Samstag, 9. Dezember 2017

Selbstreflexion #2


Ich kann nicht schlafen. Denke nach über mich und das Nachdenken. Denke, dass ich zu wenig denke in letzter Zeit. Dass ich mich durch mangelndes Denken nicht erinnere. An wichtige Dinge wie… Und…

Ich denke, ich sollte schlafen. Aber wie mit so vielen Gedanken im Kopf? Ich beschließe, mir morgen Zeit zum Denken einzuräumen. Vielleicht während der Vorlesung, die ich nur besuche, um für beide Blöcke zu unterschreiben und nach dem ersten wieder zu gehen. Oder in der Bahn nach Potsdam und dann zurück. Ich verschiebe also das Denken und schlafe ein.

Zeit zur Selbstreflexion zu finden – manchmal ist das schwer. So bewusst genommen habe ich sie mir bisher selten. Aber jetzt habe ich Zugfahrten. Und die fülle ich wie jeden noch so kleinen Zeit-Slot meines Alltags mit den Dingen, für die ich durch das Pendeln und mein dreidimensionales Leben keine Zeit mehr habe. Warum also nicht mich selbst reflektieren beim Blick in mein Spiegelbild im Zugfenster?

Zwei Taschenuhren
Nimm dir Zeit, dich selbst zu reflektieren!

Warnungen


Gestern habe ich über das Denken nachgedacht – beziehungsweise das Nicht-Denken. Das Vergessen. Erst schaffe ich es trotz Terminweckers nicht, meine Miete pünktlich zu überweisen. Ich vergesse es einfach. Und werde erst darauf aufmerksam gemacht durch meine Mitbewohnerin. Zum Glück frühzeitig, sodass sich der Fehler schnell bereinigen lässt.

Wenige Tage später fällt mir etwas ein, das vorübergehend vollständig aus meinem Gedächtnis verschwunden sein muss. Schon der Blick auf die kleine „1“ hinter dem Namen des am seltensten genutzten meiner fünf E-Mail-Postfächer lässt mir das Blut in die Ohren schießen und mein Gesicht ganz heiß werden. Ich habe vergessen, dass ich einer fremden Person für das Wochenende einen Termin zugesichert habe, an dem sie mich als Interviewpartnerin für ihre Studie hätte befragen sollen. Es ist das zweite Mal, dass ich ihr eine Antwort schuldig geblieben bin. Nun habe ich das Vertrauen ihrerseits in meine Zuverlässigkeit völlig verloren. Und meinerseits? Muss ich an meinem Gedächtnis zweifeln, das mir eine so wichtige Information einfach vorenthält?

Ich muss mich zumindest gewarnt fühlen. Strahlte mein Herz gerade noch von lebhaften Erinnerungen an das Wochenende, ist es nun etwas in sich zusammengesunken. Im Augenblick der Bewusstwerdung meiner beiden Fehltritte in so kurzer Zeitfolge wird mir klar: Etwas ist nicht in Ordnung. Ich muss wieder besser auf mich achten. Mich wieder wahrnehmen. Denn ich tendiere dazu, mich selbst zu vergessen.

Eine Skulptur: Eine Frau beugt sich über die andere, küsst sie auf die Stirn, massiert ihren Kopf.
Nimm dich selbst wahr und tu dir etwas Gutes – oder lass Dir etwas Gutes tun. ;)

Körper


Ich brauche Warnungen von außen, die mich auf das Innen aufmerksam machen, wenn es verrückt zu spielen droht. Wie viele Menschen neige ich dazu, erst hinterher schlauer zu sein und zu wissen, was los gewesen ist. Stimmungen wie tote Leere oder grundlose Traurigkeit verspüre ich heute selten. Das ist einerseits ein gutes Zeichen: Ich weiß besser einzuschätzen, woher negative Gefühle kommen. Ich kann essen oder schlafen, wenn Hunger oder Müdigkeit schlechte Laune verursachen. Oder das Gefühl akzeptieren, wenn gerade keine Zeit zum Essen oder Schlafen ist, weil ich weiß, warum es da ist. Aber es ist auch so, dass ich Leere und Traurigkeit nicht immer zulasse – mangels Zeit oder weil ich schnelle Ablenkung finde. Das ist die Schattenseite, die es zu ergründen gilt. Stille herrscht im Außen selten, sodass das Innen nicht zu Wort kommt.

Die Zusammenhänge körperlicher Bedürfnisse und negativer Gefühle sind mir inzwischen bewusst; sie zu akzeptieren, fällt schwer. Ich finde es einfach ungerecht, dass der Mensch sich so viel vorstellen kann, aber in seinen Möglichkeiten so begrenzt ist – durch den Körper und natürlich durch viele andere Gegebenheiten. Mein Kunstprojekt, das ich für die Uni anzufertigen habe, wird sich mit Grenzen beschäftigen; den unsichtbaren. Kunst mit ziemlich viel Mathe. Der Technik sei Dank ist es mit nämlich möglich, Grenzen nachzubilden, die man weder sehen noch anfassen kann – vorausgesetzt, ich schaffe es ein zweites Mal, Vektorrechnung zu verstehen.

Ich bin abgekommen von meiner Selbstreflexion – wie auch mein Bewusstsein von einem Gedanken zum nächsten springt, ohne die entsprechenden Handlungsbefehle zu geben. Ist es das, was man unter einer Träumerin versteht?

