Sonntag, 12. Oktober 2014

Mir was Gutes tun

Mir geht es nicht so gut.
Morgen geht die Uni wieder los. Ich werde mit seltsamen und zwiegespaltenen Gefühlen hingehen. Einerseits bin ich froh, wieder etwas zu tun zu haben und mit den Menschen dort zusammen zu sein. Andererseits nage ich an meinen Zweifeln.
Freitag Abend war ich wieder mit S. unterwegs. Wir sind in eine kleine gemütliche Bar gegangen und haben über das Studium gesprochen. Sie ist genauso unzufrieden. Ich habe ihr von meinem vorletzten Post und euren Reaktionen erzählt. S. ist zwar in meinem Kurs, studiert aber Moderation und Schauspiel. Wir haben die meisten Module zusammen. Von unserem Studiengang sind 10, von ihrem fünf Leute im Kurs. Dieses Semester haben wir öfter getrennt Unterricht, weil alles ein wenig spezieller wird. S. hat sich in den ersten zwei Jahren nach dem Abitur immer wieder an richtigen Schauspielschulen beworben. Als sie nirgendwo genommen wurde, hat sie sich dann notdürftig für unsere Hochschule beworben. Wie in meinem Studiengang der Journalismus kommt in ihrem das Schauspiel viel zu kurz. Sie bereut ihre Entscheidung trotz allem nicht. Immerhin ist sie inzwischen bei einer Agentur und hat in ein paar Kurzfilmen und einer Internetserie mitgespielt. Sie ist wirklich gut. Wenn sich die Gelegenheit ergeben würde, würde sie an eine staatliche Schauspielschule wechseln. "Lieber zahle ich 11000, wechsele und mache dann genau das, was ich will, als dass ich 22000 zahle, einen nichtssagenden Bachelor habe und dann unglücklich bin.", sagt sie. In ihrem Job ist ein Abschluss allerdings auch nicht so wichtig. Sie weiß eben genau, was sie will. Im Gegensatz zu mir.
Samstag Abend war die Geburtstagsfeier eines Kommilitonen. Das erste Mal nach der langen Zeit haben wir uns alle wiedergesehen, bis auf diejenigen, die sowieso nie auftauchen. Trotz der Grüppchenbildung seit der Trennung von L. und Barbie sind viele gekommen. Sav hat sich die Nase operieren lassen. U. hat sich von ihrer Freundin getrennt. Disney und Barbie geben nächste Woche eine Semester-Beginn-Party in ihrer WG. Soweit die Neuigkeiten. Überraschenderweise sind S. und ich nicht die einzigen, die Zweifel an Uni und Studium entwickelt haben. Vielleicht ist das normal, wenn man so lange Ferien hat. Jedenfalls herrschte eine ziemlich deprimierende Stimmung und ich bin nicht lange geblieben. L. und ich hatten den selben Weg, also haben wir uns unterhalten. Wenn das Geld nicht wäre, würde er abbrechen und Sport studieren, sagt er. Dann könnte er immer noch Sportjournalist werden. Leider ist das Geld. Und L. scheinbar sehr unglücklich:
"An der Uni läuft doch so ziemlich alles schief. Obwohl wir so viel Geld bezahlen, haben wir kein Semesterticket und müssen jeden Monat nochmal 78 Euro ausgeben. Dass wir jederzeit Technik ausleihen dürfen, das ist ja wohl ein Witz. Die Kameras sind nie da, weil die Leute von [einer von der Uni produzierten Sendung] immer Vorrang haben. Weißt du, was der Professor [und Vorstand] zu mir gesagt hat? Wenn ich Sie so anschaue, werden Sie es in der Regelstudienzeit nicht schaffen. Als ob er jemals mit mir gesprochen hätte, ich hasse ihn! Außerdem gehören die Rechte an all unseren Projekten, egal ob privat oder nicht, der Uni. Weil sie mit unseren Ideen Geld scheffeln wollen. Das ist doch der einzige Zweck dieser Veranstaltung. Das Studentenwerben hat ja dann den Vogel abgeschossen! [Wir haben in den Ferien ca. fünf Mails bekommen, in denen jedem, der einen Studenten für die Uni wirbt, ein Ipad oder 500€ versprochen wurden]"
Das Gespräch hat mich im Nachhinein doch etwas runtergezogen. Ich dachte, wenn ich wieder mit den ganzen motivierten Leuten zusammen bin, werde ich schon wieder Spaß am Studium haben und die Zweifel vergehen. Zusätzlich gibt es in der WG Probleme, seit Ni aus Australien zurück ist. Eines der ersten Dinge, die sie zu mir sagte, war:
"Wir müssen eine neue Waschmaschine kaufen. Wegen deiner mussten wir die Küche ja so hässlich umstellen."
"Okay... Ich würde aber ungern viel Geld ausgeben für was, das ich schon habe..."
"Ja, meine Eltern kaufen mir die. Teilen ist doch scheiße. Ich bin schließlich Hauptmieterin und wohne hier zwei Jahre, da muss es schon perfekt aussehen und wenn ihr auszieht, ist es besser, wenn dann alles mir gehört. Du kannst deine ja bei ebay Kleinanzeigen verkaufen."
"..."
"Du kannst sie auch erstmal in den Keller stellen, wenns nicht anders geht." Wie großzügig.
Das nächste sagte sie zu Li:
"Die hässlichen Stühle von Lilly können wir eigentlich auch mal in den Keller stellen."
Die Stühle sehen genauso aus, wie ihre, nur dass sie schwarz sind. Wir verwenden sie auch nur, wenn wir Gäste haben als zusätzliche Sitzgelegenheiten. Dann macht sie jeden Morgen um 10 Uhr laute Musik an, auch wenn sie weiß, dass ich lange unterwegs war. So habe ich teilweise nur drei Stunden schlafen können. Man hört durch die Wand leider jedes Wort und so musste ich notgedrungen hören, wie sie sagte: "Das mit Lilly, ja, das ist so ne Sache..." Und dann Flüstern. Einmal saßen wir in der Küche und sie hat die Uhr gesehen, die Tilla mir zum Geburtstag aus einer Schallplatte gebastelt hatte: "Boah, ist die hässlich. Tu die mal in den Keller."
Vielleicht habe ich eine etwas übertriebene Sicht, aber... Ich kann auch gleich in den Keller ziehen, wenn alles, was mir gehört, so entsetzlich ist!! Aber natürlich in meiner Abwesenheit jederzeit Klavier spielen dürfen wollen. Ich weiß, ich sollte mit ihr reden. Ich hab aber momentan keine Lust dazu. Wenigstens verstehe ich mich weiterhin gut mit Li, auch wenn die beiden jetzt einen auf Beste Freundinnen machen. Mich stört das nicht weiter, weil ich eben meinen Freiraum brauche und gern mal meine Ruhe habe. Doch im Moment fühle ich mich in meiner eigenen Wohnung unerwünscht und das muss ich mir echt nicht geben.
So ist heute alles auf mich hereingestürzt und der Damm, der meine Tränen zurückhalten sollte, gebrochen. Auf der Suche nach weiterem tagebuchähnlichem Kram habe ich Briefe von meinen Eltern gefunden, die auch nicht gerade erfreulich waren. Aber auch die süßen Kinderzeichnungen, die ich während meines Praktikums in der Grundschule geschenkt bekommen habe.
Während ich so depressiv herumgehangen habe, dachte ich mir irgendwann, ich sollte mir etwas Gutes tun, damit ich morgen nicht ganz so unentspannt wirke. Ich habe mich mit einer Tasse Kaffe in mein Bett gekuschelt, die bunte Lichterkette, die um mein Klavier drapiert ist, zum Leuchten gebracht, Kerzen angezündet und höre Chopin. Zumindest versuche ich, etwas zu hören, aber das Internet ist in meinem Zimmer ja so schlecht, dass es ständig stockt, und in der Küche ist es kalt und ungemütlich. Ich versuche trotzdem nicht auszurasten und die Nacht gut zu überstehen. Ich bin zwar müde, werde aber nicht schlafen, denn ich würde es niemals schaffen, morgen früh aufzustehen.
Jetzt werde ich mir noch einen Kaffee kochen und vielleicht etwas lesen oder so.
Eigentlich wollte ich mal wieder Fotos machen, aber mein Handy spinnt und die Qualität von dem Ding lässt ebenfalls zu wünschen übrig.
Ich hoffe, ihr könnt euch heute Abend auch was gutes tun. Bleibt stark. ♥


