Mittwoch, 8. Juli 2015

#Hotpantsverbot

Über einen Facebook-Post bin ich gestern auf ein Thema gestoßen, dass mich nachdenklich gestimmt hat. Es ging um das Verbot "aufreizender" Kleidung an Schulen. Gemeint sind kurze Hosen, Miniröcke, ärmellose Tops, Kleidungsstücke, auf die an heißen Sommertagen gern zurück gegriffen wird. Zeitungen veröffentlichten Teile von Elternbriefen einer Realschule und eines Gymnasiums. Die Realschule begründete die Maßnahme mit der sexualisierenden Wirkung dieser Kleidung: "in letzter Zeit müssen wir gehäuft feststellen, dass Mädchen der Werkrealschule sehr aufreizend gekleidet sind" Das Gymnasium schob alles auf die Flüchtlinge, die in der Turnhalle der Schule untergebracht werden: "[...] wies der Schulleiter die Mädchen an, keine Miniröcke oder kurzen Hosen zu tragen und den Asylbewerbern nicht direkt in die Augen zu schauen. Das könnte in deren Kultur falsch verstanden werden"
Hier ein paar Artikel zum Thema:
Das erste, was mir dazu einfiel, war eine Geschichte aus meiner eigenen Schulzeit. Eigentlich war ich schon so gut wie fertig mit der Schule. Ich machte allerdings noch eine freiwillige mündliche Nachprüfung, um meinen Abitur-Schnitt um eine Kommastelle zu verbessern. Es war ein heißer Sommertag mit einer Temperatur von an die 40 Grad. Und, Schande über mein Haupt, ich trug ein ärmelloses Top. Es hatte keine Spaghetti-Träger, sondern breite. Der Ausschnitt war nicht zu tief. Die Farbe war dunkelrot und undurchsichtig. Ich bestand die Prüfung mit Gut. Die Äußerung einer prüfenden Lehrerin brachte mich trotzdem zum Heulen. Ihr Blick war so vorwurfsvoll, als hätte ich ein schlimmes Verbrechen begangen.
"Wie unverschämt Du bist", fuhr sie mich an. "Ziehst Dich an wie ein Flittchen, damit die Männer Dich besser bewerten!" und - die Lehrer waren per Aushang über meine Situation informiert - "Da brauchst Du Dich nicht wundern, dass die Männer ...", sagte sie.
"Dass sie was?!"  
Ich war verärgert. Und ich zog lange lange Zeit keine Tops mehr an.

Sicher hätte ich mich in der damaligen Situation mit einer hochgeschlossenen Bluse angemessener kleiden können. Und ich würde einer 13-Jährigen auch nicht unbedingt empfehlen, sich Mini-Mini-Röcke und Highheels anzuziehen. Allerdings wäre mein Beweggrund eher der, dass sich die Sexualisierung der Frau so schnell nicht aufheben lässt. Sie funktioniert nunmal so gut. Das habe ich vor allem in den Modulen, die sich mit Werbung beschäftigten, gelernt. Sex sells. Leicht bekleidete Frauen. In jedem Werbespot, der sich an Männer richtet, muss mindestens eine leichtbekleidete Frau zu sehen sein. Und in Werbespots für Diätprodukte. Und Zuckerschock-Limonaden. Und Kopfschmerztabletten. Wir müssten schon einen Sack anziehen, um keine Lustmolche anzuziehen. Und genau das machen die Schulen. Sie halten T-Shirts in Größe XXL für ihre anstößig gekleideten Schüler*innen bereit. So werden die pubertierenden Jungs nicht mehr vom Unterricht abgelenkt. Und die Mädels schützen sich vor den bösen bösen Flüchtlingen. 

