Mittwoch, 8. Oktober 2014

Irrglaube Traumberuf

Vielleicht hätte ich mich vor einem Jahr für Soziale Arbeit einschreiben sollen. Ich weiß, man verdient einen Scheißdreck in dem Beruf. Aber ich hätte ihn bestimmt gern gemacht.
In der elften Klasse hab ich mal ein Praktikum in einer Grundschule für sozial benachteiligte Kinder gemacht. Die hatten diesen alternativen Unterrichtsstil mit individuellen Aufgaben und so. Ich hätte nur sechs Stunden da sein müssen, bin aber immer bis nachmittags geblieben, wenn die Kinder aus dem Hort abgeholt wurden. Es hat mir Spaß gemacht, Matheaufgaben zu erklären, Essensaufsicht zu sein und mir die angesagtesten Scoubidouflechtvarianten beibringen zu lassen. Die ganze Zeit hingen mir winzige Erstklässlerinnen an den Händen. Ich hab sogar den Störenfried in den Griff bekommen und am Ende wollten sie mich gar nicht wieder gehen lassen.
Als ich mir dann überlegt habe, was ich nach der Schule machen will, kam mir das alles irgendwie zu einfach vor, zu normal. Alle Mädchen in meiner Abschlussklasse wollten Lehrerinnen werden. Ich hab sie mir in zwanzig Jahren vorgestellt, mit geblümtem Kleidchen, Dutt, dicker Brille, und zwei Kindern, die ihrer Mutter jeden Tag im Schulflur begegnen müssen. Nein, das wäre nichts für mich. Nichts für immer. Und was Soziale Arbeit angeht, habe ich im Heim einige frustrierte Vollidioten kennenlernen dürfen, die Spaß daran hatten, frustrierte Jugendliche wie kleine Kinder zu behandeln und sie grundlos mit Ausgangsverbot und zusätzlichem Putzdienst zu bestrafen, statt sie auf das Leben im eigenen Wohnraum vorzubereiten.
Die Beraterin (ich muss mir einen anderen Namen ausdenken) hat mir gestern so eine E-Mail ausgedruckt, in der eine Kinderbetreuung für eine andere Beratungsstelle oder sowas gesucht wird. Zehn Euro die Stunde. Ich hab natürlich sofort abgelehnt. Den Zettel wollte ich trotzdem einstecken, aber sie hat dann ein Stück davon abgerissen, um den neuen Termin aufzuschreiben, und ihn mir nicht wiedergegeben. Ich würde mich sowieso niemals dort melden, aber irgendwie wollte ich diesen Zettel haben, so von wegen jemand würde mir zutrauen, da zu arbeiten.
Es müsste ja nicht unbedingt mit Kindern sein. Nur finde ich beispielsweise die Arbeit der Beraterin wesentlich sinnvoller als das, was ich in meinem Studium mache. Der Studiengang heißt TV-Producer/Journalist. Ich lerne, wie man einen Film  macht. Der journalistische Anteil ist ein Witz. Ganze zwei Wochen in zwei Semestern waren ihm gewidmet. Und mir fehlen auch einfach Inhalte. Klar ist das Studium eher auf Praxis ausgerichtet. Aber wenn ich keine Ahnung von der Welt habe, kann ich auch keinen tiefgründigen Film drehen. Gut, man kann sich das auch alles anlesen. Ich weiß nur nicht, wo ich anfangen soll, wenn ich nicht mal einen kleinen Denkanstoß bekomme.
Ich glaube, der Producer ist nur dazu da, um dafür zu sorgen, dass ein Film möglichst kostengünstig und wenig aufwändig ist und trotzdem möglichst viel Geld in seine Tasche bringt. Toll. Und für wen genau soll dieser Job jetzt gut sein, außer für anzugtragende geldgeile Säcke?!
Im Kurs Personalmanagement haben wir festgestellt, dass die wenigsten von uns wussten, was der Producer eigentlich macht. Das spricht für sich, oder?
Ich ärgere mich einfach nur schwarz darüber, dass ich so dumm und naiv war und mich nicht ausreichend informiert habe. Weil dieses "Studium" aber so verdammt viel Geld kostet, muss ich da wohl jetzt durch und sehen, dass ich mir danach irgendwie meinen Lebensunterhalt verdiene.
Tut mir leid, wenn dieser Post hier nicht so ganz hin passt, aber ich muss einfach mal Dampf ablassen.

