esse ich schon wieder Schokolade. Mein Kontostand guckt mich ziemlich böse an. Der Monat ist doch fast vorbei., beruhige ich ihn und denke nicht an den nächsten. Ich lebe weder in der Zukunft noch in der Gegenwart. Ständig schaue ich auf mein Handy. Ich weiß nicht, worauf ich warte. Vielleicht auf eine E-Mail oder eine Nachricht. Vielleicht sogar auf einen Anruf. Auch wenn wir es niemals zugeben würden: insgeheim warten wir doch immer noch darauf, dass jemand kommt und uns rettet. Obwohl wir wissen, dass das nicht möglich ist.
Ich wiege mich hin und her und höre Musik aus vergangenen Zeiten. Komme nicht aus meinem Kopf raus. Bin gefangen in eisiger Stille.
Wir müssen nach vorn schauen. Wir haben keine andere Wahl. Wir können das. Wir wollen das. Wir schaffen das. Das versuche ich mir einzureden. Denn ich weiß, dass es stimmt. Nein, ich weiß es nicht. Ich wüsste es nur gern. Aber vielleicht stimmt es. Vielleicht schließt nichts aus. Wir müssen nur akzeptieren, dass niemand die Hand nach uns ausstrecken wird. Wir müssen unsere Hände ausstrecken und nach den Steinen greifen, die uns den Weg versperren. Nur wenn wir sie zur Seite rollen, können wir weitergehen. Und weil wir immer viele sind, kommen wir vielleicht auch gegen die vielen Steine an.

Mittwoch, 14. Januar 2015

Produktivität

Wenn dir jemand Steine in den Weg legt, hast du zwei Möglichkeiten: Aufgeben oder Weitermachen. Das heißt, du hast genau eine Möglichkeit, denn Aufgeben ... ähm, nein?!
Deswegen brauchst du dir aber keinen Stress machen. Das Leben geht für gewöhnlich schnell genug von selber weiter. Du bauchst ihm nicht einmal hinterher rennen. Es hat dir nämlich ein Ticket reserviert im Zug der Zeit. Deine Aufgabe ist es nun, die Reise so angenehm wie möglich zu gestalten.

Ich hatte heute frei. Und statt wie üblich den ganzen Tag im Bett zu liegen und Löcher in die Luft zu starren, habe ich versucht, etwas Sinnvolles zu tun. Zuerst hab ich einen Teil meines Zimmers aufgeräumt. Endlich ist die letzte Weihnachtsdeko weg, die Spinne aus der Ecke muss sich ein neues Zuhause suchen, einiges an Krimskram ist in den Keller oder gleich in den Müll gewandert.


















Endlich kann man wieder etwas auf den Tisch stellen.^^
Fehlt eigentlich nur noch ein richtiges Bett. Ich habe provisorisch zwei Umzugskartons unter die Matratze gelegt... Sogar meine Wäsche konnte ich waschen, was der Wahnsinn ist, weil die Maschine sonst immer belegt ist. Dabei durfte ich feststellen, dass in unserer Prinzessinnen-WG natürlich nur das teuerste Waschmittel verwendet wird.




Auch im Spiegel kann ich mich nach intensiver Entstaubung wieder erkennen, was praktisch ist, wenn man sich die Haare tönen will. Jetzt leuchte ich erstmal wieder etwas gleichmäßiger als zuvor. Der fiese und gemeine Ansatz hätte trotzdem lieber weiterhin permanente Haarfarbe.

















