Samstag, 10. September 2016

Welttag der Suizidprävention

*Huuuup*
Alle legen sich auf den Boden. Ich spüre das Pflaster im Rücken. Der Himmel ist hellblau. Und die Sonne strahlt und überblendet alles. Für den Fall, dass man nach dem Tod vielleicht doch in den Himmel kommt, schicke ich ein Lächeln nach oben. Hinter mir höre ich Leute lachen. "Willkommen zurück im Leben", sagt Achim Achilles ein paar Meter links von mir. Eine Frau, die ich später als Susanne Bormann identifiziere, reicht mir die Hand und zieht mich auf die Füße. Direkt neben mir steht Victoria van Violence. Schnell eilen sie weiter, helfen auf, bis wir alle wieder stehen. Applaus.

Was wir gerade gemacht haben, war symbolisch "tot" umzufallen für all die Menschen, die jedes Jahr durch Suizid sterben. Wir stehen da noch eine Weile rum und warten, damit alle ihre Fotos machen können, das Brandenburger Tor im Hintergrund. Das wars dann auch schon und ich mache mich davon. Schließlich hat es mich Überwindung gekostet, überhaupt herzukommen, so ganz allein. Meinen Schlafrhythmus konnte ich dabei auch gleich mal ein bisschen in Ordnung bringen. Und ich bin froh, dass ich da war.

Ich wollte sterben, als ich 14 war. Ärztinnen definierten meine Selbstverletzungen als Modeerscheinung. Sie will nur Aufmerksamkeit, dieses selbstsüchtige Stück Abschaum. Was wäre ich für ein schlechter Mensch, wenn ich weiterleben würde, dachte ich. Ich müsste doch die Menschen von der Qual erlösen, meine Anwesenheit ertragen zu müssen. Niemand will egoistische Idioten wie mich. Also... Ich wollte eigentlich nicht unbedingt tot sein. Es schien nur die einzige Möglichkeit, zu entkommen. Die Volljährigkeit kam mir unendlich weit weg vor. Und wer hätte wissen können, was bis dahin von mir noch übrig geblieben wäre? Ich war ja überzeugt davon, ein Mensch zweiter Klasse zu sein, der froh sein konnte, dass er überhaupt leben durfte. Ich glaubte an das, was alle zu mir sagten: Dass aus mir nie etwas werden würde. Warum also weitermachen? Ich sammelte alle möglichen Tabletten in einer Blechdose, bis ich 16 war. Ich hatte ein scharfes Messer in meiner Nachttischschublade. Aber ich traute mich nicht. Und jetzt bin ich froh darüber.

Nur weil man den Ausweg noch nicht kennt, heißt das nicht, dass es keinen gibt. Ich durfte es damals nicht benutzen, aber mittlerweile hat nun wirklich fast jeder Zugriff auf das Internet. Und da findet ihr so viele Möglichkeiten. Einige habe ich für euch auf einer neuen Blog-Seite zusammengestellt: Ihr findet sie unter dem Reiter Brauchst Du Hilfe?

Kommentare:

  1. Eine wichtige aktion, toll, dass du mitgemacht hast! Und danke, dass du dich so kümmerst.
    <3

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  2. Ich musste an früher denken beim Lesen. Das ist ein Post, den mein jüngeres Ich dringend gebraucht hätte. Danke, dass duihn geschrieben hast. :)
    Und ich hoffehoffehoffe, dass möglichst viele, die noch an einem Ort (scheinbar) ohne Ausweg sind, das lesen. (Und dass meine Schwester nie an diesen Ort kommt.)

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