Dienstag, 3. März 2015

Verschwommen

Warme Wellen.
Wellige Wogen.
Wogende Worte.
Wiegen sich im Wind.

Ich habe den schlechtbezahlten Texterjob angenommen. Man hat ihn mir noch einmal angeboten, nachdem ich ihn im letzten Jahr nicht weiter verfolgt hatte. Wenn auch nach strengen Vorgaben, so ist es doch Schreiben. Etwas, von dem ich glaube, dass ich es kann. Noch nicht wirklich gut, aber vielleicht irgendwann. Ich hoffe, ich bekomme viele Aufträge. Je schneller ich durch die Schulungszeit komme, desto eher wird das Honorar erhöht. Ich muss mich nur um den Steuerkram kümmern. Aber ich muss nirgendwo anrufen und in keinem Büro sitzen. Natürlich hoffe ich noch, dass ich den anderen Job bekomme, nur scheint das nach zwei Wochen eher unwahrscheinlich. Es waren doch zwei Wochen... Seltsam, wie die Zeit verschwimmt. Arbeit hilft. Sie hilft, die Zeit vergehen zu lassen. Gedankenlos ohne sich an ihr festzuklammern. Meine Lippen sind vom Konzentrieren zerbissen. Eine blöde Angewohnheit. Wohnen werde ich vielleicht bald in einem winzigen Appartement im Erdgeschoss. Mit einem winzigen Bad und einer winzigen Küchenzeile. Schön ist es nicht, aber es wäre meins ganz allein. Vielleicht wird es auch die WG von Robert oder Linda oder Jonas oder Claire... Es ist immer seltsam, sich einen neuen Lebensabschnitt vorzustellen. Neue Schule, neue Wohnung, neuer Job. Man träumt sogar davon und es scheint alles so real. In der achten Klasse hab ich mir das Internatsleben vorgestellt. In der elften das Leben im Heim. In der zweiten elften die erste eigene Wohnung. Und nach dem Abi die Zeit in Berlin. Und wenn man darauf zurückschaut, was man sich alles vorgestellt hat, dann fühlt sich das ganz komisch an. Nostalgische Erinnerungen sind so unangenehm. Manche Zeiten wünscht man sich zurück, bei anderen wird einem übel. Menschen wünsche ich mir zurück. Menschen, bevor sie mich gehasst haben oder ich nicht mehr mit ihnen auskam. Lügen, bevor sie aufgedeckt waren. Momente, bevor sie schädlich wurden. Es waren immer nur ein paar Stunden, die so unfassbar schön waren, zwischen all den depressiven Tagen und Wochen und Monaten. Es war Paris, es waren die Abende auf der Brücke, es war die Zeit mit Sunny. Manchmal denke ich darüber nach, ob ich einen Hauch dieser Momente zurückholen könnte, wenn ich mich bei diesen Menschen melden würde. Wenn ich unsere Sturheit durchbrechen würde. Oder ob ich bloß noch enttäuschter wäre. Manche Menschen gehen. Viele. Alle. So ist das eben. Das Leben. Ja.



1 Kommentar:

  1. Schönes Foto :)

    Ja so ist das leider... Menschen kommen und gehen und nur wenige bleiben dauerhaft in deinem Leben...

    Wie geht es dir momentan?:) freut mich dass du einen Job bekommen hast!

    Alles Liebe <3
    Kathi

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