Sie sehen nur orange aus, wenn man sie im Gegenlicht einer hellen Lampe fotografiert. Ich bin gespannt, wie das morgen bei Tageslicht aussieht. Trotzdem: Haare nerven.
Eigentlich wollte ich heute noch Kontaktlinsen besorgen, eure Gewinnpost einwerfen und mich auf die Suche nach einem Job machen. Aber wenn morgen der Film fertig wird, hab ich Freitag schon wieder frei. Dann bekommt ihr vielleicht wieder einen einfallsreicheren Post als diesen hier.
Zur Feier des Tages koche ich jetzt Nudeln mit Tomatensoße. Ein Foto bleibt euch diesmal erspart. Hoffentlich ein wenig abgelenkt dürft ich euch nun wieder den entscheidenden Fragen des Lebens widmen. ♥







Montag, 12. Januar 2015

Macht Worte

Ich glaube, ich habe eine Blogger-Schreibblockade.
Es ist nicht so, dass ich nichts zu sagen hätte. Mir fehlen nur die Worte.
Sie stehlen Wort für Wort. Mit jedem "Lilly, diskutier doch nicht so viel". Mit jedem "Schscht" als Kommentar zu meinen Sätzen. Die Buchstaben flüchten sich zurück in meinen Mund. Ich muss sie schlucken, wenn ich nicht daran ersticken will.

Muss es wirklich so wie früher sein?

"Es regnet, es regnet, 
Die Erde wird nass.
Mach mich nicht nass, mach mich nicht nass, 
Mach nur die böse Lilly nass."
Und ich stehe am Fenster.
Regentropfen rinnen die Scheibe hinab.
Vor mir steht ein Kaktus.
Meine zarte Kinderhand streicht über das kleine grüne Ding.
Tausend feine Nadelstiche auf meiner Haut.

... und irgendwann wurden es Linien aus flüssigem Rot ...

Eigentlich ist heute ein guter Tag. Gut ist vielleicht übertrieben. Aber im Vergleich ...
"Dann bis nächste Woche ... Warte, ich hab noch was Grünes für dich!"
"Was Grünes?"
Sie kommt mit einer grünen Schokoladenpackung zurück.
"Meine Lieblingsschoki. Und du magst doch Schokolade."
"Ja."
Ich nehme einen der einzeln verpackten Riegel, auf denen etwas in einer fremden Schrift und Sprache steht, die man von rechts nach links liest.
"Danke."
"Ist denn mein Brief auch gut angekommen?"
"Nein, leider nicht. Der Briefkasten ist leer geblieben."
"Wirklich nicht?! Oh man, das ärgert mich jetzt aber. Ich hatte mir richtig Mühe gegeben, das war alles in diesem Schokoladenthema mit Stempeln in Kuchenform und rosa Siegellack ..."
"Maan, das ist echt blöd."
"Dann muss ich es halt nochmal versuchen."

Es gibt solche Menschen, die man am liebsten mit grünem Glitzer bewerfen würde, damit die ganzen Glitzergirlies mal sehen, wie echtes Glitzern geht.
Und ja, Schokolade macht mich glücklich, für einen Moment, der mir wichtiger ist, als jede unvorhandene Fettzelle. Jetzt wisst ihr, womit ihr mich bestechen könnt. ;-)






