Donnerstag, 25. Juni 2015

Motiviert durch das Sommerloch

In meinem letzten Post habe ich euch nach euren Tipps für lange Sommerpausen ohne Aufgabe gefragt. Vielen Dank für eure Anworten. Ich möchte sie hier mit meinen eigenen Gedanken zusammenfassen. Inzwischen habe ich mich auch selbst ein bisschen informiert. Die meisten Ergebnisse meiner Google-Suche sprachen allerdings davon, die Semesterferien komplett mit einem oder mehreren Nebenjobs, Praktika und Lernen für das Studium auszufüllen. Diese Optionen lasse ich im Folgenden weitestgehend weg. Ich gehe eher von einer Situation wie meiner aus: Zu viel Freizeit und mangelnde Planung.

1. Struktur ist Alles

Elena schreibt:
"Mir hilft es, Listen zu schreiben, und die abzuarbeiten. Hinter eine Aufgabe ein Kreuz zu machen, fühlt sich immer gut an. [...] Gegen YouTube hilft mir, mich mit dem Laptop in öffentliche Einrichtungen zu setzen, z.B. Uni- oder Stadtbibliothek. Wenn es leise ist, und alle anderen auch arbeiten (oder zumindest so tun), fällt es mir auch leichter, was zu schaffen."

Kiwi schreibt:
"Mein Plan sieht dann meistens so aus, dass ich mir einen festen Zeitrahmen vorgebe, während dem ich ohne schlechtes Gewissen nichts oder alles oder etwas anderes tun darf. In den Tag leben... Und das wird dann durch ein geplantes unumgängliches Treffen beendet und ab da komm ich dann auch mit To Do Listen."

Wie wichtig ein gut strukturierter Tag ist, zeigt die Tatsache, dass überall, wo man nach Motivation sucht, auf To Do Listen hingewiesen wird. Zu Recht. Wer einen leeren Tag vor sich sieht, möchte eigentlich gar nicht erst aufstehen. Deshalb schreibe ich auch dann Listen, wenn ich nichts wichtiges zu erledigen habe. Da dürfen durchaus auch Dinge wie Duschen, Essen und Fingernägel lackieren stehen. Manche schreiben noch die genauen Uhrzeiten auf. Hauptsache Struktur! Um das Aufstehen zu erleichtern, schreibe ich meine To Do Listen schon am Vortag und lege sie dann auf meinen Nachttisch. Am besten auf das Handy, damit mein Blick am nächsten Morgen definitiv zuerst auf die Liste fällt.

Selbst in dunkelsten Zeiten versuche ich, gewisse Rituale beizubehalten. So beginnt mein Tag immer mit der festgelegten Reihenfolge Aufstehen - Toilette - Zähne putzen - Duschen - Anziehen - Kaffee kochen. Eigentlich gehört dazu noch Schminken. Aber wenn ich das Haus sowieso nur zum Einkaufen oder Spazieren gehen verlasse, ist dieser Punkt überflüssig. Trotzdem ist mir das Schminken wichtig, weil es dazu beiträgt, dass ich mich wohler fühle. Außerdem nimmt es einen großen Teil meiner morgentlichen Routine ein. Ungeschminkt verkürzt sich also mein ohnehin meist holpriger Start in den Tag. Deshalb versuche ich, mir regelmäßig Aktivitäten vorzunehmen, zu denen ich mich schminken kann. Womit wir beim nächsten Punkt angelangt wären:

2. Schöne Sachen machen

Kathi schreibt:
"Mir hilft es, mir in jeder Woche Dinge einzuplanen, die mir Spaß machen und mir so was gutes tun. So kann ich mich dann auf was freuen und das motiviert mich auch mehr, meine täglichen Aufgaben anzugehen."

Sternenkind schreibt:
"Ich versuche die Zeit mit Dingen zu füllen, die ich sonst nie tun konnte. Doch stehe ich vor dem Problem, dass ich viel Zeit, aber kein Geld habe. Sonst würde ich wohl umher reisen und mich mit Leuten treffen, die ich übers Internet kennengelernt habe. Weil das also nicht geht, mache ich Dinge, für die ich sonst keine Zeit hatte: Lesen, Kleidung selbst nähen, bloggen, schreiben, malen. [...] lebe einfach in den Tag, lass dich überraschen und starte von dir aus irgendwelche Aktionen. Und wenn es nur ein Spaziergang irgendwohin ist."

