Sonntag, 8. November 2015

Problemorientiert vs. Lösungsorientiert

Der Titel verrät es bereits: Dieser Post handelt von Problemen. Und Lösungen. Und davon, inwiefern diese beiden Begriffe tatsächlich zusammenhängen. Auf den ersten Blick scheint es ganz logisch: Nicht aus dem Nichts, sondern aus verschiedenen Gründen entstehen Probleme, denen Lösungen folgen, damit die Gleichung am Ende Null ergibt. So zumindest der Idealfall. Früher oder später
bekommst Du es mit Soft Skills zu tun und dann bist Du bestenfalls lösungsorientiert, im schlechteren Fall konzentrierst Du Dich mehr auf Probleme. Das Wort "problemorientiert" verwendet mein Chef häufig in Zusammenhang mit einer Kollegin von mir. Mich scheint er da anders einzuschätzen. Das wirft bei mir natürlich die Frage auf, was ich nun bin - problem- oder lösungsorientiert? Denn ich bin es gewohnt in Sachen Softskills eher schlecht abzuschneiden. Das war schon in der Schule so. Dieser schreckliche Abschnitt des Zeugnisses, in dem Verhalten und Mitarbeit in Worten vermerkt waren... Verhalten war immer sehr gut, aber der Rest... Reden wir nicht darüber.^^

Aus aktuellem Anlass kann ich wohl vermerken, dass sich seit der Schulzeit doch so einiges verändert hat. Und sogar im Vergleich zum letzten Jahr! Aus Dummheit und Vergesslichkeit geriet ich letzte Woche wieder einmal in eine unglückliche finanzielle Situation. Ich hatte vergessen, meine aktuelle Studienbescheinigung für meinen Studienkredit einzureichen. Da ich mich in dem Onlineportal noch nie vorher angemeldet und somit auch versäumt hatte, dort meine neue Adresse anzugeben, erhielt ich dazu keine Erinnerung und auch keine Vorwarnung bezüglich des Ausbleibens der Zahlungen. Erst der zufällige Blick auf meinen Kontostand führte zu großen Augen und Schockstarre. Die Zeiten des Minus waren doch eigentlich vorbei. Wie ich reagierte? Ich durchsuchte meine sämtlichen unsortierten Unterlagen nach der PIN, loggte mich in das Onlineportal ein, hinterlegte meine neue Adresse, rief am nächsten Tag dort an, klärte das Problem telefonisch, druckte die notwendigen Papiere aus und warf noch am selben Abend die Studienbescheinung in den Briefkasten. Klingt nach einer logischen Handlung? Noch vor einem Jahr hätte ich mich depressiv verkrochen und wäre in Selbstmitleid ertrunken mit der Gewissheit, es im Leben nicht zu schaffen, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen oder nach der Benutzung des Druckers zu fragen. Und nein, meine Reaktion von letzter Woche war nicht so einfach, wie sie sich hier liest. Gefühlt starb ich tausend Tode, während ich 20 Minuten lang in der Warteschleife hing. Schwitzen, Zittern und das Gefühl von in den Adern gefrierendem Blut mit inbegriffen. Aber: Ich lebe noch. Und das Problem sollte sich innerhalb der nächsten Woche in Luft auflösen...

Was will ich damit sagen? Vielleicht, dass die Lösung als logische Konsequenz eines Problems keine Selbstverständlichkeit ist. Sie verbirgt sich häufig hinter einem wild verstrickten Chaos aus Ängsten, Vorbehalten und schlechten Erfahrungen. Manchmal ist diese Verstrickung so schwer zu entwirren, dass die Lösung nie zum Vorschein kommt. Manchmal steht sie aber auch gut sichtbar hinter einer Wand aus unkaputtbarem Panzerglas. Dann weißt Du eigentlich ganz genau, was zu tun ist, aber Du kommst nicht ran an die Lösung. Das ist natürlich frustrierend. Also gibst Du Dich auf und lässt Dir ein brühheißes Selbstmitleids-Bad mit extra Schaum ein.

Es gibt jedoch etwas, das noch stärker ist als bis zur Verzweifelung verstrickte Gedankenknoten und Panzerglas. Und das ist die persönliche Einstellung. Du kannst Dir zehn Millionen Gedanken über Dein Problem / Deine Dummheit / wasauchimmer machen, davon wird es nicht besser. Selbst wenn Du nur darauf wartest, dass sich das Problem von selbst löst, ist das hilfreicher. Denn je mehr Gedanken Du Dir machst, umso größer werden die Probleme und umso mehr Knoten und Glaswände stellen sich Dir in den Weg. "Einfach machen" ist nicht einfach, aber möglich. Auch für Dich! Wenn Du etwas wirklich willst, dann wirst Du es auch schaffen. Darauf musst Du einfach mal vertrauen und den Mut fassen ins meiner Erfahrung nach wirklich beschissen kalte Wasser zu springen. Aber es lohnt sich. Das Vertrauen darauf, dass schon alles gut werden wird, ist eine bewundernswerte Fähigkeit. Diese Gelassenheit entwirrt die verknotetsten Gedanken und lässt selbst Panzerglaswände einstürzen.

Ich würde nicht von mir sagen, dass mein Selbst-Vertrauen bereits zur Gelassenheit ausgereift ist. Da ist, denke ich, noch viel viel Potenzial. Aber objektiv betrachtet hat sich da schon etwas getan. Und zwar ganz ohne müssen und zwingen. "Das Leben ist ja keine einzige Verhaltenstherapie." Scheinbar entwickeln sich einige Lösungen tatsächlich mit der Zeit. Vielleicht sind es meine bisherigen Erfahrungen, die mir sagen, dass es immer irgendwie weiter geht. Womöglich bin ich deshalb in Stress- und Extrem-Situationen so gelassen, während ich mir den Rest der Zeit selbst viel zu viele Gedanken mache, weil ich die Arroganz besitzen darf, zu sagen: "Natürlich schaffen wir das!", wenn sich mein Gegenüber schon unter der Brücke schlafen sieht, weil es sich nicht ausreichend auf die bevorstehende Prüfung vorbereitet hat.

Nun glitzert euch den Sonntagabend feenzauberbunt und habt einen schicken Start in die Woche! ♥

*Inspiriert von Z und C.


Kommentare:

  1. Kennst du das, wenn du einerseits denkst, es sei viel Zeit vergangen, andererseits aber auch ... nicht? Ich hab dich vermisst.

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