Samstag, 10. Januar 2015

Am Ende

Nach einem langen, anstrengenden, aber doch sehr eindrücklichen und schönen Drehtag, von dem ich eigentlich berichten wollte, komme ich endlich nach Hause und finde im Briefkasten ein Schreiben, das den Studienkredit betrifft. Drin steht, dass mein Antrag leider abgelehnt werden muss, weil - jetzt kommts - ich laut Studienbescheinigung im dritten Semester bin, in den Antragsunterlagen angeblich aber angegeben habe, im ersten Semester zu sein. Ich hätte nun die Möglichkeit einen neuen Antrag zu stellen.
Ist das zu glauben?! Dreimal habe ich diesen Antrag schon ausgefüllt. Erst hat die von meiner Kundenbetreuerin verschuldete Verzögerung zur Ablehnung geführt, nun ein bürokratischer Fehler. Dabei bin ich davon ausgegangen, dass mit dem neuen Monat alles gut wird. Ich war der festen Überzeugung, endlich wieder genug Geld zum Leben zu haben und vor allem meine Studiengebühr zu bezahlen, mit der ich seit fünf Monaten im Rückstand bin. Wenn ich dazu noch einen Job finden würde, dachte ich, könnte ich damit auch die Schulden bezahlen, die ich inzwischen gemacht habe.
Ist das wirklich mein Fehler? Eine einzige falsche Zahl? Kann ein einziger Tippfehler über viele hundert Euro entscheiden? Wie ich jetzt erfahren muss, ja. Und der entscheidet nicht nur über Geld, er entscheidet über mein Leben. Das mag sich jetzt hochdramatisch anhören. Aber ich halte diese Situation einfach nicht mehr aus. Dieses ständige Versagen. Diese Unfähigkeit, etwas an der Situation zu ändern, weil sie vollständig in der Hand dieser Darlehensgeber liegt. Ich kenne mich nicht aus mit Schulden. Ich weiß nicht, was passiert, wenn ich sie noch länger nicht zurückzahlen kann. Mit dieser Ohnmacht und dieser Unwissenheit bin ich auf dieser Welt und soll mein Leben auf die Reihe kriegen. Und ganz nebenbei soll ich auch noch mit meiner Depression und meiner Angst zurecht kommen, in der Uni gute Noten schreiben, die Schikanen meiner Eltern ertragen, einen Job suchen und meine Zukunft planen. Ich kann das nicht. Ich kann das alles nicht. Niemand kann es mir abnehmen, niemand würde das für mich tun. Und niemand versteht, dass es in meiner Familie niemanden gibt, der mich unterstützen würde. Nein, auch keine Tante, kein Cousin, wirklich nicht, ich hab niemanden, tut mir leid. Nie glaubt mir das jemand. Ich wünschte, ich würde lügen! Aber es ist nicht gelogen, es ist nicht erfunden, ich bin hier und kann nicht mehr aufhören zu heulen, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß. Wenn mein Leben so weiter geht, dann hört der Albtraum nie auf. Ich weiß, dass nur ich selbst dafür verantwortlich bin, wie es weiter geht, aber ich schaff das nicht. Niemand hat mir gesagt, wie man seine Finanzen organisiert oder wie man mit Behörden umgeht. Niemand hat mir angewöhnt, regelmäßig zum Arzt zu gehen. Niemand hat mir beigebracht, den Mund aufzumachen. Ich weiß nie, wie ich mich verhalten soll.
Ich will gar nicht so viel rumjammern, ich will auch kein Miteid, ich will nur wissen, was ich machen soll. Ich will mich verstecken. Irgendwo, wo es keine Bürokratie gibt. Ich will die Zeit um ein paar Stunden zurückdrehen, als ich noch im Wald herumgekraxelt bin, Radcrossfahrer gefilmt und mich über meinen ersten Presseausweis gefreut habe. Ich will nur studieren und lernen, ohne diese ganzen Sorgen. Ich will etwas Sinnvolles machen, statt Fehlern in Kreditanträgen hinterher zu heulen.
Holt mich raus aus dieser Geld-Welt, in der man sich soziale Kontakte leisten können muss!
Ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich schaffs nicht mehr. Ich versuche ja, mich festzuhalten, doch meine Hand greift ins Leere. Ich bin nur eine Nummer und Nummern haben keine Hände. Die fertigt man ab, der Reihe nach. Nummer eins kommt zuerst. Wer Zweiter wird, ist der erste Verlierer. So läuft das nunmal.

(Bitte macht euch keine Sorgen. Alles wird gut...irgendwann...vielleicht.)

