Samstag, 5. September 2015

Schokolade zum Frühstück

Mit meinem zweiten Kaffee sitze ich hier an meinem Schreibtisch und beobachte, wie die Sonne sich ihren Weg durch die dicken grauen Wolken vor meinem Fenster bahnt. Dazu höre ich Musik und lasse die Gedanken in den Himmel steigen oder sie zu Boden fallen.

Es ist Samstag. Neben mir liegt eine Packung merci, die meine Mitbewohnerin mir geschenkt hat, weil ich für sie etwas von der Post abgeholt habe. Wochenende. Ich habe nicht so gut geschlafen, dafür aber wesentlich mehr als die fünf sechs Stunden der letzten zwei Wochen Nächte. Das Nichts-Tun fühlt sich fast seltsam an. Zur gewohnten Zeit war ich kurz auf dem Klo und wollte schlaftrunken mich fast duschen und anziehen - so wie immer, jeden Tag, ein Kreislauf aus aufstehen, arbeiten, Mittagspause, weiterarbeiten, nach Hause fahren, weiterarbeiten, einkaufen, weiterarbeiten, schlafen. Dazwischen Besuch von Tina am letzten Wochenende, ein Kinobesuch mit den Kommilitonen, mein zweiter Artikel in dem Online-Magazin. Auch auf dem Blog des Hauptteils meines Praktikums konnte ich mir einen monatlich erscheinenden Artikel sichern und dazu noch einen einmaligen. Das Klicken der Tasten wird zum Soundtrack meines Lebens - zu diesem Thema wollte ich eigentlich auch noch schreiben, doch die Recherche, das Befragen von Fremden, das fällt mir noch schwer. Es läuft, würde ich sagen, kreisrund, mein Leben, ich wollte schon immer ein Workaholic werden, aber ich glaube, dafür bin ich zu faul...

Ein Blick auf das Datum. September. SEPTEMBER?! Ja. September 2015.
Seit genau zwei Jahren und fünf Tagen - lebe ich in Berlin!
Morgen, am 6. September - wird dieser Blog zwei Jahre alt!
Zwei Jahre sind vergangen, seit dem Ende meiner Psychotherapie.

Ja. Jetzt dürfte ich mich wieder in Therapie begeben. Jetzt würde ich wieder Stunden bekommen. Ich weiß noch, wie meine Therapeutin sagte: "Vielleicht machen Sie ja auch erstmal eine Pause und fangen in ein paar Jahren nochmal eine Therapie an. Oder vielleicht sind sie auch der Meinung, keine mehr zu brauchen. Es gibt da ja verschiedene Wege." Und ich weiß noch, wie ich mir ganz sicher war, dass ich mir in der Hauptstadt eine neue Therapeutin suchen würde. Ich sah da gar keine andere Möglichkeit. Wie diejenigen, die schon etwas länger dabei sind, wissen, habe ich das auch versucht, aber ich hatte leider das Pech, nur an völlig unfähige Idioten zu geraten. Irgendwie habe ich nicht geglaubt, dass ich ganz allein auf eigenen Füßen stehen könnte. Zu oft hat man mir versichert, dass das unmöglich sei. Dass man mich erst auseinander nehmen und neu zusammenpuzzeln müsse, bevor aus mir etwas werden könne. Aber die Welt ist nicht untergegangen und ich, ich bin auch irgendwie klargekommen. Ich gehe zwar auch schon seit einem Jahr zu der Beratungsstelle, aber Z nimmt mich nicht auseinander, sondern hört einfach zu und zeigt mir neue Perspektiven, mich und das Ganze zu sehen.

Trotzdem frage ich mich, was richtig ist. Seinen eigenen Weg finden? Oder den Experten Glauben und Vertrauen schenken? Es gibt keine allgemeingültige Formel, keine Medizin, die zu 100% sicher "hilft" und heilt. Oder? Menschen sind so unterschiedlich. Jeder reagiert anders auf die Einflüsse der Außenwelt auf Körper und Seele. Da müsste es so viele Therapieformen wie Menschen geben. Aber umsonst stellen die Forscher auch keine Forschungen an. Und viele begeben sich vertrauensvoll in professionelle, gute Hände und sie profitieren davon. Aber wer weiß besser, was gut für mich ist? Ich selbst, oder doch die Experten? Bin ich Expertin für mich selbst, kann ich zur Expertin werden, sollte ich das überhaupt? Und könnte ich es überhaupt zulassen, dass sich noch einmal jemand durch mein Leben wühlt, Staub aufwirbelt, urteilt und Verhaltensänderung verschreibt?

Soweit zu meinen samstäglichen Gedanken, die sich heute über den ganzen Tag ausgebreitet haben. Und jetzt werde ich noch ein bisschen weiter faul sein... Und mir irgendwas für morgen ausdenken, zum ElfenTraum(a)-Geburtstag. Ich wünsche euch wunderschöne Wochenenden, glitzernde Gedanken und höherschlagende Herzen. ♥




1 Kommentar:

  1. Hey:)
    Weisst du, für mich ist es egal, ob jemand rechts aussen argumentiert oder links aussen. Das ist beides populistischer Schwachsinn, der niemandem hilft. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Ich bin weit davon entfernt zu sagen: "Yeah, Grenzen auf, und kommt alle!" Das kann und wird nicht die Lösung sein. Ich denke aber auch, dass wir es auf jeden Fall vermeiden müssen, dass sich in Westeuropa Slums bilden, wie das gerade in Frankreich passiert.

    Du machst das gut. Du machst das wirklich gut, wie du anfängst auf eigenen Beinen zu stehen. Ich freue mich unglaublich für dich, dass es vorangeht und du schöne Momente hast, eine Arbeit und ein WG-Zimmer:)

    Herzliche Gratulation zum 2jährigen Blogbestehen!

    Emilia

    AntwortenLöschen

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung (https://www.elfentrauma.de/p/datenschutzerklarung.html) und in der Datenschutzerklärung von Google (https://policies.google.com/privacy).