Dienstag, 21. Juni 2016

Der Film in meinem Kopf

Langsam fällt die Zeit auseinander.

Meine Arme fühlen sich an wie schwerelos, weil ich 30 Liegestütze gemacht habe und 50 Situps und was man sonst noch so macht, im eigenen Zimmer auf dem staubigen Boden liegend. Es ist Monate, vielleicht sogar Jahre her, das sich sowas zum letzten Mal gemacht habe. Irgendwie müssen wir diesen Körper ja wieder zum Laufen bringen. Ich bin schließlich keine 100 Jahre alt. Und ich finde einfach nicht heraus, was das Problem ist. Ich habe brav eine Woche "Urlaub" gemacht, die Allergietabletten abgesetzt und Obst und Gemüse in mein Essen geschmissen. Heute fange ich wieder an zu arbeiten und meinen Praktikumsbericht zu schreiben, hier und da auszuhelfen, Buchseiten zu lesen, mein Blogprojekt weiterzuverfolgen und mir Gedanken über die Zukunft zu machen. Aufhören sollte ich damit, Serien, Dokus und YouTube zu schauen. Eigentlich ist es doch eine enorme Zeitverschwendung, sich in zwei Tagen 13 Folgen á 45-60 Minuten reinzuziehen. Die Ideen überschlagen sich in meinem Kopf, aber immer nur momenteweise, es fehlt mir an Ausdauer.

Den lieben Medien konnte ich mich auch in der "Urlaubswoche" nicht entziehen. Auch wenn ich den Laptop zu oft zu gerne aus dem Fenster schmeißen würde, und das Handy gleich hinterher, kann ich doch nicht aufhören zu lesen und mich zu ärgern oder entrüstet zu schnauben oder meinen Kopf die Tischplatte treffen lassen oder auch einfach nur zu schmunzeln. Manchmal muss ich auch - weinen. Ich würde normalerweise ja eher "heulen" schreiben. Aber ich heule ja nicht wie eine Wölfin und außerdem ist dieses Wort natürlich negativ besetzt, wobei ich es in der Regel auch so meine. Negativ.

Ich kann mir schwer erlauben, unglücklich zu sein. Oder verzweifelt oder ängstlich oder traurig oder niedergeschlagen. Auch wenn ich mir selbst Eis, Bett, Kuscheltier und Komödie verordne, dient das doch nur dem Verhindern, Vermeiden, Verscheuchen des Gefühls. Ans Aufschreiben denke ich oft, aber mache es selten. Wahrscheinlich sind schon ganze (Dreh)bücher in meinem Kopf verschwunden. Drehbuch schreibe ich, weil vieles meine Gedanken sehr bildlastig durchquert, und weil S. sagt, sie braucht eine "extrem kranke" Rolle für ihren schauspielerischen Durchbruch und sie mir die Erfindung einer solchen Figur scheinbar zutraut. Die Gedanken dazu haben nicht den Anspruch, realistisch zu sein, sie wandern nur so als Visionen mit im Hirn umher. Ich brauche nicht viel erfinden, um eine hoch dramatische Geschichte zu schreiben...

Dieses Jahr steht in den Medien viel zu lesen, was Erinnerungen aufweckt, die das Gedächtnis schon fast verlassen wollten. Darunter sind noch einige, die ich bisher mit keinem Menschen dieses Universums geteilt habe. Aber jetzt, da ich dieses wundersame "Leben danach" führe, scheint es mir zu spät, denn heute erwartet das niemand mehr. Heute wollen alle nur noch wissen, wie erfolgreich ich bin und was ich erreicht habe. Und es gibt da für viele kein akzeptables Zwischending: Entweder bist Du ein lebenslang leidendes Wrack, das es nicht geschafft hat, oder Du bist ein überraschendes Wunderwesen, das "trotzdem" sein Leben auf die Reihe kriegt. Ich fühle die Griffe der Schubladen im Rücken, während diese Schwarz-Weiß-Denker mich zu einer Entscheidung drängen, sonst suchen sie selbst eine aus und stopfen mich unumkehrbar hinein.

Ich sollte mich hinsetzen und diesen Film aufschreiben, aber ich habe Angst davor, die Bilder aus meinem Kopf zu lassen. Dabei bedeutet die Verschriftlichung ja noch lange nicht, dass dieser Film jemals gedreht wird oder irgendjemand das Skript liest. Schreiben hat schon immer befreit, also was soll schon geschehen? So ist das immer bei größeren Projekten, es fehlen Ausdauer, Geduld und Kraft. Überall fliegen Blätter, Zettel, Word-Dokumente und Notizbuchseiten voller Ideen herum...

Aber jetzt darf ich zunächst ein weiteres Mal meine heutige Arbeit, die mir soeben wieder einmal kommentarlos um die Ohren geknallt wurde, auf den obligatorischen Tippfehler untersuchen. Falls jemand eine Nebenjob-Empfehlung hat, vorzugsweise irgendwas mit Texten oder Korrigieren, ideal wären natürlich wenigstens ansatzweise menschliche Arbeitsbedingungen, dann her damit.

Glitzert gut in den Sommer, ihr Lieben ♥


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