Sonntag, 31. Januar 2016

Letzter Arbeitstag & Zukunft

Es ist also so weit. Mein letzter Arbeitstag ging am Freitagnachmittag zu Ende und seit gestern bin ich frei von allen Praktikumspflichten. Nächste Woche (hoffentlich) noch ein abschließendes Gespräch, in dem ich (hoffentlich) ein Praktikumszeugnis bekomme - ich bin da nicht ganz so zuversichtlich. Aber die Zeit von sechseinhalb Monaten in diesem Unternehmen ist vorbei. Gut so. Und seltsam. Ich brauche noch ein bisschen Zeit, das zu realisieren. So richtig hat das mein Kopf noch nicht gecheckt, dass morgen kein Aufstehen und ins Büro Fahren angesagt ist...

Und jetzt? Jetzt ist mein Kopf so voll dank der noch andauernden Metamorphose vom Roboter zurück zum Menschen, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Vielleicht mit den fixen Vorhaben für den Februar. Fünf Tage die Woche bis zu sechs Stunden arbeiten (ich schreibe jeden Tag eine festgelegte Anzahl von Wörtern, deshalb kommt es natürlich drauf an, wie schnell ich bin, aber ich habe das anhand meiner Erfahrungen ungefähr so ausgerechnet). Ein freier Tag wird auf den Samstag fallen, damit gegebenenfalls genug Zeit für die berühmten "sozialen Kontakte" da ist. Der zweite freie Tag wird ein flexibler Wochentag sein, der für Termine, Vorstellungsgespräche und andere Erledigungen Verwendung finden kann. Einmal im Monat ist ein zusätzlicher freier Tag möglich. Ich kann natürlich auch mal sechs Tage die Woche arbeiten, um mir freie Tage aufzusparen, falls ich mal krank werde oder sonst irgendwas dazwischen kommt. (Soweit der Plan.)

Die zur Verfügung stehende Freizeit möchte ich mit der Suche nach einem neuen Praktikumsplatz, beruflicher Selbstfindung (-suche?) und Weiterbildung in Eigenregie verbringen. Letzteres meint Bücher und Blogs lesen, das Weltgeschehen intensiver verfolgen und beobachten, was andere in dem Berufsfeld, in dem ich eventuell mal landen werde, so anstellen. Denn nach meiner praxisorientierten Ausbildung (Studium kann man das wirklich nur auf dem Papier nennen) fühle ich mich vor allem was so grundlegendes Allgemeinwissen angeht irgendwie ungebildet und unbelesen.

Soviel zu meiner Idealvorstellung des nächsten Monats. Voraussetzung für die Umsetzung ist, dass dieser Plan auch aufgeht, bevor mich das Home Office in die Deppression treibt. Um dem ein wenig entgegen zu lenken, nehme ich mir hiermit öffentlich vor, jede Woche kurz aufzuzählen, was ich in den jeweiligen 7 Tagen geschafft habe (und was nicht). Im Samstagspost, falls es euch interessiert, ansonsten irgendwo am Rand.^^



Kommen wir vom langweiligen Strukturenwahnsinn zu den gedanklichen Dauerbrennern. (Liest noch jemand mit oder schlaft ihr schon?^^)  Da wäre zum einen die allumfassende Frage, die vielleicht eine Nummer zu groß für mich ist, was ich mit meinem Leben jetzt anfangen will. Da schießen verschiedene Ideen und viele frustrierende Ergebnisse bisheriger Erfahrungen in meinen Kopf. Ich erinnere mich daran, wie ich das früher gesehen habe, als ich noch zur Schule ging, und was ich damals später mal werden wollte. Klar, zu Zeiten, in denen ich noch klein genug war, um in Freundebücher zu schreiben, wollte ich Kinderbuchautorin oder Sängerin werden.