Ich verrat euch was: Einen Sack zu tragen schützt vor gar nichts. Vergewaltiger sind meistens nicht die Typen, die euch auf der Straße offen auf die Brüste glotzen. Es sind Menschen, deren Bekannte sich nicht vorstellen können, dass die auch nur einer Fliege etwas antun könnten. Unverständlich, dass sich das Argument, Frauen provozierten durch ihre aufreizende Kleidung ganz bewusst, immer noch so gut hält.
Umgekehrt fallen Männer auch nicht über jede Frau her, die nicht bei drei auf dem Baum sitzt. Es hat den Anschein, als würden sich Männer und Frauen wutentbrannt bekriegen. Das kann doch unmöglich der Realität entsprechen. Und die Geschichte mit den Flüchtlingen - für mich klingt das wie ein Märchen aus dem Mittelalter. Umso schlimmer, dass sie tatsächlich real ist. 

Was meint Ihr zu dem Thema?

Möglich, dass ich viel zu viel in diese Nachricht hinein interpretiere. Ich habe sehr viele emotionale Kommentare und Tweets dazu gelesen und weiß auch nur so viel wie in der Zeitung steht.
Meiner Meinung nach "schützt" das Verbot freizügiger Kleidung - wenn überhaupt - nur bedingt. Viel wichtiger ist es doch, die Dinge beim Namen zu nennen, aufzuklären und selbstbewusst aufzutreten, als sich zu verstecken. Tabuisierung kann keine Lösung zu sein. Nicht in einer Welt, in der doch zumindest einige Menschen große Bemühungen anstellen, um Vertuschtes aufzudecken. 

Kommentare:

  1. Also ich finds super, dass sich mal jemand mit dem Thema auseinandersetzt. Es ist wirklich unfassbar, dass die Frauen quasi die Schuld dafür tragen wenn sie vergewaltigt werden. Wenn jemand kurze Hosen oder Tops mit Ausschnitt trägt liegt das wahrscheinlich am Wetter oder daran, dass man es schön findet. Das ist meiner Meinung nach aber keine Einladung für Männer zum Gaffen! Mir ist auch schon aufgefallen, dass sehr oft leicht bekleidete Frauen in der Werbung zu sehen sind. Egal um welches Produkt es geht. Nichtsdestotrotz finde ich es absolut richtig so ein Verbot in der Schule auszusprechen. Aber nicht weil Männer das als Einladung sehen könnten, sondern weil es sich meiner Meinung nach nicht gehört in der Öffentlichkeit mit halbnacktem Arsch herumzulaufen. Klar sind nicht alle Hosen so kurz aber einige Mädels übertreiben es echt. Und gerade in der Schule find ich solche Outfits nicht angebracht. Oder wie siehst du das?

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  2. Hey,

    ich habe bei dir noch nie kommentiert, aber das Thema lädt dazu ein..

    Zunächst einmal bin ich total entsetzt über das Verhalten deiner ehemaligen Lehrerin. SIE ist es, die hier unverschämt ist. Ich kann kaum glauben, dass so jemand Lehrer geworden ist.
    Von dem Hotpantsverbot halte ich persönlich nichts. Meiner Ansicht nach sind Hotpants oder Tops heutzutage keine besonders "spektakulären", aufreizenden Kleidungsstücke. Sie haben sich im Alltag bei hohen Temperaturen vollkommen etabliert, v.a. bei sehr jungen Leuten. Dass man je nach Beruf nicht so rumlaufen kann, ist klar, aber solange man noch auf die Schule geht, sollte man doch anziehen können, was man will (solange man nicht im Bikini oder komplett rückenfrei o.Ä. erscheint)! Eigentlich haben Schulen ja gar nicht das Recht über das Tragen bestimmter Kleidung zu entscheiden - es sei denn, so habe ich gelesen, "der Schulfrieden ist gefährdet". Also dass der "Schulfrieden" wegen ein paar kurzer Hosen gefährdet sein soll, halte ich für reichlich übertrieben.
    Und zum Thema Vergewaltigung kann ich nur sagen: Selbst wenn ein Mädchen/eine Frau "aufreizend" gekleidet ist und dann etwas passiert - dann ist es noch lange NICHT IHRE SCHULD. Es gibt keine Rechtfertigung für solche Taten.

