Mittwoch, 24. Dezember 2014

24. Türchen: Wünsche

Nun öffnet sich auch schon das letzte Türchen unseres Adventskalenders. Wie hat er euch gefallen?
Ich weiß leider nicht, wie es mir heute geht, denn ich habe diesen Post schon vor ein paar Tagen geschrieben. Ich hoffe aber, das ihr alle einen schönen/angenehmen/ruhigen/erträglichen Abend erleben dürft. Mein Geschenk an euch ist erstmal ein riesiges DANKE! ♥ Dafür, dass ihr immer da seid, immer zuhört, immer euren Senf zu meiner Gedankensoße gebt.
Nicht zuletzt weil ihr inzwischen schon 100 (78 Bloggerfollower + 22 Facebookfollower) Menschen seid, möchte ich sowas ähnliches wie eine Verlosung machen. Ich möchte, dass ihr mir in den Kommentaren schreibt, was ihr euch für das nächste Jahr wünscht - Wünsche, keine Vorsätze, und sie müssen auch nicht schon nächstes Jahr in Erfüllung gehen. Es kann auch etwas ganz irrealistisches sein. Natürlich kann ich keine Wünsche erfüllen, aber ich werde zwei von euch auslosen, die, wenn sie mir ihre Adresse anvertrauen, eine kleine Überraschung von mir zugeschickt bekommen - vermutlich einen Text, der sich auf ihre Wünsche bezieht. Die anderen Wünsche werde ich eventuell in einen Post einbeziehen. Dann fühlt sich hoffentlich niemand benachteiligt.^^
Die Auslosung wird zwischen 28. und 30. Dezember stattfinden. Anonyme Leser bitte ich, mir über das Kontaktformular eine E-Mail-Adresse zu senden, damit ich euch gegebenenfalls kontaktieren kann.

Hier sind meine Wünsche:

  • lauter sein
  • mehr Menschen finden, die sich auch dafür interessieren, was um sie herum passiert, und nicht nur solche Barbies, deren größter Traum es ist, mal über den roten Teppich zu laufen
  • besser auf mich aufpassen
  • was Sinnvolles tun
  • Gespräche mit Tiefgang
  • Veränderungen
  • öfter richtig lachen können
  • etwas Neues erleben
  • größere Schritte wagen
  • weniger bereuen

Dienstag, 23. Dezember 2014

23. Türchen: Rückzugsort

Ein weiteres Weihnachtsengelchen hat mir für heute ein wunderschönes Bild geschickt. Danke, Lovely

"Ich habe dieses Bild ausgesucht, weil ich finde, dass es das zeigt, was wir alle am meisten brauchen: einen Ort, um zur Ruhe zu kommen, zu sich selbst zu kommen. Als ich es gezeichnet habe, wünschte ich mir manchmal, dort zu sein."



(Lovely, 2014)

Und weil ich finde, dass so ein Zufluchtsort auch etwas mit Freiheit zu tun hat: 



Montag, 22. Dezember 2014

22. Türchen: Last-Minute-Geschenk

Meinem Opa schenke ich dieses Jahr selbstgemachten Eierlikör. Er liebt das Zeug. Klingt komplizierter als es ist. Hier das Rezept:

Zutaten:

6        Eigelb
1        Vanilleschote oder Vanillearoma
150 g   Puderzucker
350 ml  Sahne
350 ml  Schnaps (Korn, 32%)
1         Päckchen Vanillesoßenpulver zum Kaltanrühren

Eigelb, Sahne, Puderzucker und Vanillearoma werft ihr in den Mixer und schlagt alles schön schaumig. Dann gießt ihr den Korn dazu und lasst langsam das Soßenpulver drüber rieseln. Das ganze dann nochmal schön schaumig schlagen. Den fertigen Likör füllt ihr in eine hübsche Flasche und lasst ihn einen Tag lang durchziehen. Ich habe zwei kleine Flaschen rausbekommen. Die halten laut Rezept etwa ein bis zwei Wochen.
Zum Geschmack kann ich nicht so viel sagen, weil ich Eierlikör generell nicht mag. Schon der Gedanke an die vielen Eier da drin... Aber ich hab ihn probiert, er schmeckt schön nach Vanille und ziemlich stark nach Alkohol, aber ich denke mal, bei meinem Opa kommt das ganz gut an.

Viel Spaß beim Ausprobieren! ♥

Sonntag, 21. Dezember 2014

21. Türchen: Lieblingsworte

Und schon ist der vierte Advent! Heute seid ihr nochmal dran. Vielleicht führe ich das ja weiter, einmal im Monat oder so...

"Wir schaffen das schon irgendwie mit Weihnachten, okay? Und danach machen wir eine virtuelle Party und sagen uns Yeah wir habens drauf!" - Liv


"Ich freu mich, dass du den Schritt gemacht hast. Das macht mir Mut, das jetzt ebenfalls durchzuziehen." - Lovely


"Ich habe vor ein paar Tagen damit angefangen, jeden Abend aufzuschreiben, was gut an dem Tag war, und wenn einem jeden Tag was einfällt, fühlt man sich so viel besser!" - Neva


"Lass dich nicht unterkriegen! Du bist so ein toller Mensch." - Lucy


"Ich lese gerne, was du zu sagen hast." - Emilia


"Ich bin ja schon immer der Mensch gewesen, der eine Meinung hat, diese laut und deutlich sagt und sich auch Meinungen von anderen anhört. Also: Klappe auf - Meinung raus!" - Effy


"Fühl dich so doll gedrückt, dass du keine Luft mehr bekommst und mich wegschieben musst... was ich aber nicht zulassen werde ♥♥♥" - Effy


"Fühl dich gedrückt, lass dich nicht kleinreden, du bist toll." - Lina


"Fühl dich geknuddelt!" - Davina
 

"Ich wurde ja sogar ZWEIMAL zitiert, du hättest mich sehen sollen, ich bin rot geworden." - Lovely (ja, das musste sein^^)


Samstag, 20. Dezember 2014

20. Türchen: Schneeherzen

Gestern habe ich, als Geschenkezugabe, Plätzchen gebacken. Eigentlich sollten es Schneeherzen werden, die Lieblingsplätzchen meiner Oma. Hat nicht ganz geklappt, aber vielleicht habt ihr ja Lust, es besser zu machen.^^
Hier gibts das Rezept:

Als Grundlage könnt ihr eigentlich jedes einfache Butterplätzchenrezept verwenden. Ich habe mich an dem orientiert, das Kian letztens gepostet hat, weil ich wissen wollte, wie die besten Kekse der Welt schmecken.^^
T ist meine Schwester. Name zu lang^^

Zutaten: 
250 g Mehl
100 g Puderzucker
100 g Butter
1 Päckchen Backpulver
1 Eigelb
2 EL Milch oder Sahne
Vanillearoma/Vanilleschote

Für den Schnee:
2 Eiweiß
60 g Puderzucker

Einfach alles bis auf die Zutaten für den Schnee zusammenwerfen und zu einem glatten Teig kneten. Wenn man die Hände zwischendurch mit Wasser anfeuchtet, knetet es sich besser. Anschließend wird der Teig dünn ausgerollt und Herzen ausgestochen.
Als nächstes schlagt ihr das Eiweiß mit dem Puderzucker steif. Bei mir wollte das dumme Eiweiß einfach nicht steif werden. Ist mir auch noch nie passiert... Wenn es aber funktioniert, erhaltet ihr wunderschönen Eischnee, den ihr auf die Herzen verteilt. Wenn ihr wollt, könnt ihr noch je eine Haselnuss oder eine beliebige andere Nuss auf die Herzen legen. Mindestens die Hälfte aber sollte nusslos bleiben. Dann schiebt ihr die Herzen bei 180 Grad für 10 Minuten in den Ofen.
Sind die Herzen fertig gebacken, lasst ihr sie ein wenig abkühlen. Dann nehmt ihr euch beliebige Sorten Marmelade, ich habe Preiselbeer, Erdbeer und Apfel verwendet, und streicht sie auf die Herzen, die ihr danach übereinander legt, sodass die Seite mit dem Schnee nach außen zeigt.
Am Ende bleibt nur noch: Probieren und freuen. ♥
Ich hab sie übrigens zum ersten Mal mit dem Vanillearoma gemacht und sie schmecken so richtig schön nach Vanille! ♥


Freitag, 19. Dezember 2014

19. Türchen: Umgekehrte Arroganz

Ziemlich oft  bezeichnen wir andere Menschen als arrogant. Aber wissen wir eigentlich, was Arroganz genau ist? Der Duden sagt dazu: Arrogante Menschen sind anmaßend, herablassend, herausfordernd, hochmütig, überheblich, eingebildet, selbstgefällig, aufgeblasen und hochnäsig.* Ich dachte immer, arrogant wären Menschen mit einem übergroßen Selbstbewusstsein, die zwar unangenehm sind, zu denen man aber trotzdem aufschaut, weil sie kein Blatt vor den Mund nehmen und sich so auf besondere Weise wichtig machen.
Schauen wir genauer hin, stellen wir fest, dass das komplette Gegenteil der Fall sein kann. Viele Menschen versuchen mit arrogantem Verhalten mangelnde Selbstsicherheit zu überspielen. Arroganz schafft Distanz. So kann sie als Selbstschutz fungieren - ähnlich wie die beliebte lächelnde Maske für den Alltag.**
Da stellt sich mir eine Frage: Sind wir, die wir größtenteils nicht gerade von Selbstwertgefühlen überschüttet werden, dann nicht vielleicht auch arrogant?

In einem Artikel*** habe ich folgende Merkmale von Arroganz gefunden:

Ein arroganter Mensch
  • ist sehr überzeugt von sich und seinen Fähigkeiten
  • streicht seine Überlegenheit heraus
  • hält sich für einzigartig und unersetzlich
  • wertet seine Mitmenschen ab
  • spricht abschätzig über andere
  • sieht die Wirklichkeit verzerrt
  • tritt betont selbstbewusst auf

Ich habe diese Merkmale einfach mal auf uns (damit meine ich diejenigen, mit denen ich hier auf Blogger größtenteils kommuniziere) bezogen:

Ein "umgekehrt" arroganter Mensch
  • ist überhaupt nicht überzeugt von sich und seinen Fähigkeiten
  • streicht seine Unterlegenheit heraus
  • hält sich für abartig und ersetzbar
  • wertet sich selbst ab
  • spricht abschätzig über sich selbst
  • sieht die Wirklichkeit verzerrt
  • tritt betont zurückhaltend auf

Was haltet ihr davon? Findet ihr, dass man "umgekehrte" Arroganz mit der herkömmlichen Arroganz vergleichen kann?
Ich merke das sehr oft, wenn ich Kommentare lese oder selber schreibe: Anderen Menschen schreiben wir immer wieder, dass sie toll, mutig, stark, liebenswert usw. sind. Aber wenn uns jemand soetwas schreibt, dann wehren wir sofort ab und sagen: "Oh danke, Liebes, aber das stimmt nun wirklich nicht. Ich bin ein ganz ganz furchtbar schrecklicher Mensch!" Nervt euch das nicht auch ab und zu? Ruhen wir uns nicht manchmal zu sehr aus auf unserem Selbstmitleidsthron? Warum können wir nicht einfach sagen: "Danke, dass du mich daran erinnert hast, dass ich doch nicht ganz so schrecklich bin. Das hab ich jetzt echt gebraucht. Wir sind beide gut so, wie wir sind, und irgendwann fühlt es sich vielleicht nicht mehr so falsch an, das auszusprechen." Warum wollen wir immer schlechter und schlimmer und schrecklicher sein als die anderen? Das ist dann doch das Gegenstück dazu, sich für etwas Besseres zu halten. Also halten wir uns für etwas Schlechteres. Und das ist, wenn ich das mal so sagen darf, echt verrückt.