Neblige Winterlandschaft mit Schnee und kahlen Bäumen.
Manchmal scheint alles verschwommen. Finde den Fokus!

Ablenkung vs. Fokus


Menschen lenken gerne ab, wenn es unangenehm wird. So sind wir, auch wenn wir uns nur vor uns selbst verantworten. Manchmal tut Ablenkung gut – wenn sie bewusst geschieht. Sich an einem schlechten Tag ins Bett zu legen und sinnlose YouTube-Videos anzuschauen, kann eine hervorragende Idee sein. Manchmal gebe ich vor mir selbst jedoch nicht zu, negative Gefühle zu verspüren. Oder – was häufiger der Fall ist – ich merke es einfach gar nicht. Und falle wie in Trance ins Bett vor den Laptop, um mich an algorithmischen Vorschlägen des Internets durch den Abend zu hangeln.

Auch körperlich merke ich manchmal, dass irgendetwas nicht stimmt, ohne es gefühlsmäßig wahrzunehmen. Vielleicht, weil mein Kopf mit den Herausforderungen des Alltags genug zu tun hat. Der Körper ist eben eine lebende Barriere, die auch Grenzen aufzeigt. Kopfschmerzen, Verspannungen, Schlafstörungen, Verdauungsprobleme oder Knieversagen – all das könnten Hinweise auf ein inneres Ungleichgewicht sein. Manchmal frage ich mich allerdings auch, ob ich nicht zu viele psychische Hintergründe in Körperdinge hineininterpretiere, um meine Arztphobie zu rechtfertigen. Jedenfalls verdient mein Innen Aufmerksamkeit, wenn es sich nicht gut fühlt.

Wenn ich nicht merke, dass etwas nicht in Ordnung ist, oder mir keine Zeit dafür nehme, führt das bisweilen zu seltsamen Situationen. Ich fühle mich gereizt und lasse das mitunter an Menschen aus, die mir gar nichts getan haben und mir eigentlich am Herzen liegen. Das will ich nicht und genau deshalb ist diese Selbstreflexion so wichtig. Den Fokus einmal auf sich selbst zu lenken, das Innen zu betrachten, die eigenen Handlungen der letzten Zeit zu hinterfragen und zu ergründen – das ist etwas, wofür wir alle uns hin und wieder Zeit und Raum nehmen sollten.

Ich fordere hiermit jede Person, die das hier liest, dazu auf: Gehe für zehn Minuten in dich, schalte alle Ablenkungsquellen ab. Ohne Musik; wenn du magst, auch ohne Licht. Respektiere die Gedanken, die da kommen, auch wenn sie unangenehm sind. Es ist wichtig, zu fokussieren und zuzuhören. In den überschlagenden Wellen des Arbeitslebens gerät das allzu oft in Vergessenheit.

Glitzer. 💖

Eine rosafarbene Rose vor grünem Hintergrund.
Blühe!

1 Kommentar:

  1. Hallo du Glitzermensch :)
    Schöne Worte hast du da gefunden für einen Teil des Zeit- Lebens- Dilemmas. Ich weiß mittlerweile, wie viele Dinge du so um die Ohren hast. Arbeit, Studium, Ferbeziehung und diese ganzen Aufgaben und Abgaben fürs Studium... das ist alles enorm viel. Da würde wohl jeder etwas vergessen... das ist wohl wirklich eines dieser Signale, wie du schon schreibst. Die Frage ist nur: Was kannst du tun?
    Ich persönlich habe es eine Zeit lang ganz gut geschafft, einmal pro Woche mit meinem Tagebuch und meinem Kalender in die Bücherei zu gehen und mir den Überblick zu behalten.

    Das hat mir gut geholfen, aber jeder macht das ja unterschiedlich. Irgendwie klingt es doch komisch, wenn du die klitzekleinen Zeitfenster, die du noch hast, damit zuzubringen, zu lernen oder anderweitig anstrengend zu nutzen. Gedanken bummeln klingt da gut.
    Vielleicht hilft auch, einmal am Tag 10 Minuten zu “meditieren“. Es quasi zu einer Gewohnheit zu machen...
    Diese Ablenkungsfreie Zeit, die du vorschlägst... würde ich auch gerne ausprobieren, wie das ist, wenn man das zu einer Gewohnheit macht...

    Naja. Es ist grade etwas komisch, dir hier wieder ausfürlicher zu schreiben, wo ich dich doch jetzt so viel besser kenne.
    Ich hab dich gern, und irgendwie fällt es mir schwer, das zu lesen, denn ich weiß um dieses Problem. Das keine-Zeit-nehmen-für-dich. Ich habe das ja auch, obwohl ich nur ungefähr die Hälfte von dem mache wie du...

    Wahrscheinlich sind es bewusste Entscheidungen, 10 Minuten sind ja wirklich nicht die Welt. Bewusst den Wecker 10 Minuten eher stellen (ja, das musste von MIR kommen :D)

    Die Entscheidung für dich. Selfcare und so...
    Und du sollst wissen, dass du auch mit mir reden kannst oder wir reden Abends mal weniger lange ... Wahrscheinlich skypst du genausogerne mit mir wie ich mit dir... aber manchmal muss man sich vielleicht doch für die Zeit mot sich selbst entscheiden.
    Aber das weißt du ja alles.

    Ich lasse dir Glitzer und eine Umarmung da. Wie immer :*

    Bis morgen,
    Deine Neva :*

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