Dienstag, 27. Oktober 2015

Frustration? Jetzt schon?

Gerade bin ich etwas frustriert. Die sächsische Kleinstadt hat etwas. Sie ist hübsch, ruhig, gemütlich, bergig und dörflich. Für eine Auszeit vom Alltag sicherlich gut zu gebrauchen. Die Sonne schien, als ich mich heute am frühen Morgen zu einem Spaziergang auf der Suche nach Kaffee und etwas zu essen machte. Trotzdem fühlte ich mich dezent angestarrt mit meinen lila-pinken Haaren und dem klappernden Schuhwerk. Nun, das ist vielleicht Gewöhnungssache. In der Großstadt falle ich kein bisschen auf. Hier sind die Straßen meist menschenleer, durch die ich mit gewohnt schnellem Schritt donnere. Uns allen ist es aufgefallen: Die Zeit vergeht langsamer hier. Ich bin zwar auch in keiner besonders großen Stadt aufgewachsen. Aber dort kannte nicht jeder jeden und  man grüßte sich nicht auf der Straße. Hier ist das anders. "Sie sind an der Hochschule?", fragte mich meine Hotel-Wirtin. "Schreiben Sie eine Prüfung nach?" Ich antwortete, dass ich meine Präsenzphase hätte, aber die erste Woche nur drei Tage lang wäre, weshalb ich am Mittwoch wieder nach Hause führe...

... und da kommen wir direkt zum Grund meiner Frustration: Die Pflichtveranstaltung für morgen wurde auf den kommenden Freitag verschoben. Zudem ist die warum auch immer verpflichtende Bibliotheksführung statt Mittwoch am nächsten Dienstag, also in der Woche, die ich eigentlich nicht hier verbringen wollte, weil keine Pflichtveranstaltungen für diese Zeit angedacht waren. Das wirft meine Planung natürlich völlig über den Haufen. Am Donnerstag habe ich wichtige Termine in Berlin. Den Freitags-Termin mit meinem Chef musste ich auch auf diesen Tag vorverlegen. Aber am Freitag muss ich um 9.45 Uhr wieder hier aufschlagen. Eine weitere Nacht im Hotel kann ich mir nicht leisten und das Hin- und Herfahren eigentlich auch nicht. Teilweise kann ich glücklicherweise mit Kommilitonen im Auto mitfahren, die aber selbstverständlich auch Benzin-Geld erhalten. Am Freitag Morgen habe ich quasi keine andere Möglichkeit, als mit dem Zug zu fahren, denn eine Fernbushaltestelle gibt es in diesem kleinen Ort nicht und so früh fährt auch keiner los. Weil ich auf den neuen Monat immer noch etwas warten muss, wird es mit dem Geld jetzt so richtig knapp. Alles, was ich mir in den letzten drei bis vier Monaten zurückgelegt habe, ist nur für diese Präsenzphase verbraucht. Zusätzlich muss ich auch noch einmal extra Studiengebühren für zwei ganze Semester an der Hochschule hier bezahlen, obwohl ich nicht einmal vier Wochen da bin. Und das kommt zu den Gebühren für die Akademie in Berlin noch hinzu! Ich frage mich wirklich, ob ich mit meinem Studium nicht einfach nur in eine fiese Abzocke-Falle getappt bin. Das, was ich in den letzten zwei Jahren gelernt habe, ist auf keinen Fall so viel Geld wert!!

Ja. Ich muss diesen Frust einfach mal rauslassen. Die meisten meiner Kommilitonen hatten wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben Geldsorgen. Sie verstehen einfach nicht, wieso S. und ich nur zu den Pflichtveranstaltungen kommen und damit das Bestehen unserer Prüfungen aufs Spiel setzen (was nicht so schlimm ist, weil man ja drei Versuche hat). Sie verstehen auch nicht, warum ich neben dem Studium noch mit zwei Jobs jongliere. Aber ich kann es mir nicht leisten, überteuerte Unterkunft und Fahrten für dieses Kuhkaff zu bezahlen und gleichzeitig einen ganzen Monat lang nicht zu arbeiten. Allein dafür, dass ich die Hälfte der Zeit hier verbringe, zahle ich über 300 Euro. Es ärgert mich so sehr, dass es wahrscheinlich noch mehr wird. Und wenn ich Pech habe, darf ich im März nochmal hier antanzen, weil ich garantiert keine schriftliche Prüfung auf Englisch bestehen werde. Oder hätte ich die letzten zwei Jahre noch in Englisch-Kurse investieren müssen? Weil ich durch meine ganzen Schulwechsel und Probleme in der Schule hinterhergehinkt bin? Klar, ich hätte ja ins Ausland gehen können - klar, das kann sich ja auch jeder leisten und traut sich jeder zu. Nicht.