Kommentare:

  1. Das hört sich ja gar nicht gut an. :( Aber geht es uns allen nicht manchmal so, dass wir daran zweifeln, was wir gerade tun? Ich kenne das jedenfalls ziemlich gut...
    Finde es aber trotzdem toll, dass du es dir gemütlich gemacht hast und ich hoffe, du kannst den Abend noch etwas geniesen! :)
    Liebste Grüße ♥

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  2. Mitbewohner sind ja immer so ne Sache...
    ich bin jemand ich kann echt nur mit ganz wenigen leuten zusammenwohne, weil mir viel ganz schnell auf die Nerven geht.
    Kannst du dein Zimmer vllt abschließen, dann könnte sie auch nicht mehr an dein Klavier...
    Klingt ja superunsympatisch die gute.
    Das mit den Zweifeln kenn ich auch, aber da ich weiß dass es wahrscheinlich nichts gibt mit dem ich 100% zufrieden bin, ignoriere ich es soweit es geht.
    ich wünsch dir einen guten Semesterstart ♥

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  3. Oh, was für eine Überraschung, dich auf meinem Blog zu sehen. :D Es tut mir leid, aber ich find es so cool, wenn da ein neues Fenster aufgeht... :D
    Das ist schön zu hören, hast du denn die Nacht durchgemacht? Wenn ja, solltest du echt bald schlafen gehen, das ist nicht gut, so lang wach zu bleiben...
    Und danke, hoffentlich finde ich irgendwann so einen Menschen.. :)

    Liebe Grüße
    Lucy ♥

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