Sonntag, 15. November 2015

Gedanken aus der Kleinstadt

Ich bin wieder in der sächsischen Kleinstadt. Schon seit Donnerstag. Es ist ein bisschen langweilig hier. Im Gegensatz zur Kleinstadt sind die Zimmer unserer Unterkunft groß. Wir haben eine Etage des Hauses für uns, S. und ich. Eine große Küche, ein großes Bad, große Betten... Gerade kam noch ein weiterer Gast, der mit uns an der Akademie in Berlin studiert hat. Ich habe ihn aber noch nie gesehen, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Er wohnt oben im Dachgeschoss. Sinn macht die Zeit hier nicht. Die Pflichtveranstaltungen nahmen jeweils höchstens eine halbe Studen ein. In den nächsten zwei Tagen dürfen wir uns zwei Vorträge aussuchen, die wir uns anhören und in englischer Sprache protokollieren müssen. Ein paar davon sind ganz interessant und wir haben uns etwa sechs heraus gepickt, die wir hören wollen. Am Donnerstag müssen wir eine mündliche Präsentation halten und am Freitag schreiben wir eine Prüfung, für die uns die Dozenten schon eine Liste mit Fragen gegeben haben, von denen einige dran kommen. Anspruchsvoll ist das nicht. Eher fühlt es sich nach Beschäftigungstherapie an. Das ist ätzend.

Ich fotografiere mein Essen, erledige ein bisschen Arbeit, um ein Uhr nachts schaltet sich das WLAN
ab und wir haben nicht mal ein Kartenspiel, um die Langeweile zu vertreiben. Mir fallen reihenweise nützlichere Dinge ein, die ich machen könnte, wenn ich hier nicht festsäße. Es ist nur eine Woche, nur fünf Tage noch, dann geht es schnell zurück in die Großstadt. Berlin verwöhnt. Die langen Öffnungszeiten der Supermärkte, immer sind Menschen unterwegs, nie trifft man auf leere Straßen oder gähnendes Nichtstun oder spießerisches Kleinbürgertum. Wir sitzen hier, lesen die Nachrichten, liegen quer auf dem viel zu großen Bett, schauen Filme, kochen, lernen, lesen und warten. Warten darauf, dass es weiter geht. Das Leben. Aber das Leben ist manchmal gruselig.

Wir denken darüber nach, wie klein der Kosmos ist, in dem wir uns befinden. Erinnern uns an die Geschichten aus unserer Kindheit, in denen immer die Guten siegten. Sie haben uns Märchen erzählt. Doch es ist an uns, das beste daraus zu machen. Aus dem Leben, das so schnell vorbei sein kann. Es ist an uns, das Leben zu feiern, statt Unheil zu fürchten. Das Unheil kommt so oder so - und Angst ist seine Lieblingsspeise. Die stärksten Menschen sind diejenigen, die trotzdem leben. Die sich der Sinnlosigkeit entgegen stellen. Trotz dass es manchmal bescheuert ist, auf der Welt zu sein. Dieser Welt. Sie ist irgendwie seltsam. Und groß. So groß, dass wir gar nicht erfassen können, was auf ihr alles los ist.

In mir regt sich der Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun. Etwas, das sinnvoller ist, als möglichst viel Shit zu verkaufen, den sowieso niemand braucht. Denn so scheint es in diesem Teil der Welt zu laufen. Profit gehört zu den höchsten Gütern. Ob das wirklich alles ist, darüber lässt sich streiten. Denn Geld ist zunächst einmal eine Lebensgrundlage. Ohne geht nichts. Gar nichts. Aber vielleicht geht mehr, als das. Ich möchte mehr tun. Etwas mit Mehrwert. Mehr Wert als Geld ihn hat. Deshalb fühle ich mich dezent nutzlos, wie ich hier in diesem aufgestylten Zimmer mit den in perfekter Symmetrie aufgehängten Bildern hocke und nichts tun kann. Nichts als mit meiner Glitzeraugen-Eule um die Wette glitzern.