Vielleicht sollten wir alle auch unsere Selbstkritik mal umkehren und uns fragen, ob es wirklich Sinn macht, dass wir uns selbst so fertig machen. Wir haben schließlich genug Mennschen in unserem Umfeld, die uns das Leben schwer machen.

*   Quelle: http://www.duden.de/rechtschreibung/arrogant#
**  Quelle: http://www.zeitblueten.com/news/umgang-arrogante-personen/
*** Quelle: http://www.lebenshilfe-abc.de/arroganz.html

Donnerstag, 18. Dezember 2014

18. Türchen: Weiße Weihnacht

Zumindest hoffen können wir noch auf ein bisschen Schnee im Dezember. Vor vier Jahren hat es jedenfalls geschneit. Heute gibt es ein kleines Weihnachtsgedicht von mir.


Weiße Weihnacht

Weiße Winde schweben sacht
Durch die tiefe dunkle Nacht.
Flocken fliegen sanft zur Erde.
Wirbelnd weiße Schäfchenherde.
Frostig frische Morgenluft
Bringt bald süßen Weihnachtsduft.
Goldene Glocken läuten das Christfest ein.
Tiefgrüne Tannen leuchten im Sonnenschein.

(03.12.2010)

Mittwoch, 17. Dezember 2014

17. Türchen: Freiheit

Das 17. Türchen öffnet sich heute reichlich spät. Das liegt daran, dass ich starke Kopfschmerzen habe, mein Hals beim Schlucken unheimlich weh tut und mir übel ist. Ja, ich bin sehr wehleidig, wenn es um körperliche Beschwerden geht. Diesmal hab ich mich sogar in die Apotheke getraut, um Kopfschmerztabletten zu kaufen. Das war gar nicht mal so schlimm. Und jetzt kann ich, in meine Bettdecke gewickelt und umgeben von Salbeitee und Hustenbonbons, den vierten Jahrestag meiner Selbstbefreiung feiern, wenn man es mal ganz dramatisch ausdrücken will.
Jedenfalls ein wichtiger Tag in meinem Leben.
Das Ticket hab ich sogar aufgehoben.

Freitag, 17. Dezember 2010. Heute ist der letzte Schultag vor den Weihachtsferien. Wir haben zwei Stunden früher Schluss. Gestern habe ich mit meinem Vater telefoniert und ihm die Zeit genannt, zu der ich normalerweise am Bahnhof in meiner Heimatstadt ankommen würde. Er will mich mit seinem neuen Auto abholen. Seit Anfang Oktober bin ich nicht mehr zu Hause gewesen. Das erste Adventswochenende habe ich bei Jos Familie verbracht, die anderen beiden waren Internatswochenenden. Ich habe Angst, dass meine Eltern mir die Lüge nicht abnehmen. Es ist so paradox, dass ich auf einmal vorgebe, wieder normal zu sein und nach Hause zu wollen. Dabei habe ich heute um 12.30 Uhr einen Termin beim Jugendamt. Ich habe Angst, dass meine Eltern wieder am Bahnhof stehen und mich festhalten, so wie letztes Mal. 
Draußen ist es kalt und verschneit. Ich verabschiede mich von Jo, die mir alles Gute wünscht, und zerre meinen großen grünen Koffer über den schlecht geräumten Weg. Das Internat liegt abgeschieden neben einem winzigen Dorf, das aus einer einzigen Straße besteht. Während ich dem Busfahrer mein Kleingeld in die Hand drücke, rutscht mir die Geige von der Schulter. Ich schaue noch einmal zu den Gebäuden hinüber, ohne zu wissen, dass ich nie wieder hier zur Schule gehen werde. Im Bus sind nur wenige Menschen. Die meisten meiner Mitschüler sind noch zum Mittagessen geblieben.
Mein Zug hat wie fast immer Verspätung. Ich gebe der Frau, bei der ich den Termin habe, Bescheid, dass ich etwas später komme. Im Bahnhof schließe ich meine Sachen ein. Den Weg zum Jugendamt habe ich mir aufgeschrieben. Trotzdem verlaufe ich mich. Typisch. Je näher ich dem Plattenbau komme, desto größer wird meine Angst. Ich weiß gar nicht, was ich dort sagen soll. Und wie es dann weitergeht. Was, wenn sie mich einfach wieder nach Hause schicken, weil sie mich nicht ernst nehmen? 
Ich steige zitternd und mit wild klopfendem Herzen die Treppen in den zweiten Stock hinauf. Vor der Tür mit der Zimmernummer, die auf meinem Zettel steht, bleibe ich stehen. Einatmen. Ausatmen. Klopfen. Ein großer dicker Mann sitzt hinter seinem Schreibtisch und schaut mich fragend an.
"Ich weiß nicht genau, wo ich hin muss ...", stammele ich.
"Setzen Sie sich doch erstmal und erzählen Sie mir, was sie hier her führt.", sagt der Mann freundlich. Ich setze mich ganz vorne auf die Stuhlkante und rattere den Text herunter, den ich mir zurechtgelegt habe. Der Mann sieht mich eine Weile schweigend an. Ich beginne zu schwitzen.
"Wo wohnst du denn?", fragt er dann. Ich nenne ihm meine Adresse. 
"So. Also dann ist die Frau F. für dich zuständig. Sie sitzt im Zimmer gegenüber.", sagt er.
"Oh ... okay ..." Ich springe auf, schnappe meine Tasche und verlasse den Raum. Draußen drehe ich mich zu der anderen Tür. Einatmen. Ausatmen. Klopfen. Hinter diesem Schreibtisch sitzt Frau F. Sie hat rote Haare und große, mit blauem Lidschatten geschminkte Augen und ist von einer schweren Parfumwolke umgeben. 
"Was kann ich für dich tun?", fragt sie lächelnd. Ich erzähle alles noch einmal von vorn. Sie erfragt die Personalien meiner Eltern. 
"Und du willst wirklich auf keinen Fall zurück nach Hause?"
"Nein."
"Gut, dann schreibe ich dir die Adresse einer Inobhutnahmestelle auf. Du weißt doch, wo das Theater ist? Ja, und schräg gegenüber davon, da ist sie. Ich rufe gleich dort an, damit sie wissen, dass du kommst."
Ich verabschiede mich von der Frau und mache mich auf den Weg. Meine Mütze ziehe ich tief ins Gesicht und schaue mich immer wieder ängstlich um. Die Stadt ist nicht besonders groß, die Wahrscheinlichkeit, hier Familienmitgliedern in die Arme zu laufen, dagegen sehr. Nach einer gefühlten Ewigkeit stehe ich wieder vor einer Tür. "Schlupfwinkel/Mädchenzuflucht" steht an der Klingel. Ich drücke drauf. 
"Hallo?", tönt es aus der Sprechanlage. Ich hasse diese Dinger.
"Ich komme von Frau F.!", rufe ich. Der Türöffner summt. Auf der Treppe kommt mir ein grauhaariger älterer Mann entgegen. 
"Ich bin Oskar", stellt er sich vor und führt mich nach oben. "Das ist hier wie eine richtige Wohnung. Auf jeder Etage gibt es drei Schlafzimmer, zwei Bäder, eine Küche, ein Wohnzimmer und ein Büro."
Oskar führt mich in das Büro. Ich muss meine Geschichte ein drittes Mal erzählen. Er notiert sich die Personalien meiner Eltern und meine wichtigen Merkmale, damit die Polizei mich finden kann, falls ich weglaufe, erklärt er.
"Möchtest du etwas essen?", fragt er mich anschließend. 
Ich schüttele den Kopf.
"Du hast bestimmt noch nicht Mittag gegessen, komm iss mal was." Er führt mich in die Küche und klatscht Nudeln mit Tomatensuppe auf einen Teller, den er vor mich hinstellt. Am Tisch sitzt noch ein Mädchen mit schwarz-blonden Haaren. Wir essen schweigend.
"Du bist neu hier, was?", fragt das Mädchen.
Ich nicke.
"Brauchst keine Angst haben, die sind alle ganz lieb hier."
Ich lächele.
"Ich bin übrigens Melissa. Und wie heißt du?"
"Lilly"
Nach dem Essen schickt Oskar mich ins Wohnzimmer. Er muss die Dienstübergabe machen und danach werden zwei andere Betreuer da sein.
Irgendwann steckt eine junge blonde Frau den Kopf zur Tür herein. 
"Hi! Ich bin Doreen. Jetzt kommt der unangenehmste Teil: Ich muss deine Eltern anrufen. Willst du dabei sein oder lieber nicht?"
"Nein, lieber nicht."
"Okay, ich komme gleich wieder."
Später hole ich mit dem anderen Betreuer meine Sachen vom Bahnhof. Ich komme in ein Dreibettzimmer, in dem ich mit Melissa zusammen wohne. Der Betreuer gibt mir Bettwäsche und Handtücher. Dann gibt es Abendessen. Nach dem Abendessen muss jeder seinen Putzdienst machen. Ich bringe mit dem Betreuer zusammen die Küche in Ordnung. Wir sprechen noch eine Weile über die Regeln. 21 Uhr ist Nachtruhe.

So war das vor vier Jahren. Und heute sitze ich hier mit der selben Angst. Der Angst davor, am Sonntag in meine Heimatstadt zu fahren. Aber es ist nicht dasselbe. Heute kann ich selbst entscheiden, wen ich sehen will und wen nicht. Und wenn es zu krass wird, fahre ich einfach nach Hause. Ja, wenn es so einfach wäre. Aber das ist ein Adventskalenderpost, der muss er positiv sein. Also positiv denken und erkennen, was man in vier Jahren alles schaffen kann.