Ich will nicht wie eine doofe alte Meckertante klingen. Aber das ließ sich wohl gerade nicht vermeiden. Geld ist ja nicht alles und so. Nur ist es manchmal frustrierend zu sehen, wie leicht es andere finanziell haben - womit ich nicht sagen will, dass es denen automatisch besser geht und sie besser klar kommen, keinesfalls kann ich das einschätzen! Aber ich denke, es wäre entlastend, sich nicht schon während Schulzeit und Ausbildung so viele Gedanken um Geld machen zu müssen. Herauszufinden, was man eigentlich will, ohne den Druck zu haben, möglichst schnell unabhängig zu sein und sich selbst finanzieren zu können. Wenn Geld nicht die erste Priorität und das wichtigste Argument bei jeder Entscheidung ist, bleibt viel mehr Zeit, Mensch zu sein. Doch das sind Luxus-Gedanken. Wie viele Menschen es gibt, die noch viel weniger haben als ich. Ich habe ein Dach über dem Kopf. Ich bin dazu fähig, zu arbeiten. Ich mache bald meinen Abschluss. Ich habe einen jederzeit verfügbaren Internet-Anschluss, der mir sowohl die Arbeit als auch das Ausüben eines Hobbys ermöglicht. Ich habe genug zu Essen und sogar die Möglichkeit, mir Kosmetikartikel und Haarfärbemittel und manchmal auch Klamotten zu kaufen, mit denen ich mein Äußeres gestalten kann. Ab und zu kann ich es mir leisten, mit Freunden auszugehen. Damit darf ich zufrieden sein. Es sind die selbstverständlich scheinenden Dinge, die in Gesellschaft von Menschen, die mehr haben, als man selbst, leicht untergehen. Vielleicht ist es besser, wenn wir mehr danach schauen, wer wir sind, als danach, was wir haben. Dann lässt sich leichter damit umgehen, was andere von uns wollen.


Mit diesem Gedanken entlasse ich euch aus meinem kleinen Frustrations-Anfall, weil ich jetzt zur Uni muss. Und hoffe auf bessere Tage und darauf, dass ihr euch besser fühlt als ich. Genießt die Sonne, falls sie auch bei euch so schön scheint, geht ein bisschen raus und genießt die Herbstluft. Links noch das von Mademoiselle Verte gewünschte Haar-Foto. Ich schicke euch wie immer eine Prise Glitzer dazu. ♥

Kommentare:

  1. Wem sagst du das. Ich versteh zwar nicht so ganz, ob du ein ganz normales Studium wie ich absolvierst oder ob das etwas anderes ist. Bzw ich studiere eh etwas was im Vergleich zu anderen Studiengängen komplett anders ist aber ich bin auch eine von denjenigen, die etwas für ihr Geld machen muss und keinen Papi hat, der alles bezahlen kann. Ich war anfangs sehr sehr oft frustriert und bin es auch häufig noch, vor allem weil einen auch keine Kommilitonen verstehen, weil kaum jemand solche Probleme hat haha. Da darf man sich ab und zu dann schon was anhören. Ich befinde mich gerade z.B im Auslandssemester und viele hier sind an jedem Wochenende am Rumreisen und machen dies und das und kaufen sich hier und da 100 Sachen und ich kann es aber einfach nicht machen und will auch gar nicht so viel Geld ausgeben. Mal jemanden zu finden, der das versteht, ist echt schwierig. Aber glaub mir, wenn du gut mitmachst und durchhältst dann wird sich das Studium für dich lohnen, du lernst ja was dabei und studieren heißt ja auch, dass man selbst lernen muss :) Und dann bringt es dir auf lange Sicht gesehen mal mehr Geld ein und dann kannst du alles nachholen! :)

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  2. Liebste L.

    Schande über mich.
    Du hast mir so viele liebe Worte zu kommen lassen, ich hab über Facebook dein "vegan Projekt" verfolgt ( was ich übrigens toll finde :) ) und schaue jeden tag auf deinem Blog vorbei und trotzdem habe ich es nicht geschafft dir zu schreiben.
    Tut mir leid.
    Wie gesagt, ich danke dir wirklich für deine Worte.
    Du hast recht....Wir kennen uns nun 2,5 Jahre.
    Wo ist die Zeit bloß hin? Wir haben aber wirklich viel erreicht.
    Vorallem du und du glaubst gar nicht wie sehr ich mich für dich freue.
    Wie stolz ich auf dich bin.
    Hättest du vor 2,5 Jahren daran geglaubt,dass du heute da bist wo du bist?
    Ganz ehrlich? Ich wusste,dass du alles erreichen kannst/wirst was du willst.
    Ich war mir so so sicher <3

    Und Frust rauslassen muss ja auch mal sein :)
    Deine Haarfarbe ist übrigens der Hammer!

    Ganz viel Glitzer für dich <3

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  3. Vielen Dank meine Süße <3
    Es ist so schön, etwas von dir zu lesen :)
    Das war wirklich eine sehr verwirrende Begegnung. Ich war froh, gestern noch darüber schreiben zu können..
    Ich hab dich lieb <3
    Deine Lia

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