    Deine Lehrerin macht mich echt fassungslos :o

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    1. Da hast du vollkommen Recht. Die Lehrerin war wirklich mehr als unverschämt. Ein normales Top, so wie sie es beschrieben hat, finde ich nicht annähernd aufreizend. Und wer sich als Mann bei sowas nicht mehr "beherrschen" kann, hat vermutlich ein sehr großes Problem. Allerdings finde ich, dass einige Mädchen echt viel zu kurze Hosen anziehen. Wer der halbe Hintern nackt ist, ist das echt zu viel. Das können sie gerne zuhause machen oder sonstwo, aber die Schule ist dafür kein Ort. Schule hat für mich immer so etwas "Formelles" und zu einem Gerichtstermin etc würde so (hoffentlich) auch keiner erscheinen.

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    2. Ich teile euren Zwiespalt schon auch. Ich selbst würde nicht mit halb nacktem HIntern durch die Gegend laufen. Aber sobald man ein gewisses Alter erreicht hat, ist es die eigene Entscheidung. Das Teenager-Alter ist ja irgendwo auch dazu da, sich auszuprobieren...
      Die Art, wie man sich anzieht, sagt etwas aus. Deswegen kann ich das mit dem Respekt durchaus nachvollziehen. Die Beweggründe der Schulen sind aber ganz deutlch: "Die Mädels ziehen sich zu aufreizend an", so beginnt der Elternbrief. Und rein auf diesen Grund bezogen finde ich das Verbot und vor allem die Strafe mit den XXL T-Shirts, die ja sofort angedroht wird, etwas übertrieben. Das hätte ich als Schülerin sicher boykottiert. Warum nicht erstmal darüber reden und gemeinsam sinnvolle Argumente dafür finden, sich nicht zuuu wenig anzuziehen? In einem der Artikel heißt es auch, dass die Lehrer nicht wussten, wie sie das Thema ansprechen sollten, und deshalb direkt das Verbot ausgesprochen haben. Dieses Vermeidungsverhalten macht keinen besonders kompetenten Eindruck... Und dann schreiben sie, sie wollen zu einem gesunden Schulklima beitragen...

      Vielen Dank für eure Kommentare und die Diskussionsbereitschaft. :)

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    3. Ok, dass die Lehrer*innen (gendergerechte Sprache ist ja da auch so ein Thema ;) ) nicht mal wussten, wie sie das Thema ansprechen sollen find ich echt heftig! Was haben sie dann bitte in einer Schule verloren?! Klar, die Strafe finde ich auch übertrieben. Sie hätten das Thema ja mal in der Klasse ansprechen können und die Mädchen mal fragen können. Aber das konnten sie ja offensichtlich nicht. Trotzdem find ich, dass sich soetwas nicht gehört, auch wenn die Jugendlichen sich ausprobieren wollen. Immerhin wurden auch den Jungs "zu freizügige" Klamotten verboten. Meistens werden hier ja nur die Frauen an den Pranger gestellt...

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    4. Huch, da ist mir das Sternchen abhanden gekommen. :D
      Du hast Recht, das Verbot gilt auch für Jungen. Allerdings wird schon recht deutlich, dass vor allem Mädchen gemeint sind (Miniröcke, bauchfreie Tops...) und auch im ersten Satz des Briefes werden direkt die Mädchen angesprochen. Und diese Hosen, die in der Kniekehle hängen, sind doch auch nicht mehr "in" bei den Jungs? Allerdings ist es auch nicht richtig, Männern immer gleich übertriebenen Trieb vorzuwerfen und jeden als potenziellen Vergewaltiger zu werten. Dann kann man sich auch gleich eingraben...

