Montag, 5. Oktober 2015

Zukunftsmusik

"Hallo. Schönen Feierabend!"
"Danke, Ihnen auch."
"Danke!"

So müsste es doch eigentlich ablaufen auf dem Flur eines Bürogebäudes. So einfach. Stattdessen bleibe ich so lange auf dem Klo sitzen, bis die Stimmen draußen verstummen. Darüber denke ich nach, während ich allein in unserem Mini-Kleinraum-Büro sitze und darauf warte, dass die anderen vom Rauchen wiederkommen. Eigentlich habe ich schon seit einer halben Stunde "Feierabend". Aber wann bin ich schon jemals pünktlich weggekommen? Außer, wenn ein Termin bei Z anstand. Da ich oder jemand anderes sie wohl mit dieser fiesen Erkältung, die gerade im Umlauf ist, angesteckt hat,  musste dieser heute leider ausfallen. Irgendwie auch okay so. Kein Gehetze, kein S-Bahn-Bange-Spiel. Heute Morgen war es komisch, wieder hier zu sein. Nach vier Stunden Schlaf aus dem Bett zu kriechen und "Wenn ich zu spät komme, reißt er mir den Kopf ab" zu denken.

Nun, mein Kopf ist noch dran. Eine ganze Stunde später als geplant stöckele ich in Richtung S-Bahn. Mein rechtes Knie tut ein bisschen weh. Die einzig deutliche körperlich spürbare Erinnerung an mein Elternhaus. Gestern hatte sie ihren fünften "Jahrestag", womit sich gleichzeitig der Zeitpunkt jährt, an dem ich all dem den Rücken kehrte. Ich bin ein wenig erschrocken darüber, dass seitdem so viel Zeit vergangen ist. Doch meine "Move On & Don't Look Back"-Playlist lässt mich nach vorne blicken.
"Am Donnerstag besprechen wir mal Deine Zukunft", sagte mein Chef zur Verabschiedung im Fahrstuhl. Tja. Die nahe Zukunft ist mir eigentlich schon klar. Nach meinem Monat im Kuhkaff, der für mein Studium noch nötig ist, werde ich meine drei Monate Pflichtpraktikum weiter dort machen, wo ich jetzt arbeite. Nur eben vielleicht ein ganz kleines bisschen bezahlt. Das wäre hilfreich. Und was dann ist, das weiß ich noch nicht. Aber vielleicht muss ich das auch gar nicht. Am Ende dieser Zeit wird sich eine neue ergeben. Fast wie von selbst. Aber nur fast...

Ich war übrigens nicht absichtlich plötzlich verschwunden. Den Dienstag und Mittwoch war ich wieder ganz normal ganz viel arbeiten. Und am Donnerstag, mittags, schickte mich mein Chef nach Hause, weil ich eher weniger geistig anwesend war. Da habe ich mich in mein Bett gelegt und quasi bis Samstag geschlafen, war eben einfach krank. Samstag Abend musste ich aber wieder ein bisschen fit sein, denn S. feierte ihren Geburtstag. Dieses Jahr hatte ich ein etwas netteres Geschenk, weil die gemütliche WG-Party nicht ganz so spontan war, wie es die Aktionen von S. normalerweise sind. Es war ein schöner Abend. Länger, viel länger als geplant - eigentlich wollte ich mich noch schonen. Aber bis auf den üblichen Spießrutenlauf, den jede hinter sich bringen muss, die nicht angemacht werden möchte, hatte ich Spaß. Auf der Rückfahrt kam ich noch in ein interessantes Gespräch mit dem Freund von S. Schwester - so interessant, wie ein betrunkenes Gespräch eben sein kann. Nun bin ich zwar immer noch nicht wirklich gesund, weniger, als möglich gewesen, wäre ich zu Hause geblieben, aber ich war unter Menschen und das ... ist gut so, wenn es bei der vielen Arbeit ohnehin zur Seltenheit wird.

Die krankheitsbedingte Unterbrechung meines Work-Flows kam abrupt. Aber sie war wohl notwendig und erholsam. Ich bin trotzdem froh, wieder unter den Lebenden zu weilen.^^
Heute habe ich mir endlich einen - viel zu teuren - Block buntes Tonzeichenpapier und einen Block weißes Zeichenpapier gekauft. Um Entscheidungen zu treffen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals auf die Methoden zurückgreifen würde, die ich in der Therapie so gehasst und verweigert habe. Aber ich mache das ja auch ganz anders, nämlich auf meine Weise. Mit meinem eigenen System, das ich mir noch ausdenken muss. Also, Frau Therapeutin, falls Sie das jemals lesen sollten ... war es vielleicht doch nicht ganz umsonst, mit mir.

Und ihr, was habt ihr so gemacht? Hattet ihr ein schönes Wochenende? Mit den Kommentaren versuche ich hinterher zu kommen, sobald ich Zeit habe, also irgendwann zwischendurch. Aber sie kommen noch. :)

Um mit einem positiven Zitat zu enden:
"Bist Du schon fertig?!"
"Jep."
"Du schreibst ja richtig schnell."
"Das liegt daran, dass ich es gewohnt bin, auf  Zeitdruck zu schreiben."
"Ach ja stimmt. Aber Du schreibst auch echt gut!"

Juhu, ich kann was! Ja, dazu darf ruhig jede Menschenseele ab und zu mal stehen. Dass sie was kann. Weil nämlich jeder was kann. Meine Finger flitzen über die Tasten und sind wohl wesentlich trainierter als der Rest von mir. Und noch was kann ich und das könnt ihr alle: Glitzern. :)

Lasst es euch gut gehen! ♥



1 Kommentar:

  1. Hey Lilly.
    Schön, dass es dir wieder besser geht, und guuuut, dass du auf diesem Geburtstag warst.
    Ich mag deine Glitzer-Sprüche :-) Lass dich nicht ärgern und ja. Liebe Grüße. Ich lass dir mal eine Umarmung da.
    LG

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