Sonntag, 25. Oktober 2015

Entspanntes Nachdenken am Sonntag

Ich bin überraschend entspannt heute. Was ich zu tun hatte, ging mir leicht von der Hand. Das waren ein Text und zwei Artikel, die ich schreiben musste, ein Haarfärbe-Unfall, den ich retten musste, ein Bad, das ich anschließend putzen musste, und ein Rucksack, den ich packen musste. Endlich schenkte mir die Zeit tatsächlich eine Stunde mehr für diesen Tag. Die habe ich gebraucht.

Vielleicht ist es die Ruhe vor dem Sturm. Denn morgen fahre ich in das Kuhkaff, in dem ich noch einmal vier Wochen lang studieren und drei Prüfungen schreiben muss. Erst einmal sind es nur zwei Nächte, die ich dort in einem Hotel verbringe, weil Donnerstag und Freitag frei sind. Ob ich in der Woche danach hinfahre, muss ich mir noch überlegen. Sie beinhaltet keine Pflichtveranstaltungen und außerdem habe ich erst die Woche darauf wieder eine Unterkunft, die ich mir mit S. teile. Das war auch so eine Hau-Ruck-Aktion. Vor einer Woche trafen wir uns und stellten fest, dass wir beide immer noch nichts gefunden hatten. Und dann schauten wir noch einmal intensiv jede für die andere mit und S. fand glückicherweise etwas, das wir beide bezahlen können. Mit dem Geld ist es nämlich auch wieder knapp. Mein Konto ist leergefegt und bis zum neuen Monat dauert es noch eine Woche. Gut, dass ich mir etwas zurückgelegt habe.

Keiner aus meinem Kurs hat Lust auf diese Zeit. Eine Kommilitonin, die heute schon angereist ist, postete auf Facebook ihren Standort mit den Worten "fuck my life". S. habe ich selten so niedergeschlagen erlebt wie letzte Woche. Für "danach" ist bereits eine Party geplant, mit der wir unsere Freiheit feiern wollen. Bei so viel mieser Stimmung kann man ja nur schlecht gelaunt auf die nächsten Wochen blicken. Doch auch ich habe gerade das Gefühl, dass mir vier Wochen meiner Lebenszeit geraubt werden. Auf meine Anfrage hin, ob es möglich sei, nicht jede der nicht-verpflichteten Veranstaltungen zu besuchen, bekam ich eine sehr unfreundliche Antwort von der Studienbetreuung. Dabei bin ich ja nicht einmal faul, sondern muss wirklich neben dem Studieren noch mit zwei Jobs jonglieren. Der Texter-Chef antwortete mit einem "Das ist schlecht" auf meine Ankündigung, etwas weniger zu schreiben.

Ich frage mich auch, was in einer sächsischen Kleinstadt wohl gerade für eine Haltung herrscht. Und ob ich dort was veganes zu Essen finde, natürlich. Mit Schokolade und veganem Nutella-Ersatz sowie zwei Brotaufstrichen bin ich bereits ausgestattet - man kann ja nie wissen. Heute ist der zweite Artikel meiner Vegan-Reihe online gegangen. Wie immer zittere ich ein wenig den Reaktionen entgegen. Mehr als drei Monate Praktikum liegen nun schon hinter mir. Am ersten Tag hatte ich Angst davor, einen Facebook-Post mit tausenden Menschen zu teilen. Inzwischen haben wir tausend Likes mehr und ich habe die Verantwortung für zwei ganze Themenbereiche. Jep, ich renne Leuten hinterher und sage ihnen, dass sie gefälligst ihre Dead Line einhalten sollen. Und dann habe ich E-Mail-Verkehr mit ganz vielen wildfremden Menschen und wenn es unbedingt sein muss, gehe ich sogar ans Telefon. Wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis ich diese Menschen anrufen muss, und davor habe ich noch ganz schön viel Angst. Man möchte meinen, ein Start-Up bietet den kleinen Rahmen, aber die Bedingungen sind ja trotzdem real. Für die meisten Aufgaben musste ich mir die Fähigkeiten learning by doing aneignen. Eigentlich ist das gar kein richtiges Praktikum, sondern einfach un(ter)bezahlte Arbeit. Aber vielleicht macht das sogar am meisten Sinn, das "richtige Leben" zu erleben, ohne dass so viel passieren kann, weil der Studenten-Status ja noch da ist.