Was habt ihr geschafft und macht es euch viel zu selten bewusst? ♥




Dienstag, 16. Dezember 2014

16. Türchen: Nimm dir Zeit

Da ich in der wenigen Zeit, die mir heute zwischen Uni und Beratungstermin geblieben ist, die Küche geputzt und nebenbei Salbeitee gegurgelt und Wichtelgeschenkchen verpackt habe (Luisachen, mir fehlt noch die Adresse), hilft mir heute wieder einmal  mein Weihnachtsengelchen Lucy weiter mit einem Text, den sie während einer Schreibwerkstatt spontan geschrieben hat. (Lucy, das mit der Blogeinladung hat übrigens nicht funktioniert)
An dieser Stelle nochmal ein riesiges Danke und eine fette Umarmung an dich! Dafür, dass ich dir noch so verrückte und aufgedrehte Mails schreiben darf, ohne dass du mich für völlig bescheuert hälst. Und natürlich für die wunderbaren Texte. Danke. ♥♥♥


Nimm dir Zeit

Die grell gelb leuchtende Schrift auf der Anzeigetafel sticht direkt ins Auge. Einige Menschen stehen unter dem kleinen Häuschen der Bushaltestelle, denn nur dort sind sie von dem nasskalten Nieselregen geschützt. Ein paar Meter vor mir hält ein großer Gelenkbus. Menschen quetschen sich durch die, noch nicht vollständig geöffneten Türen hinaus. Andere warten geduldig, aber dennoch angespannt, bis sie in den Bus einsteigen können. Ein Mann rennt in schnellem Tempo an mir vorbei und erreicht ihn gerade noch so, bevor sich die Türen schließen und der Bus mit ohrenbetäubendem Lärm anfährt. Ein Gemisch aus Abgasen und penetrant riechendem Parfüm steigt mir in die Nase. Warum sind denn alle so hektisch? Nicht nur, dass Vorweihnachtszeit ist, einfach generell. Warum müssen die Menschen so hektisch sein? Sie rennen und stolpern. Drängen und rempeln andere an. Keiner hat mehr Zeit für irgendwas. Sei es einfach mal gemütlich durch die Stadt zu bummeln oder einfach die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur zu genießen. Nein, alles muss schnell gehen; denn die Zeit bleibt nicht stehen, sie rennt davon, so meinen Einige. Die Welt ist so schnelllebig geworden. Doch die Zeit rennt nicht. Sie rennt dir nicht davon, denn wenn du genau hinsiehst und dir die Zeit nimmst, dann hast du sie auch. Sieh genau hin. Betrachte die Natur, die bunt beleuchteten Fenster, die strahlenden Gesichter der Kinder. Bleib einfach mal einen Moment stehen und nimm deine Umwelt wahr. Du wirst Dinge entdecken, die du sonst ignorieren würdest. Siehst du den alten armen Mann dort an der Straßenecke? Siehst du, wie er vor Kälte Zittert? Siehst du seine Einsamkeit? Geh zu ihm hin, leiste ihm etwas Gesellschaft oder schenke ihm einfach ein Lächeln. Du wirst sehen, er wird dir danken. Für den kleinen Moment, den du dir Zeit genommen hast.
Kalter Wind verwüstet meine Haare und kleine Regentropfen prallen auf mein Gesicht. So schlendere ich vor mich hin und nehme mir Zeit, all die alltäglichen Dinge wahrzunehmen, die wir in unserer viel zu schnellen Welt einfach nicht mehr sehen.

(Lucy, 13.12.2014)

Montag, 15. Dezember 2014

15. Türchen: Lass dir nicht den Mund verbieten!

In der Wohngruppe wurde mir oft vorgeworfen, ich würde zu viel herum diskutieren und wäre furchtbar arrogant. Hm, ich gebe zu, dass ich wirklich gerne diskutiere. Ist das denn eine schlechte Eigenschaft? Ich würde mich total an meinem Standpunkt festbeißen und dabei das Richtige verdrehen. Ist das nicht der Sinn einer Diskussion? Dass jeder seine eigene Meinung hat und dann redet man drüber? Nur weil mein Betreuer für mich damals eine Autorität dargestellt hat, heißt das noch lange nicht, dass sein Standpunkt der einzig richtige gewesen ist. Mag sein, dass ich mit 17 nicht besonders klug argumentiert habe, aber er war auch nur sieben Jahre älter als ich und bestimmt nicht allwissend.
Wieso muss es eigentlich immer ein Falsch und ein Richtig geben? Verschiedene Ansichten können auch wunderbar nebeneinander existieren - oder eben in Diskussionen aufeinander treffen. Und wenn mal jemand falsch informiert ist, dann sollte man am Ende doch gemeinsam drüber lachen können. Wichtig ist vor allem, dass man sich informiert und nachfragt und kristisiert. Hätte ich dem Leben nicht von Anfang an kritisch gegenüber gestanden, wäre ich jetzt vielleicht wie meine Eltern engstirnig, fremdenfeindlich und menschenverachtend, hätte ihre Überzeugungen womöglich eins zu eins übernommen, und am Ende müssten dann meine Kinder oder die Menschen in meinem Umfeld drunter leiden.
Da wird mir also verboten, zu diskutieren, weil das ja so respektlos und rebellisch ist. Und dann soll ich offen, laut, selbstbewusst, erfolgreich, mutig, krass und cool sein?! Tut mir leid, das versteh ich nicht. Ich soll mich anpassen, Erwartungen erfüllen, bloß die Klappe halten und gleichzeitig "Heey, hier bin ich!!" schreien, ohne dabei in irgendeiner Weise arrogant oder selbstverliebt zu wirken. Wer mir zeigt, wie das geht, bekommt ne Tafel Schokolade.
Ich lasse mir doch nicht den Mund verbieten! Ich hab lange genug nichts sagen dürfen und ich tu es immer noch viel zu selten. Aber wenn ich mal was zu sagen habe, dann hab ich verdammt nochmal auch das Recht dazu, gehört zu werden. Wer nicht daran interessiert ist, der dreht sich einfach um und hält sich die Ohren zu. Das können wir Menschen doch so gut.
Vielleicht bin ich eher leise, beobachte, was um mich herum passiert, und mache mir Gedanken. Ne große Klappe hab ich aber trotzdem, auch wenn die nur meine Blogleser kennen. Hier hören mir wesentlich mehr Menschen zu als im Real Life und deshalb breite ich hier - in purer Selbstdarstellung - meine Gedanken aus. Wenn man das arrogant nennt, dann bin ich es gerne.
Ich tu damit doch niemandem weh! Oder fühlt sich hier jemand angegriffen? Wenn ja, dann bitte kurz oben rechts auf x klicken, danke.

Na hoffentlich zerfetzt ihr mich jetzt nicht.^^

Beim Schreiben gehört:


Sonntag, 14. Dezember 2014

14. Türchen: Wortwunder

Heute kommt wie versprochen ihr wieder zu Wort. Zehn Zitate aus euren schönen Kommentaren:

"Ich glaube dir jedes einzelne Wort. [...] Du bist tatsächlich stark. [...] Mein Herz öffnet sich für dich und winkt freundlich. <3" - Kiwi


"Weißt du, wir haben noch nicht viel Zeit in dieser Welt verbracht und trotzdem schon unendlich mehr erreicht als viele ältere Menschen. Sei mal stolz auf dich!" - Lovely


"Humor ist super. Man darf sich selbst nicht zu ernst nehmen, das wäre ja nicht auszuhalten. Schon gar nicht wenn man Stimmen hört^^" Ariadne


"Weiß nicht, wie ichs ausdrücken soll, aber du bist toll so wie du bist, so wie du bist, bist du richtig, und wenn du jemand anderes sein willst, dann ist das auch richtig, und Kopf hoch, damit die Gummibärchen nicht stolpern und das Krönchen nicht rutscht. Lilly you rock!" - Anonym


"Ich wünsche dir ganz viel Kraft!" - iwik


"Und übrigens bist du alles andere als schrecklich." - Kathi


"Pass auf dich auf. Alles Liebe und alles, was du gerade brauchst." - Lovely


"Fühl dich als erstes einmal ganz fest gedrückt."  - Diana


"Du bist super schön, weißt du das manchmal?" - Neva


"Danke für die Umarmung, ich schicke dir auch eine." - Mademoiselle Verte

Und ihr seid toll und wundervoll. Ihr rockt! Ganz viele Herzen ♥♥♥

Samstag, 13. Dezember 2014

13. Türchen: Witze

Ich dachte mir, Witze wären doch eine schöne Idee für den Adventskalender. Da ich aber nicht besonders gut bin im Witzigsein und gerade meine Abizeitung nochmal durchgeblättert habe, möchte ich ein paar lustige Aussagen, die damals im Unterricht zu Stande gekommen sind, mit euch teilen.
Welche Situationen aus eurer Schulzeit haben euch denn so zum lachen gebracht?

Lehrer: "Wer ist ein großer Unterdrücker revolutionären Gedankenguts? Da ist auch ein Sekt nach benannt."
Schülerin: "Rotkäppchen?"


Musiklehrer: "Ihr seid gefälligst taub, wenn ich rede!"


Chemieunterricht.
Schüler: "Wie merke ich mir bloß, was exotherm bedeutet?"
Lehrerin: "Zerleg mal das Wort! Ex-o-therm."
Schüler: "Keine Ahnung."
Lehrerin: "Mensch, Junge, das ist doch wirklich nicht so schwer! Die Silbe ex- symbolisiert deinen Ex. In diesem Fall, der Ex, der frei wird."
Schüler: "Dann muss ich ja schwul sein!"


Lehrer: "Wenn sich die Atmosphäre erwärmt, steigt die Temperatur. Dadurch schmelzen die Polkappen, es kommt zu Überschwemmungen, ..."
Schüler: "Und alle bodenständigen Leute wären aus dem Häuschen."


Musiklehrer: "Das Schwierigste an der Melodie ist der Text."


Lehrer: "Na, entscheide dich jetzt, welche Farbe ich nehmen soll."
Schüler: "Ist mir eigentlich egal, ich hab eine rot-grün-Schwäche."
Lehrer: "Achso, naja, dann bring ich dir nächstes Mal gleich einen ganzen Farbkasten mit."
Schüler: "Das bringt nichts."
Lehrer: "Hast du jetzt auch noch eine Farbkastenschwäche oder was?"


Lehrer: "Gebts doch zu, insgeheim wünscht ihr euch für den Unterricht auch so eine Fernbedienung wie für den Fernseher."
Schüler: "Also ich würde zuerst versuchen, lautlos zu stellen."

Freitag, 12. Dezember 2014

12. Türchen: Halbzeit

Die erste Hälfte der Adventszeit wäre nun geschafft. Die einen sind froh, dass der Wahnsinn bald vorbei ist, die anderen freuen sich auf die Feiertage. Für mich sind jetzt alle Uni-Aufgaben für dieses Jahr erledigt und ich habe bis auf zwei Auswertungen die nächste Woche frei, bevor ich in meine Heimatstadt fahre. Ich hoffe, ihr alle habt auch bald ein bisschen Freizeit, die ihr mal ganz für euch genießen könnt. Warm einkuscheln, Tee trinken, Musik hören, vielleicht wieder einmal etwas lesen.
Ich habe heute ein kleines Zitat aus meinem Leporello-Adventskalender für euch:

"Bäume leuchtend, Bäume blendend,
überall das Süße spendend,
in dem Glanze sich bewegend,
alt und junges Herz erregend.
Solch ein Fest ist uns bescheret,
mancher Gaben Schmuck verehret;
staunend schaun wir auf und nieder, 
hin und her und immer wieder."

