Mittwoch, 2. März 2016

Vegan NACH Essstörung? - Teil #2

Mehr als 4 Monate ist es inzwischen her, dass ich mich für die vegane Lebensweise entschieden und dazu Teil 1 dieser Posting-Reihe geschrieben habe. Und seit fast 2 Jahren bin ich schon nicht mehr essgestört! Das ich es so lange schaffen würde (beides), hätte ich nicht gedacht. Wie ist es mir aber ergangen in der letzten Zeit? Davon möchte ich euch heute berichten.

nie ohne Schokolade ♥
Die vegane Lebensweise - Essen, Kleidung und Kosmetika betreffend - ist für mich so etwas wie Alltag geworden. Natürlich hört das Entdecken nicht auf. Dafür mache ich das noch nicht lange genug. Aber für mich ist es jetzt normal, Veganerin zu sein, und ich denke nicht mehr darüber nach, zur vegetarischen Ernährung zurück zu kehren. Ich habe viel ausprobiert, entdeckt, aber auch Routinen entwickelt. Ich weiß jetzt, welche Schokoladen wirklich schmecken, in welchen Restaurants ich als Veganerin nichts zu lachen habe (in Berlin ist das zum Glück nicht die Mehrheit) und dass veganer Käse fürchterlich schmeckt (was aber nicht soo schlimm ist (okay, manchmal doch, aber nur wenn meine Mitbewohner Pizza essen)). Schwierigkeiten gibt es eigentlich nur, wenn ich mich auf einer Party erklären muss. Aber selbst Weihnachtsessen und Plätzchen waren ohne Probleme drin - im Bauch.

Frühstückchen
Die Süßigkeiten-Abteilung ist verlockend, wenn die neue Veganz-Filiale quasi um die Ecke ist. Trotzdem habe ich das Gefühl, mich (für meine Verhältnisse!) gesünder zu ernähren - vor allem seit meine Home-Office-Zeit begonnen hat und ich mehr Zeit dafür habe. Frühstück macht für mich ohne hinein geschnippeltes Obst und die berühmten Chia-Samen, von denen ich dank meines letzten Praktikums einen Vorrat for free besitze, gar nicht mehr so viel Sinn. Aufs Brot kommt, wenn nicht schon Avocado drauf ist, immer noch Tomate oder Gurke oder Rucola oder sowas. Und ich bin ein großer Couscous-Salat-Fan geworden. Die Schokolade und Schokocreme vorbehaltene Ecke meines Schreibtischs existiert natürlich trotzdem noch. Gäbe es keine gute vegane Schoki, wäre ich keine Veganerin.^^ Vegan backen ist ebenfalls eine kleine feine Leidenschaft von mir. Kolleg*innen, Mitbewohner und Geburtstagskinder dürfen sich darüber freuen. Bisher hat noch niemand einen "veganen" Geschmack festgestellt.

Räuchertofu-Liebe
Nun, ein paar Kritikpunkte hätte ich dann doch. Und zwar betreffen sie die Inhalte der Medienpräsenz des Veganismus. Die sind nämlich nicht in allen Fällen ex-essgestörtenfreundlich. Zur Zeit bin ich etwas aktiver auf Instagram und besonders da schreckt mich der Gesundheits-, Fitness- und Abnehmwahn dezent ab. Nicht nur sowas wie #veganforfit, nein, den #veganforfat finde ich fast noch bescheuerter. Als ob ich jetzt fett werde, wenn ich einen Dinkel-Pfannkuchen mit Agavendicksaft esse. Bloß keinen Zucker essen! Warum? Zucker macht dick! oder Finger weg von Gluten! Warum? Gluten ist böse! Wer abnehmen möchte oder glutenunverträglich ist, bitte, auf mich trifft das nicht zu. Rohvegan hier, Basenfasten da. Hat alles seine Berechtigung. Aber wo finde ich einen Ernährungsstil, der nicht "super zum Abnehmen" oder "perfekt für den Muskelaufbau", sondern einfach nur "ganz normal" ist? Muss ich zwingend zur Super-Mega-Healthy-Queen werden, nur weil ich mich auf eine bestimmte (meinen ethischen Vorstellungen entsprechende) Weise ernähre? Es könnte so einfach sein, wenn es nicht so verkompliziert werden würde. Stinknormal essende Leute kann das doch nur abschrecken und Veganer*innen komisch finden lassen. Mich nervt es einfach tierisch, dass Essen nur im Zusammenhang mit Schlankheit und Fitness okay ist und Anerkennung erhält. Das ist nicht nur bescheuert, sondern widerspricht irgendwie auch dem, was Veganismus für mich bedeutet: Respekt gegenüber anderen Lebewesen.

