Dienstag, 1. Dezember 2015

Krank & Gefordert

Da meine Erkältung sich auszubreiten scheint und dazu die üblichen "Frauenprobleme" in besonderer Härte (wie ein Messer im Bauch, das sich laaangsam dreht...) kamen, habe ich mir zwei Tage "gesund werden" genommen. Man sieht es mir wohl auch an, mein Gesicht muss die Farbe der Wand angenommen haben. Eigentlich wäre ich heute wieder ins Büro gegangen und hätte mich eben mit Tee zugekippt. Aber irgendwie brauchte ich noch einen Tag und wenn es nach mir ginge, dürften es noch ein paar weitere sein. So läuft das natürlich nicht. Gestern schon rief mein Chef an, warum denn kein Facebook-Post kam, das kann man ja auch vom Bett aus machen, wo er natürlich recht hat, und was ich heute von zu Hause aus machen sollte, wenn ich mich fühle, aber das werde ich bestimmt, sagte er mir auch. Ich hab eine Mail beantwortet, da kamen gleich ganz viele. Schon in Ordnung, es muss ja gemacht werden, seh ich ein. Man kriegt eben nie den Kopf frei davon, kann nicht abschalten von der Arbeit. Social Media sind ja überall und wenn Du mal nicht erreichbar bist, denken sie, es ist sonst was passiert. Ich bin ja auch immer zuverlässig, aber gestern hatte ich den Laptop etwa 1,5 Stunden lang an, um "Das Singende Klingende Bäumchen" anzuschauen.

Tja, vielleicht bin ich einfach zu weich. Zu emotional, wie mein Chef gerne sagt. Jeder hat seine Landkarte. Und meine ist eben "ganz anders" als seine. "Du bist eben auch eine Frau, du nimmst das automatisch persönlicher. Da brauchst Du gar nicht so zu gucken, das ist erwiesenermaßen einfach so." Was ist eigentlich der Unterschied zwischen persönlich nehmen und nicht persönlich nehmen? Ich mache mir über alles meine Gedanken. Das ist doch nicht zwingend negativ.

Darüber wollte ich eigentlich gar nicht schreiben.

Mein anderer Chef hat mein Honorar erhöht. Es sind nur wenige Euro, die es am Ende des Monats mehr sein werden. Im Gegenzug erwartet er, dass ich mehr schreibe. Noch mehr. Der eine Chef will, dass ich den anderen Job aufgebe. Der andere Chef will, dass ich mehr Zeit in den anderen Job investiere. Ich will den anderen Job behalten, aber ich weiß nicht wie ich es schaffen soll, in beiden Jobs mehr zu arbeiten, wo ich doch schon damit zu kämpfen habe, mir einen Tag in der Woche, der 7-Tage-Woche, frei zu nehmen. Die Arbeit an sich ist dabei weniger das Problem als das ständige Reißen an meinen Nerven. Der Chef würde es mangelnde Kritikfähigkeit nennen. Ich weiß nicht, ob das die richtige Bezeichnung ist, nachdem er mich mindestens einmal die Woche fertig macht, um mir im Anschluss zu sagen: "Was ist denn Dein Problem, Du leistest doch die beste Arbeit von allen!" Kannst Du Dich bitte mal entscheiden?! Man weiß nämlich nie, ob als nächstes ein "Hä?! Das ist doch mega einfach, ich krieg das in 2 Minuten hin, wieso weißt Du denn wieder nicht wie das geht?" oder eine nicht-cholerische Aussage kommt. Dabei muss man bedenken: Ich habe noch nie so lange am Stück so viel in einem richtigen Unternehmen gearbeitet und ich bin Praktikantin, mache aber einen Vollzeitjob und bin für drei komplette Themenbereiche verantwortlich, wobei ich von zwei dieser Bereiche absolut keine Ahnung habe, weil ich die entsprechenden Vorkenntnisse nicht besitze, und zwar aus dem Grund, dass ich weder Marketing noch BWL studiert habe, und alles, was ich inzwischen weiß, ist selbst angeeignetes Halbwissen. Das ist keine Rechtfertigung, sondern die Ursache dafür, dass ich manche Sachen nicht wissen kann, aber wenn ich nachfrage, werde ich für blöd erklärt. Aber ich kann damit leben. Ich kann damit leben und werde es schaffen, morgen aufzustehen, zehn Minuten vor Arbeitsbeginn im Büro zu sitzen, emotionslos zu sein und meine Klappe zu halten. Ich muss mich nur mal kurz aufregen, mir alles von der Seele reden, dazu ist dieser Blog schließlich da, und mich anschließend selbst beruhigen, indem ich mit beruhigenden Sätzen schließe. Letztendlich bin ich ja nur eine Frau, die ihre Tage hat. Zumindest für meinen Chef und die nächsten drei bis sechs Monate. Danach trage ich diesen Lebensabschnitt in meinen Lebenslauf ein und habe eine Chance mehr für einen netteren Job. Immer schön positiv denken und damit das ausgelaugte Gefühl überdecken.

Lasst euch von niemandem ärgern, passt gut auf euch auf und glitzert. ♥


Kommentare:

  1. "Lasst euch von niemandem ärgern." Das passt gerade so gut zu meiner Situation... Danke!
    Weshalb hast du denn zwei Chefs? Ach ist der eine von deinem Nebenjob und der andere von deinem Praktikum, wegen des Studiums?
    Und ja, das wollte ich auch noch loswerden. Wenn du krank bist, bist du krank. Das hat doch niemanden zu interessieren, warum du krank bist oder warum du nicht arbeiten kannst. Wenn du krank bist, bist du krank und da brauchen die auch nicht von dir erwarten, dass du von zu Hause noch arbeitest!
    Alles Liebe und fühl dich ganz lieb gedrückt! ♥
    Deine Luca

    AntwortenLöschen
  2. Oah. Mit sowas, was dein Chef da veranstaltet, kann ich ja überhaupt nicht umgehen :/ Würde mich auch sehr stressen...
    Gute Besserung wünsch ich dir.

    AntwortenLöschen

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung (https://www.elfentrauma.de/p/datenschutzerklarung.html) und in der Datenschutzerklärung von Google (https://policies.google.com/privacy).