Glitzert mit für alle, die das glitzern verlernt haben. ♥

Kommentare:

  1. Ja, da fragt man sich so ein bisschen, wie glitzert man, wenn man wie du in einer Kleinstadt feststeckt und nichts zu tun hat, und auch, wie glitzert man, wenn es unglaublich stressig ist und man sich nun mehr von einer Aufgabe zur nächsten hangelt? Ich habe erstmal deinen glitzer-Button gedrückt, in der Hoffnung, bei dir kommt was an!
    LG, Neva

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  2. Liebe Lilly,
    auf Gefahr hin, dass du es persönlich nimmst, aber dennoch bin ich für Selbstreflektion!

    Frage: Verhältst du dich gerade so, wie du es bei deinen Barbie-Kommilitoninnen mit weissem Ikea-Zimmer immer anprangerst? Ist dieses Schimpfen und sich Beschweren über die Kleinstadt nicht gerade das, was man als Spiessbürgertum in umgekehrter Form nennt? Ist es nicht furchtbar verwöhnt und schnöselig, wenn man nichts anzufangen weiss, weil man ein paar Tage ohne Berlin leben muss?

    Ich weiss, provokante Fragen. Aber das ist mir bei deinen letzten paar Posts so durch den Kopf gefangen. Klar, dein Kurs nervt, alle sind genervt davon, aber ich kann dir versichern, es gibt kein einziges Studium auf dieser Welt, bei dem du ständig FUN schreist. Du wirst immer etwas tun müssen, dass unsinnig und doof erscheint. Augen zu und durch!

    Ich meine das wirklich nicht böse, sondern mehr so: "Ist das, was ich grade schreibe, nicht das, was ich sonst lächerlich finde und als verwöhnt und Papa-zahlt-Studenten bezeichne?"

    Dann mach doch was Sinnvolles! Wir haben das Internet. Nie konnte man schneller mehr Menschen erreichen als heute:)

    Liebe Grüsse
    Emilia

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    1. Liebe Emilia,
      danke für Deinen ehrlichen Kommentar. Ich antworte hier, für alle, die vielleicht denselben Gedanken hatten. Ich schreibe doch im Text: Berlin verwöhnt. Und das tut es, das tut dieses ganze halbwegs sichere Leben in einem wohlhabenden Land. Deshalb hast Du recht, wenn Du sagst, dass es verwöhnt und schnöselig ist, es nicht ohne das, was einen verwöhnt, leben zu können oder - besser - zu wollen. Vielleicht ist das nicht so gut rüber gekommen, aber genau das meinte ich, als ich "Berlin verwöhnt" schrieb.

      Was ich aber sagen muss: Ich finde Du übertreibst. Vielleicht übertreibe ich auch in meinen Posts und es kommt tatsächlich so rüber, aber ich prangere die "Barbie-Kommilitonen" nicht an. Ich kann mich bloß nicht mit ihnen identifizieren und sehe manche Dinge, die sie tun, eher kritisch. Das heißt aber nicht, dass ich sie deswegen verurteile oder sonst irgendwas gegen sie hätte. Ich hoffe, für so menschenfeindlich hältst Du mich nicht.^^

      Was ich noch sagen möchte: Wenn ich etwas doof und sinnlos finde, werde ich das ausdrücken, hier, auf meinem persönlichen Blog. Weil ich es so empfinde. Und Empfindungen sind etwas sehr individuelles, das kein Außenstehender beurteilen kann. Manchmal erscheinen kleine Dinge schnell ganz groß und umgekehrt und manchmal ändert sich die eigene Meinung. Das darfst Du gerne lächerlich finden, denn das ist Deine Empfindung. :)

      Keine Sorge, ich werde mich darum bemühen, etwas Sinnvolles zu tun. Aber häufig sind zuvor erst einmal zahlreiche sinnfreie Hindernisse zu überwinden.