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    5. Also anscheinend, so hab ich es mitbekommen, wurden Tanktops für die Jungs verboten. Die sind ja oft auch sehr weit ausgeschnitten. Bei den Frauen wird sich eben allgemein viel mehr aufgeregt find ich. Was ich damals auch super fand war, dass die UBahn in New York diese offene Sitzhaltung bei Männern verboten hat. Aber ich finde es auf jeden Fall auch nicht richtig den Männern so etwas zu unterstellen. Klar schaut man gern hin und im Badekleidung ist man auch wenig bekleidet aber für mich ist die Schule dafür nicht der richtige Ort

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  3. Ich hab die Diskussion auch mitbekommen auch wenn sie sich eher nicht in meiner Region, wo ich wohne, durchgesetzt hat. Gab ja auch ein paar ganz amüsante Twitterposts dazu xD
    Ich muss ehrlich sagen ich vertrete dazu eine zwiespältige Meinung.
    Auf der einen Seiten finde ich (wie du auch angemerkt hast), dass sich 13-jährige Mädls nicht unbedingt die kürzeste Hot-Pants zulegen und den tiefsten Ausschnitt anhaben sollten und meiner Meinung nach gehört (aus Respekt) eine gewisse Kleiderlänge in die Schule, schließlich stimmt es schon, dass sexuelle Reize, egal von welchem Geschlecht sie nun ausgehen, vom Unterricht ablenken und ich muss meine Lehrerin/meinen Professor ja auch nicht in Hotpants vorn an der Tafel stehen sehen.
    Andererseits denke ich, dass man auch nicht alles auf die zu kurze Kleidung schieben kann und der Weg des Hotpanst-Verbots vielleicht ein wenig übertrieben ist.
    Ich stelle mir da eher die Frage, warum sollen sich genau die Mädls/Frauen bedecken und warum wird sofort davon ausgegangen, dass Jungs/Männer sich nicht zurückhalten oder abgelenkt werden könnten? Was ist an einem unbedeckten Bein so interessant? Liegt es nicht vielleicht daran, dass gefordert wird, dass Mädls/Frauen sich bedecken sollen, weil es schwieriger ist Jungs/Männern zu erklären bzw. anzuerziehen wie sie sich zu verhalten haben? Warum wird die Schuld, wenn man das so nennen kann, immer gleich beim weiblichen Geschlecht gesucht und sie, die sich zu knapp kleiden, als das "Problem" erachtet?
    Ich weiß nicht, ob du schonmal was von den Begriffen Rape Cultur und Victim Blaming gehört hast, aber ich fand das, was ich dazu im Bezug auf das ganze Thema samt Diskussion gelesen habe ganz interessant - wenn du dir nichts längeres anziehst hast du die Schuld, wenn sie dich anstarren. Klar beeinflusst kurze Kleidung das, aber das bedeutet auch nicht, dass zwangsläufig hingeguckt werden muss. "Das „Culture“ in „Rape Culture“ beschreibt eben eine ganze Kultur, und die beruht unter anderem auf sehr tief verwurzelten Ansichten darüber, was Frauen in der Öffentlichkeit alles tun und lassen sollten. Die völlige Selbstverständlichkeit, mit der Männer am Strand oben ohne rumlaufen und Frauen nicht, ist nur ein Beispiel. Eine Gesellschaft, in der nackte Frauen in der Werbung einerseits Aufmerksamkeit auf Produkte ziehen sollen und in der Frauen im Alltag andererseits aufpassen sollen, nicht „aufzureizen“, hat ein sehr grundsätzliches Problem.
    Sicher ist: Wenn Jungs im Unterricht nicht mehr auf die Tafel schauen, sondern auf den Bauchnabel des Mädchens neben ihnen, dann ist jede Lösung, die sich nur um den Bauchnabel kümmert, und nicht um den Jungen, eine schlechte. Im schlimmsten – aber nicht unwahrscheinlichen – Fall führt sie dazu, dass Mädchen sich, wenn ihnen etwas Unangenehmes passiert, nicht trauen, es zu erzählen, weil sie denken, sie seien selber Schuld." (TAZ 6. Juli 2015).
    Mehr fällt mir grad ned ein =)
    abrazos
    maría

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  4. Die Lesezeitangabe ist eigentlich ganz nett aber der Text ist auch in einer Minute gelesen :P

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    1. Da liest Du schneller als ich :D War auch nur mal ein Test. Bei sehr langen Texten macht es vielleicht mehr Sinn. :)

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  5. Liebe Lilly,
    das mit der Zeitangabe finde ich doof. Es passt zwar in unsere Zeit, aber wenn ich deinen Blog aufmache, dann tu ich das, weil ich mich dafür interessiere, was du geschrieben hast. Ganz egal, ob es fünf Zeilen oder fünf Seiten sind. Ich finde, da wertschätzt du dich selbst zu wenig...