Dienstag, 6. Januar 2015

Mecker-Post #1 + EDIT

Kennt ihr das, wenn man zu faul ist, sich auch nur einen Zentimeter weit zu bewegen?
So geht es mir gerade. Seit 14 Uhr liege ich in meinem Bett und rühre nichts an, was ich nicht mit der Hand erreichen kann. Einzig mein Zeigefinger klickt alle zehn Minuten ein neues You-Tube-Video an. Ich bin so müde, dass ich mir um diese Uhrzeit noch einen Kaffee gekocht habe. Schlafen kann ich nämlich auch nicht und dieses Nur-Halb-Anwesend-Sein ist total schrecklich. Eigentlich will ich schon seit gestern einen ganz anderen Post schreiben, aber ich bekomme die Formulierungen, die mir morgens in der U-Bahn einfallen, einfach nicht in einen zusammenhängenden Text. Außerdem bin ich gereizt. Das "WG-Leben", das nach zwei Wochen Pause nun wieder richtig begonnen hat, nervt mich total. Man legt offene Milch nicht hin?! Man schmeißt nicht einfach Sachen weg, die noch gut sind?! Der Verwesungsgeruch im Kühlschrank kommt ganz bestimmt nicht von meinen vegetarischen Lebensmitteln?! Die Fragezeichen sollen nur verdeutlichen, nach welchem Tonfall sich diese Gedanken in meinem Kopf anhören. Wahnsinnssatz. Das Licht im Bad ist kaputt. Ni knallt beherzt die Türen. Li ist irgendwie komisch zu mir. Bitte lasst es so viel Geld regnen, dass ich mir davon eine eigene Wohnung leisten kann!
Langsam wirkt der Kaffee.
Eine meiner liebsten U-Bahn-Formulierungen zur Zeit: Blitzschnell quetsche ich mich in die schmutzig-gelbe Bahn, aus der ein Gemisch aus Kaffee-, Zigaretten- und Mundgeruch strömt. Ich stehe direkt vor dem Türöffner und an jeder Station boxen mich irgendwelche Menschen in den Rücken, weil sie Angst haben, nicht rechtzeitig aussteigen zu können.
Hatte ich erwähnt, dass wir für die Uni eine Dokumentation drehen müssen und ich in der Barbie-Gruppe gelandet bin? Der Typ, den wir porträtieren, nimmt am Samstag an den deutschen Meisterschaften im Bikecross teil. Die finden irgendwo bei Leipzig statt und wir fahren um sechs Uhr morgens los. Er studiert auch bei uns an der Uni und ist angeblich nicht so gut in seinen Kurs integriert. Nun wollen die Barbies die Geschichte so aufziehen, dass er ja für seine Sportlerkarriere alles aufgibt, keine Freunde hat und deswegen ja total unglücklich sein muss. Finde ich ehrlich gesagt ziemlich scheiße. Wir wissen nicht, ob er wirklich keine Freunde hat, und nur weil er noch nie Alkohol getrunken hat, heißt das nicht, dass er keinen Spaß am Leben hat. Natürlich kann das auch alles so sein. Aber ist das der richtige Aufhänger für so einen Film? Er kommt dann doch total nerdig und negativ rüber, und er wird sich das Ergebnis am Ende sicher ansehen wollen. Vielleicht bin ich da einfach zu sensibel. Die Dozentin hat zum Glück auch gemeint, dass wir ihn nicht so direkt fragen können, wie er damit umgeht, keine sozialen Kontakte zu haben. Ich will jedenfalls nie-niemals so eine Klatsch-Reporterin werden!!
So, ich glaube, ich habe genug gemeckert. Vielleicht sollte ich einen monatlichen Meckerpost einführen. Die Kommentare-Posts kommen übrigens ab jetzt immer am letzten Sonntag im Monat. Wenn ich mich nicht verrechne.


Samstag, 3. Januar 2015

Jede Menge Informationen

Heute kann ich euch endlich die Gewinner meiner Wünsche-Verlosung bekanntgeben. Ich habe die Ziehung auf Video aufgenommen, damit ihr sehen könnt, dass ich die Wahl auch wirklich zufällig getroffen habe. Außerdem finde ich es so spannender. Entschuldigt bitte die komischen Nebengeräusche.^^


Ich bitte die Gewinnerinnen, mir zeitnah ihre Adressen zukommen zu lassen. (Kontaktformular) Ich freue mich schon darauf, euch eine kleine Freude machen zu dürfen. ♥