(Johann Wolfgang von Goethe)

Die letzten beiden Verse, finde ich, sollten nicht nur für glitzernden Weihnachtsschmuck gelten. Mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, kann so viele Momente und Ideen und Erinnerungen schaffen. Das mache ich, wenn ich Zeit habe, eben auch so gern: Beobachten.




Donnerstag, 11. Dezember 2014

11. Türchen: Lachen ist Leben

Das elfte Türchen öffnet sich heute etwas verspätet. Ich musste um zwölf Uhr zur Uni, um mit den anderen aus meiner Gruppe unsere Hausarbeit zusammenzufügen, und das hat unerwarteterweise vier Stunden gedauert. Und weil um 18 Uhr die Weihnachtsfeier beginnt, sitze ich jetzt immer noch hier am Uni-PC und bin ehrlich gesagt ziemlich unvorbereitet. Eigentlich sollte ich mir jetzt lieber mal etwas zu Essen suchen, schließlich gilt es heute Abend 72 Glühweinflaschen zu killen. Je nachdem, wie viele kommen, kann das lustig werden.^^
Jetzt überlege ich krampfhaft, was ich euch erzählen soll. Vielleicht von meinem leicht hyperaktiven Kommilitonen, der die ganze Zeit nur blödes Zeug gelabert hat, während ich die Rechtschreibfehler der Jungs gejagt habe. Seine Formulierungen in der wohlgemerkt wissenschaftlichen Arbeit sind teilweise sehr poetisch und haben mich ein paar Mal zum Lachen gebracht. Mal ein Beispiel:

"Da mit IPTV das Rad nicht neu erfunden wurde, sondern es viel mehr ein zusätzliches Angebot darstellt, das man über das Internet nutzen kann, wird die Einfachheit und Intuition dadurch untermalt, dass es etwas Simples, aber Brillantes ist."

Ich bin begeistert. Ich glaube, ich habe heute mehr gelacht, als bei jeder Beschäftigung, die irgendwie Spaß macht. So ist das ja auch irgendwie, wenn wir uns über den Scheiß, den wir erleben müssen, lustig machen. Humor ist so wichtig. Ich weiß nicht, was wäre, wenn wir nicht auch mal über uns selber lachen können. Ist ja alles schon nervig genug, warum also dazu noch ernst und spießig sein? Ich habe es auch umgekehrt schon erlebt, dass Menschen, die so unglaublich witzig sind, oft auch einige Steine aus dem Weg zu räumen haben. Diese Menschen können uns zeigen, dass wir eben doch nicht dazu verurteilt sind, mit ewig depressivem Trauerblick durch die Welt zu laufen.
Auch wenn eine immer fröhliche Maskerade auch vorgetäuscht sein kann. Man denke an die Geschichte des traurigen Clowns. Trotzdem: Lachen macht das Leben leichter.
Danke, dass ihr mich so oft zum Lachen oder Lächeln bringt. (Ja, Lovely, das hast du ♥)

Gut, das war dann wohl der spontanste Ich-überspiel-mal-dass-mir-absolut-gar-nichts-einfällt-Post in der Geschichte von ElfenTraum(a) ^^

Viele lachende Herzen an euch ♥♥♥

Mittwoch, 10. Dezember 2014

10. Türchen: Warum wir einander brauchen

Wie ihr, weil ich kaum an etwas anderes denke, wisst, ist es ziemlich bald genau vier Jahre her, dass ich den "großen Schritt" in Richtung Freiheit gemacht habe, weg von meinen Eltern und auch weg von meiner liebgewonnenen Internatsschule. Dort habe ich viel zurücklassen müssen, aber vergessen wurde ich erstmal nicht. Ende Januar flog ein Brief für mich in der Inobhutnahmestelle ein. Darauf klebte ein Aufkleber von der Post mit der Aufschrift: "Die falsche bzw. mangelhafte Postanschrift führte zu Laufzeitverlängerungen."
Als ich meine Kartons hier in Berlin ausgepackt habe, hab ich diesen Umschlag wiedergefunden. Drin waren zwei Briefe von meinen ehemaligen Mitschülern Sophie und Paul. Wir hatten uns gut verstanden, waren aber nicht wirklich Freunde gewesen. Paul war jemand, den manche Menschen vielleicht als komischen Kauz bezeichnen würden. In dem letzten Jahr, das wir zusammen in einer Klasse waren, hatte er sich für zwei Wochen auf eine Art Selbstfindungsreise begeben. Anfangs wusste niemand, wo er gewesen war, irgendwann erfuhren wir, dass er sich wohl in Berlin bei Bekannten aufhielt. Irgendwann tauchte er einfach wieder auf, als wäre nichts gewesen.
Jedenfalls hat er mir ein paar philosophische Zeilen geschrieben, die ich hinter dem heutigen Türchen mit euch teilen möchte:

"Liebe Lilly,
hier ist Paul. Wir/Ich hörte, dass es dir gerade nicht allzu gut geht und du nicht krank bist, sondern die Schule verlassen wirst. Ich hörte auch, das das nicht an dir liegt, sondern, dass deine Eltern etwas dagegen haben und ihr euch ziemlich zerstritten habt. Das tut mir sehr leid, denn eine Familie als Rückhalt zu haben sehe ich als sehr wichtig an.
Eigentlich sollte ich dich mit diesem Brief ein wenig ablenken, ich glaube, das wird mir nicht so gut gelingen. Ich denke die ganze Zeit über Ratschläge nach, die ich dir geben könnte - auch wenn es ein wenig vermessen erscheint, dass ich davon ausgehe, zu wissen was du brauchst. Mir fiel nur etwas sehr allgemeines ein: Sei ehrlich. Zu dir und zu anderen (nur eine andere Art von zu sich selbst unehrlich zu sein). Ich denke, Wahrheit kann man nur bekommen, wenn man Wahrheit gibt - und wer sehnt sich nicht danach, dieses ganze Kuddelmuddel zu durchschauen.
Hast du irgendwen, mit dem du gerne redest und der dir gerne zuhört? Es ist wichtig, jemanden zu haben, dem man gerne etwas gibt und schenkt. Der Mensch bzw ich (darf ja nicht von meinen Gefühlen auf die ganze Menschheit schlussfolgern) ist ein Gruppentier, das heißt, andere Menschen sind wichtig. Vielleicht zum vegleichen (das ist ein sehr umstrittenes Thema, denn man sollte sich nicht zu viel mit anderen vergleichen - schwierig) oder weil der eigene Kopf zu klein ist, um alles zu erfassen, oder weil es ein Mysterium ist und der Mensch (schon wieder) seit jeher vom Unerklärlichen angezogen wurde.
Ich sitze gerade im Klavierkeller und übe Schupra, Stibi und improvisiere zwischendurch. Hoffentlich hast du zwischen all dem Stress und Ärger auch immer mal Momente, die du genießen kannst und dich freust. Wenn nicht, dann schaff sie dir. Da steht eine Welt vor der Tür voll Hoffnung und Enttäuschung - und deiner Geschichte. 
Alles Liebe,
Paul"

Lieber Paul, für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass du das hier jemals lesen wirst, möchte ich mich bei dir für deine ehrlichen Worte bedanken. Vielleicht etwas spät - aber zu spät ist es bekanntlich nie!

Und euch allen wünsche ich immer wieder Menschen, Texte und Begebenheiten, die euch zum nachdenken oder zum lachen bringen. Momente schaffen kann man am allerbesten gemeinsam, und dazu braucht man keine große Party. Man muss nur aufmerksam durch die Welt spazieren. ♥

 

Dienstag, 9. Dezember 2014

9. Türchen: Schneeengelchen

Mein fleißiges Weihnachtsengelchen Lucy hat mir noch einmal etwas zukommen lassen, diesmal ist es eine kleine süße Geschichte über den Umgang mit der Einsamkeit. Danke dafür! ♥

Der einsame Schneeengel

Es war einmal ein kleiner Schneeengel, der von Schnee umgeben auf weitem Feld lag. Ach, ich fühle mich so einsam hier im Schnee, wie gerne würde ich fliegen können, die Welt von oben betrachten und dem kleinen Jungen, der mich erschaffen hat, danken, er sah so traurig aus. Das Engelchen versuchte immer und immer wieder seine Flügel zu bewegen, sich aufzurichten, doch es klappte nicht. Eine ganze Weile dauerte es. Es wurde schon dunkel, als das Engelchen erschöpft aufgeben wollte. Doch plötzlich bewegte sich ein Flügel. Das Engelchen erschrak. Dann fing auch der andere Flügel an, sich zu bewegen. Zunächst auch ganz langsam, doch dann wurden die Bewegungen schneller und heftiger und auf einmal erhob sich das Engelchen. Jetzt spürte das Engelchen auch, dass es von alleine seine Flügel bewegen konnte. Juhuu, ich kann fliegen! Das Engelchen überschlug sich vor Freude, machte Freudentänze in der Luft. Aber wie finde ich nun bloß den kleinen Jungen, dem ich so gerne danken möchte? Es flog los. Ganz leicht fühlte sich das Engelchen und tanzte zwischen den fallenden Schneeflocken davon und aus irgendeinem Grund wusste es, wo es hin musste. Vor einem Fenster stoppte es und klopfte mit einem Flügel an die Scheibe. Kurze Zeit später öffnete ein trauriger kleiner Junge das Fenster. Wer, wer bist du? Er wischte sich eine Träne von der Wange. Hallo, ich bin der kleine Schneeengel, den du heute Mittag beim Spazieren gehen gemacht hast. Der Junge staunte. Echt? Und dich gibt es jetzt wirklich? Ja, und ich möchte dir dafür danken! Ach kleiner Schneeengel, ich fühle mich immer so einsam, möchtest du nicht bei mir bleiben? Der Engel lächelte. Nein, das kann ich leider nicht. Schon wieder standen dem kleinen Jungen Tränen in den Augen. Wenn du traurig bist, nimm es in die Hand und denk an mich. Dann bin ich ganz nah bei dir, das verspreche ich! Der Junge wusste nicht, was das Engelchen damit meinte, doch ehe er fragen konnte, war es verschwunden. Hatte er geträumt? Kleine Tränen kullerten dem kleinen Jungen übers Gesicht. Er wollte das Fenster schließen und sich in seinem Bett verkriechen. Doch als er seine Hand öffnete, lag da ein kleiner Engel aus Glas. Er drückte den Engel behutsam an sich und dachte an das kleine Schneeengelchen. Plötzlich wurde ihm ganz warm ums Herz und er musste lächeln. Auch dem kleinen Engelchen, das sich in einem Baum versteckt hat, wurde ganz warm ums Herz und es wusste, dass es dem kleinen Jungen von nun an besser ginge. Mit einem Lächeln im Gesicht flog es davon.