Kommentare:

  1. Also ich studiere soziale Arbeit und man hat eine Menge Aussichten danach, man muss ja nicht Betreuer oder Sozialarbeiter werden (und selbst wenn- Geld sollte weniger wichtig als Spaß sein). Man kann danach ja sogar seinen Master in Psychologie machen etc. Es gibt so viele Möglichkeiten.
    Davon mal ganz ab - du kannst doch immer noch wechseln? Du zahlst doch sicher auch pro Semester und nicht auf einen Schlag das ganze Studium, oder? Wenn du wechselst, zahlst du ja offensichtlich sogar weniger. Ich habe vorher auch etwas anderes studiert, 2 Semester lang. Ich kenne viele, die mit ihrem ersten Studiengang nicht zufrieden waren und nochmal gewechselt haben. Das ist keine Schande sondern ein ganz normaler Prozess, um sich selbst und seine Interessen zu finden! Informier dich einfach mal. Lieber du wechselst jetzt, als es dir später ein Leben lang vorzuhalten, dass du damals zu feige warst!
    Auch wenn es für dieses Wintersemester vielleicht zu spät ist - so kannst du es immer noch im nächsten Jahr versuchen. Ich weiß auch nicht wie es bei euch in Berlin mit dem Anfang des Studiums ist, vielleicht kann man da ja sogar im Sommer anfangen (geht hier leider nicht). Falls du dich mal austauschen möchtest oder mehr zum Studiengang erfahren willst, kannst du das hier ja kommentieren oder so (lese regelmäßig deinen Blog).
    Liebe Grüße und Kopf hoch,
    Nessa

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    1. Hey :) Danke für deinen lieben Kommentar. Ich bekomme ja schon immer Angst, wenn ich Anonym lese, wegen der Hater in letzter Zeit :D
      Naja, das Problem ist einfach, dass ich privat studiere und das heißt, ich zahle jeden Monat ziemlich viel Geld, dass ich auch nur durch einen Kredit aufbringen kann. Und wenn man jetzt das Studium abbricht, ist das Geld weg, das was man schon gezahlt hat, auf jeden Fall. Wie genau das geregelt ist, steht in dem Vertrag drin, aber auf jeden Fall wäre es rausgeschmissenes Geld. Deswegen muss ich das wohl echt durchziehen und meine Eltern würden mich sonst auch umbringen. Nicht dass ich auf deren Meinung so viel Wert lege, aber sie würden mich dann finanziell nicht weiter unterstützen... ich weiß nicht, wie das mit dem Unterhalt geregelt ist. Ach, eigentlich ist das ja auch nur so eine Idee, ich meine, in einem Jahr will ich vielleicht wieder was anderes. Da mach ich doch lieber erstmal irgendeinen Abschluss, damit ich was in der Hand habe. Die Uni fängt nächste Woche wieder an und vielleicht ändert das meine Meinung wieder. Ich finde ja meinen ursprünglichen Berufswunsch mit dem Journalismus auch nicht grundsätzlich schlecht, nur das Studium ist nicht das, was ich gewollt habe. Mir hat schon bei der Immatrikulationsfeier ein Dozent gesagt, dass er selber nicht wisse, wieso der Studiengang auch noch Journalist heißt, obwohl das gar nicht das Berufsziel ist und ich hier wohl falsch wäre. -.- Danke jedenfalls, dass du deine Erfahrungen mit mir teilst. :) Ich denke, ich sollte mich mal ein bisschen informieren und nachdenken. Wenn dir das hier zu öffentlich ist, kannst du mir übrigens auch gerne über das Kontaktformular da rechts irgendwo schreiben.
      Liebe Grüße ♥

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  2. Etwas zu studieren und dabei festzustellen, dass der Beruf doch nicht zu einem passt, oder ein anderer Studiengang besser passen würde, passiert sehr vielen anderen Menschen auch. Oft ist es so, dass man anfangs von den Inhalten des Studiums keine genauen, oder andere Vorstellungen und Erwartungen gehabt hat. Das passiert besonders häufig bei "neumodischen Exotenfächern". Wenn man dann nach den ersten Semestern überwiegend negative Seiten des Studiengangs sieht, kommt meistens die Sehnsucht nach etwas anderem. Dann geht man in sein Innerstes und überlegt, was das denn sein könnte, wie bei dir Soziale Arbeit. Aber auch da gibt es gewiss Schattenseiten, wie Mobbing unter Jugendlichen mitzuerleben wenn man mit denen arbeitet und nichts dagegen tun zu können, oder vielleicht die Bezahlung. Leider ist es in unserer Gesellschaft wohl normalerweise so, dass Arbeit wo Gewinnmaximierung im Vordergrund steht (TV-Producer/Journalist) in der Regel besser bezahlt wird, als eine, wo das Wohl des anderen Menschen im Vordergrund steht (Soziale Arbeit).

    Wenn du mit den Prüfungen keine großen Probleme hast und bestehst, das Studium recht kurz ist (Bachelor: 6 Semester), und es verdammt viel Geld kostet (private Hochschule), würde ich an deiner Stelle auch versuchen das durchzuziehen, damit du wenigstens einen Abschluss in der Tasche hast. Ansonsten würde ich möglichst schnell wechseln. Wenn du nach dem Abschluss nichts Entsprechendes findest, kannst du vielleicht immer noch was anderes anfangen. Das gute ist, du bist noch jung.