Inspiriert von diesen Kommentaren habe ich mir aufgeschrieben, was ich in den Ferien für schöne Dinge plane. So habe ich zumindest jeden Monat etwas, worauf ich mich freuen kann. Um zu demonstrieren, dass es nicht immer wahnsinnig viel Geld kosten muss, schreibe ich noch dahinter, was ich dafür ausgeben werde.

Juni:
Benefizkonzert X mit S. (5€)
Besuch von meiner Schwester (0€)
CSD-Besuch mit Kommilitonen (0€)
Konzert von Band Y mit Kommilitonen (5€)

Juli:
Semester-Abschluss-Feier (0€)
Freunde in Hannover besuchen (ca. 30€)

August:
Kiwi in Berlin (0€)
Besuch von Schulfreundin Tina (0€)

3. Andere Menschen einbeziehen

Kiwi schreibt:
"Manchen Leuten hilft es auch, wenn sie vielen Freunden und Bekannten von ihren Plänen erzählen, weil dann macht man das gewissermaßen verbindlich. Man will ja vor den anderen nicht total dumm dastehen."

Lovely schreibt:
"Du kannst mir jeden Morgen eine Guten-Morgen-Nachricht schreiben und wenn die um spätestens zehn Uhr nicht da ist, mach ich Terror."

Kiwis Verbindlichkeits-Gedanken stimme ich vollkommen zu. Diese Woche musste in der Uni etwas erledigen, einige Seiten ausdrucken und meine Reflexion für das letzte Modul abgeben. S. bat mich, ihre Reflexion heute mit auszudrucken und abzugeben. Weil ich zusagte, war ich also verpflichtet, wirklich in die Uni zu gehen. Dementsprechend musste ich heute auch früher aufstehen. Hoffentlich ist der Kreis des zwölf Stunden Schlafens nun durchbrochen. Anderenfalls sollte ich auf Lovelys Idee zurückgreifen. Kommunikation, Verabredungen und soziale Kontakte sind gerade in Zeiten, in denen man viel allein ist, nicht zu vergessen. Wer während eines Tiefs jemanden anrufen kann, hat schon eine wichtige Stütze.

4. Keine Chance für Selbstmitleid

Anima schreibt:
"Über manche Löcher kann man nicht springen. [...] Was ich tue: Akzeptieren, dass das Gefühl und das Loch da sind. Mich daran erinnern, dass ich nicht gesund bin. Dass ich vielleicht andere Schwierigkeiten habe, als gesunde Menschen. Dass ich Zeit und Geduld brauche. Dass es okay ist, mal eine Auszeit zu haben"

Ich stimme Animas Aussagen schon teilweise zu, gerade im Hinblick auf die stärker depressiven Menschen unter uns. Dass man nicht gesund ist, kann eine Erklärung dafür sein, dass man Dinge anders oder langsamer angeht als andere. Allerdings sollte die Krankheit keine Entschuldigung dafür sein, jeden Tag den ganzen Tag im Bett zu bleiben und sich gehen zu lassen. Ja, es ist hart, gegen die schwarzen Löcher anzukämpfen. Gerade deshalb ist es notwendig, ab und zu auch mal hart durchzugreifen. Wie oft habe ich mich mit mir selbst gestritten, morgens, einerseits weinend, weil ich nicht aufstehen wollte, andererseits drängend, weil die Zeit nicht auf mich warten würde. Aber ich darf mich nicht der weinenden Stimme überlassen, weil ich ja Depressionen habe und deshalb nicht aufstehen muss. Ausnahmen sind natürlich in Ordnung. Aus dem Loch müssen wir uns trotzem allein heraus ziehen. So wie Eltern ihren Kindern die Bettdecke wegziehen, obwohl sie doch so gerne nur noch fünf Minuten weiterschlafen wollen. Aber es ist viel einfacher, jemand anderem die Decke wegzuziehen, als sich selbst...

Ich hoffe, ihr konntet diesem Beitrag zumindest eine Kleinigkeit abgewinnnen und geht euer persönliches Sommerloch etwas motivierter an.



Kommentare:

  1. Danke für diesen Text. Den Link speichere ich mir für jede Lücke, die mich erwarten wird.

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  2. Wunderbarer Post :-) Ich bin erst jetzt dazu gekommen, ihn zu lesen.
    Ich habe auch ne Menge freie Zeit, habe aber auch schon eine Menge Dinge geplant und versuche, vielleicht noch spontan etwas zu machen mit anderen. Mal schauen.
    LG

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