(Lucy, 08.12.2014)

Montag, 8. Dezember 2014

8. Türchen: Der kleine Stern

Heute gibt es wieder mal ein Gedicht, das ich ebenfalls vor fast sechs Jahren geschrieben habe, also erwartet bitte keine literarische Hochwertigkeit. Es ist zugegebenermaßen auch nicht gerade einfach,  ein Gedicht mit fröhlichem Charakter in meinen Aufzeichnungen zu finden. Also, ihr dürft es gerne süß finden.^^

Der kleine Stern

Des Nachts, wenn Mensch und Tiere schlafen,
Erwacht ein kleiner Stern.
Er gehört gewiss nicht zu den Braven,
Doch jeder hat ihn gern.
Der kleine Stern, der leuchtet hell,
Wenn er seinen Platz gefunden.
Denn oftmals ist der kleine Stern verschwunden.
Mal geht er den Mann im Mond besuchen.
Mal kommt er auf die Erde
Und stiehlt den Menschen ihren Kuchen
Oder ein Wolkenschaf aus Mäxchens Herde.
Am Morgen, wenn die Sonne erwacht,
Zieht der Stern von dannen.
Hat den andren etwas mitgebracht.
Wird sie auf die Folter spannen.

(Februar 2009) 

Ein bisschen verändern musste ich das^^


Sonntag, 7. Dezember 2014

7. Türchen: Zuckerworte

Kann man einen Adventssonntag schöner beginnen, als mit rosa Lillifee-Zuckerperlen auf leckerem Haferbreigedöns?





Da ich ansonsten dieses Wochenende nicht besonders kreativ bin, dürft ihr heute mal zu Wort kommen. Ihr schreibt mir unter jeden Post diese liebevollen, aufbauenden und offenen Worte und ich denke, viel davon gilt nicht nur für mich, sondern für uns alle. Deshalb wird es an jedem Adventssonntag eine kleine Auswahl eurer Kommentare zu lesen geben. ♥


"Du bist ein wundervoller Mensch und du hast ein Recht darauf, das zu machen was du willst und was du für richtig hältst!" - Lina


"Ich schicke dir gerne ein Fünkchen Hoffnung und hoffe, dass es gut ankommt." - Pflasterstein


"Ich wünsche mir für dich, dass du es schaffst, glücklich zu werden." - Anonym


"So lange du atmest, ist nichts zu spät."  - Kiwi


"Du lebst dein Leben, nicht das der anderen." - Effy


"Also von mir hast du jedenfalls allen Respekt. Du bist sehr, sehr, sehr weit gekommen, warum solltest du nicht noch viel weiterkommen? Ich finde es sehr beeindruckend, wie du kämpfst, wirklich." - Luisa


"Ich wünsche dir nicht, dass du ein anderer Mensch wirst. Denn der Mensch, der du bereits bist, gefällt mir sehr. Aber ich wünsche mir, dass du dich akzeptieren kannst. Dass du dich einmal siehst, wie ich dich sehe." - Lovely


"Du bist etwas besonderes. Bleib stark und halte durch." - Emaschi


"Ich schicke dir eine ganz feste und hoffentlich ein wenig tröstende Umarmung." - Kathi


"Halt durch!" - Anonym



Danke ♥

[ Nein, ich will euch damit nicht sagen, wie toll ich bin. Ich möchte eure Worte nutzen, um euch zu sagen, wie toll ihr seid! ]


Samstag, 6. Dezember 2014

6. Türchen: Nikoläuse


Huch! Hat euch der Nikolaus heute etwas in den Stiefel gesteckt? Wenn nicht, weil er noch schnell zum Läusearzt musste, dann macht euch doch heute einen Wohlfühltag:


Meine lila Kuschelsocken hab ich schon an. Dazu gibt es heißen Tee und süße Plätzchen.



















Das sechste Türchen wird geöffnet ...



... und die Deko wird aktiviert.

Entspannende Musik sollte natürlich auch nicht fehlen.



Für mich gibt es heute wieder rote Farbe in die Haare und auf die Nägel ...



... und für euch gibts ein riesengroßes


(Sorry für die schlechte Qualität der Fotos und meinen creepy Blick^^)


Freitag, 5. Dezember 2014

5. Türchen: Peterchens Mondfahrt

Schaut ihr euch auch manchmal wieder die Filme an, die ihr als Kind geliebt habt?
Gerade in der Weihnachtszeit, wenn es draußen kalt ist und überall Menschen auf der Suche nach Geschenken herumwuseln, ist es schön, sich gemütlich mit Tee und Plätzchen zu Hause einzukuscheln und einen Film anzusehen.
Mein Opa hat uns früher immer alle Märchenfilme auf Videokassette aufgenommen. Einen davon habe ich wiederentdeckt, ich hatte ihn schon fast vergessen. Die Qualität auf YouTube lässt natürlich zu wünschen übrig. Aber vielleicht ist das ja eine Empfehlung fürs Wochenende. Ich liebe das Sandmännchen mit seinem Sternenumhang. ♥


Donnerstag, 4. Dezember 2014

4. Türchen: Just keep swimming

Bevor es losgeht: Die liebe Luisa organisiert ein Bloggerwichteln! Anmelden kann man sich noch bis zum 6. Dezember. Ich mache jedenfalls da mit und vielleicht habt ihr ja auch Lust, wenn ihr es noch nicht gelesen habt. Infos findet ihr auf Luisas Blog unter diesem Link: http://blauetage.blogspot.de/2014/11/will-you-still-be-there-when-its.html
Soo...

... Heute möchte ich einen etwas anderen Tag weitergeben. Nominiert wurde ich von meiner lieben, zauberhaften und starken Lia. Danke, Duuuu ♥

Lias Regeln:

1. Höre dir dieses Lied an und glaube mir: Du kannst stolz auf das sein, was du geschafft hast.
2. Zitiere die Stelle, die dir aus diesem Lied am besten gefällt.
3. Nominiere so viele Leute, wie du möchtest, denen du sagen willst, dass auch sie viel geschafft haben, dass sie stolz auf sich sein können und dass sie weiterhin nicht aufgeben sollen.
4. Schreibe diesen ausgewählten Meschen ein paar aufmunternde Sätze und binde wieder dieses Lied mit ein.

"Don't listen to the haters."


Ich nominiere:

Lia
Lovely
Kiwi
Lucy
Davina
Achlys
Luisa
Emma
Sam
Diana
Lina
Liv
Mademoiselle Verte
Elijah
Kathi
Emaschi
Merle
Effy
María
Freddy
Last Blasphemies
Kian
Maribel
Anna
Ariadne
Fee
Neva
Melli
Lee
Gia
Kate
Artistin
Yessy
Isa Lia
Sabrina
december
Mary Poppins
Sie
iwik

... und alle anderen, die das hier lesen und die ich heute nicht mehr schaffe zu markieren.

Ein ♥ an euch!

P.S.: Ich muss noch etwas loswerden: Gerade habe ich bei meiner Bank angerufen, um die Karte freischalten zu lassen, denn mein Geld ist endlich da. Für mich ist das immer eine riesen Hürde, so einen Anruf zu machen. Dann war auch noch meine Sachbearbeiterin krank und die Frau am Telefon teilte mir mit, dass ihr Kollege mich zurückrufen würde. Ich habe also eine halbe Stunde lang auf das Telefon gestarrt und hatte Angst vor dem Klingeln. Der Mann am anderen Ende war allerdings ganz freundlich und hat mich trotz meiner sich überschlagenden Stimme verstanden. Er hat mich nur darauf hingewiesen, dass ich diesmal im Rahmen bleiben müsse und gesagt, dass er sie jetzt freischaltet. Ich finde es irgendwie bemerkenswert und seltsam, dass mein Körper so heftige Reaktionen zeigt, nur weil ich einen verdammten Anruf machen will. Ich fange sofort an zu schwitzen und zu zittern, meine Hände werden kalt und starr, mir wird übel und schwindlig und ich bekomme keine Luft. Und das ist jedes Mal so. Ich bin immer noch ganz aufgewühlt.
Aber ich wollte euch trotzdem schnell daran teilhaben lassen, dass ich manchmal eben doch fähig bin, mich um die wichtigen Dinge des Lebens zu kümmern. Und euch sagen, dass ich erstmal nicht verhungern muss.^^

Mittwoch, 3. Dezember 2014

3. Türchen: Heimat

Die liebe Lucy von Fly away hat mir ein wunderbar nachdenkliches Gedicht zugeschickt, das, wie ich finde, gut zu der Frage passt, ob man Weihnachten unbedingt "zu Hause", also bei seiner "Familie" feiern sollte. Danke dafür! ♥ Wenn ihr mehr Gedichte von Lucy lesen wollt, schaut doch mal auf ihrem Zweitblog Gedankenwelt vorbei!


Heimat

Heimat. Was ist das eigentlich? Wo ist meine Heimat? Ist Heimat mein Herkunftsland? Oder etwa, wenn ich abends, nach der Arbeit in meine Wohnung zurück kehre? Ist Heimat meine Familie, meine Abstammung? 

Ich glaube, dass Heimat etwas ganz anderes ist. Heimat ist so viel mehr. Heimat ist, sich wohl fühlen, frei sein zu können. Heimat ist, angenommen werden, so wie man ist, sich nicht verstellen zu müssen. Heimat ist, wo man so sein kann, wie man ist. Heimat ist Freiheit. Heimat kann alles sein.

Heimat ist, im Sommer barfuß zu laufen.
Heimat ist, sich ins grüne Gras fallen zu lassen.
Heimat ist, in den tiefblauen Himmel zu schauen und Wolkenbilder zu sehen.
Heimat ist, Bauchschmerzen vor Lachen zu haben.
Heimat sind Freunde.
Heimat ist, Schneeflocken auf der Zunge schmelzen zu lassen.
Heimat ist, zu tanzen, obwohl man es nicht kann.
Heimat ist, darauf zu scheißen, was andere von einem denken.
Heimat ist träumen.
Heimat ist, auch mal zu weinen.
Heimat ist, die Schönheit der Natur zu genießen.
Heimat ist Ruhe.
Heimat sind Erinnerungen.
Heimat ist Musik.
Heimat ist, die Seele baumeln zu lassen.
Heimat ist, in Büchern zu versinken und in eine andere Welt einzutauchen. 
Heimat ist die Luft nach dem Regen. 
Heimat ist, durch Herbstlaub zu laufen.
Heimat ist Freiheit. 
Heimat ist leben.
Heimat ist ankommen.

(Lucy, 04.04.2014)


Dienstag, 2. Dezember 2014

2. Türchen: Zeitreise

Reisen wir zurück in das Jahr 2008...

