Montag, 3. November 2014

Schlafen - Aufstehen - Weitermachen

... wenn es nur so einfach wäre.

 Wenn ich früh aufstehen muss, ist es mir fast unmöglich, ausreichend Schlaf zu finden. Gegen 21 Uhr ziehe ich mich zurück, zünde Kerzen an und nehme meine Lichterkette in Betrieb. Dann trinke ich einen Tee, lese etwas oder schaue mir noch ein paar Videos an. Spätestens um elf mache ich das Licht aus und der Spaß kann beginnen. Wenn die Gedanken zu laut werden, versuche ich sie mit Musik zu übertönen. Null Uhr. In sechs Stunden klingelt der Wecker. Manchmal bin ich schon fast im Traumland versunken und im nächsten Moment sitze ich kerzengerade im Bett, weil es ein Albtraum gewesen ist. Halb eins. Ich schlage auf mein Kissen ein. Ich muss jetzt schlafen. Ich muss! Meine Füße strampeln die Decke weg. Es ist viel zu warm. Fenster auf. Luft, ich brauche Luft! Mir ist kalt. Ich greife nach der Decke und meinen beiden Stofftieren. Draußen fängt jemand an zu singen. Fenster wieder zu. Manchmal schleiche ich in die Küche und esse irgendwas. Dann schaue ich mir so lange Bilder auf Instagram an, bis meine Augen brennen. Wenn ich Glück habe, bin ich gegen zwei Uhr eingeschlafen. Wenn ich großes Glück habe, wache ich erst mit dem Weckerklingeln wieder auf. Am Morgen brauche ich eine ganze Weile, um von Traum zu Wirklichkeit zu finden, und mindestens eine halbe Stunde, bis ich mich aus dem Bett gequält habe. DAS macht es mir so schwer, zur Uni zu gehen.

Die Klausur ist gut gelaufen. Sie war auch wirklich einfach. Der Unterricht dagegen war nervig. Wenn ein Dozent jemanden auf dem Kieker hat, dann meistens mich. Ich weiß gar nicht warum. Ich bin still, unauffällig, vielleicht etwas abwesend. Aber nur weil ich mal nicht aufgepasst habe, bin ich noch lange nicht dumm.
"Was machen Sie eigentlich hier? Wenn Sie so gar nichts wissen, dann können Sie auch gleich zu Hause bleiben! Beteiligen Sie sich am Unterricht!"
Natürlich weiß ich, dass 8 Bit ein verdammtes Byte sind. Aber wenn man vor der ganzen Klasse bloßgestellt wird, hält man doch lieber den Mund, bevor es noch unangenehmer wird. Die schlagfertigen Antworten sind mir wie immer erst hinterher eingefallen.
Dozent:           "Haben jetzt alle einen neuen Ordner erstellt?"
Kommilitone: "Ja man, das dauert doch keine fünf Stunden!"
Dozent:           "Man kann ja nie wissen. Lilly, haben Sie den Ordner schon?"
                        "Natürlich.", zische ich.
                        "Natürlich?!" Dozent zieht die Augenbrauen hoch.

Am Wochenende hab ich den Zauberer wiedergesehen. War klar, dass ich ihm irgendwann begegnen würde. Der Zauberer ist der, der ... im Juli ... ihr wisst schon.
Ein Mädchen aus der Regieklasse hatte mich zu ihrer Party eingeladen. Die war auch wirklich gut und er ist erst gegen Ende erschienen. Leider hat er nicht wie ich so getan, als würden wir uns nicht kennen. Im Gegenteil, er war sogar ziemlich aufdringlich. Ständig hat er sich neben mich gesetzt, versucht, seinen Arm um mich zu legen oder seine Hände an anderen Stellen zu platzieren. Später hat er mir noch eine sehr anzügliche Nachricht geschrieben, für die er sich immerhin am nächsten Tag entschuldigt hat. Keine Sorge, ich habe das Ereignis inzwischen so weit verdrängt, dass es mir trotzdem gut geht. Aber was mich fast noch mehr gestört hat, war der Kommentar: "Stell dich doch nicht so an. Kannst dich ruhig mal von dem Zauberer anmachen lassen." Wie deutlich muss ich eigentlich noch werden? Ich. Will. Das. Nicht. Und ich hab es so satt, von allen immer nur herumgeschubst zu werden!!!

Dabei bin ich so viel mehr als nur ein kleines stilles Mäuschen. Ich hab mehr zu bieten, als meine angeknackste Seele. Ich bin mehr wert, als ein attraktiver Körper je ausdrücken könnte. Das mag egoistisch klingen. Ist mir egal. Aber ich kann ganz anders sein. Manchmal sind die Verbote in meinem Kopf ganz leise. Gerade wenn es mir so gut geht, wie am Wochenende. Dann bin ich wie ein Flummi. Ich hüpfe rum. Ich ecke an. Ich sage, was ich will. Ich lache lauter als die anderen. Ich stelle Fragen. Ich stibitze mir eine von den Salzstangen, die derjenige neben mir in der Hand hält. Ich diskutiere. Ich tanze. Ich umarme meine Freundinnen. Einfach so. Ohne mir vorher hunderttausend Mal zu überlegen, ob das jetzt richtig ist.
Vielleicht hasse ich mich morgen für jedes einzelne Wort, das ich gerade geschrieben habe. Aber irgendwann werde ich vielleicht zurückblicken und denken: Gut, dass ich damals den Mund aufgemacht habe. Ich würde es bereuen, hätte ich für immer geschwiegen.
In diesem Sinne: Weitermachen!