Ab etwa meinem 12. Lebensjahr sind dann weniger schemenhafte Erinnerungen verfügbar. Ich weiß, ich wollte später immer gern genau die Person für andere sein, die ich in der jeweiligen Situation selbst gebraucht hätte. Beispielsweise wollte ich eine ganze Zeit lang gerne Lehrerin werden. Eine verständnisvolle, sensible Lehrerin, die Strenge nicht mit Machtausübung verwechselt und ihre Schüler nicht runtermacht oder bloßstellt. Das hätte sich auch mit der Musik vereinbaren lassen, die während meines Internatslebens im Mittelpunkt stand. Später, nach der radikalen Veränderung meiner Lebenssituation 2010, wollte ich in Richtung Soziale Arbeit steuern. Das ist näher am Menschen als Lehrerin, dachte ich. Da kannst Du wirklich was ausrichten und Menschen helfen. Ich sah mich mit Meinungen konfrontiert, die mir dringend davon abrieten, nicht zuletzt aufgrund des finanziellen Aspekts und weil das doch nicht akademisch genug sei.

Schließlich befand ich mich in der Situation, mich so langsam enscheiden zu müssen, 12. Klasse, ein halbes Jahr vor den Abi-Prüfungen. Da dachte ich dann, dass so ein normaler Job nicht zu mir passen würde, ich etwas Extravaganteres brauchte. Ich würde ja mein ganzes Leben lang in dem Job arbeiten müssen, für den ich mich entschied. Als Sozialarbeiterin bist Du letztlich auch nur eine kleine Angestellte, die nichts zu sagen hat, geschweige denn irgendetwas verändern kann. Dazu braucht es schließlich Aufmerksamkeit. Und wie bereits in einem anderen Post erwähnt glaubte ich, als Journalistin Personen und Sachverhalten, denen ich Aufmerksamkeit wünsche, eine Stimme geben zu können.

Nicht zuletzt profitierte ich ja selbst von Medien, bei meinen Versuchen der Selbstfindung, und wurde durch sie darauf aufmerksam, dass sich mein Gefühl in verschiedenen Situationen auch durch andere bestätigen ließ. In der Kinder-Nachrichtensendung logo erfuhr ich beispielsweise, dass Kinder Rechte haben und dass es eigentlich nicht erlaubt ist, Kindern Gewalt anzutun und sie wie Gebrauchsgegenstände zu behandeln. Das dann in entsprechender Situation zu äußern, war temporär vielleicht keine gute Idee, aber es hat mich wohl ein Stückchen besser durch die Zeit gebracht. Ein anderes Mal brachte meine Schwester aus ihrer Schule (in meiner privaten christlichen gab es sowas nicht) einen Stapel Aufklärungs-Broschüren mit. Eines der Heftchen war grün und die Lektüre, die ich mir im Bad eingeschlossen heimlich zu Gemüte führte, vermittelte mir, dass ich nicht völlig geistesgestört war und bin.

Das sind also alles sehr persönliche Dinge, die mich zu den verschiedenen Berufsideen bewegten. Denn ich bin ja eine Person und zwar 24/7. Am liebsten hätte ich eine Mischung aus allen drei Komponenten. Ich würde gerne mein (leider einziges^^) Talent, ganz passabel schreiben zu können, in irgendeinem Medienberuf anwenden, dabei aber nicht in Unterhaltung und Käseblättern á la Bild rumdümpeln, sondern irgendwo zwischen gesellschaftlichen und sozialen Themen, und vielleicht wenn ich älter bin, an irgendeiner Privathochschule, die wie meine keine großen Anforderungen an ihre Honorar-Dozenten stellt, einer lehrenden Tätigkeit nachgehen, und nebenbei natürlich ein paar Bücher (ähm, Bestseller, haha) schreiben. Also, vielleicht. Vielleicht will/werde ich auch etwas ganz anderes. Oder irgenwelche nicht vorhandenen Möglichkeiten machen mir eine Strich durch die Rechung. Wer weiß das schon? Jedenfalls hört sich das halbwegs plausibel und meiner bisher eingeschlagenen Richtung entsprechend an...