... Ich bin 14 Jahre alt. Es ist der zweite Dezember. Bei uns im Internat gibt es eine besondere Art des Wichtelns. Kurz vor Beginn der Adventszeit zieht jeder ein Los mit dem Namen eines anderen Schülers. Die Klassenstufen sind dabei bunt gemischt. Dem Wichtelkind wird aber nicht einfach nur ein Geschenk überreicht. Nein, die ganze Adventszeit über schreiben die Wichtelpaten ihren Wichtelkindern Briefe mit kleinen Aufgaben. Der Pate denkt Fantasienamen für sich und sein Wichtelkind aus - es bleibt bis zum Ende geheim, wer einen gezogen hat. Im Schulgebäude hängt eine große Pinnwand, an die die Briefchen geheftet werden. Kurz vor den Weihnachtsferien führen die Schüler der zehnten Klasse ein Theaterstück auf. Danach geben sich bei alkoholfreiem Glühwein und Kuchen die Wichtelpaten zu erkennen und überreichen ihren Wichtelkindern ein kleines Geschenk.
Meine erste Aufgabe ist es, ein Gedicht zu schreiben und es vor der ganzen Klasse vorzulesen. Ich wähle also den Geschichtsunterricht, stehe auf und lese:


Die Tücke der Vorweihnachtszeit

Kerzenschein erhellt den frühen Abend.
Die Menschen gemütlich an Stollen sich labend
Im Warmen sitzen und betrachten den Schnee
Vor dem Fenster, den gefroren See,
Am Himmel die Sterne,
Heller als jede Laterne.
Doch schon steht in Flammen das Haus
Und der Traum vom Christkind ist aus. 

(02.12.2008)


Montag, 1. Dezember 2014

1. Türchen: Pfannkuchen

Meine Lieben, ♥
heute ist es soweit: Der 1. Dezember ist da und damit auch die Adventszeit. Wie angekündigt gibt es ab heute jeden Tag eine kleine Adventskalenderüberraschung für euch. Das können Posts zu bestimmten Themen, Gedichte, Rezepte, positive Botschaften, Empfehlungen usw sein. Ihr könnt mir natürlich weiterhin Ideen, Vorschläge und Gedichte schicken, noch sind nicht alle 24 Türchen gefüllt.

Heute fangen wir mal gaanz einfach an.
In der dunklen Jahreszeit sind viele Menschen anfälliger für depressive Stimmungen. Man will am liebsten den ganzen Tag im Bett bleiben, bloß nicht raus in die Kälte, man ist irgendwie quengelig und hat Lust auf Süßigkeiten. Ich finde es wichtig, sich gerade dann auch mal etwas Gutes zu tun. So wie wenn man krank ist und sich eigentlich wünscht, dass sich jemand um einen kümmert. Da gibt es natürlich viele verschiedene Möglichkeiten. Ich habe mir letzte Woche zum Beispiel spontan Pfannkuchen (=Eierkuchen) gemacht. Für mich so ein typisches Kindergericht. Klingt für einige von euch sicher nicht besonders, aber ich bin zugegeben keine besonders begabte Köchin und somit schon stolz darauf, dass ich die überhaupt hinbekomme.^^
Da ich keine Eier esse, keine Milch da hatte und natürlich nicht vor die Tür wollte, habe ich 150g Mehl, 1,5 Päckchen Vanillezucker, etwas Zimt, theoretisch noch eine Prise Salz, die ich aber vergessen habe, und 250 ml kaltes Wasser zusammengemischt und das ganze mit etwas Öl in die Pfanne gehauen.


So sieht das ganze dann aus. Mit Puderzucker bestreut. Aus der Menge kriegt ihr eigentlich zwei Pfannkuchen raus, meiner ist eben ziemlich dick. Noch besser schmeckt das ganze, wenn ihr noch eine reife zerquetschte Banane in den Teig werft.
Danach ist man übrigens pappsatt und das soll ja Glücksgefühle auslösen, hab ich gehört. Jedenfalls habt ihr dann eine halbe Stunde lang etwas sinnvolles getan und könnt mit einem Verdauungstee beruhigt zurück ins Bett kriechen.

Freitag, 28. November 2014

Ankündigung & Weihnachtsgedöns

Nächste Woche ist Dezember und damit beginnt endgültig die Vorweihnachtszeit. Einige von uns blicken ihr sicher mit gemischten Gefühlen entgegen. Ich gehöre auf jeden Fall dazu. Trotzdem habe ich entschieden, dieses Jahr einen Adventskalender auf meinem Blog zu gestalten. Für alle, denen der ganze Weihnachtsglitzerschmuck jetzt schon auf die Nerven geht: Keine Sorge, hier wird es nicht glitzern. Viel mehr möchte ich euch jeden Tag mit einer kleinen positiven Botschaft überraschen, die euch den Wahnsinn vielleicht mit einem Lächeln überstehen lässt. :)
Ich plane, die Adventskalenderposts täglich um 16 Uhr zu veröffentlichen. Es können Posts zu bestimmten Themen, Gedichte, Empfehlungen, Rezepte, kleine Geschichten usw sein. Ein paar Sachen habe ich schon zusammen, aber noch keine 24 Stück! Wenn ihr also noch Ideen und Vorschläge für mich habt, wäre das total lieb von euch, mir die zu schreiben.
Ich weiß, dass einige von euch tolle Gedichte oder Minigeschichten schreiben. Vielleicht habt ihr ja was passendes auf Lager und würdet mir erlauben, sie (natürlich auch mit Name und ggf. Bloglink) zu veröffentlichen. Ich fände es irgendwie schön, wenn das so ein gemeinsames Projekt werden könnte. Schicken könnt ihr mir alles als Kommentar, über das Kontaktformular oder die Nachrichtenfunktion bei Facebook.
So, ihr Kreativen, ich hoffe, es ist okay für euch, dann jeden Tag von mir vollgespamt zu werden.^^

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 Zurück zum Lebensernst. Da ich viel beschäftigt bin, geht es mir ganz gut. Verdrängung funktioniert größtenteils und ich bin seit Montag schnittfrei. Die Woche über hatte ich mit der Belegarbeit zu tun. Ich hab einiges an Aufgaben übernommen, weil die Jungs in meiner Gruppe so ziemlich rechtschreib- und grammatikresistent sind. Mit den beiden zusammen muss ich im Dezember noch eine Hausarbeit schreiben. Am Wochenende werde ich mich hauptsächlich mit dem Adventskalender beschäftigen und ich habe mir eine To-Do-List geschrieben. Damit hat es letztes Wochenende schon ganz gut geklappt.
Ja, da steht einiges mit Weihnachten drauf. Aber so langsam muss ich entscheiden, wie ich die Feiertage verbringen werde. Fest steht, dass ich meinen Eltern dieses Jahr auf gar keinen Fall noch einmal begegnen möchte. Weihnachten ist immer schwer. Und in den letzten Jahren, die ich mit meinen Großeltern gefeiert habe, sind sie jedes Mal unangemeldet aufgetaucht oder eingeladen worden. Ich ertrage das nicht nochmal, wie sie mir mit fiesem Grinsen direkt in die Augen starren, weil sie sich so mächtig fühlen. Weil sie und ich in einem Raum sind und klar ist, dass sie mit mir machen könnten, was sie wollen. Ich hatte jedes Mal einen kompletten Systemabsturz. Ich kann nicht beschreiben, wie angstgeladen diese Situation ist. Ich kann meinen Großeltern nicht vertrauen. Sie würden mir versprechen, dass sie diesmal nicht kommen, und sich wieder nicht daran halten. Ich will auch gar nicht in diese Stadt zurück. Da sind so viele Erinnerungen. An jeder Ecke trifft man irgendjemanden, den man aus dem früheren Leben kennt. Zum Glück erkennen die meisten mich nicht mehr, weil ich mich äußerlich so oft verändere. Aber ich will doch meine Schwester sehen und ihr ein Geschenk überreichen. Leider ist sie schwer einzuschätzen und ich weiß nicht, ob es ihr egal oder wichtig ist, mich zu treffen. Und auch meine Großeltern mag ich irgendwie, obwohl sie ständig mein Vertrauen missbrauchen und mich in keiner Weise so akzeptieren, wie ich bin. Ich würde meiner Oma gern Schneeherzen, ihre Lieblingsplätzchen, backen. Sie bäckt nicht mehr so gern aufwändig. Mit meinem Opa würde ich gern ein Glas Wein trinken, weil er doch sonst niemanden hat, der mal etwas mit ihm trinkt. Doch es ist so schwer, dort zu sein. Überall Erinnerungen, Fotos und Gerüche. Ständig Vorwürfe, Fragen, auf die ich lügen muss, enttäuschte Gesichter. Aber wie enttäuscht wären sie wohl, wenn ich gar nicht käme? Ich glaube, auf eine etwas umständliche Art lieben sie mich schon irgendwie. Vielleicht meinen sie es nur gut. In ihren Augen bin ich komplett falsch und vielleicht wollen sie bloß, dass ich ein anständiger Mensch werde.
Jedenfalls habe ich darüber nachgedacht, am 25. Dezember hinzufahren, sodass ich erst abends dort wäre und wir den zweiten Feiertag gemeinsam verbringen könnten. Dann könnten sie beruhigt mit meinen Eltern und meiner Schwester Heiligabend feiern und sich am ersten Feiertag traditionell zum Gänsebraten (den ich ja sowieso nicht esse) treffen. Bliebe nur noch die Frage, wie ich ihnen verklickern soll, dass ich nicht schon am 24. dabei wäre. Ich hatte sowieso vor, ehrenamtlich irgendwo zu helfen, aber ich weiß nicht, ob meine Großeltern das als Entschuldigung akzeptieren. Die Fahrt müsste ich jedenfalls jetzt buchen, erstens weil es sonst immer teurer wird und zweitens weil ich nur am Monatsanfang Geld auf dem Konto haben werde.
Aber ich weiß nicht. Ich will nicht. Ich kann nicht. Ich muss! Sie haben so viel für mich getan. Sie haben mich in Notlagen finanziell unterstützt. Sie überweisen mir immer noch jeden Monat zwanzig Euro Taschengeld. Sie haben mich 2010 zwei Monate bei sich wohnen lassen. Als ich klein war, hat mein Opa mich immer zur Musikschule und zum Theater und zum Chor und zum Zeichen- und Kommunionsunterricht gefahren. Nach der Schule war ich ganz oft bei ihnen zum Essen, weil meine Eltern ja nie da waren. Ich bin ihnen doch etwas schuldig, oder? Ich bin schuld daran, dass die Heile-Familie-Fassade zerbrochen ist. Ich bin schuld daran, dass sie sich mit meinen Eltern streiten müssen. Ich bin Schuld daran, dass sie sich Sorgen machen und deswegen krank werden. Das sagen sie mir jedenfalls ständig. Sie haben hohe Erwartungen an mich und sind enttäuscht von mir, weil ich sie nicht erfülle. Irgendwie muss ich doch beweisen, dass sie mir nicht egal sind.
Natürlich könnte ich einfach warten, bis es sowieso zu spät ist. Aber ich will lieber eine Entscheidung treffen, die ich danach nicht oder wenigstens nur teilweise bereue. Soll ich egoistisch sein und nur an mich denken? Soll ich selbstlos sein und mich fügen? Soll ich einen Mittelweg einschlagen, auf dem ich selbst bestimme, wie weit ich gehen möchte? Würden sie diesen Mittelweg, meine Grenzen akzeptieren oder sie wie üblich überschreiten? Weiß ich überhaupt, was ich will?
Ich weiß schon, dass ich diese Entscheidung nur allein treffen kann. Könnt ihr mir trotzdem eure Meinung dazu sagen?

