Dienstag, 25. November 2014

Eine Tüte Lebkuchenherzen

Dem nicht besonders erfreulichen Post von gestern möchte ich noch ein paar Worte hinterher schieben. Damit ihr euch nicht etwa Sorgen macht.
Einzugestehen, dass eben nicht alles in Ordnung ist, - und das habe ich gestern - ist doch immer der erste Schritt zur Besserung, nicht? Es ist zwar nichts neues. Trotzdem ist es immer wieder frustrierend, festzustellen, dass man nicht nur eine selbstzerstörerische Methode losgeworden ist, sondern gleichzeitig eine neue entwickelt hat, vielleicht ohne es zu merken. Und wenn es dann noch dieselbe ist, die eigentlich schon seit mehr als drei Jahren als überwunden gilt... Ich meine, was würde ich jemandem sagen, der mich danach fragt?
"Also mit 15 hab ich angefangen, mich zu ritzen, das war zwei Jahre später dann vorbei. Aber mit 16 habe ich angefangen, mir Deo reinzuziehen. Als ich mit 17 dann eine Essstörung entwickelt habe, war das auch vorbei. Erst mit 19 hat das Deo die Essstörung wieder abgelöst. Jetzt rate mal, wo ich inzwischen wieder angekommen bin!"
Es kotzt mich an. Ich will endlich sagen können: Ach das, ja das hab ich alles durch, aber jetzt ist alles in Ordnung! Schöner ferner Traum. Immerhin war ich zwei Jahre und acht Monate in Therapie, hat das denn gar nichts gebracht?

Aber: Gestern hab ich es "ohne" geschafft. Ich bin zwar fast wahnsinnig geworden, aber dann schlafe ich eben nicht, immer noch besser als ... ja.
Heute ist schon mal besser als gestern. Kann natürlich auch am Verdrängungs-Eiszapfen-Modus liegen. Ni hat gerade, als ich nach Hause kam, die Wohnung verlassen. Ich hatte einen Brief in der Hand.
"Ist der für mich?" hat sie gefragt.
"Nein, der ist für mich."
"Boah, scheiße man! Die blöde Scheißbahn. Das ist so gemein!", hat sie gekreischt und dabei mit dem Fuß aufgestampft. Ist ja schon irgendwie süß, wie sie sich benimmt, als wäre sie vier Jahre alt.

Jedenfalls hatte ich dann Zeit, mich ein Stündchen ans Klavier zu setzen. Ich liebe es. Auch wenn damit so viele Erinnerungen verbunden sind. Ich habe angefangen zu spielen, als ich auf das Internat gewechselt bin. In der neunten Klasse. Klavier war Pflichtinstrument in den ersten beiden Jahren. Meine Lehrerin war toll. Ich hab sehr schnell gelernt bei ihr. Fast genauso schnell musste ich aber wieder aufhören. Als ich im Dezember 2010 in die Weihnachtsferien reiste, wusste ich nicht, dass ich nie wieder zurück dürfte. Es war der Tag, an dem ich zum Jugendamt gegangen bin. Damals war ich noch fest davon überzeugt, dass ich später Musik studieren würde. Ja, ich war so naiv zu glauben, dass ich gut genug für die Aufnahmeprüfung werden könnte.^^
Schulwechsel - Wohngruppe - Aus der Traum.
Ich habe mich natürlich längst damit abgefunden. Ein bisschen neidisch bin ich trotzdem, wenn ich die Facebookposts meiner ehemaligen Mitschüler lese, von denen doch einige in die Musikrichtung gegangen sind.


Sie inspiriert mich irgendwie dazu, selbst mal wieder meine Geige in die Hand zu nehmen, die in ihrer Ecke verstaubt. Geigenunterricht hatte ich immerhin elf Jahre lang. Aber das geht leider nicht, selbst wenn niemand da wäre. Das Haus ist hellhörig und meine Nachbarn würden mich wahrscheinlich erwürgen. Ich will es auch wirklich niemandem antun. Außerdem brauche ich eine neue E-Seite, die scheppert und knarzt bloß noch.
Oh, das interessiert euch sicher alles herzlich wenig. Meine Gedanken sind nur gerade etwas abgeschweift. Konzentration ist auch nicht gerade einfach, wenn im Nebenzimmer irgendeine Musik mitgejault wird. Auf wen nehme ich hier eigentlich Rücksicht?!