    Das mit den Kleiderregeln gab es in der Schule in meinem Dorf schon vor ein paar Jahren. Mein kleiner Bruder ging damals dort in die Oberstufe und er sagte etwas sehr interessantes dazu: "Ich habe einfach keine Lust, den ganzen Morgen von einem Mädchen die Brüste zu sehen. Das will ich nur bei meiner Freundin. Aber manche Mädchen ziehen so tiefe Ausschnitte an, das man echt fast alles sieht."
    Er empfand sich von den Kleidern der Mädchen eher belästigt als sexuell angezogen.

    Ich denke, jede Frau sollte grundsätzlich tragen dürfen was sie will, wobei die Schule halt die Vorstufe der Berufswelt ist und somit eine seriöse Institution im Leben von Jugendlichen sein sollte. Es gehört im Leben mit dazu, an gewissen Orten gewisse Dresscodes einzuhalten. Da gibt es offizielle ind inoffizielle. Du kannst auch nicht bei einer Bank arbeiten und in Hotpants aufkreuzen. Es gibt eigentlich kaum einen Beruf, indem das möglich ist...
    Es gibt übrigens genügend Frauen, die Kleidung für sich ausnutzen. Im Studium gab es eine, die immer unmöglich zu Prüfungen erschien und imme bestand, obwohl sie kaum etwas wusste. Es funktioniert eben schon.
    Dennoch finde ich es eine schwierige Haltung, Männern vorzuwerfen, sie wären ihrer Triebhaftigkeit völlig unterworfen. Ich habe noch nie so einen getroffen...
    Liebe Grüsse
    emilia

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    1. Liebe Emilia,
      Danke auch für Deine Worte. :) (ich weiß nicht, ob Du diese Antwort liest, aber Du hast ja keinen Blog mehr, also bekommst Du trotzdem hier eine.)
      Das mit der Zeitangabe habe ich auf einem anderen Blog gesehen und empfand es aus meiner Lesersicht als praktisch - es handelte sich dabei aber um einen sehr sachlichen Blog. Wenn ich wenig Zeit hab, dann lese ich lieber etwas kürzeres und neme mir für andere Posts später Zeit, aber das muss ja nicht jedem so gehen, zumal ja nicht alle Posts Überlänge haben. Vielleicht reicht eine Ankündigung bei den richtig langen. :)

      Das Zitat von Deinem Bruder zeigt irgendwie nochmal schön, dass das große Argument der Schulen mit der zu aufreizenden, Jungs anziehenden Kleidung hinfällig ist. Ich glaube, die Medien stören sich auch nicht an der Kleidungsvorschrift an sich, sondern an den Argumenten, das mit der Sexualisierung und vor allem das mit den Flüchtlingen. In den sozialen Netzwerken haben einige auch angesprochen, dass sie eine Schuluniform für sinnvoller halten würden - aber eben eher aus sozialen Gründen, Mobbing etc. Solche Beweggründe wie auch den mit der Berufskleidung kann ich schon eher nachvollziehen. Ich erinnere mich daran, wie ich mir als Kind immer vorgestellt habe, eine Schuluniform zu tragen und das gar nicht so abwegig fand - ich wurde ja auch wegen meiner Kleidung gemobbt. Andererseits verstehe ich auch die Gegenseite mit der Individualität... eben ein komplexes Thema. Ich zum Beispiel würde schon wegen der Anzugträgerei nicht in einer Bank arbeiten wollen. Für meinen Kellner-Job hab ich trotzdem bereitwillig meine Piercings rausgenommen und das Pinguin-Kostüm getragen. Und wenn mir jemand meinen Traumjob unter genau diesen Vorraussetzungen anbieten würde, würde ich vielleicht auch drüber nachdenken, das weiter zu tun... Wohl hab ich mich darin aber nie gefühlt und irgendwie fände ich es in der Schule schon angebracht, sich wohl zu fühlen..
      Aber wie schon in einem anderen Kommentar gesagt: Ich fände es sinniger, erst einmal Gespräche mit den Schülern zu führen und gute, tragkräftige Argumente für die Kleiderordnung zu sammeln, als sofort ein Verbot auszusprechen. Dann würden die Regeln sicher auch viel besser angenommen werden. Weil es dann kein blankes Verbot ist, sondern die Schüler*innen verstehen würden, warum sie eben nicht im Bikini zur Schule gehen.