Danke und bleibt stark! ♥♥♥

Dienstag, 25. November 2014

Eine Tüte Lebkuchenherzen

Dem nicht besonders erfreulichen Post von gestern möchte ich noch ein paar Worte hinterher schieben. Damit ihr euch nicht etwa Sorgen macht.
Einzugestehen, dass eben nicht alles in Ordnung ist, - und das habe ich gestern - ist doch immer der erste Schritt zur Besserung, nicht? Es ist zwar nichts neues. Trotzdem ist es immer wieder frustrierend, festzustellen, dass man nicht nur eine selbstzerstörerische Methode losgeworden ist, sondern gleichzeitig eine neue entwickelt hat, vielleicht ohne es zu merken. Und wenn es dann noch dieselbe ist, die eigentlich schon seit mehr als drei Jahren als überwunden gilt... Ich meine, was würde ich jemandem sagen, der mich danach fragt?
"Also mit 15 hab ich angefangen, mich zu ritzen, das war zwei Jahre später dann vorbei. Aber mit 16 habe ich angefangen, mir Deo reinzuziehen. Als ich mit 17 dann eine Essstörung entwickelt habe, war das auch vorbei. Erst mit 19 hat das Deo die Essstörung wieder abgelöst. Jetzt rate mal, wo ich inzwischen wieder angekommen bin!"
Es kotzt mich an. Ich will endlich sagen können: Ach das, ja das hab ich alles durch, aber jetzt ist alles in Ordnung! Schöner ferner Traum. Immerhin war ich zwei Jahre und acht Monate in Therapie, hat das denn gar nichts gebracht?

Aber: Gestern hab ich es "ohne" geschafft. Ich bin zwar fast wahnsinnig geworden, aber dann schlafe ich eben nicht, immer noch besser als ... ja.
Heute ist schon mal besser als gestern. Kann natürlich auch am Verdrängungs-Eiszapfen-Modus liegen. Ni hat gerade, als ich nach Hause kam, die Wohnung verlassen. Ich hatte einen Brief in der Hand.
"Ist der für mich?" hat sie gefragt.
"Nein, der ist für mich."
"Boah, scheiße man! Die blöde Scheißbahn. Das ist so gemein!", hat sie gekreischt und dabei mit dem Fuß aufgestampft. Ist ja schon irgendwie süß, wie sie sich benimmt, als wäre sie vier Jahre alt.

Jedenfalls hatte ich dann Zeit, mich ein Stündchen ans Klavier zu setzen. Ich liebe es. Auch wenn damit so viele Erinnerungen verbunden sind. Ich habe angefangen zu spielen, als ich auf das Internat gewechselt bin. In der neunten Klasse. Klavier war Pflichtinstrument in den ersten beiden Jahren. Meine Lehrerin war toll. Ich hab sehr schnell gelernt bei ihr. Fast genauso schnell musste ich aber wieder aufhören. Als ich im Dezember 2010 in die Weihnachtsferien reiste, wusste ich nicht, dass ich nie wieder zurück dürfte. Es war der Tag, an dem ich zum Jugendamt gegangen bin. Damals war ich noch fest davon überzeugt, dass ich später Musik studieren würde. Ja, ich war so naiv zu glauben, dass ich gut genug für die Aufnahmeprüfung werden könnte.^^
Schulwechsel - Wohngruppe - Aus der Traum.
Ich habe mich natürlich längst damit abgefunden. Ein bisschen neidisch bin ich trotzdem, wenn ich die Facebookposts meiner ehemaligen Mitschüler lese, von denen doch einige in die Musikrichtung gegangen sind.


Sie inspiriert mich irgendwie dazu, selbst mal wieder meine Geige in die Hand zu nehmen, die in ihrer Ecke verstaubt. Geigenunterricht hatte ich immerhin elf Jahre lang. Aber das geht leider nicht, selbst wenn niemand da wäre. Das Haus ist hellhörig und meine Nachbarn würden mich wahrscheinlich erwürgen. Ich will es auch wirklich niemandem antun. Außerdem brauche ich eine neue E-Seite, die scheppert und knarzt bloß noch.
Oh, das interessiert euch sicher alles herzlich wenig. Meine Gedanken sind nur gerade etwas abgeschweift. Konzentration ist auch nicht gerade einfach, wenn im Nebenzimmer irgendeine Musik mitgejault wird. Auf wen nehme ich hier eigentlich Rücksicht?!

Um den Bezug zum Titel herzustellen: Vorhin auf dem Weg nach Hause ist mir etwas seltsames passiert: Ich hatte plötzlich irgendwas im Schuh, ich dachte, es wäre ein Stein. Als ich den Schuh dann ausgezogen habe, lag ein 20-Cent-Stück drin. Also, ein 20-Euro-Schein wäre auch nicht verkehrt gewesen.^^ Ich hab dann alles Kleingeld, das ich noch irgendwo gefunden habe, zusammengesucht und gegen 10-Cent-Stücke aus der Tüte mit den Schulden an Ni getauscht. Und dann bin ich in den Laden und habe mir eine Tüte Lebkuchenherzen gekauft. Die hab ich ganz fest an mich gedrückt, damit sie mir ja keiner wegessen kann. Ich glaube, ich hab mich noch nie in meinem Leben so sehr über eine Tüte Lebkuchenherzen gefreut, wie in diesem Moment. Und deshalb schicke ich euch jetzt ganz viele Herzen durch die dunkelgraue Novemberwelt bis vor eure Nase.
Nächste Woche ist ja schon Dezember. Dann decke ich mich erstmal mit einem Jahresvorrat Schokolade und Apfel-Zimt-Tee ein und backe Plätzchen.^^
Seid wunderwarm umarmt, ihr Lieben. ♥♥♥

Freitag, 21. November 2014

Kleingeldklingelkasse & Tag von Effy

[Argh schon wieder das Hintergrundfarbenproblem, kommt vom Kopieren der Fragen, sorry ♥]

 Eigentlich habe ich einen anderen Post im Kopf. Einen, der davon erzählt, was unter der Oberfläche schlummert. Davon, wie es mir wirklich gerade geht. Oder wie es mir gehen sollte? 
Die Worte kommen und gehen. Mal sind sie zum Greifen nah. Dann, wenn ich sie aufschreiben will, lösen sie sich in Nebel auf. Ich versuche, sie am Wochenende endlich einzufangen.

Gruselblick nach schlafloser Nacht?
Heute erzähle ich euch etwas, das ihr vielleicht albern findet. Vielleicht könnt ihr sogar ein bisschen darüber lachen, so wie die liebe Davina
Am Mittwoch ist mir eingefallen, dass ich noch drei Teedosen und zwei kleine Beutel voll Kupfergeld besitze, die ich nie zum Wechseln zur Bank bringe. Ich konnte es kaum erwarten, nach Hause zu kommen, um das Kleingeld zu zählen. Dafür bin ich sogar in den Keller gegangen, obwohl ich es hasse, in den Keller zu gehen, weil es dort in einer Umzugskiste lag. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich zwanzig Euro zusammen gezählt. Ich weiß, es ist unheimlich provokant, aber ich konnte nicht anders, also füllte ich das Geld in einen Gefrierbeutel, band eine goldene Schleife drum und legte es Ni auf den Schreibtisch. 
Kurze Zeit später kam sie von der Uni und natürlich ist sie ausgerastet. Mutig, wie ich an diesem Tag gewesen bin, habe ich endlich nach einem Kassenzettel verlangt, um zu sehen, wofür ich da eigentlich bezahle. Dann ging es erst richtig los. Auch wenn ich mit der Aktion natürlich provoziert habe, muss ich mich doch aber nicht anschreien lassen. Ich bin doch kein Kleinkind! Und weil ich Schreien absolut nicht ertragen kann, musste ich dann in mein Zimmer flüchten, weil mir die Tränen kamen. Immer diese dummen Tränen! 
Jedenfalls hat sie das Geld natürlich nicht genommen, sondern verlangt, dass ich es bei der Bank wechseln lassen soll. Als ob ich mich mit einem Sack Kleingeld zur Bank traue.^^
Seitdem ist sie allerdings irgendwie so stinkenett zu mir. Gestern, Donnerstag, stand ich gerade in der Küche, als Ni auch schon angehüpft kam. Wie so ein kleines Mädchen, nur die Zöpfe haben gefehlt. 
"Guck mal, Lilly, guck mal, ich hab mir ne neue Brille gekauft!" 
Ich hab mich umgedreht, ihr freches Grinsen gesehen und ganz nüchtern "Toll." gesagt. Seitdem hab ich schlechte Laune. Diese Person macht mich so SO aggressiv! Ich stehe wie unter Strom. Bis halb eins nachts waren Ni und Li wieder so laut, dass sie das Hörspiel aus meinen Kopfhörern übertönen konnten, und ich musste heute um sechs Uhr aufstehen. In der Uni habe ich sogar S. und Disney angeschnauzt. Disney hat mich fast verängstigt angeschaut. Mit der Zeit wurde es aber besser, bis ich wieder nach Hause musste. Hier warte ich nur darauf, dass Ni wieder gleichzeitig mit dem Anklopfen die Tür aufreißt und Geld sehen will. Ich habe es ihr ja gegeben, wenn sie nicht es nicht will...^^
Uni ist dagegen geradezu entspannt. Ich meine, es ist anstrengend, aber momentan brauche ich das, etwas Forderndes zu tun haben, wenn ich nicht in tiefste Depressionen verfallen will. Dazu im nächsten Post vielleicht mehr. *verdrängung an* Zum Glück muss ich übers Wochenende ein 150seitiges Drehbuch lesen. Nächste Woche müssen wir als Belegarbeit einen Drehplan entwerfen. Ich freue mich sogar darauf, solche Organisationsaufgaben lenken gut ab. 
Drückt mir bitte die Daumen, dass ich dieses blöde Wochenende überlebe. ♥



Zum Schluss gibt es noch ein paar Antworten auf die Fragen von Effy, die mich getaggt hat. Danke dir! ♥ 
Weitergeben werde ich den Tag nicht, weil ich vor Kurzem erst getaggt habe.


