Samstag, 11. März 2017

ich bin jetzt Wer

Ich kann kaum glauben, dass ich schon den dritten Punkt auf meiner Liste mit Zielen für 2017 abhake. Genau genommen geht damit einher bald schon der vierte. Zwar war klar, dass mindestens zwei dieser Punkte früh im Jahr erreicht sein würden. Trotzdem ist das ein komisches Gefühl aus Freude und Überforderung, weil plötzlich alles so schnell geht und die Zeit wieder einmal an mir vorbei rast. Und ich sehe ihr hinterher und gucke dumm. Wie so eine Fließbandarbeiterin komme ich mir vor, die mit geschultem Auge, doch teilnahmslos eine Aufgabe nach der anderen in rasender Geschwindigkeit erledigt.

Ich habe jetzt also einen Job. So einen richtigen. Dieses Mal werde ich ihn auch annehmen, sofern in den nächsten Tagen nicht noch irgendetwas Weltbewegendes passiert. Ab April werde ich meinen eigenen Lebensunterhalt schreibend selbst verdienen und - tada - finanziell unabhängig von meinen Eltern sein. Und das ist eigentlich das Wichtigste für den Anfang. Weiteres wird sich dann schon ergeben. Vielleicht liegt es an meiner Zuversicht, die ich im letzten Post geäußert habe. Mit einer positiven Einstellung mögen die Dinge besser gelingen, als mit blanker Panik und dem Gedanken, im Leben sowieso nichts auf die Reihe zu bringen. In meiner unterirdischen Stimmung vor dem Gespräch hätte ich allerdings nicht mit Erfolg gerechnet, aber zum Glück kann das bei mir schnell umschlagen.

Das mir eingetrichterte "Du bist nichts, Du kannst nichts" entzieht sich jedenfalls seiner Berechtigung. Wenn ich nichts könnte, hätte ich kein Abitur, keinen Bachelor und keinen Job. Wenn ich nichts könnte, hätte ich nichts. Ich kenne niemanden, der nichts kann. Jeder Mensch besitzt die eine oder andere Fähigkeit. Und ist jemand. Trotzdem habe ich den Impuls, zu sagen, dass es nichts besonderes ist. Dass ich nichts dafür getan habe, weil es sich nicht so anfühlt, als hätte ich. Naja, ich war (öfter mal) anwesend, ich habe die Klausuren und die Bachelorarbeit persönlich geschrieben, die Bewerbungen selbst verfasst... Vielleicht reicht das aus, um etwas getan zu haben, auch wenn es sich wie nichts anfühlt. Das Zeugnis ist noch nicht angekommen, aber die Online-Übersicht zeigt schon die Note. Das zumindest die Bachelorarbeit eine stolze 1 vor dem Komma trägt, hätte ich nicht gedacht...

Aber jetzt ist mal genug mit Angeben. Es ist mir fast unangenehm, über meine Erfolge zu sprechen. Irgendwie möchte ich mich sogar dafür entschuldigen. Anstrengend, wenn diese Klischee-Schwäche, die man in Vorstellungsgesprächen nicht erwähnen soll, tatsächlich zutrifft. Ich hätte noch besser sein können, verdammt.^^

Noch drei Wochen habe ich jetzt. Zu leben, frei und ausgeschlafen zu sein, jetzt sogar ohne den Bewerbungs- und Zukunftsstress. Irgendwie habe ich das Bedürfnis, diese Zeit zu nutzen, wofür, weiß ich aber selbst nicht so genau. Ich werde weiterhin nicht nichts tun, mit meinem Nebenjob will ich den April noch ein bisschen polstern. Aber ich frage mich, welche Dinge ich wohl vermissen werde. Nur bin ich mir nach der ganzen Zeit nicht mehr darüber bewusst, was mir in stressigen Zeiten fehlte... Ich weiß nicht, was ihr alle gerade macht. Aber falls Du arbeitest oder studierst: Was würdest Du machen, wenn Du jetzt drei Wochen (oder nur einen unerwarteten Tag) frei hättest? Reisen und alles, was hohe Ausgaben erfordert, einmal ausgeschlossen... Ich bin auf der Suche nach kleinen Dingen, die ich machen kann. So, wie ich meinen Trickfilm noch fertig bekommen möchte, mit meiner neuen Second-Hand-Kamera fotografieren gehen will oder vielleicht noch einmal mein Klavier betätigen werde, wenn niemand zu Hause ist. Außerdem habe ich vor, meine Schränke, Regale und den Schminktisch auszumisten und neu zu sortieren, aber das ist natürlich keine meiner favorisierten Beschäftigungen... Wie ich mich kenne, werde ich diese drei Wochen wieder ungenutzt und faul verstreichen lassen. Vielleicht muss es aber auch gar nichts Besonderes sein und es ist okay, einfach die Zeit abzuwarten. Ist es wirklich Zeitverschwendung, Zeit zu verschwenden?