      Sicher gibt es Frauen, die das mit der Kleidung tatsächlich für die guten Noten ausnutzen. Ich glaube aber, dass das eher die wenigsten tun. Das zeugt ja nicht gerade von Selbstwertgefühl. Als mir dieser Vorwurf gemacht wurde, war ich auch echt erschüttert, weil mir das im Traum nicht eingefallen wäre. Die "Schuld" liegt dann aber auch nicht allein bei der Frau, sondern im selben Maße bei dem Professor, der nach Oberweite bewertet... Und umgekehrt gilt das genauso. Am Strand fallen Männer und Frauen doch auch nicht übereinander her, nur weil alle in Bademode stecken?

      Ganz liebe Grüße,
      Lilly

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    2. Liebe Lilly,
      klar habe ich deine Antwort gelesen.
      Heute Morgen kommentierte ich noch mit meinem alten Account, jetzt mit dem Neuen. Ich bin aber die gleiche Emilia. Jetzt habe ich auch wieder einen Blog:)

      Ich finde das mit der Schuldfrage irgendwie hinfällig. Eigentlich ist es ja eine Einstellungsfrage, wie ich mich kleide, sowohl als Frau wie auch als Mann, als auch, wie ich mein Gegenüber wahrnehme.
      Mich sieht man beispielsweise meistens eher konservativ gekleidet, einfach weil es mir gefällt. Und vielleicht bin ich in manchen Dingen konservativ, meist aber nicht. Das überrascht oft mein Gegenüber, weil es in mir einen Spiesser erwartet. Eine Erwartung, die ich nicht erfüllen kann.
      Und das ist doch eigentlich das Problem. Das wir andere meist zu schnell irgendwo einordnen.

      Ich denke auch, man sollte mit den Schülern erstmal darüber sprechen. Und zwar auf Augenhöhe. Das bringt in der Regel viel mehr, als einfach mit Verboten um sich zu schmeissen. Und sind wir mal ehrlich, wer von uns hätte sich nicht extra gegen die Regeln gekleidet, um so ein Shirt zu bekommen? An meinem Gymnasium wären all jene mit grossem Shirt ziemlich hart gefeiert worden:)

      Auch dir liebe Grüsse
      Emilia

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    3. Ups, da hab ich Blödsinn geschrieben. Ich meinte, es ist eine Einstellungsfrage, wie man sein Gegenüber wahrnimmt. Steckt man jemand direkt in eine Schublade, weil er etwas trägt oder eben nicht trägt?
      Man kann sich sowohl als Frau, wie auch als Mann angemessen oder weniger angemessen kleiden. Und

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    4. Und ich bin deine 100. Followerin. Das feier ich auch gerade:)

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    5. Hey. :)
      Ja, diese ganze Schubladen-Schieberei ist blöd. Ich kenne es von der anderen Richtung, dass Menschen mit Piercing, bunten Haaren usw. oft nicht ernst genommen werden. Das Schubladendenken ist ja leider vielseitig anwendbar.
      Jep, ich hätte das als Schülerin wahrscheinlich auch boykottiert und regelmäßig den Sack anziehen müssen ;)
      Yey, herzlich willkommen, liebe 100. Followerin. ♥ Du bekommst eine Extraportion Glitzer. :)
      Alles Liebe