1. Ist das Glas halb voll oder halb leer (Optimist oder Pessimist) ? - Zur einen Hälfte voll, zur anderen Hälfte leer.
2. Was ist für dich am Winter das Beste? - Ich mag den Winter eigentlich ja nicht so gern. Aber ich liebe Apfel-Zimt-Tee oder Orange-Zimt-Tee, Lebkuchen, Vanillekipferl, die ganzen Weihnachtssüßigkeiten und alles, was nach Zimt schmeckt. Und Glühwein natürlich!
3. Was hältst du von Lügen? - Lügen sind scheiße, das sagen ja die meisten. Dabei lügt jeder von uns. Ob es nun ein falsches Lächeln ist, oder eine gefälschte Altersangabe, oder eben dieses ganze Sich-Verkaufen, was jeder tun muss, der einen Job haben bzw in der Gesellschaft akzeptiert werden will. Diese Mentalität finde ich viel eher scheiße. Warum müssen wir uns verstellen, um jemand zu sein, etwas zu gelten?! Darüber könnte ich mich hundert Jahre lang aufregen. Wenn jeder einfach so sein dürfte, wie er ist, dann wäre die ganze Lügerei gar nicht nötig. Insofern kann ich, auch wenn ich im Grunde darum bemüht bin, ehrlich zu sein, nicht sagen, dass ich selbst nicht lügen würde.
4. Hast du einen Lieblingsort? Wenn ja, welchen und warum? - Lieblingsort... Hm, ich glaube, der fehlt noch. Irgendwie so ein Ort, an dem man sich zu Hause fühlen kann, das wäre schön. Ich mag Parks ganz gerne (solange es nicht dunkel ist). In dem Park auf dem Internatsgelände damals hatte ich eine Lieblingsbank, ganz hinten in der Ecke, wo der Park in den Wald überging und man die Sonne zwischen den Bäumen hindurch blitzen sehen konnte. So ganz kitschig, ja.
5. Was würdest du gerne mal jemanden sagen, wozu du dich nie überwinden kannst? - Ach, so vieles. Aber eigentlich nichts, wo ich denke, dass ich es niemals aussprechen würde (okay, vllt doch fällt mir im Nachhinein ein). Ich will irgendwann mal alles sagen können, was ich will. Die große Klappe ist in Arbeit.^^
6. Was ist für dich der Sinn des Lebens? - Oha, das ist eine schwere Frage. Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Noch nicht. Ich habe mir darüber schon sehr viele Gedanken gemacht. Vor allem als Kind und Teenager habe ich geglaubt, das Leben hätte keinen Sinn, weil wir am Ende eh sterben müssen. "Der Tod macht das Leben sinnlos." habe ich irgendwann mal in mein Tagebuch geschrieben. Das Thema hat mich so sehr beschäftigt, dass ich in eine Art Dauertodesangst gefallen bin. Als kleines Kind habe ich wirklich gedacht, ich könnte im Schlaf sterben, vielleicht hab ich deswegen schon seit ich denken kann Schlafstörungen oder umgekehrt, was weiß ich. Heute würde ich sagen, dass mich die ganze Sinnfrage weniger beschäftigt. Ich muss nicht unbedingt jetzt sofort wissen, was der Sinn des Lebens ist. Ich kann mir Zeit lassen damit, es herauszufinden. Vielleicht sollte ich den Sinn des Lebens einfach mal nicht so sehr im Zusammenhang mit dem Tod betrachten.
7. Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick? - Ich kenn mich nicht so gut aus mit Liebe. Aber es gibt ja Leute, die behaupten, sie hätten sich auf den ersten Blick verliebt, und dann wird das wohl auch so sein. Mehr dazu, wenn ich da mehr Erfahrungen gesammelt habe.^^
8. Hattest du schon mal Angst, jemanden zu verlieren den du liebst? - Nicht nur die Angst. So ziemlich alle, die ich geliebt oder zu lieben geglaubt habe, habe ich verloren. Das liegt aber eher daran, dass es mit mir keiner lange aushält (Freundschaften sind gemeint), dass sich meine Lebensumstände seit ich 14 bin, alle ein bis zwei Jahre komplett verändert haben und ich keinen richigen Lebensmittelpunkt hatte und so. Vielleicht kommt das noch. Familie fällt weg, deswegen gibt es einfach keine beständigen Größen in meinem Leben und somit ist die Angst auch immer da.
9. Was hilft dir bei schlechter Laune/trauriger Stimmung? - Laute, laute Musik, lange Spaziergänge, Klavierspielen, unter Menschen sein, Schreiben, Filme/Serien schauen/Bücher lesen/in Traumwelten flüchten.
10. Hast du dir schon einmal gewünscht 'Frei' zu sein? - Bis vor vier Jahren, mal so familiär/räumlich gesehen. Und bis heute wünsche ich mir, auch frei in Gedanken zu sein, ohne die ganzen Verbote und die Hassstimme in meinem Kopf.
11. Was würdest du dir wünschen, wenn du einen Wunsch frei hast? - Liebe statt Gewalt, und zwar für alle Menschen (und Tiere).

Samstag, 15. November 2014

Ideen, Vorwürfe & Tag

Ich sollte sie sofort aufschreiben, wenn ich eine Idee habe.
Letzte Nacht hatte ich noch tausend Sätze für diesen Post im Kopf. Jetzt ist alles weg.


Passend dazu lag heute diese Karte in meinem Briefkasten. Von meiner Schwester mit folgendem Text: "Auch ich schicke dir eine Antwortkarte, auf der Du am besten gleich deine letzte gute Idee notierst." Vielen Dank!

Heute bin ich vor 14 Uhr aufgestanden. Nachdem mich einige Stunden zuvor das Gekreisch meiner Mitbewohnerinnen geweckt hatte. Irgendwann sind sie zum Shoppen aufgebrochen. (Hatte ich erwähnt, dass Ni "gar kein Geld" mehr hat?) Und dann habe ich mich endlich getraut, meine Großeltern anzurufen. Seit ungefähr zwei Monaten hatten wir nicht mehr telefoniert. Es lief wie erwartet:

"Wie kannst du deine Eltern nur so behandeln? Hast du denn gar kein Herz?" (klick)
"Ich wollte doch nur ..."
"Was war das eigentlich da bei dir? War das nun n Weib oder n Kerl?" (sie meint T. von der Beratungsstelle)
"Sie ist eine Frau."
"Ahja. Mama hat mir nur erzählt, dass du ganz schlechten Umgang hast. Wie kannst du dich nur mit sowas abgeben? Mama wusste ja gar nicht, wie sie es ansprechen soll!"
"Sie hat sich ihr vorgestellt!"
"Du bist so ein hübsches Mädchen. Hast du das denn nötig?"
"Kann nicht jeder aussehen, wie er mag?"
"Aber Lilly! Wie willst du mit dieser Einstellung nur durchs Leben kommen? Du wirst nie einen Mann finden!"
(ich hab mal nur die Kernaussagen des Gespräches zusammengefasst)

Dann hat sie mir noch vorgeworfen, mir wäre ihre entlaufene Katze genauso egal, wie ihre Gesundheit, und ich habe ihr von dem Schreibwettbewerb erzählt, um nicht als völlig nutzlos dazustehen. Dass ich Weihnachten nicht in meine Heimatstadt fahren werde, habe ich lieber noch für mich behalten. Das Telefonat hat mir nur bestätigt, dass ich da nicht hin will. Ich will mir nicht anhören müssen, dass ich ja so viel zugenommen hätte, während sie mir eine Tafel Schokolade nach der anderen vor die Nase legt. Will nicht die immer gleichen Fragen beantworten, warum ich denn noch immer keinen Freund habe, ob mir denn keiner gefiele und warum ich mich nicht auf den netten Kumpel meiner Schwester einlassen würde. Will nicht hören, wie sie über meine mit 40 noch unverheirateten Tante und meinen schwulen Cousin herzieht und mit erhobenem Zeigefinger Wehe, du endest mal so! sagt. Ja, ich weiß, alte Leute reden nunmal so. Aber nicht nur sie, alle meine Verwandten, selbst meine Schwester und ihr Freund reden so. Und ich soll so tun, als wäre ich ganz ihrer Meinung und meiner Oma versprechen, mit 25 zu heiraten und mit meinem gutaussehenden, wohlhabenden Ehemann genau zwei Kinder zu bekommen?! Diese Vorstellungen sind ungefähr eine Millionen Lichtjahre von meinen eigenen entfernt.
Manchmal frage ich mich, wie ich trotz der hinterweltlerischen Ansichten meiner "Familie" so aus dem Rahmen fallen konnte. Und langsam ist mir deren Anerkennung auch egal, denn sie würden mich nur akzeptieren, wenn ich ihnen eine Identität vorlügen würde, die nicht meine ist.

Weil ich gerade wieder wütend werde und euch das ersparen möchte, beantworte ich jetzt noch die Fragen von der lieben Luisa, die mich getaggt hat. Danke, Liebes! Weitergeben werde ich den Tag diesmal nicht, habe ich ja gerade erst gemacht.

1.) Was machst du nur, wenn du alleine bist? - Momentan Klavierspielen und Singen. Das ist mir vor unangenehm vor meinen Mitbewohnerinnen. Außerdem hab ich keine Lust auf Nis Kommentare von wegen "Ich dachte du könntest voll gut Klavierspielen" -.-
2.) Dein Lieblingsmusiker? - Kann ich so nicht sagen. Mein Musikgeschmack geht durch alle möglichen Richtungen, das ist total stimmungsabhängig und ändert sich auch immer mal.
3.) Was würdest du deinem jüngeren Ich sagen? - Liebe Lilly, die du jünger als 16 bist, du musst nicht darüber nachdenken, dich umzubringen, es gibt da in der Musterstraße X eine Inobhutnahmestelle, du musst nur klingeln und sie nehmen dich sofort auf. Das hätte ich meinem jüngeren Ich gesagt, als es ständig abgehauen ist und nicht wusste, wo es hin sollte.
4.) Welcher Mensch hat dich in deinem Leben am meisten geprägt? - Oh, das ist eine schwierige Frage. Du meinst sicher positv geprägt oder? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Ich denke, das sind mehrere, vielleicht sogar viele Menschen, da kann ich mich jetzt nicht für einen entscheiden. Und ich denke auch, dass ich noch ein bisschen zu jung bin, um diese Frage beantworten zu können.

5.) Wenn du einfach alles hinter dir lassen könntest, Neustart: Was würdest du mit deinem Leben anfangen? - Ich würde in Berlin bleiben, denke ich. Vielleicht würde ich etwas anderes studieren und einen ziemlich coolen Nebenjob haben. Und ich würde versuchen, richtig tolle Leute kennenlernen und vielleicht irgendwas auf die Beine stellen oder so. Weiß nicht. Also eigentlich ja genauso wie jetzt auch. Aber wenn ich die ganzen Depressionen und alles und die Geldsorgen wegschmeißen könnte, dann wär das alles viel einfacher.
6.) Du hast 1.000€ und einen Tag Zeit, es auszugeben: Was stellst du an? :D - Ich nehme mir einen lieben Menschen mit und dann gehen wir shoppen und essen und ins Kino oder Theater und danach betrinken wir uns. Den Rest bekommt dann eine Organisation gespendet, die sich für irgendwas mit Kindern und ihren Rechten einsetzt. Oder so. Ich hasse diese Geldfragen! :D
7.) Was sollte man öfter sagen? - Du bist wunderschön und liebenswürdig und genau richtig so, wie du bist und ich mag dich!
8.) Welches Wort gehört abgeschafft? - Ich glaube jedes Wort existiert aus einem bestimmten Grund zu einem bestimmten Zweck. Lasst den Worten doch ihre Existenzberechtigung! :D Naja, gut, so einige demütigende, diskriminierende, verletzende Schimpfwörter könnten abgeschafft werden. Aber das sind dann wie gesagt Wörter, keine Worte. 


So. Fertig. Schlaft schön, wenn ihr schlaft, und übertreibt es nicht, wenn ihr die Nacht zum Tag macht! ♥