Kommentare:

  1. Danke, das ist sehr lieb von dir (:

    Das mit dem Schlafen klingt ja schlimm. Hast dus schon mal mit Schlaftabletten probiert? Oder mit pflanzlichen Mitteln?
    "Dabei bin ich so viel mehr als nur ein kleines stilles Mäuschen. Ich hab mehr zu bieten, als meine angeknackste Seele. Ich bin mehr wert, als ein attraktiver Körper je ausdrücken könnte." - Mutig, richtig und beeindruckend. Ich hoffe wirklich, dass du dich dafür nicht hassen wirst. Du kannst stolz auf dich sein.
    Liebe Grüße (:

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  2. das mit dem schlafen kenne ich in letzter zeit leider auch wieder. auch wenn es nicht unbedingt albtraum war, der mich geweckt hat..
    ich hoffe, dass das bei dir bald besser wird und du mal richtig schön durchschlafen kannst!
    schön, dass es dir am wochenende so gut gegangen ist und ich hoffe nicht, dass du deine worte bereuen wirst, weil sie klingen einfach nach kraft, lebenswille und noch ganz vielen andere dinge.
    liebe grüsse :*

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  3. Hallo Lilly,

    leider kann ich mich im Punkt Schlafen meinen beiden Vorrednern nur anschließen: Kenne es selbst zu gut und ich bin mir sicher, dass du inzwischen genauso so gut wie alles ausprobiert hast. Muskelentspannung (plus das dazugehörige Training), alle möglichen Tees und pfanzliche Unterstützung, das Bett umgestellt, anderes Bettzeug, Musik/Lichter.... Es ist wohl ein Fass ohne Boden. Es tut mir leid, dass es dir auch so geht - auch wenn dich das sicher nicht besser zum Schlafen bringt. Ein Ex-Therapeut von mir meinte nur immer, dass es kein Wunder sei, dass man schlecht schläft, wenn man so viel mit sich herum schleppt und dies zum Abend noch ziehen lassen kann. =(

    Es ist bewundernswert, diese Worte zu lesen, die du des Weiteren geschrieben hast. Ich hoffe wirklich, dass du sie niemals bereuen wirst, denn du bist niemandens Fußabtreter und du BIST mehr als das, was eine Krankheit bzw. derren Symptome aus dir macht! Du bist ein wundervoller, starker Mensch mit einem Kämpferherz.

    Danke für dein Kommentar auf meinem Blog. Wird schon gut gehen ist eine Formulierung, die ich durchaus auch fehlinterpretiere, wenn ich in schlechter Stimmung bin, aber ich kann gut nachvollziehen, was du meinst. Wird schon gut gehen in dem Sinne, dass der Zahnarzt mir wohl nicht den Unterkiefer abhaken wird. ^_~

    Ich drücke dir die Daumen, dass du heute besser zur Ruhe kommst.
    Liebe Grüße
    Emaschi

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  4. Hey du!

    Och Mensch, sowas kenne ich so gut...genau solche Aktionen haben meine Eltern auch schon gebracht. Ich seh das als reine Schikane an, als eine Demonstration, dass sie nach wie vor Macht haben, man nach wie vor abhängig von ihnen ist, und sei es auch "nur" finanziell; natürlich ist das aber auch schon wichtig genug, wenn man sonst keinerlei Einkomme hat. Und es ist einfach gemein, dass sie dich dann so schikanieren, dir auf die Art zeigen, dass du von ihrem Wohlwollen abhängst, weil du sonst nicht leben könntest alleine.
    Das ist einfach eine scheiße!

    Dass du das mit Weihnachten auch so siehst, finde ich gut. Also einerseits- denn viele Menschen können ja irgendwie nicht verstehen, wie man nicht gern an Weihnachten auf Friede Freude Eierkuchen machen kann.
    Und andererseits ist es so schade...denn eigentlich ist es ja das Fest der Liebe. Aber manche Menschen können sich nicht mal dann auf das besinnen, wo es eigentlich drauf ankommt.
    Weist du denn schon, was du in Berlin alleine machen wirst? Denn dass du auf deine "Familie" unter diesen Bedingungen keine Lust hast, versteh ich mehr als gut!

    Wegen dem "Spam" mach dir mal keine Gedanken :D ich spamme dich ja auch voll^^
    Ich habe an Silvester noch nichts vor, eventuell fahren mein Freund und ich spontan paar Tage nach Hamburg, wenn wir n günstiges Hostel und Busticket bekommen. Oder sowas:)
    Mit der WG feiern oder Leute einladen, das klingt aber auch gut! In Berlin kann man doch sicher super Weihnachten feiern oder?

    Und du bist wirklich kein Fußabtreter, niemand den man nach Belieben herumschubsen kann! Du bist eine starke, kämpferische und liebenswerte Frau, vergiss das nie!
    Und Emaschi hat Recht, du bist mehr als deine Krankheit und das, was sie gelegentlich aus dir macht. Wir sind doch alle mehr, als unsere verschiedenen Diagnosen!
    Vergiss das nie.

    Dass deine Klausur gut gelaufen ist freut mich :) Meine war auch voll in Ordnung:)
    Und danke für deine lieben Wünsche- ich geb mein Bestes!

    Ich schick dir eine Umarmung <3
    Kathi

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