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  6. Schon mal was von Erotik der Verhüllung gehört? Von der Augensprache der Burkaträgerinnen? Nicht das bauchfreie Top ist sexy, sondern seine Trägerin. Verbote sind heute nicht mehr salonfähig in einer Welt, in der alles erlaubt zu sein scheint und jedes Druckmittel gleich als Ausdruck von Angst gewertet wird. Und doch besteht auch im heutigen Menschen der unausgesprochene Wunsch nach verbindlichen Normen, einer Richtlinie, die ihm sagt, wo's lang geht. Wer würde nicht gern mal die Verantwortung abgeben? In einer so orientierungslosen Gesellschaft wie der heutigen hätte ein charismatischer Diktator leichtes Spiel. Das macht mir Angst. Deine eigene Erfahrung, falls Deine Lehrerin wirklich diese Worte gebraucht haben sollte, zeugt eher von Neid, aber die Forderung nach einer gewissen Kleiderordnung in der Schule ist sicher im Sinne der Schüler gedacht.

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    1. Danke für Deinen Kommentar :)

      Ich stimme Dir darin zu, dass "Sexyness" nicht ausschließlich von bauchfreien Tops und tiefen Ausschnitten bestimmt wird. Das ist vielleicht das Medienempfinden. Aber letztendlich hat doch jeder seine individuelle Definition davon, was ihn persönlich anzieht. Das Recht, ein Urteil über den Kleidungsstil eines anderen zu fällen, hat keiner von uns. Egal, ob man nun die halbnackte oder die verhüllte Variante wählt, möchte man doch von den anderen akzeptiert werden und sollte das auch umgekehrt tun. Warum können die verschiedenen Ansichten und Vorlieben nicht einfach nebeneinander existieren? Wenn jeder seine eigenen Meinungen und Werte vertreten darf (und dabei natürlich keinen gefährdet usw), dann braucht man auch weniger Angst davor zu haben, dass sie sich der Meinung eines Diktators anschließen... So sehe ich das zumindest. Ich denke auch nicht, dass die Orientierungslosigkeit der Gesellschaft sich nun ausgerechnet durch Kleidervorschriften beheben lässt.
      Das sind aber auch nur meine Gedanken dazu. :)

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    2. Das würde funktionieren, wenn wirklich jeder eigene Meinungen und Werte hätte, aber dem ist nicht leider nicht so. Meinungen und Werte werden, wie Du als Studentin der Medienbranche eigentlich gelernt haben müsstest, genau von diesen Medien vermittelt. Und dazu noch das trügerische Gefühl der freien Entscheidung. Aber wer einmal in einer Diktatur gelebt hat (wie ich), weiß, wie schnell sich die Masse anpasst ... Schon deswegen bin ich eigentlich gegen Vorschriften aller Art, aber ich meine, eine Gesellschaft funktioniert nur auf der Grundlage gegenseitiger Rücksichtnahme. Vielleicht sollte das Thema einfach mal in den Schulklassen diskutiert werden.

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    3. Da hast Du natürlich recht. Ich meinte auch eher, dass das der ideale Weg wäre. Die Realität sieht wohl leider anders aus. Dennoch finde ich es wichtig, die Fähigkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden, zu fördern, denn möglich ist es auf jeden Fall. Ich bin in einer rassistischen, sexistischen und gewaltbereiten Familie aufgewachsen und habe trotzdem eine andere Meinung entwickelt als sie...
      Es tut mir leid, dass Du diese Erfahrung machen musstest.
      Das mit der gegenseitigen Rücksichtnahme sehe ich wie Du. Und ich finde auch, dass offene Worte und Diskussionen sinnvoller sind, als sofort und mit wenig stimmigen Argumenten Verbote auszusprechen.