Dann habe ich noch ein Anliegen an euch: Vor Kurzem hat mich eine liebe Studentin kontaktiert, die gerade ihre Masterarbeit über die sprachwissenschaftlichen Aspekte von Pro Ana/Mia schreibt. Dazu führt sie eine kleine Studie mit sechs Fragen durch und sucht noch ein paar Leute, die dabei mitmachen würden. Ich selbst habe die Fragen bereits beantwortet. Sie sind für mich persönlich nicht triggernd und ich konnte sie auch beantworten, ohne jemals richtig krass Pro Ana gewesen zu sein. Im Prinzip geht es darum, was man von dem Stuff kennt und wie man dazu steht. Wenn ihr also schomal mit Pro Ana/Mia zutun hattet und Lust habt, mit wenig Aufwand jemandem zu helfen, dann könnt ihr mir gern eure E-Mail-Adresse geben und ich stelle den Kontakt her. Würde mich freuen, ihr weiterhelfen zu können. :)

Fast hätte ich es vergessen: Wir haben ja jetzt ein neues Jahr! Ich hoffe ihr seid alle wohlbehalten in 2015 angekommen. ♥
Ich habe mit meinen beiden Freundinnen in Hannover mit viel Sekt und Glitzer reingefeiert. Ich habe mich mit Wunderkerzen und Knallfröschen begnügt, während die anderen größere Feuerwerkskörper in die Luft gejagt haben. I. hatte mir ein schwarzes Kleid und eine Glitzerstrumpfhose geliehen. Irgendwie hatte ich verplant, etwas Schickes einzupacken. Nach Mitternacht sind wir noch in einen Club gegangen. Das war zumindest am Anfang wieder unangenehm für mich. Es war brechend voll und ich hatte erstmal eine ganze Zeit so einen Arschgrabscher an mir kleben. Da hätte ich mich ganz gerne übergeben - und zwar nicht wegen des Alkohols. Zum Glück war ich aber mit sehr aufmerksamen Verrückten unterwegs und so ist es dann doch noch ganz gut geworden. Ich hatte ganz viele Glitzerluftschlangen um den Hals hängen und wir haben zu Nena mitgebrüllt. Am nächsten Tag haben wir bis 17 Uhr geschlafen und ich hatte ziemliche Kopfschmerzen. Den anderen ging es dagegen ziemlich gut, obwohl die sogar noch Tequila getrunken hatten. Ich vertrage aber auch gar nichts mehr.
Gestern Abend bin ich endlich wieder in Berlin angekommen. Das ganze Rumgefahre war schon anstrengend. Und jetzt liegt dieses komplett neue Jahr vor mir. Ein strahlend weißes leeres Blatt. Noch ganz ohne Selbstzerstörung. Schon komisch. Die letzten drei Jahre haben immer schon mit der Essstörung und dem Vorsatz weniger zu werden angefangen. Und jetzt ist sie einfach weg. Irgendwie habe ich immer noch ein bisschen an den Aussagen meiner Oma zu knabbern, obwohl ich weiß, dass sie totaler Quatsch sind. Nur irgendetwas brauche ich doch... Ich brauche ein "Symptom". Einen Grund, aus dem es mir schlecht gehen darf. So bescheuert sich das auch anhört. Irgendetwas muss die Träume und die Erinnerungen und die Tränen verdrängen. Aber was?
Heute habe ich mit einem roten Stift weinende Schmetterlinge auf meine Arme gekritzelt. Sie sehen so traurig aus, dass man sie nicht kaputt machen will. Nicht kaputt machen darf. Beinahe hätte ich schon wieder eine Mail an die Beraterin geschickt. Dann habe ich gelesen, was ich geschrieben habe, und das Mailpostfach schnell zugeklickt.

Wir haben ein neues Jahr. Eine neue Chance. Und viele neue Möglichkeiten. Wir verlieren nichts, wenn wir sie nutzen. ♥♥♥