Und jedenfalls wird der Rest, den ich für diesen Post geplant habe, bevor er leicht ausuferte, folgen. Euch wünsche ich einen glitzernden Start in die Woche - wer bis hier unten hin gelesen hat, darf sich einen (auf Wunsch kalorienfreien) Keks abholen. ♥




Kommentare:

  1. Liebe Lilly,
    das ist sehr sehr stark von dir. Und gerade bewundere ich dich ein bisschen dafür, dass du nun komplett dein eigener Herr bist.
    Du wirst deinen Weg finden, da bin ich mir sicher!

    Hast du übrigens meine Einladung für meinen Blog erhalten?
    Liebe Grüsse
    Emilia

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  2. Danke für den Keks ^-^
    Ich hoffe echt, dass du deine Praktikumsbescheinigung bekommst, das ist er dir echt schuldig.
    Als Sozialarbeiter verdient man übrigens um einiges besser und sicherer als als Unidozent xD Die Arbeitsbedingungen für Wissenschaftliche Mitarbeiter und Dozenten sind absolut katastrophal. Eine meiner Dozentinnen erzählte kürzlich, dass sie in ca. 8 Jahren an der Uni um die 25 Verträge hatte, oft nur für drei(!) Monate! wtf? Mein Freund ist ja Sozialarbeiter und verdient immerhin ca. 3000 Brutto. Nicht die Welt, aber man lebt davon auch nicht so schlecht. Bla. Ich hör jetzt mal auf mit dem Gespamme ^-^

    Und ich komme doch auch endlich mal dazu, deine Kommentare zu beantworten... Erstmal danke für den Award, ich hab mich echt gefreut :)

    Ja, schick mir den Artikel/Link/whatever zu dem Berufswahldings gerne, ist bestimmt interessant!

    Aber in Berlin müsste es doch so einige interessante Unternehmen geben, vielleicht musst du noch ein bisschen suchen. Kennst du Leidmedien.de? Ich glaube, die sitzen in Berlin. Vielleicht kann man bei denen auch ein Praktikum machen. Ist auf jeden Fall etwas mit Medien in Verbindung mit Sozialem, also evtl. für dich interessant.

    Nee, ich hab bisher keine Ahnung, was ich machen will. Wahrscheinlich schiebe ich das erstmal noch auf, bis ich den Abschluss hab und bewerbe mich dann auch erstmal auf Praktika.

    Oah ja, ich hab mich auch ziemlich aufgeregt über die Dozentin -.- Aber in der Situation war ich leider ziemlich sprachlos und hab mich kaum getraut, irgendwas dagegen zu sagen. Der Behindertenbeauftragte war aber sehr cool :) Den Bescheid, dass die Umwandlung der Prüfungsform vom Prüfungsausschuss bewilligt wurde, hab ich inzwischen auch, also soviel dazu.

    Und danke für deine Rückmeldung zu dem Schulpost :) Ich meinte mich zu erinnern, dass du dazu auch schonmal was auf deinem Blog geschrieben hast - also zu der Sache mit dem Krankenhaus, dem Rektor, dem Schulpsychologen usw, kam mir jedenfalls bekannt vor. Das mit der Schuluntersuchung war ja auch ein Hammer. Wozu sind Schuluntersuchungen denn bitte da. Ich finde, da müsste sich so viel ändern, es wird so viel weggesehen und Lehrer sind ja eigentlich in einer guten Position, weil sie ihre Schüler ständig sehen und durch die Schulpflicht ja auch (fast?) alle Kinder von Lehrern gesehen werden.

    Ich schicke dir eine liebe Umarmung ♥

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  3. Ach, mir ist gerade eingefallen, dass ich deine erste Awardfrage nach schönen Worten für deine Sammlung noch beantworten wollte: Kennst du "Brötchenwatte"? Das ist das Weiche innen im Brötchen. Ich finde das Wort so treffend und schön :)

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  4. Meine Lillyfee ♥
    Es freut mich, dass dir meine Antworten gefallen haben :3
    Ich bin mir sicher, dass du es schaffen wirst, dir nicht mehr zwischenreden zu lassen. Es ist DEIN Leben, dass du leben solltest wie DU es willst und da hat niemand was zu bestimmen außer DIR. Ne Zeitung hat etwa solche Zeiten ... aber du wirst sicher schon was finden ;)
    Was man jetzt auch auf diesen Post beziehen kann. Du schaffst das. Optimistisch in die Zukunft sehen ist der erste Schritt Richtung "glitzer schöne Zukunft" :*