    Aber wieso soll der Post hier nicht ganz hinpassen? Du hast vor kurzem bei "Ertiefgründet" erwähnt "[…], bin unzufrieden mit meinem Leben und meinem Studium, will vielleicht doch keine Journalistin werden und weiß nicht, was ich jetzt machen soll." Von daher hat sich so ein Post doch schon irgendwie angedeutet. ;)

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    1. Da hast du ja sehr genau gelesen :D
      Ja, du hast schon recht, mit dem Exotenfach und mit der Bezahlung, ich meine, es geht mir echt nicht darum, viel Kohle zu machen. Deswegen kann ich mich auch so gar nicht mit dem Producer identifizieren. Ich wollt halt was machen, was mir Spaß macht, aber irgendwie auch was bewegen. Und wenns nur bei einem Menschen ist, ist das was wert, das weiß ich, weil ich eben auch mit Sozialarbeitern zutun hatte, die mir wirklich weitergeholfen haben. Aber künstlerisch kann man das auch, von daher... Ich werde auf auf jeden Fall hier berichten, wie es weiter geht ;)
      Danke. ♥

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  3. Warum wechselst du nicht? Am Anfang des Studiums ist das noch kein Problem - und du bist jetzt im dritten Semester? Das ist noch nicht zu spät.

    Ich will dich nicht dazu überreden. Für mich klingt es so, als wäre deine Entscheidung, dein jetziges Studium abzulehnen, schon gefallen und du würdest nur noch da bleiben, weil du denkst, dass du nicht mehr wechseln kannst?

    (Und was Berufschancen angeht, stehst du selbst mit sozialer Arbeit hinterher finanziell besser da, wenn du nicht gaaanz viel Glück hast, oder?)

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  4. Ich kenne das Gefühl, dass das 'verschwendete Lebenszeit' ist... Aber das ist es nicht! Hey, es gibt so tolle YouTube Videos und noch besser wenn sie dich z.B. zum Lachen bringen. :D Ist ein Lachen verschwendete Zeit? NIEMALS! Nicht alles im Leben muss immer einen Sinn, einen Zweck, einen Grund haben... :)
    Alles liebe!

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  5. Liebe Lilly, ja die Berufssuche ist gerade Anfang 20 wirklich sehr schwierig und oftmals entwickelt es sich so, dass man gar nicht seinen Traumberuf ausübt aber eine Tätigkeit findet, in der man gut ist, die einem halbwegs Spaß macht und die auch etwas lukrativ ist. Sicherlich ist es toll, wenn man seinen Traumberuf ausüben kann und die Karriere beim Film oder in der Musik ist dafür ja besonders prädestiniert aber die meisten erreichen dieses Ziel leider nicht. Aber du hast dir ja schon eine Alternative überlegt, die meiner oberflächlichen Einschätzung nach (so gut kenne ich dich ja nicht) gut zu dir passen würde und dir vielleicht auch bei der Sinnsuche helfen könnte. Bei Sozialer Arbeit könnte ich mir vorstellen, dass es dir sehr gut tut, wenn von den Menschen etwas zurückkommt, weil du ihnen geholfen hast. Und nimm' den Vorschlag deiner Beraterin ruhig ernst, sie ist doch ein Profi und hat schon erkannt, dass du dich für diese Stelle eignest. Zweifel da nicht an dir und versuche dein Glück, bitte! Alles Liebe - Perfect Shape, (schade, dass das Forum momentan fast tot ist).

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    1. Hallo meine Liebe,
      hoffentlich liest du meine Antwort hier :) Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Und danke, dass du glaubst, Soziale Arbeit würde zu mir passen. Das denke ich irgendwie auch, aber natürlich zweifele ich an meiner Belastbarkeit und all den Dingen, die man können muss. Allerdings geht so ein Studium ja ein paar Jahre lang und bis dahin bin ich vllt viel stabiler. Naja und Film ist definitiv nicht mein Traumberuf, das war er auch nie. Ich wollte schreiben. Aber das kann man neben jedem Beruf machen und sowieso nur aus Erfahrung.
      Das mit dem Forum tut mir leid. Aber ich möchte mich da einfach rausziehen und distanzieren. Ich habe nunmal keine ausgeprägte Essstörung mehr und mir war klar, dass ich mich von dem Forum lösen muss, wenn ich ganz gesund werden will in der HInsicht. Aber das war echt schwer, weil ihr mir alle so ans Herz gewachsen seid. Ich kann das auch irgendwie nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren, weil das Forum auch wenn wir das in eine gesündere Richtung lenken wollten, die ES fördert. Ich dachte halt, bei vier Admins ist es nicht so schlimm, wenn einer geht. Also wenn ihr irgendwen habt, der das Forum weiterführen will, sagt mir bescheid, dann übergeb ich die Rechte und alles.
      Ich hoffe, dir geht es einigermaßen gut?
      Alles Liebe,
      Lilly ♥

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