Um den Bezug zum Titel herzustellen: Vorhin auf dem Weg nach Hause ist mir etwas seltsames passiert: Ich hatte plötzlich irgendwas im Schuh, ich dachte, es wäre ein Stein. Als ich den Schuh dann ausgezogen habe, lag ein 20-Cent-Stück drin. Also, ein 20-Euro-Schein wäre auch nicht verkehrt gewesen.^^ Ich hab dann alles Kleingeld, das ich noch irgendwo gefunden habe, zusammengesucht und gegen 10-Cent-Stücke aus der Tüte mit den Schulden an Ni getauscht. Und dann bin ich in den Laden und habe mir eine Tüte Lebkuchenherzen gekauft. Die hab ich ganz fest an mich gedrückt, damit sie mir ja keiner wegessen kann. Ich glaube, ich hab mich noch nie in meinem Leben so sehr über eine Tüte Lebkuchenherzen gefreut, wie in diesem Moment. Und deshalb schicke ich euch jetzt ganz viele Herzen durch die dunkelgraue Novemberwelt bis vor eure Nase.
Nächste Woche ist ja schon Dezember. Dann decke ich mich erstmal mit einem Jahresvorrat Schokolade und Apfel-Zimt-Tee ein und backe Plätzchen.^^
Seid wunderwarm umarmt, ihr Lieben. ♥♥♥

Kommentare:

  1. Das mit den einen Mechanismen, die die anderen ablösen kenne ich zu gut. Habe aber leider auch kein Mittel dagegen :( (Außer dass, was der ganzen Sache zugrunde liegt, aufarbeiten, aber das ist jz nicht soo einfach).
    Ich hätte dir als Coping-Mechanism Chili-Schokolade vorgeschlagen, die hilft mir immer sehr gut. Alternativ gehen auch chilischoten, die sind glaube ich, günstiger. (Wobei so eine Tafel -hoffentlich- relativ lange hält.)
    Ich hoffe, die Lebkuchenherzen sind super lecker und du kannst sie geniessen :)
    Sam

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  2. Genieße die Lebkuchenherzen, du hast sie dir verdient <3

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  3. Hey,
    ich nenne das "Symptom-PingPong". Wenn das eine besser wird, dann wird das andere schlimmer. Ist schon bescheuert... naja.
    Aw ich finde das so schön mit den Lebkuchen und freu mich mit dir, dass du dich so freust und yeah, da kommt grad ein Herz bei mir an =)
    Liebe Grüße und alles Gute,
    Liv

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  4. Ja, ich kenne das auch, das eine wird besser, dafür kommt dann etwas Neues (oder eben Altes.)
    Da hilft wohl nur, etwas gegen die Ursache zu unternehmen und genau das ist ja das Schwere :/ oder man sucht sich eben "gesündere" Methoden, aber sooft ich das schon versucht habe- es hat nicht funktioniert :D
    Ich mag die Art, wie du schreibst, sehr. Ich lese deinen Blog jetzt schon länger still mit, okay, ich gebe zu, so lange nun auch noch nicht, aber du hast definitiv eine neue Leserin.
    Genieß deine Lebkuchenherzen, liebe Grüße von mir.

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  5. Hallo du,

    danke erst mal für dein virtuelles Lebkuchenherz:-*
    Bin ja schon froh zu hören, dass es bei dir inzwischen wieder etwas besser ist! Bei mir ists heute auch schon wieder was besser gewesen.
    Wegen dem Angebot, gern geschehen :)

    Ich schick dir eine liebe Umarmung zurück♥

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  6. Ach, du schreibst mir aus der Seele (:
    Schon blöd, dass es 'schlimmer und besser' wird ▼.▼
    Hm, na ja, freut mich, dass es etwas besser ist ♥
    Hoffe dir schmecken deine Lebkuchenherzen ^-^
    Effy

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