    Lillyfee, du hast unglaublich bewegende Worte gefunden. Ich danke dir dafür, dass du sie mir geschenkt hast. Ich werde sie aufheben und mir vorhalten wenn ich schwanke.
    Allerdings... hängt es in diesem einen Fall nicht nur von meinen Erfahrungen ab.

    Ich umarme zurück und lasse nicht mehr los
    Lovelyfee ♥

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  5. Wir sollten das mal echt zum Trend machen :D

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  6. Wie sich jetzt alle Sozialarbeiter angegriffen fühlen ^^ du kennst den Beruf doch gar nicht.

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    1. Was meinst Du damit? Ich habe sicher nicht beabsichtigt, irgendwen anzugreifen. Es war eine Überlegung, und ich habe mich später für etwas anderes entschieden. Die klischeehaften Einwände kamen von anderen Leuten. Und Du hast recht, ich "kenne" Sozialarbeiter*innen hauptsächlich aus der Sicht als Klientin. Also, es tut mir leid, wenn ich etwas falsch dargestellt habe. :)
      Liebe Grüße,
      Lucia

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    2. Ich meinte den Abschnitt, wo du sagst dass Sozialarbeiter selbst nur kleine angestellte seien und nichts wirklich verändern könnten. Das hat mich tief getroffen, denn ich sehe täglich wie viel unsere Klienten von uns bzw meiner Arbeit profitieren. Wir konnten Leute aus dem letzten dreckloch ziehen und ihnen obdach, essen und insgesamt ein normales Leben ermöglichen. Mit Sicherheit hat man nicht überall etwas zu sagen, aber mit dem richtigen Team ist diese Arbeit etwas unglaublich befriedigendes und bewirkt (zumindest individuell) mehr, als es ein Journalist zb schaffen könnte.

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    3. Das verstehe ich. Dann muss ich aber doch nochmal klarstellen, dass das nicht meine Meinung ist, das war vllt unglücklich ausgedrückt. Aber als eine Person, die selbst von der Arbeit von Sozialarbeitern profitierte, gibt es nichts, was mich diesen Beruf abwerten ließe, was gäbe mir dazu auch das Recht? Vor drei Jahren habe ich diese Aussagen und Meinungen vielfach zu hören bekommen, verinnerlicht und mir eingeredet, dass sie die Gründe wären, aus denen ich etwas anderes machte. Letztlich war es aber eine persönliche und individuelle Entscheidung. Und mit 18/19 war ich einfach auch noch recht unerfahren und naiv. Nachdem ich Journalismus studiert habe, weiß ich auch mehr und kann das besser einschätzen, so wie Du als Sozialarbeiterin natürlich besser über den Beruf bescheid weißt, als ich. Und genau deswegen muss Dich das nicht treffen - du weißt, dass ich keine Ahnung habe, oder? Na dann gib doch nichts auf meine Meinung von vor drei Jahren, die ich hier nur wiedergeben wollte, und das meine ich ernst.
      Mach weiter so. Was du tust, ist wichtig.

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  7. oh ich hasse sowas. meistens vergesse ich dann leider auch etwas zu schreiben.
    am ende des abends, als er mir das gesagt hat, war es dann irgendwann nur noch die ehm-hexe. :D
    ohja, der arme geldbeutel. und leider wird es nicht besser, denn man will danach einfach immer mehr.
    der student ist ja bis dienstag da, dann beschwere ich mich nicht. :3
    hoffe dir geht es auch gut. und irgendwie beneide ich dich um deinen letzten arbeitstag :o bei mir dauerts noch eeeeewig.
    ih habe das gefühl, chemie ist das einzige, indem ich annähernd etwas kann. aber selbst da bin ich wahrscheinlich noch durchschnittlich :o

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