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  7. Danke, für diesen Post! In den letzten Tagen habe auch oh mich mit dem Thema auseinander gesetzt. Und meine kleine feministische Ader kam wieder zum Vorschein.
    Wie können Menschen nur immer noch so denken un Handeln?! Ist also eine vergewaltigte Frau selbst schuld, wenn sie dem Vergewaltiger eventuell zu gut gefiel? Ist die Frau schuld, wenn der andere sich nicht im Griff hat und Grenzen über schreitet? Oder wie du geschrieben hast, würde es nicht passieren wenn wir alle angepasst und zu geschnürt durch die Gegend laufen würden?
    Die Menschen sind das Problem, nicht die Kleidung. Da auch noch Flüchtlinge mit rein zu ziehen wie als wären sie von einem anderen Stern und hätten keine anderen Sorgen als welche Schülerin sie eventuell angesehen hat ist wirklidh das Letzte. Mehr Toleranz und Einfühlungsvermögen wären wohl ein Anfang. Wenn die Leute knappe Kleidung nicht als Mittig ansehen würden, würde man auch nicht zu abfällig über die tragende Person denken.
    Oder war ist mit Prostituierten? Nur weil man es ihnen vielleicht 'ansieht' heißt es nicht dass sie dumm/asozial/krank oder sonstwas sind. Das ist ein harter Job und sie verdienen genauso viel Respekt wie jede_r andere auch

    Und mal davon abgesehen dass auch Männern fürchterliches passieren kann usw...

    Ich könnte jetzt noch was a la "no means no", das kennst du bestimmt, schreiben aber das sprenge wohl den Rahmen.

    Jedenfalls finde ich es toll dass du dazu geschrieben hast und wie viele Reaktionen dein Post bekommen hat. Klar, gibt es verschriedene Meinungen. Aber, und das liebe ich an deinem Blog... Denkanstöße und Diskussionen sind wichtig und es ist gut dass du sie gibst und wieder ein paar mehr Menschen sich damit auseinander setzen. <3

    Deine Lehrerin hatte ja wohl eine Panne! Ich hoffe sie hatte von ihren Kollegen ordentlich Zunder bekommen!

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    1. Aso, nee die Band meinte ich nicht. Aber es gab mal eine Plakataktion, da wurden u.a. in unserer Stadt gaaaanz viele Plakate in Konzertlocations und Bars/ Kneipen aufgehangen. Wo es darum ging das eine schlafende Person nicht zustimmen kann. Auch eine zu betrunkene usw.
      Und dass man ein 'nein' zu akzeptieren hat und auf seine Mitmenschen achten soll. Gabs in x Sprachen und hing ganz oft bei Garderoben und Toiletten usw. War gut gemacht. :)

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  8. Ich habe geistig auch erst mal gekotzt, als ich darüber gelesen hatte.
    Haha die armen Jungs mit ihren Hormonen und die bösen Flüchtlinge.
    Ich wäre dafür, dass Jungs nur noch lockere Kleidung tragen dürfen, keine Arme zeigen und nicht oberkörperfrei sein dürfen.Ich mein, bei starkem Bizeps kann ich mich einfach nicht zurück halten, sorry sind die Hormone!
    Nein, natürlich nicht so ein Rotz.
    Ganz ehrlich gerade in der Pubertät reagieren Pipis doch auf alles: kaltes Wasser, warmes Wasser, Frauen, Mädchen, egal ob mit oder ohne Ausschnitt , der kleinste Körperkontakt, reicht ja oft schon, dass sich da was regt.
    Es sollte endlich Schluß sein mit dieser Übersexualisierung des weiblichen Körpers.

    Und:
    Egal was ich( oder irgendein anderer Mensch auf diesem Planeten) anhabe oder auch nicht anhabe, es rechtfertigt keinerlei Ausführung oder Versuch von sexueller Belästigung, Vergewaltigung oder ähnliches.
    Ich schnapp mir doch auch nichts zu Essen von anderen Leuten' Teller, nur weil ich finde, dass es lecker aussieht-.- So trivial, so einfach.

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  9. Ich habe dir schon eine Einladung geschickt. :>

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