Haarfarbe natürlich auch vegan
Ich kann also nur sagen: Gesellschaftlich und medial fördert vieles Essstörungen, vor allem wenn es um Ernährung geht. Leider. Darüber hilft nur die eigene Einstellung hinweg. Dem Druck gilt es standzuhalten. Wenn Du weißt, was Du willst und wer Du bist, kannst Du auch als Ex-Essgestörte*r vegan leben. Aber pass auf Dich auf.


Ich hoffe, dieser kleine Einblick hat euch Spaß gemacht.^^ 
Gibt es irgendetwas, das ihr zu dem Thema noch gerne wissen würdet? ♥


Kommentare:

  1. Hey :)
    danke für diesen interessanten Einblick!
    Ich hätte auch direkt ne Frage: welche Kosmetik kaufst du? Und welche Kleidung ist vegan bzw wo kann man das nachlesen?
    Ich bin gerade dabei, meine Pflegeprodukte nach und nach durch vegane Produkte zu ersetzen und hab zB rausgefunden, dass die Rossmann-Eigenmarke viel vegane Sachen im Sortiment hat... aber da wird's doch auch sicher noch mehr vegane, aber trotzdem erschwingliche Marken geben? Und bei Kleidung weiß ich leider gar nicht, was sicher vegan ist und wie ich das herausfinden kann. Wäre cool, wenn du dazu noch mal was schreiben könntest :)

    Alles Liebe,
    Kathi

    PS darf ich fragen wie du bei Insta heißt? Bin da nämlich auch schon eine Weile inzwischen ;)

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    1. Na klar hilft mir das weiter, vielen Dank für die ausführliche Anwort! :-*

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  2. <3

    Ich verstehe worauf du hinaus willst und deinen Text finde ich echt gut. :)

    Da ich da selbst auch irgendwie 'anfällig' für bin. Ohne konkret deswegen vegan leben zu wollen, aber es ist ja so verlockend. 'Einfach begab essen und man sieht automatisch aus wie ein Fitnessmodel. Gesund, vital, lebensfroh' ;)

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  3. Hubbs, am Handy aus versehen auf "Veröffentlichen" gekommen.

    Dass du das so durchziehst finde ich toll. Also beides. Den Veganismus und dass du die Essstörung so großartig überwunden hast. Das ist echt Vorbildhaft. <3

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  4. Liebe Lilly,
    ich finde es total interessant, dass du dich vegan ernährst und so gut damit klar kommst :) Und ich finde es toll, dass du dich schon seit 2 Jahren nicht mehr als essgestört bezeichnen würdest <3 das ist so ein riesen Erfolg :)
    Meine Ernährung liegt irgendwo zwischen vegetarisch und vegan und ich finde es auch sehr schade, dass gerade die vegane Ernährung so dazu benutzt wird einen Lifestyle und den perfekten Körper zu promoten. Für mich bedeutet meine Ernährung, dass ich das essen möchte, was gesund ist, was ich gerne esse und was mir und meinem Körper gut tut. Und dass ich so einige Gift- und Zusatzstoffe, und auch die Medikamente in einigen tierischen Produkten lieber nicht essen will. Und auch dass ich mir kein Recht heraus nehme, dass ich in meinen Augen nicht habe, wie zB dass ein Tier für mich getötet wird oder schrecklich leiden muss..
    Ich wünsche dir viel Freude weiter auf deinem Weg :)

    Vielen Dank für deinen Kommentar. Es ist interessant, wie ähnlich unsere Überlebesstrategien teilweise waren und ich wünschte keiner von uns hätte sie überhaupt erst entwickeln müssen. Aber ich denke auch, dass uns dieses Hinterfragen und Analysieren ein Stück weit gerettet hat.
    Bei mir hat damals auch niemand verstanden, wieso ich mich mit so vielen 'Erwachsenenthemen' beschäftigt habe.. aber ein Kind durfte ich ja eigentlich schon lange nicht mehr sein.

