Dienstag, 21. März 2017

Hinter trüben Scheiben

Hagelkörner verfangen sich in meinen nassen Haaren. Menschen rennen an mir vorbei, um sich vor dem Regenguss in Sicherheit zu bringen. Ich gehe weiter langsam durch die bald leergefegten Straßen. Es ist grau und düster an diesem Frühlingstag. Die dunkle Wolkenfront kommt näher und näher. Ich bin traurig in diesem Moment. Ob es so auch im Herzen meiner lebensmüden Freundin aussieht?

Das vierte oder fünfte kleine Mädchen an diesem Tag starrt mich fasziniert von der anderen Straßenseite aus an. Ich trage heute zu meinen bunten Haaren eine leuchtend pinke Strumpfhose und die Jacke mit den Blumen drauf. Ein Kind mit rosa Haarband hat sich immer wieder umgedreht, bis es außer Sichtweite war. Da saßen wir auf einer Bank, das Wetter war noch gut, und warteten noch unwissend auf die Absage des Geplanten. Die Ampel springt auf Grün, unsere Wege kreuzen sich und ich lächele auch dieses Mädchen freundlich an.

Eine weitere Straße gilt es noch zu überqueren, dann rette ich mich in den Supermarkt. Der Spiegel in der Gemüseabteilung zeigt ein hässliches Bild. Meine Haare sind an den Kopf geklatscht und fangen beim Trocknen an, sich zu locken. Der Lippenstift ist ein wenig verschmiert. Die stark geschminkten Augen sehen aus, als würden sie hier gar nicht hingehören. Meine Kassiererin duzt mich, so oft bin ich in letzter Zeit in diesem Laden. Was tut man auch, wenn man nichts zu tun hat?

Ich stehe immer noch im Außen. Das Glas wird trübe. Und ich stehe unsichtbar hinter der Scheibe. Was ich jetzt tun soll? Die ernüchternde Antwort ist nichts. Nicht viel zumindest. Ich kann da sein, doch was bringt das, wenn ich nicht gesehen werde? Hallo, mein Name ist Niemand. Niemand hört Dir zu. Niemand fragt nach Dir...

Menschen sind so unterschiedlich. Mein Lebenswille ist so stark, dass ich manchmal über ihn stolpere. Er bringt mich zu Fall, wenn ich in Situationen gerate, die mir das Gefühl geben, dass mein Leben nichts ist. Ich will so viel, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Trotzdem mache ich irgendwie weiter. Und das ist vielleicht besser als Aufhören. Zu atmen.


1 Kommentar:

  1. dankeschön übrigens! die glitzerumarmung halte ich mir fest. ich schick dir auch eine zurück!

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