Freiheit hinter Gittern

Kommentare:

  1. Na dann herzlichen Glückwunsch zum Job!
    Habe vor kurzem auch erst meinen Vertrag unterschrieben und darf im Mai anfangen. Das Gefühl ist einfach sooo erleichternd, wenn man ewig gesucht hat und dann endlich eine Stelle bekommt.
    Ich habe ein gutes Abitur und muss mir von meinen Kollegen ständig anhören "ey, die kann nichts." Ziemlich frustrierend aber es hat ja noch nicht einmal etwas mit dem Abschluss zu tun, sondern das Menschen ziemlich seltsame und miese Dinge sagen können.
    Ohja die zeit vergeht einfach so krass schnell. Wenn ich du wäre, würde ich die nächsten Wochen auch nicht viel anstellen. Ich habe es letztes Jahr nach meinem Abschluss genauso gemacht bevor ich meinen Teilzeit Job angetreten habe. Ich hatte selten die Gelegenheit danach wieder so faul zu sein.

    Alles liebe

    Claudia

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  2. Liebes ♡
    Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, dass deine Reise nach Berlin losging. Du hast so viel geschafft und ich freue mich mindestens genauso, dass du bald finanziell abhängig von deinen Eltern bist. Es wurde wirklich Zeit. Also ist es bald wirklich nur dein Leben. Weg von jeglicher Kontrolle dieser Menschen. Ich bin so stolz auf dich & du hoffentlich auch. Fühl dich umarmt!Auf das wir bald unser Spaghettieis essen.

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  3. Vielen Dank! Einen guten Start wünsche ich dir ebenfalls :)
    Zu deinem Kommentar:
    Bei mir ist es genauso. Mittlerweile würde ich mich noch nicht einmal mehr als Schüchtern beschreiben, obwohl ich es früher eindeutig war. Jedoch bin ich ziemlich zurückhaltend, auch gegenüber meinen Kollegen, die mich kaum kennen. Ich versuche weitläufig mein Privatleben außerhalb zu halten, weil ich mit diesen Menschen schon schlechte Erfahrungen gemacht haben. Außerdem bin ich ein kleiner Tollpatsch und habe ein Talent dafür mich in komische Sitautionen zu bringen :D Das führt dann wohl häufiger zu der Annahme, ich könne nichts, obwohl sich noch nie jemand über meine geleistete Arbeit beschwert hat.
    Ja, für mich ist es auch ein kleiner Triumph in zwei Monaten von dort wegzugehen, bin allerindgs froh dieses eine Jahr Auszeit genommen zu haben vor meiner Ausbildung im Herbst. Das Arbeitsleben ist doch etwas schwieriger als ich immer dachte bzw. die Mitmenschen erweisen sich teilweise als äußerst nervig :D

    Alles Liebe

    Claudia

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  4. Oh nein, Zeit zu "verschwenden" bzw. Langeweile zu haben ist ein wundervoller Luxus, den man sich gönnen sollte! Ein paar Tage nur seinen Impulsen zu folgen und auf die Art seine Bedürfnisse besser kennen zu lernen.
    Wenn es dann doch aktiv, aber bewusst und entspannend sein soll, kann ich sanftes Yoga nur empfehlen. Auch dabei hat man Zeit für sich, eine Auszeit aus dem Alltag, ist aber nicht so schwer auszuhalten wie "gar nichts tun".
    Viel Spaß jedenfalls in Deiner Freizeit.
    Und herzlichen Glückwunsch zu Abschluss und Job und Unabhängigkeit!

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  5. Ich hätte vielleicht einen Tipp für einen Tag:
    Fahr raus zur "Krummen Lanke" und finde den Weg zu diesem verträumten See im Wald. Spaziere drum herum. In meinen freien Phasen meiner Berlin Zeit bin ich immer dorthin gegangen und habe das gefunden was ich brauchte. Mal Ruhe, mal Abstand, mal Zeit für mich, mal Inspiration oder einfach die Umgebung genießen und die Atmosphäre in mich aufsaugen. :)

    Das würde ich machen, wenn ich es mir aussuchen dürfte und vielleicht kommend dir dort noch andere Ideen.

    Alles Liebe
    Fee <3

    P.S. Mega-Glitzer-Granateneinhorn Abschluss!!!! So wow!

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