    Das mit deinem Praktikum klingt sehr interessant :) Ich hoffe du wirst genommen :) Das hättest du wirklich verdient!

    Danke für all deine lieben Worte. Ich hoffe auch, dass wir uns bald einmal wieder sehen können :)

    Alles Liebe,
    Lia


    P.S.: unsere Frühstücke sehen sehr ähnlich aus :) Meines besteht aus frisch geflocktem Getreide, verschiedenem Obst und Körnern :) Ich finde es toll dass du durch das Home Office Zeit hast, dich um dich um eine tolle Ernährung zu kümmern, mit der es dir gut geht :)

    P.P.S: coole Haarfarbe :)

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  5. Hey, danke, das ist leib von dir :D Und danke für deine Unterstützung zu thema Männer, vielleicht werden wir es nie verstehen^^
    Ja, genau das ist ja der Punkt, der mich besonders aufregt. Wenn mal ein Mensch nichts von DIS oder whatever gehört hat, sich nicht auskennt, okay. Passiert. Ich weiß auch nicht alles. Aber dann kann man mir doch zumindest zuhören und das, was ich sage ernstnehmen. Das wäre ja eigentlich das mindeste *seufz* naja, zum Glück ist das überstanden und ich bin erst mal wieder auf freiem Fuß^^

    ich find das total spannend, wie das mit Vegan und Ex-essstörung funktioniert, du scheinst das echt super zu machen. Und ich stimme dir zu, dieser Fitnesswahn, das ist oft schon Orthorexie und das ist auch krankhaft. Voll gut, dass du in dieser Umgebung auf dich aufpasst und dich nicht irgendwie verlierst.

    Hab nen superguten Start in die Woche, viel Erfolg und Spaß :D
    lg, Liv

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  6. Also, wenn ich das alles so lese, habe ich den Eindruck, es geht Euch eben doch hauptsächlich um Euren Lifestyle und weniger um die Achtung vor anderen Lebewesen. Oder engagiert sich jemand im Kampf um bessere Lebensbedingungen für Tiere? (Z. B. bei www.peta.de)Denn die meisten Menschen wollen nicht auf Fleisch verzichten. Es werden einige Tiere weniger leiden dank Eurer Konsequenz (immerhin!), aber für die restlichen Millionen gibt es keine Hoffnung.

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    1. Hättest Du meinen Text aufmerksam gelesen, wäre Dir vielleicht meine Kritik an ebendiesem Lifestyle und meine persönliche Intention, vegan zu leben, aufgefallen. Ich zitiere: "was Veganismus für mich bedeutet: Respekt gegenüber anderen Lebewesen".
      Was ich auch kritisiere, sind diese fürchterlichen Anfeindungen unter Veganern, die sicher nicht wenige davor zurückschrecken lassen, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen. Keiner von uns kann die Welt retten. Jede*r tut was er*sie kann und für richtig hält. "Missionierungsversuche" werden nie gelingen, wenn die Personen es nicht selber wollen. Du kannst niemanden zwingen und das ist auch gut so. Was ich auch nicht verstehe: Du willst am liebsten, dass alle Menschen vegan leben, oder? Aber Du verurteilst es, wenn sie es als Lifestyle tun, weil es gerade Trend ist? Ist doch piepegal warum sie vegan werden, hauptsache sie tragen dazu bei, dass es weniger Tierleid gibt, das wäre doch genauso in Deinem Sinne. Und das tun in meinen Augen auch Vegetarier oder Leute, die nur noch an Weihnachten Fleisch essen oder sich zumindest mal mit dem Thema beschäftigt haben und anschließend ihre selbstbestimmte Entscheidung getroffen haben. Für eine Person, die akut an einer Essstörung leidet z.B. wäre es vielleicht keine so gute Idee, zu der Zeit auf vegan umzustellen. Ich habe mir auch ein Jahr Zeit gelassen. Das ist ein sehr individueller Prozess und da gibt es in meinen Augen kein richtig oder falsch.

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    2. (Über PETA würde ich mich übrigens auch erstmal ein bisschen informieren... Stichwort massenhafte Tötung vermittelbarer Haustiere.)

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