Freitag, 20. Mai 2016

Von Lebensschwierigkeiten

TW: Bitte den 2. Absatz bei Problemen mit Berichterstattung á la "Köln" überspringen!

Es ist oft nicht leicht, in diesem Leben zu bestehen. Schon gar nicht ohne Tränen und frei von Angst. Das sehe ich, wenn ich die Liste meiner abonnierten Blogs rauf und runter scrolle und wenn ich Nachrichten lese, mich durch Zeitungen blättere und durch Newsticker klicke, jeder Morgen beginnt so früh.

[Und diese Woche begann mit "Sex-Angriffen" in der ersten Schlagzeile, die mir in Bezug auf den Karneval der Kulturen in Berlin begegnete. In meinem Kopf tauchte eine bildliche Vorstellung zu dieser Formulierung auf. Zum tatsächlichen Inhalt erinnerte ich die Hände des vermutlich "einheimischen" Diebes aus einer 2012er Frühlingsnacht auf meinem Hintern. Darüber hätte wohl niemand berichtet, und ob es damals schon die Funktion gab, beim Posten eines Links auf Facebook das eigentliche Beitragsbild durch ein Foto von Menschen ausländischer Herkunft zu ersetzen, weiß ich nicht... Jedenfalls zähle ich mindestens zehn Titel, Meldungen und Berichte, die mir an den ersten beiden Arbeitstagen dieser Woche begegneten, und ich bin halbwegs froh, dass ich mein Praktikum nicht eine Etage weiter unten bei dem Klatschblatt mache, das ähnlich sensationell aufbauschend titelte. So verspürte ich diese Woche zeitweise eine große Wut auf meinen Beruf...]

Jetzt ist Freitag und die Woche ist vorbei. Ein Abend und ein Tag, Freiheit. Und ich realisiere es nicht und kann die Anspannung nicht fallen lassen. Immer auf Hochtouren, immer die Zeit im Nacken, muss noch dies tun, muss noch das tun, muss noch heute, muss doch eigentlich noch mehr, ... Ich klebe am Bett fest, ich klebe auf dem Stuhl, ich klebe an den Badezimmerfliesen. Ich kann nicht, ich kann mich nicht bewegen, den Blick nicht abwenden von der Leere, ich ziehe und zerre an mir und versuche, die Worte zu fokussieren, statt verschwommenen Buchstabensalat anzustarren, muss tippen
ohne von einer der Klippen
zu kippen. 

Mir ist kalt, obwohl es draußen warm ist. Zitternd schleppe ich mich abends in die Wohnung. Stehe in der Küche mit einem Teller in der Hand, ohne zu wissen, was ich damit wollte. Muss mich darauf konzentrieren, nicht umzufallen und wegzudämmern, mir ist übel und ich habe eigentlich gar keinen Appetit. Ich stolpere über einen Rucksack leise fluchend im Flur. Noch so viele Wörter. Schreiben. Das war am Donnerstag. Als Stresstränen liefen, während ich hier vor dem Laptop saß.

Ich bin zu gestresst, um zu entspannen. Ich bin zu müde und im Alltag gefangen, um mich auf das bevorstehende Schöne zu freuen. Morgen wird vielleicht ein spannender Tag. Und irgendwo ganz hinten, verborgen unter anderem Gedankenschutt, glaube ich erste Anzeichen positiver Aufregung wahrzunehmen. Es geht immer schlimmer, aber wenn es sich fies anfühlt, fühlt es sich eben fies an, selbst wenn es sich um Komplexe wegen großer Füße handelt. Konzentrieren wir uns doch alle darauf, für bessere Gefühle zu sorgen, statt zu vergleichen, zu bewerten und zu verurteilen, was wir selbst vielleicht gar nicht erlebt haben. Wir leben in einer Welt, in der Wirtschaftlichkeit vor Leben geht. Kein Wunder, dass es schwer ist, hier zu bestehen.

Liebe und Glitzer für alle! ♥



 

Kommentare:

  1. Ich wünsche dir, dass du trotz all dem Stress und er schlechten letzten Tage, morgen einen guten und entspannten Tag genießen kannst. ♥

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  2. Du hast Recht, es ist immer schwer in dieser Welt zu bestehen. Das liegt aber nicht daran, weil das Schlecht das Gute so viel überwiegt, sondern eher daran, dass unsere Gesellschaft das Schlechte viel mehr in den Vordergrund zerrt D: Stress ist so unnötig, wer hat sich das eigentlich ausgedacht?! Ich weiß genau wie du dich fühlst... unter Druck weinen am PC sitzen und trotzdem nicht zu schaffen -.- Ich denke es geht vorüber, ich wünsche es dir jedenfalls vom ganzen Herzen. Du kannst das ♥

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  3. Dankeschöne für deinen ausführlichen Kommentar und dass du meine Unsicherheiten nachvollziehen kannst! Ich schätze das wirklich sehr an dir, dass deine Kommentare so durchdacht und persönlich sind ♥
    Diese Beratungsstelle bei der du bist, was genau ist das? Also wenn es nicht über die Krankenkasse läuft, wie wird es dann finanziert? Ist das sowas wie - ich kenn mich nicht so aus - psychologische Beratung (bspw. bei Caritas)?
    Und bist du zur Zeit eigentlich noch vegan?
    Ich wünsche dir alles Liebe :) ♥
    Deine Sirène

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  4. Liebe Lilly <3
    vielen Dank für deine Kommentare. Es hilft so deine lieben Worte zu lesen und zu wissen, dass ich meine Gedanken mit jemandem teilen kann. Im Moment fällt mir einfach alles so schwer. Lesen, antworten, leben, es tut mir leid. Ich hoffe du bist okay.
    Vielleicht bin ich mehr als das ja. Aber jeder Teil in mir scheint im Moment seinen eigenen Kampf ausfechten zu müssen und ich weiß nicht was ich tun soll..

    Alles Liebe,
    Lia

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  5. Hey,
    ach du mit dem Kurzfassen, also mich stört das nicht :)

    Ja ich folge ihr auf Instagram und ich war - ziemlich irritiert von der Sache mit dem Augenarzt... und generell, dieses ganze Thema wird heute immernoch so unglaublich vertuscht und in ein schlechtes Licht gerückt - mich verletzen solche Dinge wirklich.

    Das klang für mich ehrlich gesagt ziemlich gut, was du von dieser Einrichtung erzählt hast.. Allerdings gibt es ausgerechnet in meiner Umgebung keinen Sitz von ihr :( Aber trotzdem danke dass du mir das geschickt hast, es ist nie verkehrt das wenigstens im Hinterkopf zu haben!

    Also theoretisch bin ich noch vegan, allerdings kreuzt mir meine Mutter (und auch meine Essstörung) oft durch das Konzept

    Bis bald mal wieder :) ♥

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