Ein Jahr noch, weniger sogar, dann ist das mit dem "richtigen Leben" Wirklichkeit. So viel Zeit, um
darüber nachzudenken, was ich danach machen will, habe ich gerade eigentlich nicht. Eher im Hinterkopf schwirren mir diese Gedanken herum. Ich bin viel mehr auf meine Aufgaben bei der Arbeit fixiert, habe die Unternehmensziele inhaliert und versuche trotzdem viel mehr ich zu sein, als je zuvor. So weit weg scheint mir die Uni, weshalb es sich seltsam anfühlt, morgen früh mit zwei Kommilitonen ins Auto zu steigen und wenig später den ganzen Kurs wiederzusehen. Sich in Stuhlreihen zu quetschen und einem Dozenten beim Reden zuzuhören scheint wie eine lange vergangene Erinnerung. Sicher wird mich das durcheinander bringen und Fragen aufwerfen, die ich zu vermeiden versuche. Vielleicht muss ich nicht so viele Fragen stellen. Vielleicht nehmen die Dinge einfach so ihren Lauf. Irgendwie hat es bisher immer funktioniert. Das sollte mir großen Zweiflerin doch etwas mehr Vertrauen in mich selbst ermöglichen. Und tatsächlich fühle ich mich versierter, professioneller, erwachsener. Dabei bin ich die Jüngste von allen und die einzige Praktikantin, die in den Kreis der Kern-Team-Mitglieder aufgestiegen ist. Da wird mir dann doch wieder bewusst, wie wenig erfahren ich bin, wie viele Fachbegriffe ich noch nie gehört habe und dass ich einfach nicht das richtige studiert habe für diesen Job. Ich habe keine Ahnung und soll Menschen von Ende 20 sagen, was sie zu tun haben. Das passt nicht zusammen. Ich bin ehrgeizig, aber fachlich ist da eigentlich nichts dahinter, als das, was ich mir mittels Recherche selbst beigebracht habe...

Ich habe viel zu wenig Zeit zum Nachdenken und ich bin froh, dass gerade ein wenig Ruhe nur dafür hatte. Das ist lange nicht mehr vorgekommen. Mein Prinzessin-Lillyfee-Tee neigt sich dem Ende und wird langsam kalt. Ein paar lilafarbene Haar-Stückchen hängen mir in den Wimpern vom Pony schneiden. Der Übergang von Lila zu Pink ist nicht so schön geworden, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber wozu muss ich im Kuhkaff auch gut aussehen? Ich habe sogar fast nur Gammel-Klamotten eingepackt. Mein Laptop kommt mit, aber ich weiß nicht, ob das mit dem Internet so gut klappt. Ich hoffe, denn ich hab ja auch noch anderes zu tun, als dort rumzuhängen. Am Donnerstag bin ich wieder da. Und berichte euch, ob es wirklich so schlimm war.^^

Glitzert eine Runde durch die schwarzblaue Nacht, ihr Lieben. Bis bald ♥


1 Kommentar:

  1. Du packst das bis Donnerstag, deine Gedanken wegen 'Sachsen und Dorf' kann ich richtig verstehen. Da würde ich nicht gerne von ein paar 'besorgten Deutschen', tot über den Gartenzaun gehängt werden... *grusel, grusel*

    Ach, danke für deine Sicht zu meinem letztem Post. Ich gebe zu, ich male zu viel schwarz/weiß und meine subjektive Wahrnehmung ist manchmal ziemlich, ziemlich Panne? :S

    Ach ja, wegen dem Veganen. Du hättest mir ja geschrieben dass das gerade bei Kosmetik echt undurchsichtig ist, was tierische Erzeugnisse beinhaltet und was nicht. Nun hatte ich mich damit etwas befasst und muss zugeben, bin etwas geschockt, wie kompliziert das ist. Die Sache, mit einem Zettel vor der Regal zu stehen, ist wohl für Laien unausweichlich. Ich habe mir vorgenommen auch mal meine Produkte zu checken und sie eventuell durch vegane Alternativen zu ersetzen. Wenn man ganz faul isz , kann man ja noch ins Veganz gehen. ;)

    Aber supi, dass du im Moment so gut dran bleibst.

    Und ja: den Gedanken ob wir uns mal begegnet sind, hatte ich auch schon öfters. Übrigens hatte ich erst vorgestern, Freitag, oder so, eine junge Frau mit Lila/rosahaaren gesehen. Oben das eine, unten das andere. War beim Einkaufen im Netto, aber ich denke das warst du nicht. ;)
    Gibt ja doch ein paar mehr Bunthaarige, aber wer weiß, wer weiß, manchmal ist die Welt klein. ;)
    Blautürkisgrüne Grüße!
    Lass dich nicht ärgern!

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