Samstag, 10. Januar 2015

Am Ende

Nach einem langen, anstrengenden, aber doch sehr eindrücklichen und schönen Drehtag, von dem ich eigentlich berichten wollte, komme ich endlich nach Hause und finde im Briefkasten ein Schreiben, das den Studienkredit betrifft. Drin steht, dass mein Antrag leider abgelehnt werden muss, weil - jetzt kommts - ich laut Studienbescheinigung im dritten Semester bin, in den Antragsunterlagen angeblich aber angegeben habe, im ersten Semester zu sein. Ich hätte nun die Möglichkeit einen neuen Antrag zu stellen.
Ist das zu glauben?! Dreimal habe ich diesen Antrag schon ausgefüllt. Erst hat die von meiner Kundenbetreuerin verschuldete Verzögerung zur Ablehnung geführt, nun ein bürokratischer Fehler. Dabei bin ich davon ausgegangen, dass mit dem neuen Monat alles gut wird. Ich war der festen Überzeugung, endlich wieder genug Geld zum Leben zu haben und vor allem meine Studiengebühr zu bezahlen, mit der ich seit fünf Monaten im Rückstand bin. Wenn ich dazu noch einen Job finden würde, dachte ich, könnte ich damit auch die Schulden bezahlen, die ich inzwischen gemacht habe.
Ist das wirklich mein Fehler? Eine einzige falsche Zahl? Kann ein einziger Tippfehler über viele hundert Euro entscheiden? Wie ich jetzt erfahren muss, ja. Und der entscheidet nicht nur über Geld, er entscheidet über mein Leben. Das mag sich jetzt hochdramatisch anhören. Aber ich halte diese Situation einfach nicht mehr aus. Dieses ständige Versagen. Diese Unfähigkeit, etwas an der Situation zu ändern, weil sie vollständig in der Hand dieser Darlehensgeber liegt. Ich kenne mich nicht aus mit Schulden. Ich weiß nicht, was passiert, wenn ich sie noch länger nicht zurückzahlen kann. Mit dieser Ohnmacht und dieser Unwissenheit bin ich auf dieser Welt und soll mein Leben auf die Reihe kriegen. Und ganz nebenbei soll ich auch noch mit meiner Depression und meiner Angst zurecht kommen, in der Uni gute Noten schreiben, die Schikanen meiner Eltern ertragen, einen Job suchen und meine Zukunft planen. Ich kann das nicht. Ich kann das alles nicht. Niemand kann es mir abnehmen, niemand würde das für mich tun. Und niemand versteht, dass es in meiner Familie niemanden gibt, der mich unterstützen würde. Nein, auch keine Tante, kein Cousin, wirklich nicht, ich hab niemanden, tut mir leid. Nie glaubt mir das jemand. Ich wünschte, ich würde lügen! Aber es ist nicht gelogen, es ist nicht erfunden, ich bin hier und kann nicht mehr aufhören zu heulen, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß. Wenn mein Leben so weiter geht, dann hört der Albtraum nie auf. Ich weiß, dass nur ich selbst dafür verantwortlich bin, wie es weiter geht, aber ich schaff das nicht. Niemand hat mir gesagt, wie man seine Finanzen organisiert oder wie man mit Behörden umgeht. Niemand hat mir angewöhnt, regelmäßig zum Arzt zu gehen. Niemand hat mir beigebracht, den Mund aufzumachen. Ich weiß nie, wie ich mich verhalten soll.
Ich will gar nicht so viel rumjammern, ich will auch kein Miteid, ich will nur wissen, was ich machen soll. Ich will mich verstecken. Irgendwo, wo es keine Bürokratie gibt. Ich will die Zeit um ein paar Stunden zurückdrehen, als ich noch im Wald herumgekraxelt bin, Radcrossfahrer gefilmt und mich über meinen ersten Presseausweis gefreut habe. Ich will nur studieren und lernen, ohne diese ganzen Sorgen. Ich will etwas Sinnvolles machen, statt Fehlern in Kreditanträgen hinterher zu heulen.
Holt mich raus aus dieser Geld-Welt, in der man sich soziale Kontakte leisten können muss!
Ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich schaffs nicht mehr. Ich versuche ja, mich festzuhalten, doch meine Hand greift ins Leere. Ich bin nur eine Nummer und Nummern haben keine Hände. Die fertigt man ab, der Reihe nach. Nummer eins kommt zuerst. Wer Zweiter wird, ist der erste Verlierer. So läuft das nunmal.

(Bitte macht euch keine Sorgen. Alles wird gut...irgendwann...vielleicht.)

Kommentare:

  1. Ach Lillylein :*
    Das Leben ist immer so kompliziert :/ Habe leider auch öfters so Pech wie du. Und es nervt wahnsinnig und macht es einem einfach noch schwieriger mit seinen psychischen Problemen umzugehen :/ Das tut mir echt total leid... ich fürchte, du musst morgen früh wieder aufstehen, aus dem Bettchen kriechen, das Krönchen richten und den Antrag schnellstmöglich nochmal ausfüllen... gibt nicht auf, auch wenn die Welt dich immer wieder ärgert! Du bist nicht blöd und keine Versagerin! Mir passiert sowas auch manchmal :/ Das ist menschlich!
    Ich drück dich :*

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  2. Ach man, Liebes... :( Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll...
    Ich lasse dir mal eine ganz liebe, fette Umarmung da, ja! :*
    Und wenn du dich noch weiter auskotzen musst, du weißt ja bei wem. ♥

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  3. Ich würde jetzt sehr gerne das nächste Taxi nehmen, zu dir fahren und dich einfach mal umarmen. Ich kann nicht verstehen warum du so alleine bist, angeblich keinen hast... Ich finde du bist toll... und... ich kann das einfach nicht verstehen. Ich möchte dich umarmen und dann mit mir mit ziehen. In eine andere Welt. Ohne Sorgen, Probleme oder Geld. In eine Welt zu der ich selber kein Zutritt habe. Aber ich kann's nicht. Egal wie sehr ich es mir wünsche, ich kann nichts gegen diese jetzige Welt tun, in der wir sind und in der wir kämpfen. Das einzige was ich dir schenken kann sind meine Worte, mehr kann ich nicht tun. Ich kann dir viel wünschen, dir sagen wie toll du bist, dich ermutigen, aber ich kann dir nie aus deiner Situation helfen. Ich hoffe einfach für dich, dass alles gut wird, ohne ein vielleicht.
    Effy

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  4. Ah, wirklich fies. Vor solchen Situationen habe ich voll angst und bin daher fast schon geizig, weil ich auch niemanden hätte der mir helfen würde/könnte.
    ich hoffe das klärt sich alles bald und dass du dich nicht komplett wegen dem Geld zerreißen musst.
    LG Iwik

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