      Ich nehme Dir nichts von dem, was Du geschrieben hast böse, sondern freue mich über den Austausch.

      Alles Liebe

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    2. Hey:)
      nö, für einen Menschenverachter halte ich dich nicht^^
      Es geht ja gar nicht datum, ob etwas lächerloch ist oder nicht, denn das ist, wie du ja beschreibst, immer subjektiv. Ich wollte dir eher kurz den Spiegel vorhalten und fragen, ob du dir darüber im Klaren ist, wie der Leser das lesen kann. Das ist dir bewusst, also alles gut:)

      Was genau verstehst du denn unter etwas Sinnvolles tun? Schwebt dir da etwas vor? Das würde mich mal interessieren, was du gerne machen würdest...

      Liebe Grüsse
      Emilia

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  3. Ich weiß nicht, Mehrwert klingt irgendwie auch nach Profit. Alles muss sich rechnen. Was wirklich sinnvoll ist, kann ich auch nicht sagen, das muss wohl jeder für sich selbst herausfinden. Vielleicht schenken? Etwas, das nichts kostet. Aufmerksamkeit, Zuwendung, Liebe, wo das möglich ist. Kannst Du mir erklären, warum Glitzer für Dich so wichtig ist? ich meine das nicht abwertend, ich möchte es bloß gern wissen.
    Liebe Grüße
    Li

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    1. Das kommt immer darauf an, für wen etwas einen Mehrwert hat. (Bei meiner Arbeit geht es häufig um einen Mehrwert für den Kunden. Und das muss nicht immer Geld sein. Das sind beispielweise Informationen in einem redaktionellen Artikel.) Werte sind nicht gleich Profit, meiner Meinung nach. Und Mehrwert kann auch bedeutet, sowas wie Aufmerksamkeit zu schenken.

      Was es mit dem Glitzer auf sich hat? :D Ursprünglich habe ich z.B. von den Glitzer-Girlies gesprochen, mit denen ich mich nicht so wirklich identifizieren kann. Und irgendwie ist dann so etwas wie mein eigener Glitzer daraus geworden. Also eigentlich ist es nur ein Wortspiel, eine Metapher oder so ähnlich. Glitzer bedeutet für mich einfach ein gutes, warmes, schönes, helfendes, aufmunterndes, mutmachendes, positives Gefühl, das sich so weit wie möglich verbreiten sollte. :)

      Liebe Grüße

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    2. Danke für Deine Antwort. Mehrwert ist zwar ein Begriff aus der Ökonomie (s.a. Wikipedia), aber so kann man ihn auch interpretieren. Und Glitzer habe ich immer eher als etwas Kaltes empfunden - außer dem, den die Sonne hervorruft, wenn sie Wasser oder Schnee glitzern lässt. Aber warum nicht einmal die Sprache gegen den Strich bürsten, das hält sie lebendig. In diesem Sinne wünsche ich Dir ganz viel Sonne -
      Li
      PS: Lass doch einfach das "so etwas wie" weg.

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  4. Es ist stimmt schon, Großstadt verwöhnt, ich habe das auch schon gemerkt. Von einer Großstadt in eine Kleinstadt, deswegen bin ich die ersten Semester so viel zwischen meiner Heimatgroßstadt und meiner Studienkleinstadt hin und her gependelt. Ich kann das irgendwie ganz gut nachvollziehen, es ist eine andere Welt, wieder in einer Kleinstadt zu wohnen, aber irgendwann gewöhnt man sich dran. Auch wenn es nicht immer meins sein wird, aber man lernt, das positive da rauszuziehen ;)
    saludos de México
    maría

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  5. Meine liebe Lillyfee,
    du darfst mir immer immer immer Glitzer schicken. Danke für deine ermutigenden Worte. Halte die Zeit dort durch, es ist ja nicht auf Dauer. Ich bin hier, falls dir all zu langweilig wird ;)
    Fühl dich umarmt,
    deine Lovelyfee

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