Montag, 25. Mai 2015

Schubladen im Kopf

Guten Morgen, ihr Lieben.
Ja, ich sage nach 15 Uhr noch guten Morgen. Die letzten zwei Nächte wurde es schon hell, als ich beschloss, zu schlafen. Ich bin wieder da. Vielleicht habt ihr das an meinem letzten nächtlichen Post schon bemerkt. Eigentlich war ich gar nicht richtig weg. In Gedanken bin ich ständig in der Bloggerwelt. Vielleicht hab ich keine Freunde, vielleicht sind sie einfach nur zu weit weg. Gestern habe ich fast drei Stunden lang mit meiner besten Schulfreundin Tina telefoniert. Das hatten wir seit Weihnachten nicht mehr gemacht. Wie die Zeit davonrennt... Wir sprachen über alte Freunde, alte Lehrer, alte Musik. Wir erinnerten uns daran, wie ich ihr zum 13. Geburtstag ein riesengroßes Handy bastelte, weil sie sich so sehr eines wünschte und keines bekam. Darin verpackt war die neueste Christina Stürmer CD. Ich hatte sie auch. Bezahlt mit einem Gutschein, den mir meine Geigenlehrerin zum Geburtstag geschenkt hatte. Es war die erste Musik, die ich mir kaufte. Heimlich, denn eigentlich durfte ich nur klassische Musik hören. (Tina erinnerte mich auch daran, wie ich in der sechsten Klasse einen Vortrag über Vivaldi gehalten hatte, während alle anderen ihre Lieblings-Popstars vorstellten und mich auslachten.) Meine Eltern erlaubten dieses "neumodische Zeugs" nicht. Ich weiß auch noch, wie depressiv ich mit 12 war. Und diese CD trug tatsächlich dazu bei, dass es mir besser ging. Sie war ein erster Schritt Selbstbestimmung. Etwas später, mit 13, durfte ich das Internet benutzen. Und ich fand den Mut, die Dinge zu recherchieren, die meine Eltern für schlecht befanden, um mir eine eigene Meinung zu bilden. Hätte ich das nicht getan, hätte ich den Vorwürfen, Abschaum, Dreck und geisteskrank zu sein, vielleicht nicht standhalten können. Aber dort stand, dass es okay ist, so zu sein wie ich, auch wenn es Menschen gibt, die das immer noch nicht begreifen. Und ich beschloss, den Webseiten mehr zu glauben, als meinen Eltern. Es ist so wichtig, den eigenen Kopf zu benutzen, statt irgendeiner Mehrheit mit irgendeiner Idiotologie hinterherzurennen. Auch wenn es eure Familien, Lehrer oder Freunde sind, dürft ihre eine andere Meinung als sie haben. Ohne die anderen deswegen gleich zu hassen.

Jetzt werde ich am nächsten Samstag schon 21. Und Tina wird in einem Monat 22. Wir sind seit über zehn Jahren befreundet. Wir haben uns verändert und vieles ist jetzt besser. Alle sagen immer, dass alle super tolerant sind. Es gibt so viel mehr als Normal und Anders. Aber es gibt immer noch ein Aber. Dagegen habe ich ja auch gar nichts, ABER... Ich bin wirklich tolerant und alles, ABER...
Aber es gibt immer noch Schubladen, auch wenn die Kommode inzwischen größer geworden ist. Irgendwo macht das ja auch Sinn. Schließlich müssen wir in unserem Kopf sortieren, was uns gut tut und was nicht. Wer hat sich nicht schon einmal Gehirn-Schubladen vorgestellt, in denen all unser Wissen einen Platz findet, an dem es jederzeit abrufbereit ist? Eine für Mathe, eine für Französisch... Ordnung ist wichtig, denn sonst würde man ja nichts wiederfinden. Alles ist in Ordnung, solange es sich definieren lässt. Aber was passiert, wenn eine Socke plötzlich aus ihrer Schublade hüpft? Wenn sie von der Unterwäsche zu den T-Shirts zu den Mützen hüpft? Was ist, wenn die Socke sich mit einem Handschuh zusammen tut und beide zusammen in den Schminkkoffer springen?! Sollst Du Deine Hand dann in eine Socke stecken? Und was sucht Glitzerpuder an den Füßen?
Du bist so in Ordnung wie Du bist. Aber dann sei bitte auch so, wie wir uns das vorstellen. Entsprich den Klischees. Und vor allem: Entscheide Dich für eine von den Schubladen! Wo kämen wir hin, wenn wir Sonne mit Regen mischten?!


Mein linker Fuß klemmt in der untersten Schublade fest, während meine Hände nach oben greifen. Ich kann mich nicht zerreißen. Schon gar nicht, um es jedem recht zu machen. Ich werde niemals richtig sein. Aber ich bin auch nicht falsch. Ich bin für jeden, was er über mich denkt. Aber leben kann ich nur für mich selbst. Und für die Menschen, die ich liebe, weil sie mich lieben, weil ich sie liebe, weil sie so sind wie sie sind und nicht anders.

Nun ist dieser Post in eine ganz andere Richtung geschwommen als geplant. Ich hoffe, ihr findet trotzdem irgendetwas Sinnvolles darin. Und wenn ihr euch angegriffen fühlt, fühlt euch frei...
Ich wünsche euch einen schönen nun fast schon wieder Abend.
Glitzer ♥

Kommentare:

  1. Dann wird eben mal Sonne mit Regen vermischt. Daraus ergibt sich ein wundervoller Regenbogen, oder nicht? Vielleicht sollten wir auch manchmal Dinge einfach vermischen, etwas in Chaos ausbrechen. Um etwas neues zu entdecken. Etwas spanndendes, unerforschtes. Vielleicht ist es das, was wir so dringend brauchen. Vermischung. Etwas neues.
    Mh, seltsame verwirrte Gedanken in meinem Kopf und ich weiß nicht mal, ob das Sinn macht, was ich da schreibe...
    Fühl dich aber umarmt, ja! ♥

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  2. Dein Post mag verwirrend sein, aber mir gefällt er so wie er ist. Für mich kann ich mit deinen Worten schon etwas anfangen :)

    Alles Liebe ♡

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  3. "In Gedanken bin ich ständig in der Bloggerwelt. Vielleicht hab ich keine Freunde, vielleicht sind sie einfach nur zu weit weg." Verständlich, weil tröstlich, aber gefährlich. Wahre Freunde findet man nicht im Netz, weil sich dort alle eine erdachte Identität verpassen. Und so verpassen sie das Leben.

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  4. "Wo kämen wir hin, wenn wir Sonne mit Regen mischten?!"
    Zum schönsten Regenbogen!

    Alles Bunte,
    Greta

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  5. Hey du :)
    du hast so recht, man muss nicht in ein klischee passen um gut zu sein.
    ich poste auch ständig komplett wirres zeug das absolut durcheinander ist, aber ich kann deine worte immer so gut unterordnen :)

    alles liebe aurelie :*

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  6. Das hast du toll geschrieben, ich lieeeebe diese Schubladenvorstellung, ich mochte sie schon als kleines Kind. In der Grundschule hatten wir mal einen kleinen Schrank aus Streichholzschachtel gebastelt. Ich wünschte, ich hätte den hellblauen Pappschachtelschrank noch... :)
    Ich denke wir sind beide fleißig dabei, Schubladen zu öffnen, verändern und entfernen...
    Es freut mich dass du mit Tina über die Zeiten reden und gutes daraus ziehen konntest/kannst.:)

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