Sonntag, 12. April 2015

Veränderungen

Meine Haare sind orange.
Zuerst habe ich einen Haarfarbentferner verwendet, um das schwarz aus meinen Haaren raus zu bekommen. Danach hatte ich auf einmal wieder blonde Haare. Karamellblond. Dann habe ich einen Tag Pause gemacht. Anschließend habe ich eine naturblonde Färbung ohne Ammoniak drüber geklatscht. Und dann die Directions-Farben Mandarin und Apricot. In ihren Dosen sahen die so knallig aus, dass ich fast ein bisschen Angst hatte. Am Ende war es dann ein ganz natürliches rotblond. Damit hatte ich nun nicht gerechnet. Also nochmal das ganze mit längerer Einwirkzeit. Jetzt sehen sie immer noch so ... normal aus. Aber hier drinnen ist es auch nicht mehr ganz so hell und vielleicht leuchten sie ja in der Sonne so, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich hätte wohl ein helleres blond nehmen sollen. Zum Glück ist die Farbe ja bald wieder draußen. Dann kann ich etwas neues ausprobieren. Überstanden haben meine Haare die Prozedur nämlich überraschend gut. Ich hätte aber auch kein Problem damit gehabt, sie ein Stück abzuschneiden. So lange habe ich lange Haare noch nie ausgehalten. Meine Fingernägel sind nun in schwarz und bronze lackiert und ich überlege, was ich morgen anziehe. Vermutlich schwarz. "Women who wear black live colorful lifes."

Meine spektakuläre Haargeschichte interessiert euch vermutlich brennend. So wie im Moment alles, was mit Veränderungen zu tun hat. Das lese ich zumindest überall. Du musst dein Leben ändern. Du musst dein Ändern leben. Verändere deinen Charakter. Seit ich mich geändert habe, bin ich ein ganz neuer Mensch. Ich überlege jetzt, ob ich mit einsteigen soll und ob ich mich auch verändern muss. Dann denke ich an Z. Weil sie eher vom Gegenteil spricht. Sie scheint sich selbst mit all ihren Seltsamkeiten zu akzeptieren. Das klingt jetzt als wäre sie total seltsam, aber sie liest das hier ja hoffentlich niemals. Ich habe seit den jüngsten Ereignissen einen kleinen Verfolgungswahn. Also, zurück zum Wesentlichen: Z spricht immer von Z-normal, wenn sie etwas als normal bezeichnet. Jeder hat eben seine individuelle Definition von normal. Das ist ja auch ganz logisch. Schließlich sieht jeder die Welt mit anderen Augen. Was normal ist, kann man also eigentlich nur subjektiv betrachten. Und wenn subjektiv jeder Mensch normal ist, dann braucht er sich doch nicht zu ändern, oder? Gleichzeitig lese ich aber auch Dinge wie: Du musst lernen, damit zu leben. Du musst das Geschehene akzeptieren. Du wirst immer damit zu kämpfen haben. Das wird sich niemals ändern. Dann frage ich mich, ob ich nicht doch etwas ändern muss, damit alles besser wird. Und wieviel kann ich ändern, ohne dabei selbst verloren zu gehen? Schließlich machen mich auch meine schlechten Eigenschaften aus. Genauso wie die guten. Komplett fehlerfrei zu sein, das ist unmöglich. Das wäre ja auch langweilig. Aber was ist das Ziel von Veränderungen? Fehler beseitigen? Es besser machen? Oder es einfach anders machen? Das muss mir mal bitte jemand erklären. Ich verstehe das nicht immer. Wenn jemand zu mir sagt Du musst dich ändern, dann fühle ich mich angegriffen. Wenn jemand sagt Du bist gut so wie du bist, frage ich, warum ich dann trotzdem so gestört bin und nichts auf die Reihe kriege. Heißt das jetzt, dass ich mich ändern muss oder dass ich gut bin wie ich bin? Oder geht auch beides? Und wenn ja, wie? Ist es eine Frage des richtigen Maßes? Oder der richtigen Veränderung? Und was zur Hölle ist nun wieder richtig? Was bewegt euch dazu, euch zu verändern? Und was dazu, so zu bleiben wie ihr seid?

Ich nehme häufig Veränderungen an meinem Äußeren vor. Als Kind habe ich jede noch so kleine Veränderung gehasst. Irgendwann habe ich mir mal die Haare abgeschnitten und dann habe ich sie lieben gelernt, die Veränderungen. Ich verändere mein Äußeres nicht, weil es mir nicht gefällt, das glaube ich zumindest. Ich möchte nur gerne immer wieder neues ausprobieren. Ich kann in verschiedene Rollen schlüpfen, Gefühle ausdrücken, Kleider machen Leute, so ist das nunmal. Und wenn mir eine Haarfarbe nicht gefällt, dann suche ich mir eine neue aus. Heute trage ich die bunte Blümchen-Hose, morgen bin ich schwarz von Kopf bis Fuß. Aber innere Veränderungen. Die verstehe ich noch nicht. Geht das denn überhaupt? Das Innere so einfach zu verändern? Will ich das überhaupt? Und ist Ändern dasselbe, wie damit umzugehen lernen? Ich bin mir nicht sicher. Ich frage mich, welche Seite mich mehr überzeugt. Habt ihr Argumente für mich? Fürs Ändern? Fürs So Bleiben? Dann bitte her damit! Ich möchte mir eine Meinung bilden.

1 Kommentar:

  1. Dein Text stimmt mich nachdenklich, denn ich denke auch oft darüber nach, was du ansprichst. Natürlich ist normal subjektiv und jeder empfindet etwas anderes als normal; anders ginge es ja nicht. Und im Endeffekt gibt es dann überhaupt ein normal? Eigentlich gibt es dann für jeden ein anderes normal und selbst das ist dann nicht normal, weil jeder etwas anderes als normal findet. Vielleicht gibt es auch gar kein normal oder unnormal. Aber doch, eigentlich schon, denn Normalität misst sich doch an der Masse, oder? Das, was die meisten Menschen machen, tun, wie die meisten Menschen sind?!
    Und ich glaube der Mensch braucht Veränderungen, weil ihm entweder langweilig oder er unzufrieden mit der momentanen Situation ist. Und klar, du kannst deine Haarfarbe verändern, du kannst deinen Kleidungsstil und die Musikrichtung ändern, aber veränderst du dich damit auch? Denn das sind eben nur die äußeren Faktoren. Du bist doch dann immer noch die selbe Person. Mit den selben Gedanken und Ansichten wie vorher. Und ich glaube nicht, dass du dein innerstes auf Knopfdruck verändern kannst. Ich glaube vielmehr, dass man sich mit der Zeit, ohne es zu merken verändert.
    Ich will nicht sagen, verändere dich, aber auch nicht, bleib so wie du bist. Ich will dir einfach sagen, dass du deinen Weg finden musst, mit den Dingen, den äußeren und inneren Umständen, dem Leben zufrieden zu sein. Und du veränderst dich mit der Zeit ganz von alleine. Schau mal zurück - bist du noch die gleiche Lilly wie vor 3 Jahren? Mit den gleichen Gedanken und Ansichten? Du hast dich verändert und ich glaube sogar, ohne, dass du es wirklich gemerkt, bzw. bezweckt und bewirkt hast.
    Ich hoffe einfach, du findest irgendwie irgendwann den richtigen Weg!
    Fühl dich ganz lieb geknuddelt ♥
    deine Lucy

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